Sonntag, November 27, 2005

schnee



Gestern war meine Schwiegertochter und mein Sohn da. Als sie weg war, spürte ich, dass sie irgendwie Kontakt zu Engeln bekommen kann, dass sie Talent dazu hat. So für mich selber finde ich die ganze Engelszene ehr naja, ist nicht mein Ding. Aber bei ihr hab ich die Empfindung, es wäre genau ihrs. Komisch.



Heute nachmittag war Ilona bei mir. Wir hatten wie immer viel zu Lachen und zu Erzählen. Bilder, Erzählungen, Gedanken. Wir springen von einem zum Anderen. So viel.



Ich habe aus meinen Kartenlegungen herausbekommen, dass es Zeit ist, zu vergleichen. Zu vergleichen, was ich früher für Pläne hatte, in der Kindheit und Jugend, und was daraus wurde.



Ich konnte mich natürlich nicht so gut erinnern, habe meine Tagebücher aus der Zeit gelesen. Leider fehlt mein allererstes, da habe ich ganz ausführlich drüber geschrieben, wie ich mir mein Leben als Erwachsene vorstelle.



Anscheinend litt ich sehr in der Pubertät, verstand mich mit meinen Freunden nicht mehr, das mit den Jungs klappte auch nicht, ich fühlte mich ungeliebt. Die Schule war stressig, ich musste ständig lernen und wurde ständig geprüft. Dass mich mein Vater missbrauchte sprach ich in meinem Tagebuch auch nur ganz versteckt an. Es war keine schöne Zeit.



Mir Gedanken darüber zu machen, passt irgendwie in die Winterzeit. Die Stille, das nach Innen gehen, die Bestandsaufnahme. Weitere Kartenlegungen. Eine deutliche Aussage folgte. Die Zustände, die in meiner Familie herrschten, die Übergriffigkeit und die falsche Liebe brachten mich dazu, es als Herrausforderung zu sehen, mein Leben in der Zukunft anders zu gestalten. Meine Zukunftsträume waren nicht Haus, Auto, Karriere. Es ging um Harmonie, wirklich gute Freunde, eine liebevolle Familie.



Dabei kam mir der Gedanke, dass es mir nichts mehr nützt, so oft zu denken, hätte mich mein Vater nicht so geschädigt, wäre aus mir das und das geworden, oder ich hätte nicht so viel Schwierigkeiten mit dem und dem. Oder ich wäre heute ganz woanders, mehr Karriere, mehr Wohlstand. Möglicherweise gehört das einfach zu meinem Leben. So wie es war, so wie es ist. Das ist mein Prüfstein, meine Herausforderung. Wie bei jemand anders, der Gehbindert ist z.B. Das ist keine Entschuldigung für den Täter. Nö. Gewiss nicht. Das wirkt aber auf mich, mein Leben als zusammengehöriges Ganzes zu sehen, nicht als verpfuscht von Anfang an.

6 Kommentare:

Am/um 9:10 AM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe Ingrid

Könntest Du Ilona ganz herzlich von mir grüssen?

Liebe Grüsse aus der Schweiz. Ruth

 
Am/um 1:43 PM , Blogger Ingrid meinte...

Ja gerne. Du hast ja schon vor einiger Zeit mal geschrieben, dass du sie kennst. Hab ich ihr erzählt, sie hat sich sehr gefreut und richtet dir auch ganz liebe Grüße aus!

 
Am/um 3:37 PM , Anonymous margret greenman meinte...

hallo,
hier ist die margret greenman. (www.afroart.de/greenman)
luisa hat auf ihrer seite deine des öfteren erwähnt, zweimal zumindest, und so habe ich auch schön öfter jetzt mal in deinem blog gelesen. mir gefällt das alles sehr gut, die photos, die texte.
ich bin auch eine freundin von luisa, und so knüpft sie ihre netze, oder.
eine schöne lichterzeit noch, margret

 
Am/um 7:19 PM , Blogger Ingrid meinte...

hallo margret, ja die vernetzungsgeschichte ist schön, weil ich auch durch den Blog und die Verbindungen die sich daraus ergeben sehe, wie viele tolle Frauen es gibt, faszinierend. Deine Bilder sind wunderschön. Mir gefällt der Satz: "Als Autodidaktin ist sie frei von akademischen Zwängen und entwickelt eine ursprüngliche und eigenständige Formensprache..." der ist klasse, kann ich den auch verwenden für mich? ;-))

gruß ingrid

 
Am/um 11:30 AM , Anonymous Anonym meinte...

Ich habe auch mal eine Zeit lang gedacht, ach, hätte ich nur eine andere Kindheit gehabt und andere Eltern... aber irgendwann kam die Erkenntnis: wäre meine persönliche Geschichte nicht genau so gelaufen wie sie lief, wäre ich heute nicht die, die ich bin. Und eine andere will ich gar nicht sein.

 
Am/um 4:53 PM , Anonymous Ruth meinte...

Liebe Ingrid

Dankeschön. Nö hattest Du mir nicht ausgerichtet. Das freut mich sehr, dass Ilona sich noch an mich erinnern kann und das sie meine grüsse gefreut haben.

Ein wundervolles Wochenende wünscht Euch allen Ruth

 

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