laub

Ich lese gerade"Die Sprache der Traumzeit" von Luisa. Komischerweise lese ich immer ein Buch von ihr, das sich genau mit den Themen beschäftigt, die mir gerade durch den Kopf gehen. Obwohl, Kunst ist ja eigentlich ein Dauerthema bei mir.

Feministisch rituelle spirituelle Kunst. Wie mir der Feminismus im Blut liegt. Als Mädchen war ich wirklich verzwiefelt, ich wollt einfach niemals so eine geschminkte Tussi werden. Ich fragte mich auch, ob es nicht eine andere Weiblichkeit geben könnte, als die vorgeformte. Völlig frei von Anregungen durch Vordenkerinnen. Ich trug Trainingsanzüge und versuchte es als Junge. Die Frage blieb.

Das zeigt mal wieder, das innere Gefühle richtig sind, und Geduld alles ist. Ich fand was ich suchte.

In der öffentlichen Medienwelt sollte jede auch noch so freche Künsterin gut aussehen. Hübsch halt. Ich habe mal einen Fernsehbericht über feministische Künstlerinnen in New York gesehen. Eine von ihnen fotografierte sich selber über Jahre. Schonungslos bis zu ihrem Krebs-Tod. Sie brach radikal das Tabu der schönen Frau in der Kunst. Sie zeigt sich und das Leben und Sterben. Ein Stück Wirklichkeit. Weiß jemand von euch den Namen? Ich hab ihn leider vergessen. Hab kein gutes Namensgedächtnis.

Ah, ja. Gut, wenn man immer Tagebuch schreibt, habe den Eintrag gefunden, er ist vom 7.3.2003:
Gestern sah ich auf 3sat was über feministische Kunst in Manhattan. War einfach toll...heute hab ich mich über die blödsinnige Zusammenfassung der Sendung auf der 3sat Webseite sehr geärgert. Zitat:"Michael Blackwood hat für seinen Film ältere und jüngere feministische Künstlerinnen befragt. Es entstand eine spannende Debatte über die Sicht, die Frauen von ihrer Rolle in Kunst und Gesellschaft haben. Ängstlich und wütend kämpften die Künstlerinnen in den 60er Jahren um Anerkennung. Ihren Platz im männlich beherrschten Kunstbetrieb suchten sie zumeist über den politischen Protest. Mit Lust artikulieren dagegen die jungen Frauen ihre Forderungen. Der weibliche Körper, der über Jahrhunderte hinweg das Thema männlicher Kunst war, ist für sie jetzt Gegenstand und Mittel künstlerischer Produktion." Was für ein riesen Schmarrn. Klar, Michael hat gefragt, hatte kein Gespür für das. Erste Frechheit: das "ängstlich". So kam mir gewiss keine der interviewten Frauen vor. Die waren alles andere als ängstlich. "Mit Lust artikulieren.." da sah der Mann wohl wieder die nackte Frau. Beispiel: eine Künsterin fotografiert sich ihr ganzes Leben lang nackt, eine wunderschöne Frau. Sie fotografierte ebenso ihren Kampf mit ihrer unheilbaren Krebskrankheit, ihren gezeichneten Körper. Das hat mit dem "weibliche Körper, der über Jahrhunderte hinweg das Thema männlicher Kunst war" überhaupt nicht das allergeringste zu tun. Der weibliche Körper wird für eine Frau niemals "Gegenstand und Mittel künstlerischer Produktion" sein. Sie ist der weibliche Körper. Sie ist Kunst, sie setzt sich mit ihrem Selbstbild künstlerisch auseinander, lustvoll, und ohne Angst vor dem, was als häßlich gilt und vor Krankheit und Alter.

Die Fotos sind vom Samstag, da hatte sich der Nebel aufgelöst und es war wunderbarer Sonnenschein. Wenn ich mir die ganzen Fotos so ansehe, find ich am interessantesten, dass ich eigentlich nur auf 2 Hügeln spazieren gehe. Die Bilder sind immer komplett anders.

Das ist das Schöne am Draußen, der ewige Wandel. Keinen Tag sieht es gleich aus. Und sei es der tägliche Weg zur Arbeit.

Ich freue mich ich liebe die dunkle Zeit, das Kerzenlicht schon um 5 Uhr Nachmittags, das Beschäftigen stundenlang abends. Sammel, sortieren, neues Schaffen. Auf der Couch liegen, faul sein. Keine Sonne lockt mich nach draußen. Höhlenfeeling.

Neue Ideen, weibliches ungeschminkt. Den eigenen Ausdruck, durch die Nebel der Erwartungen und fremden Vorgaben. Was ist da schöner als Wald an einem Novembertag?



4 Kommentare:
liebe ingrid,
das hört sich grad so an als ob es ein minus
wäre,wenn man sich schminkt und sich entsrechend anzieht.nicht nur der trainingsanzug vermittelt wohlbefinden.
ich habe festgestellt(nachdem ich ein lebenlang nur hosen trug)dass kleider
so bequem sind wie nachthemden.
nene so wars überhaupt nicht gemeint. ICH hatte ein Problem mit dem Bild Frau-Schminken. ICH habe mit 14 nur Trainingsanzüge getragen, weil ich kein "niedliches" Mädchen sein wollte. Ich bin auch nicht der Typ. Es geht mir ums Finden einer eigenen weiblichen Identität und nicht das anpassen an Normen. Ich hab auch bequeme Kleider.
Hallo,
ich habe in dem Alter am liebsten die weiten Pullover von meinem Vater getragen. (Freud, ik hör dir trappsen!) Ich weiß auch noch, dass ich mich für meinen wachsenden Busen total geschämt habe, und keiner sollte ihn bemerken. Geh bis heute noch ein bisschen krumm - ist nun schon vierzig Jahre her. Danke für die Baumfotos. Ich selbst hab vor gut drei Wochen ne Erkältung gekriegt, und der Husten will sich einfach nicht verziehen. Wenn ich rausgeh wirds gleich schlimmer. Hab so Sehnsucht nach meinem Wald.
Tschüs Asase
Hallo Ingrid,
die Künstlerin hiess Hannah Wilke.
Gruß,
Sam
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