münchen
Die Pflanzenfotos sind mir momentan langweilig, deswegen hab ich mich entschlossen, diese Woche andere Fotos aus meinem Archiv zu nehmen. Das Thema: Städte. Städte, die ich besuchte.

Jede Stadt ist wie eine Zwiebel mit Millionen von Schichten, was du erlebst und wahrnimmst ist verwoben mit den Menschen, die du in der Stadt kennst, wer du im Moment bist, was du vor hast und wie die Stadt im Moment drauf ist.

Als erstes München. München kenn ich am längesten, war ich am öftesten. Erste dunkle Erinnerungen als Kleinkind. Riesige schwarze Häuser, ein Kaufhaus mit Stoffballen, in dem meine Tante, die Schneiderin war, einkaufte. Der große Busbahnhof, von dem aus wir wieder heim nach Landsham fuhren.

Mit 14 liebte ich diese Stadt. Wollte mit 18 unbedingt sofort eine Wohnung hier. Meine Freundin und ich durften öfter übers Wochenende bei ihrer älteren Schwester bleiben. Das war so richtig cool. Das erste Mal chinesisch Essen, einkaufen im Citta 2000, im Shirokko und im Leopoldmarkt, McDonalds und die neuesten Kinofilme. Das gabs alles zu der Zeit in Kleinstädten noch nicht. Die Ludwigstraße faszinierte mich. Die Leopoldstraße natürlich, die Münchner Freiheit. Die vielen Asien-Läden, die es damals gab. Räucherstäbchen, Tee und Henna. Konzerte in der Olympiahalle. Tränen der Rührung bei Joan Beaz, die einfach mit ihrer Gitarre auf einem Barhocker die ganze Halle beglückte, amüsierte und rührte. Where have all the flowes gone. ... David Bowie, im Publikum unzählige Kopien von ihm als Ziggy Stardust, Aladin Sane. Ich fühlte mich fremd und es war aufregend.

In der Schulzeit, etliche Male, dank toller Kunstlehrer, in Ausstellungen und Museen. Diese Ebene besuchte ich durch alle Zeiten immer wieder. Erst vor kurzem mal wieder die Pinakothek der Moderne.

Die Stadt als Studienplatz, jeden Tag von Chiemsee in die Vorlesungen, meine Begnungen mit dem Feminismus, meine Vorurteile gingen über Bord, es ist auch meine Geschichte, mein Leid, mein Alltag. Lerne über soziale Arbeit. Begegne starken Menschen, bin selber schwach, habe Panikattakten, kann es nüchtern nicht aushalten unter den vielen Leuten. Zerbreche, weil ich so viel weiß, kann und bezutragen habe, aber vor den Menschen so viel Angst. Rutsche ab in die Sucht.

München von ganz anderer Seite, auf der Szene am Bahnhof, vor Asylantenheimen. Schlägereien, Abzocke. Gespräche und das gegenseitige Verstehen, dass Leute haben, die verfolgt werden. Die Arbeit in einem Animierlokal. Meine Freundin, die ich begleitete, wenn sie in ein Apartement zum Anschaffen ging. Gut versorgt. Sie war Domina. Ich lernte über die Abgründe der Männer. Und über meine.

Später, in einem anderen Universum, Besuche bei Zsusa, die Stadt als magischer Raum. Frauenbuchladen, Luisa und Mehlkreise auf Kreuzungen. Das wundervolle Völkerkundemuseeum mit dem schönen Cafe. Verzauberungen beim Obelisken, magische Schichten abtragen, sehen, wandeln.

In letzter Zeit, ganz Business, Tagung, Hotel, Stoiber live. Markwort und die ganzen Chefs aller Fernsehsender. Medientage. Schönheitchirurgie, Bier, Sex und Fußball. Massen von Studentinnen, die Führungsebenen männlich.

Zuletzt eingeladen ein Wochenende im Hilton, Essen im Wirtshaus in der Au, BUGA, Allianz-Stadion und der unvergessliche Abend im Nektar. Erlesenes Essen, Performance, Videoinstallationen, Lieblingsmusik von Zauberflöte live gesungen, bis beste House-Musik, Masseuse, Engel, Zauberer.



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