Mittwoch, August 24, 2005

berlin



Berlin - erst mal viel drüber nachgedacht, gehört, gesehen, gelesen und ich fands einfach zu cool für mich. Das heißt: ich fand es total anziehend schon immer, aber hatte nicht den mum hinzufahren. Alles, Kreuzberg, Hausbesetzer, Szene hätte ich gerne gesehen, als es noch Berlin West und Ost gab, kam aber nie hin. Meine Bibel war eine ganze Zeit lang Christiane F. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Auch die 20er Jahre klangen in meinem Kopf, Salons, mondäne Frauen, Okkultes, Berauschendes.



Einmal war ich ein paar Stunden Mitter der 90er dort, hab noch Erinnerung an eine Frau, die Puppentheater spielte mit Zigeunermusik und einem Raben aus einem alten Regenschirm. Später, nachdem ich aus allen Wolken wieder auf die Erde gefallen war, 1999, besuchte ich meine Freundin "Hopfen", die eigentlich Evelyn heißt. Sie war mit 15 zum ersten Mal allein nach Berlin getramt und lebt nun schon seit den 80er Jahren hier. Die Fotos stammen von meinem zweiten Berlinbesuch 2003 mit meinem Sohn Benjamin.



Lyn zeigte mir Berlin bei Nacht, was ich aufsog wie eine Verdurstende. Bin halt aus dem tiefsten Bayern... und da ists Nachtleben oft grausig. Die richtige Musik und das Ambiente sind mir schon echt wichtig. Sage Club, WMF, Tacheles und was weiß ich noch alles. Ich liebte es, genau so gefällt es mir. Wo ich mich in letzter Zeit wieder so wohl gefühlt habe: im Nektar in München.



Tagsüber die große Überraschung, steht da doch das Ishtar-Tor aus Babylon im Pergamon-Museeum auf der Museumsinsel. Überhaupt: diese Gegend wo die Museen sind, der Dom, der Ost-Berlin-Fernsehturm, zog mich magisch an. Ich gehe oft in fremden Städten einfach los und sehe wo ich hinkomme. Ich kam auf diesen Platz. Später erfuhr ich dann, er war wohl ein alter matriarchaler Kultplatz. So ganz von ungefähr kommt ja auch nicht irgendwo das Ishtar-Tor hin. Überhaupt das Pergamon-Museeum, das beste da: die Keilschriftsteine. Weiblich ohne Ende. Keilschrift ist orginal weibliche Logik. Ein Zeichen kann durch Drehung und Kombination alles heißen.



Noch gut: Kuchen essen im Drehrestaurant des Ost-Berliner Fernsehturms. Lecker.



Mein Traum 1999: nach meiner Umschulung nach Berlin ziehen. Wurde nichts. Ich bin wohl doch einfach ruhiger, obwohl sich Berlin für eine Großstadt langsam anfühlt. Ich merke jetzt auch dass mein Ding nicht so die Kommunikation mit Menschen ist, die direkte, sondern er so ein sondieren und spüren, was leises halt, da ist der Bayerische Wald wohl besser. Will sagen: manche Wünsche kommen nicht wirklich von innen, und der mit Berlin war so einer. Trotzdem: ich mag Berlin. Kann grad eben das Flair spüren und bekomme Sehnsucht...