macht und vertrauen

Ich denke über eine Frage nach, über die schon viele philosophiert und nachgedacht haben. Einige Erlebnisse und Ereignisse der letzten Zeit drängen diese Themen in meinem Kopf. Muss man Menschen helfen? Wenn ja, auf welche Art? Wie weit? Wie komme ich auf diese Fragen?

Meine Reise durch Ägypten. Die Begegnung mit staatlicher Willkür, Armut, Überlebenskampf. Die Aufstände in Frankreich. Haben diese Jugendlichen wirklich keine Chance? Werden ihnen alle Chancen genommen? Von Außen?

Eine liebe Freundin von mir hat große Probleme. Ängste, Sorgen. Ohnmachtsgefühle. Wie viele Hilfe brauch sie? Muss sie selber drauf kommen, dass sie nicht ohnmächtig ist? Macht ein zuviel an Hilfe nicht noch abhängiger und ohnmächtiger? Gibt es falsche und richtige Hilfe? Hilfe zur Selbsthilfe, gibt es Hilfe, die den Ohnmachtsstatus zementiert? Soll ich trösten, unterstützen oder konfrontieren? Von selber? Oder warten, bis jemand auf mich zukommt und um Hilfe bittet?

Ganz von mir aus neige ich dazu, zu warten, bis mich jemand auf konkrete Unterstützung anspricht. Ganz tief empfinde ich die Probleme als begründet im festen Glauben an die eigene Ohnmacht und auch an mangelndem Vertrauen in das Universum, die Göttin oder was auch immer. Das jetzt im Einzelfall, von großen gesellschaftlichen Zusammenhängen wage ich garnicht zu reden.

Obwohl das auch mit dem Glauben an die Ohnmacht zu tun hat. Aber auch mit gezieltem Untermauern dieses Glaubens von Außen. Klein halten, wer an seine Ohnmacht glaubt, ist leicht zu manipulieren. Leicht zu unterdrücken. Das gilt in der Welt draußen und auch in der eigenen Familie, im eigenen Leben.

So schön gewaltloser Widerstand auch ist, manchmal hilft es nicht. Siehe Wackersdorf. Laut Aussagen von Beteiligten war es auch ein großer Teil das Verdienst der Autonomen, die sich gewaltbereit zeigten. Diese Gewalt in Frankreich ruft auch die Präsens von friedlichen Menschen hervor, die auch mit den politischen Zuständen nicht einverstanden sind, aber einen anderen Weg gehen wollen. Wahrscheinlich hilft immer vieles zusammen. Eine Methode allein reicht nicht. Reines Vertrauen und Glaube hilft ja auch nicht, ich muss ja auch handeln, erden.

Mir geht immer diese Grenze im Kopf herum. Wer schränkt wie meine Freiheit ein? Ich oder andere? Wer manipuliert wie? Die großen Konzerne. Was tun die? Die unüberschaubaren großen Konzerne. Siehe Vogelgrippe und Roche.

Wobei jeder Einzelne sich informieren und sich seine eigene Meinung bilden kann. Ich bin nicht gezwungen loszulaufen und mir diese Tamisil-Tabletten zu kaufen.
Ich selber war auch schon so weit unten, dass der Impuls zur Selbsthilfe nicht mehr gegriffen hat. Ich rief nach Hilfe schreiend ständig Freunde und auch Ärzte an. Schrie und weinte. Wimmerte vor meinen Partnern um Untersützung.

Macht konnte mir keiner geben. Die musste ich mir nehmen. Damit die Macht keine rasende, wütende wird, ist die Verwurzelung in der Erde wichtig. Und Vertrauen. Vertrauen getragen zu werden. Es gibt doch die klassische Frage: warum lässt Gott sowas zu. Angesichts von Armut, Krankheit und Leid.

Ist es, weil wir Menschen den "freien Willen" haben? Es ist zynisch, zu sagen, dieses arme, verhungernde Kind tut dies aus freiem Willen. Die Frau, die an Brustkrebs stirbt, tut dies aus freiem Willen. Wie weit ist das Konzept des freien Willens erweiterbar?

"Die großen Konzerne", ist das nicht auch eine Illusion, die sich verselbstständigt hat? Eine Strömung von Energien, die etwas Großes erzeugt hat? Kommen daher die Verschwörungstheorien, die ja unrealistich sind, weil kein Kopf, keine Gruppe Menschen kann soetwas gezielt initialisieren? Aber Absichten, Ziele, Gedanken, Wünsche können sich zu Strömungen zusammenballen.

Der Glaube an die Ohnmacht des eigenen Körpers, der Selbstheilungskraft, der Natur fließt den Pharmakonzernen in den Geldbeutel. Der Glaube an die Ohnmacht, ein selbstständiges Leben führen zu können, zerstört die eigene Integrität, die Kreativität. Die Energie fließt zu Menschen, die sich damit ein bequemes Leben machen können.
Foto: meine Oma und meine Mama. Waren gestern zu Besuch bei mir.



10 Kommentare:
Das verhungernde Kind... die Frau mit Brustkrebs... loslassen muss man können. Die Natur hängt nicht am Individuum und WIR halten es hoch. Das macht los-LASSEN schwer. Mit-LEIDEN scheint das Gebot zu sein.
Wirklich?
Ich habe auch so eine Freundin, bei deren zahlreichen Problemen ich irgendwie ein Störgefühl hatte. Lange.
Eine andere Freundin hat auch Probleme und ist manchmal verzweifelt. Ihr helfe ich und gut.
Schlaflose Nächte machte nur die Erste.
Bis ich erkannte: sie trifft keine Entscheidungen. Und raubt mir stattdessen meine Energie.
Und genau da ist die Grenze. Wenn es mir persönlich an die Substanz zu gehen beginnt, muss ich loslassen.
Denn ich hab' nur dies eine Leben.
Verschwörungstheorien habe ich auch keine. Nur scheint sich ein Teil der Menschheit immer weiter von sich selbst zu entfernen. Und das setzt einen Mechanismus in Gang, der sich auf fatale Art verselbstständigt hat.
"Gesunder Geist in gesundem Körper", daran ist mehr, als man meint.
Der Körper muss das Gefühl haben, geliebt und gebraucht zu werden, dann wird er auch nicht zum Feind, sondern bleibt ein guter Partner für den Geist.
Soweit meine Theorie. ;D
Liebe Ingrid,
nur eine nebensächliche Frage, aber :
Wer der beiden Damen ist denn Deine Mutter und wer Deine Oma ?
Für mich sehen sie total gleich alt aus.
Du hast ja eine schöne gemütliche Wohnung :)
Über die andern, wichtigen Gedanken werde ich mir auch mal meine Gedanken machen ;)
LG Ursel
Hi Ursel: kommt von meinem unscharfen Fotoapperat, obwohl meine Oma irgendwie seit 20 Jahren kaum altert. Im beigen Pulli ist meine Oma, 86 Jahre alt. Meine Mama im gestreiften Pulli 65 Jahre.
Liebste Ingrid,
du muss niemanden helfen. Niemand hilft dir. Du bist dir immer selbst am nächsten. Wer sagt dir dass deine Hilfe eine Hilfe im Sinn von Hilfe ist?
Warum hilft man einem anderen? Weil er/sie denkt das es ihm/ihr schlecht geht. Schlecht ist aber subjektiv. Ist es nicht einfach ein Punkt auf dem Weg?
Was wäre wenn die französischen Jugendlichen positive Initiative ergreifen würden? Ist nicht auch Frankreich reif für Entwicklungshilfe? Sind es nicht wir auch? Hilfe zur Selbsthilfe!
Etwas aufbauen wie unsere Großmütter und Mütter.
Wackersdorf hat nur einen einseitigen Erfolg gebracht. Natürlich wurde dieses Wiederaufbereitungslager nicht gebaut. Aber wurde dadurch das Problem Atommüll gelöst?
Was hilft nun ein gewaltsamer Protest wenn man keinen Lösungsweg parat hat?
Was möchten diese Jugendlichen in Frankreich erreichen? Möchten Sie arbeiten oder einfach nur wohlhabender sein?
Du kannst für deine Freundin da sein, ihr aber den Weg nicht abnehmen. Diesen muss sie selbst gehen.
LG
Anita
Ja gut, ist denn die Lösung des Atommüllproblems Aufgabe der Anwohner um Wackersdorf? Oder der Bevölkerung? Ich habe nie um ein Atomkraftwerk gebeten.
Nein, das Problem der Aufständigen.
Die die damals Gewalt ausgeübt haben. Ich erinnere nur an unseren ehemaligen Bundesaußenminister der sicher in der Lage war etwas zu bewegen.
Auch du nutzt die Vorteile der Atomenergie Tag für Tag ohne darüber nachzudenken, stimmt?
Die Automomen sind ja durch ihre Gewaltbereitschaft ein Teil der Lösung des Atommüllproblems. Durch den Widerstand ist auch politisch erreicht worden, dass die Regierung einen Ausstieg aus der Atomenergie plant.
Zu den Vorteilen der Atomenergie, die ich nutze: das ist die Ohnmacht, von der ich spreche. Der Strom aus meiner Steckdose könnte auch von der Sonne kommen oder aus Windkraft. Der Atomstrom wird mir geliefert, ohne dass ich Mitsprache habe.
Dewegen: Sympatisiere ich mit dem Widerstand. Auch mit gewalttätigem.
liebe ingrid,
das sind sehr gute gedankengänge,die du
heute aufwirfst.passt heute ganz gut,
auch zu mir.glückwunsch zu deinem
guten geschmack bezüglich deiner
wohnung.SEHR SCHÖN.
alles gute e.
Also ich würd sagen, da wo liebe ist, fühlt man sich wohl !und natürlich gibt es jede menge freundinnen, die die reinsten energie vampire sind (ich meine da gibt es ja in jedem fall ne menge von, aber bei der eigenen freundin neige ich zumindest immer zu mehrmaligem sonderbonus und blindheit, was nicht selten zu enttäuschung werden kann......)
das mit den vorstädten in frankreich hm in frankreich gab es auch eine revolution und nicht nur das auch einen generalstreick, den ich toll fand damals, mich aber gefragt habe, ob ich das ausgehalten hätte, in einer stadt wie berlin, keine busse, keine dings, reines chaos... immerhin haben die franzosen 10prozent muslime und 10prozent sind meines wissens notwenig um überhaupt "umwälzprozesse" in gang zu setzen.....
10prozent aktive und vielleicht den rest sympatisanten im Volk oder gar militär......
hm, aber ich weiß immer noch nicht ob das parlament nun schon einen kanzler oder kanzlerin gewählt hat. das erscheint mir seltsam.
keine gute energie die da durch den äther kommt
also mädels, schuhe besohlen und los...hihi aber wer ist schon in balance
liebe grüße bis bald
wahrscheinlich liest schon der Verfassungsschutz mit *grins* - die Leute in Frankreich habe laut Fernseher auch über Weblogs kommuniziert.. haha.
Ich geh heut zum Schuster, Schuh besohlen.
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