Mittwoch, August 31, 2005

las palmas



War ich 2004 mit meinem Sohn. Die Reise hab ich von der Arbeit bekommen, war ein Geschenk von einem Reiseveranstalter. Also ganz heftig Bungalows mit All Inklusive in Maspalomas. Das ist ein Touristenort, besteht nur aus Hotels und Geschäften. Der Horror, würde ich von selber nie auf die Idee kommen hinzufahren. Dann hab ich mich ein wenig informiert über die Insel und kam auf die Guanchen. Ein Volk, das die Göttin Tara verehrte, die Ureinwohner der Kanaren.



Die Inseln wurden etwa 1420 von den Spaniern erobert und die meisten Guanchen getötet, die überlebenden Frauen wurden mit den Spaniern verheiratet und zwangschristianisiert. Die Nachfahren dieser Menschen sind nun bestrebt wieder zu Ihren Wurzeln zu finden und das Christentum abzuschütteln.



Einige Leute verdienen Geld, in dem sie Andenken für Touristen herstellen, deren Form und Symbole sie von ihren Vorfahren haben. Total interessant. Las Palmas selber hat die Atmosphäre von Kanonen und den Hauch des alten spanischen Eroberertums. Ganz seltsam.



Es gibt 2 schöne Museen in der Stadt. Eins über die Guanchen und das andere ist das Haus eines Gouvaneurs, in dem Christoph Columbus noch einmal Zwischenstation gemacht hat, bevor er nach Amerika gesegelt ist, weil etwas an seinem Schiff kaputt war, heißt es.



Das Schöne an dem Urlaub war auch, dass ich ihn mit meinem Sohn verbracht habe. Er war da noch solo. Jetzt heiratet er in 2 Wochen und wird Vater. Er bleibt zuhause und kümmert sich um Kind und Haushalt, weil seine Frau mehr Geld verdient. Das ist Klasse. War doch gut, dass ich ihm seit er 12 war nie mehr sein Zimmer aufgeräumt hab. Ich freu mich für ihn.

Montag, August 29, 2005

wieder wald



Am Wochenende war Angelika bei mir. Wir haben uns in Ungehorsam geübt und Brennnesselsamen gestreut. Wir üben unser Leben zu gestalten. Und haben keine Lust mehr gleich immer alles von oben aufgepfropft zu bekommen.



Sogar unsere Spazierwege im Wald werden ungefragt umgebaut. Für viel Geld. Und warum überhaupt? Jn der Bücherei werden Unterschriften gesammelt, weils bald kein Geld mehr gibt. Narrisch.



Das Regionalgeld ist eine gute Sache. Beispiel: der Chiemgauer



Kurz und bündig: wer unter 40000 € im Jahr verdient und keine Hausfrau daheim hat und trotzdem CDU/CSU wählt, hat irgendwas nicht mitgekriegt.



Überraschend ziemlich gut: die Brigitte, die aktuelle Ausgabe. Da steht kurz und einfach beschrieben, was die Parteien für welche Lebensformen (Patchworkfamilie, klassische Familie, Homoehe, Alleinerziehende...) an Programmen zu bieten hat.



Und Mode? Für nicht Schlanke, und dünne Kurzbeinige. Glosse: Paar sucht gemeinsame Hausfrau. Weil auch der moderne Mann einer Karrierefrau nicht wirklich Rückhalt bietet. Tja. Ich wollt schon aufhören diese Zeitung zu lesen, ich wollt aber immer irgendwie wissen, was Frauen so treiben, bzw. wie sie dargestellt werden.



Ist jetzt nicht zu 100% meine Zeitschrift, aber welche ist das schon. Jedenfalls, diese Ausgabe hat mich überrascht, nicht schlecht. Mir ist schon auch klar, dass so eine Zeitschrift eine Gradwanderung machen muss, es geht ja auch um Anzeigenkunden. Wohlbekannter Spagat... Überleben und so.



Also Tipps von Angelika: Bürgeriniziativen gründen, Leserbriefe an die Zeitungen schreiben, immer mit Fragezeichen arbeiten, nie mit Anschuldigungen.



Wichtig: Arsch hochkriegen. Bei mir ist es das Problem. Hab ne große Klappe, aber wenn es dann ans Handeln geht, muss ich schon scharf nachdenken, wie wichtig mit die Sache überhaupt ist (Quatsch/Ausrede).



Aktueller Anlass: Auf dem Geiersberg steht ein Bagger. Zauberteiche einst mit Holunder und Hasel zugewachsen sind nun freigebaggert. Oben liegen Granitsteine. Uns ist unklar warum und wieso und was das werden soll wieviel das kostet und wer wann dazu ja gesagt hat von uns.



Zweiter aktueller Anlass: Hochwasser. Bis auf die Häuser direkt am Ufer kommt ja Deggendorf immer noch gut weg. Was wird aber sein, wenn trotz Widerstand das letzte Stück frei fließender Donau begradigt wird? siehe die Freundinnen der Donau

Donnerstag, August 25, 2005

london



Ein altes Hotel in der Nähe des Britischen Museums sollte mein Ausgangspunkt sein. Ich wollte sehen, was die Briten so in der Welt zusammengeklaut haben. Es gab viel weibliches zu sehen, schön chronologisch und bei den alten Griechen war Schluss mit Lustig, da waren die Frauen auf einmal hübsch und "erotisch". Das ganze furchtbare, dämonische, mächtige war verloren.



Fand einen Hexenbuchladen. Ziemlich Wicca. Ich stehe den sexuellen Riten der Wicca skeptisch gegenüber. Ich rieche so leicht Missbrauch. Und ich sehe nicht ein, warum ich meine Kraft einem Mann offenbaren soll. Aber bitte, wer's mag...



London hat so eine nette Abwechslung aus modern und Winkelgasse. Wirklich apart.



Ich war in der Westminster Abbey, aber nur eine Minute. Konnte die Energie da drinnen nicht ertragen, ich roch förmlich die gepuderten Perücken. Igitt.



Lies mich treiben, kam bei der Tate-Galerie an der Themse raus. War schön. Leider darf dort nicht fotografiert werden.



Sah mir das Harrods an. Mir wurde von den Preisen übel und allem anderen und ich flüchtete mich in den Park. Lief quer durch nach Notting Hill.



Konnte mich entspannen. Mir wurde klar, ich bin kein Stadtmensch.



Die Portobello Road und Notting Hill versöhnten mich wieder etwas. In der Portobello Road beobachtete ich seltsames Voodoo Treiben von Schwarzen. Irgendwas war da im Gange.



Ernährte mich von fertigen Sandwiches, die es überall im Laden gibt. Die Engländer verstehen was von Brotzeit, da können wir uns eine Scheibe abschneiden.



Verließ London nach 5 Tagen mit dem Zug Richtung Pencanze.



Auf der Rückfahrt muss ich noch eine Nacht im Hotel am Flughafen bleiben. Habe Glück, es ist grad Eröffnungsparty, alles frei für die Gäste. Hab mich mit Sushi überfressen. War echt Klasse...

dubai



Bei Dubai muss ich weiter ausholen. Wie ich dahin kam, weiß ich selber nicht. Ganz ungewöhnlich und auch so luxoriös, wie ich es mir eigentlich von meinem Einkommen so nicht leisten könnte. Difusse, rational nicht geklärte Begriffe wie "Zufall" oder "Glück" kommen hier ins Spiel.



Wobei meine Forschungsergebnisse anders liegen. Was sich für jeden manifestiert und verwirklicht, ist weder ein willkürlicher Brei, noch Strafe oder Belohnung einer höheren Macht (außerhalb uns selbst), noch Belohnung oder Strafe die sich jemand in früheren Leben eingehandelt hat. Liebe Zeit, jetzt wirds schwierig zu erklären: unser Selbst ist ja größer als wir es gemeinhin spüren oder annehmen. Und Zeit ist ja bekanntlich nur eine Illusion.



Ein paar Lichtjahre außerhalb der Erde gibt es sie garnicht. Also Fokussieren wir eine bestimmte Realität. Und wie die aussieht, da sind wir viel flexibler, als so landläufig angenommen wird. Wir erschaffen unsere Realität ständig selber, unsere persönliche und die gemeinsame. Es funktioniert wunderbar, nur wissen wir nicht so recht, wie das geht, wir tun es willkürlich und unbewusst. Ohnmächtig halt.



Wies funnzt, lernt man in der Schule ned. Zum Beispiel Magie ist ja so eine Disziplin, in der es eben darum geht, bewusst zu erschaffen. Da ist halt auch nix mit Tinkturen versprüht und Kräuter geräuchert, es sollte schon Hand und Fuß haben. Für mich heißt das, wirklich ganz nach innen zu hören, um nachzuvollziehen wie ich Realität erschaffe und dieses Wissen ins Bewusstsein zu intergrieren.



Ich wollte wirklich mal wissen, wie es in einem islamischen Land zugeht, da ich nicht gewillt bin Propaganda jedweder Art zu glauben und irgendwann hab ich mir mal "Reisen" gewünscht. Also wie es genau geklappt hat, entzieht sich meiner Kenntnis.



Ziemlich wichtig ist ein starkes Selbstwertgefühl und ein Gespür für den Humor des Universums. Sogar wenns Leid verursacht, neigt es sich regelrecht zu uns, um Krusten aufzubrechen und Schritte in andere Existenzen zu ermöglichen.



Die Fahrt von Abu Dhabi nach Dubai war sowas von extra für mich. Der Fahrer fragte uns, was wir für Musik hören wollten. Schnell kamen wir auf Marilyn Manson. Wir hörten die ganze Fahrt Marilyn Manson und ähnliche Sachen. Klingt jetzt total banal, für die Emirate ist das absolut ungewöhnlich.



Das passt da so in die perfekte Gesellschaft, in der jeder was von den Ölmilliarden hat, wie Schnee in die Wüste. Der Fahrer selbst bezeichnete sich als einen von fünf Death-Metall-Fans in den Emiraten überhaupt. Ich musste soo viel lachen.



Also höre ich "Beautiful People" beim Vorbeifahren am Bur el Arab. Des ist richtig bizarr. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich das ganz ganz wahnsinnig liebe, in einem Auto gefahren zu werden und laut ganz schräge Musik zu hören.



Dubai sonst so: war ja in den 50ern ein kleines Fischerdorf und hat sich rausgemacht. War auch in dem kleinen Museum, dass sie haben. Die Tonarbeiten und die Begräbnisriten, vor 5000 Jahren auf der ganzen Welt das Gleiche. Nun gut. Jetzt ham wir überall McDonalds. Und Ikea. Was ja wieder die Theorie bestätigt, dass wir es uns voll einbilden, erst in den letzten 100 Jahren so was wie "Fortschritt" zu haben oder heißt das machen? Des war scho immer so global.



Die Emirate sind so ein richtiges Shopping-Paradies. Elektronik, Klamotten, Schmuck. Was mir da noch so aufging: das ist ja ein Tor zum asiatischen Wirtschaftsraum. Und da geht die Post ab. Ohren anlegen! Oder so weitermachen, wir können ja dann in 50 Jahren Entwicklungshilfe aus Asien beziehen.



Der Islam: ich war ja noch in Abu Dhabi, da schreib ich was, wie ich die Religion empfunden habe, weil Abu Dhabi auch irgendwie traditioneller ist, da wars spürbarer.



Frauen: ich kenne ja sonst kein islamisches Land, und die Emirate sind ja richtig reich. Die Frauen haben Besitz und zeigen das auch. Zwischen Mann und Frau läuft so eine prickelnde Erotik ab, das findet man bei uns überhaupt nicht.



Es duftet und glitzert, verhüllt, fantasiert, respektiert, begehrt. Da gibts keine Nackt-Magazine. Aber nicht weil die da so prüde sind. Weil sie Würde haben und stolz sind.

Mittwoch, August 24, 2005

berlin



Berlin - erst mal viel drüber nachgedacht, gehört, gesehen, gelesen und ich fands einfach zu cool für mich. Das heißt: ich fand es total anziehend schon immer, aber hatte nicht den mum hinzufahren. Alles, Kreuzberg, Hausbesetzer, Szene hätte ich gerne gesehen, als es noch Berlin West und Ost gab, kam aber nie hin. Meine Bibel war eine ganze Zeit lang Christiane F. "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Auch die 20er Jahre klangen in meinem Kopf, Salons, mondäne Frauen, Okkultes, Berauschendes.



Einmal war ich ein paar Stunden Mitter der 90er dort, hab noch Erinnerung an eine Frau, die Puppentheater spielte mit Zigeunermusik und einem Raben aus einem alten Regenschirm. Später, nachdem ich aus allen Wolken wieder auf die Erde gefallen war, 1999, besuchte ich meine Freundin "Hopfen", die eigentlich Evelyn heißt. Sie war mit 15 zum ersten Mal allein nach Berlin getramt und lebt nun schon seit den 80er Jahren hier. Die Fotos stammen von meinem zweiten Berlinbesuch 2003 mit meinem Sohn Benjamin.



Lyn zeigte mir Berlin bei Nacht, was ich aufsog wie eine Verdurstende. Bin halt aus dem tiefsten Bayern... und da ists Nachtleben oft grausig. Die richtige Musik und das Ambiente sind mir schon echt wichtig. Sage Club, WMF, Tacheles und was weiß ich noch alles. Ich liebte es, genau so gefällt es mir. Wo ich mich in letzter Zeit wieder so wohl gefühlt habe: im Nektar in München.



Tagsüber die große Überraschung, steht da doch das Ishtar-Tor aus Babylon im Pergamon-Museeum auf der Museumsinsel. Überhaupt: diese Gegend wo die Museen sind, der Dom, der Ost-Berlin-Fernsehturm, zog mich magisch an. Ich gehe oft in fremden Städten einfach los und sehe wo ich hinkomme. Ich kam auf diesen Platz. Später erfuhr ich dann, er war wohl ein alter matriarchaler Kultplatz. So ganz von ungefähr kommt ja auch nicht irgendwo das Ishtar-Tor hin. Überhaupt das Pergamon-Museeum, das beste da: die Keilschriftsteine. Weiblich ohne Ende. Keilschrift ist orginal weibliche Logik. Ein Zeichen kann durch Drehung und Kombination alles heißen.



Noch gut: Kuchen essen im Drehrestaurant des Ost-Berliner Fernsehturms. Lecker.



Mein Traum 1999: nach meiner Umschulung nach Berlin ziehen. Wurde nichts. Ich bin wohl doch einfach ruhiger, obwohl sich Berlin für eine Großstadt langsam anfühlt. Ich merke jetzt auch dass mein Ding nicht so die Kommunikation mit Menschen ist, die direkte, sondern er so ein sondieren und spüren, was leises halt, da ist der Bayerische Wald wohl besser. Will sagen: manche Wünsche kommen nicht wirklich von innen, und der mit Berlin war so einer. Trotzdem: ich mag Berlin. Kann grad eben das Flair spüren und bekomme Sehnsucht...

Dienstag, August 23, 2005

venedig



erster Besuch in Venedig mit 15 Jahren. Konnte es kaum erwarten, vorher machten wir immer bei meinen Großeltern in Franken Urlaub. Venedig: atemberaubend, faszinierend. Meine Eltern ließen mich alleine gehen.

Habe damals Notizen gemacht, die ich heute noch habe:
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4. August 1978 Freitag 13:17 Uhr

Ich sitzte an der Accademica in Venedig an der Treppe zum deutschen Konsulat. Hier ist ein Katzentreffpunkt. Ich zähle 8 große und 3 kleine Katzen. Fast jeder, der vorbei geht, fasst sie an und streichelt sie. Ich natürlich auch. Es gibt allerdings auch einige blöde Leute, die ihren Kindern schreien, "nicht anfassen" und ganz hektisch weiterlaufen. Gerade machen zwei Freaks Fotos von den Katzen. Auf dem Weg von Markusplatz zur Accademica bin ich auf das Hotel Bauer Grünwald gestoßen (siehe Patricia Highsmith "Venedig kann sehr kalt sein"). Die Katzen leben hier unter einer Holzbrücke, die zum Canale Grande führt. An den Seiten der Brücke sind Stahlgitter angebracht, gerade groß genug, dass Katzen hindurch können. Unter der Brücke riecht es bestialisch nach Fisch. Jemand hat auch eine rote Decke darunter gelegt. Auch eine leere Whiskasdose liegt da. Alle Katzen sind getiegert bis auf eine kleine schwarze und eine große graue. Die Graue hat eine Wunde am linken (oder rechten?) Hinterpfoten. Ich glaube, die 11 Katzen sind ein beliebteres Fotoobjekt als der Markusplatz! Die meisten Katzen haben sich schon verzogen, weil jetzt die Touristen überhand nehmen. Es sind nur noch 4 da. Ich versuche den Platz hier zu beschreiben (von rechts nach links). Rechts ist der Canale Grande - zwei Haltestellen ("Accademica") dann eine Art kleiner Garten mit Gitterstäben umzäunt, die Brücke, eine Mauer mit Zaun hinter der ein großes Haus mit Park ist. Man sieht aber nicht viel davon, am Zaun stehen viele, alte, große Bäume (Kastanien usw.). An der Schmalseite des Platzes steht ein großes, rotes Haus, dahinter eine Kirche. Am Haus sind zwei Straßenschilder: "Cambo S. Vidal" und "Parrocchia di S. Stefano". Neben dem Haus, bzw. hinter mir fließt der "Rio de S. Vidal". Er ist keine 3m breit. Ich kann an ihm entlang sehen, hübsche Wohnhäuser mit vielen Blumen am Fenster. Über den Kanal führen 3 Brücken (am Fuße einer sitze ich) mit schönen eisernen Gittern. An der drübrigen Seite des Rio di S. Vidal sind Wohnhäuser, direkt hinter mir das deutsche Konsulat. Ich vergaß, am Fuße der Brücke steht eine wunderschöne Laterne. Ich gehe weiter in Richtung Markusplatz.



14:26 Uhr

Aus dem Markusplatz ist nichts geworden, ich bin zur Rialtobrücke gegangen. Unterwegs habe ich für Mami zum Geburtstag eine kl. bemalte Glasvase und ein kl. Döschen gekauft. Für Hopfen einen Glassnoopy. Der Platz auf dem ich jetzt bin, heißt Campo S. Polo. Er ist zu groß, als dass ich ihn in allen Einzelheiten beschreiben kann. Hier stehen nur Wohnhäuser und kein Kanal ist in der Nähe. Zwei Schäferhunde spielen. Es ist langweilig, aber doch schön. Ich gehe weiter, um noch ein leeres Buch für mich zu suchen. Holy Fuck.



15:17 Uhr

Ich sitzte in bzw vor einem Cafe am Markusplatz. Ich kann den ganzen Platz überblicken. Links von mir ist der Dogenpalast, daneben der Campagnile. Jetzt scheint die Sonne, heute Vormittag hat es in Strömen geregnet. Der Weg von der Rialtobrücke zum Markusplatz ist in gewisser Art und Weise einfach schrecklich. Man befindet sich in einem Stom von Touristen, meistens Deutsche, und links und rechts nichts als Geschäfte. Übrigens habe ich gerade ein Cola bekommen für 1800 Lire (4,50 DM) ! Scheiße kein Geld !! Venedig muss im Winter herrlich sein, ohne diesen vielen Leute. Ich habe sowieso vor mit Hopfen in 2 Jahren zu Pfingsten nach Venedig zu trampen. Die Stimmung hier: momentan etwas traurig, weil hier eine kleine Kapelle etwas trauriges spielt. Jedes Café hat hier seine eigene Kapelle. Finde ich recht lieb. Sonst würde ich die Stimmung als "klassische Ergriffenheit" beschrieben. Ich meine, die meisten Leute gehen schweigend schauend fotografierend oder ihre Stimmung einem anderen erklärend vorüber. Viele Tauben fliegen fressen und gehen hier. Ich habe es mir nie anderes vorgestellt. Das Cola fängt an, wässrig zu schmecken. Eine Fremdenführerin geht mit einem rosa Staubwedel ihrer Gruppe voran. Ein Mann im Tennisdress mit einem Aktenordner geht vorbei, Tauben streichen im Tiefflug über meinem Kopf hinweg. Die Kapelle fängt wieder an zu spielen. Ein Mann beobachtet mich die ganze Zeit. Ich nehme an, er wundert sich, warum bzw. dass ich soviel schreibe. In 5 Minuten gehe ich zum Hafen. Der Oberkellner sieht sauer aus. Wahrscheinlich, weil so wenig Leute hier sitzen. Die Wissen aber warum. Ich gehe.



16:04 Uhr

Ich sitze am Fuß einer Laterne, das Meer im Rücken, die "Ponte de la Piaga" vor mir. Von der Ponte aus hat man Blick auf die Seufzerbrücke. Gerade sind 4 Leute aus einem Motorboot ausgestiegen, jetzt kämmen sie sich gegeseitig! Äußerst blödsinnig! Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass mich einer von ihnen gerade fotografiert hat. Man dem Gebäude direkt vor mir (Gefängnis: "Riva degli Schiavoni 4201") hängt eine Fahne "L. de Luigi Augusto 1978". Ich schwitzte. Leben möchte ich nicht hier. Durch die vielen Menschen wirkt alles etwas hektisch, obwohl, eigentlich so ein kl. Palozzo wäre nicht zu verachten. Aber nicht für immer. Ich bin mitten in einer Familienphotografiersituation. Seufz. Hier in Venedig wurden mindestens schon
eine Milliarde Fotos gemacht. Mir ist aufgefallen, dass sich viele Italienerinnen zu sehr schminken. Bei dieser Hitze kann ich mir nicht vorstellen, dass Venedig sehr kalt sein kann. Im Hafen liegt ein großes, graues, amerikanisches Kriegsschiff vor Anker. Ich kann es von hier aus nicht sehen, mir ist es nur gerade eingefallen. Ich lese, was ich bisher geschrieben habe. Ich bin fertig mit dem Lesen. Sehr viele Tauben fliegen über mich hinweg. Ein Tauberich balzt gerade. Die Täubinnen kümmern sich aber garnicht darum. Ein Schäferhund mit Maulkorb rennt hier rum. Es ist zu heiß, ich muss in den Schatten!

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Die Fotos sind von 2002, Karneval. Tagesreise mit einem Bus, megabillig nur 38 €. Lernte im Bus eine Bulgarin kennen, mit ihr war ich dann unterwegs. Lies mich treiben, habe gutes Gefühl, man kommt immer irgenwie wieder am Markusplatz oder Canale Grande raus. Wollte unbedingt das Peggy-Guggenheim-Museeum besuchen, hatte die Biografie von Peggy Guggenheim gelesen und vorher schon das Guggenheim in
New York besucht.



Bewundere Ihrem Geschmack, bis auf das, dass sie sich mit ihren Pekinesen hat begraben lassen. Naja, jeder hat so sein...Die Biografie ist wirklich interessant, ohne sie wären eine Menge bekannter Künster gar nicht so bekannt geworden, oder sogar verhungert. Ihre Lieben waren unglücklich, vor allem die zu Max Ernst. Sie nahm in mit in ihre Heimat New York, als sie Europa verlassen mussten, wegen den Nazis. Ja er liebte sie so überhaupt nicht zurück. Er hat ein Bild gemalt, in dem er das ausdrückt, Peggy mit ihren großen Füßen, als grünes Monster (Mistkerl). Ich hab es als Poster im Museumsshop gekauft, es hängt über meinem Bett. Über ihrem hängt ein Mobile von Alexander Calder. Jedenfalls, wer moderne Kunst liebt, wird auf
dieses Museum am Canale Grande voll abfahren. Es ist zum Teil die Wohnung von Peggy, die mit und in Kunst lebte, nicht als Kapitalanlage irgendwo wegschloss.



Beim Verlaufen in Venedig hab ich ein paar wundervoll morbide Ecken gefunden. Klar dass in x Roman Leute in solchen Winkeln ermordet werden. Das Schöne am treiben lassen: ist man von Markusplatz weit genug weg, zahlt man nur noch einen Bruchteil für Espresso und ähnliches. Als ich dort war, Espresso 80 Cent.



Venedig ist eine Stadt, die ich bei Gelegenheit wieder besuchen werde. Vorzugsweise im nebligen November.

Montag, August 22, 2005

münchen

Die Pflanzenfotos sind mir momentan langweilig, deswegen hab ich mich entschlossen, diese Woche andere Fotos aus meinem Archiv zu nehmen. Das Thema: Städte. Städte, die ich besuchte.



Jede Stadt ist wie eine Zwiebel mit Millionen von Schichten, was du erlebst und wahrnimmst ist verwoben mit den Menschen, die du in der Stadt kennst, wer du im Moment bist, was du vor hast und wie die Stadt im Moment drauf ist.



Als erstes München. München kenn ich am längesten, war ich am öftesten. Erste dunkle Erinnerungen als Kleinkind. Riesige schwarze Häuser, ein Kaufhaus mit Stoffballen, in dem meine Tante, die Schneiderin war, einkaufte. Der große Busbahnhof, von dem aus wir wieder heim nach Landsham fuhren.



Mit 14 liebte ich diese Stadt. Wollte mit 18 unbedingt sofort eine Wohnung hier. Meine Freundin und ich durften öfter übers Wochenende bei ihrer älteren Schwester bleiben. Das war so richtig cool. Das erste Mal chinesisch Essen, einkaufen im Citta 2000, im Shirokko und im Leopoldmarkt, McDonalds und die neuesten Kinofilme. Das gabs alles zu der Zeit in Kleinstädten noch nicht. Die Ludwigstraße faszinierte mich. Die Leopoldstraße natürlich, die Münchner Freiheit. Die vielen Asien-Läden, die es damals gab. Räucherstäbchen, Tee und Henna. Konzerte in der Olympiahalle. Tränen der Rührung bei Joan Beaz, die einfach mit ihrer Gitarre auf einem Barhocker die ganze Halle beglückte, amüsierte und rührte. Where have all the flowes gone. ... David Bowie, im Publikum unzählige Kopien von ihm als Ziggy Stardust, Aladin Sane. Ich fühlte mich fremd und es war aufregend.



In der Schulzeit, etliche Male, dank toller Kunstlehrer, in Ausstellungen und Museen. Diese Ebene besuchte ich durch alle Zeiten immer wieder. Erst vor kurzem mal wieder die Pinakothek der Moderne.



Die Stadt als Studienplatz, jeden Tag von Chiemsee in die Vorlesungen, meine Begnungen mit dem Feminismus, meine Vorurteile gingen über Bord, es ist auch meine Geschichte, mein Leid, mein Alltag. Lerne über soziale Arbeit. Begegne starken Menschen, bin selber schwach, habe Panikattakten, kann es nüchtern nicht aushalten unter den vielen Leuten. Zerbreche, weil ich so viel weiß, kann und bezutragen habe, aber vor den Menschen so viel Angst. Rutsche ab in die Sucht.



München von ganz anderer Seite, auf der Szene am Bahnhof, vor Asylantenheimen. Schlägereien, Abzocke. Gespräche und das gegenseitige Verstehen, dass Leute haben, die verfolgt werden. Die Arbeit in einem Animierlokal. Meine Freundin, die ich begleitete, wenn sie in ein Apartement zum Anschaffen ging. Gut versorgt. Sie war Domina. Ich lernte über die Abgründe der Männer. Und über meine.



Später, in einem anderen Universum, Besuche bei Zsusa, die Stadt als magischer Raum. Frauenbuchladen, Luisa und Mehlkreise auf Kreuzungen. Das wundervolle Völkerkundemuseeum mit dem schönen Cafe. Verzauberungen beim Obelisken, magische Schichten abtragen, sehen, wandeln.



In letzter Zeit, ganz Business, Tagung, Hotel, Stoiber live. Markwort und die ganzen Chefs aller Fernsehsender. Medientage. Schönheitchirurgie, Bier, Sex und Fußball. Massen von Studentinnen, die Führungsebenen männlich.



Zuletzt eingeladen ein Wochenende im Hilton, Essen im Wirtshaus in der Au, BUGA, Allianz-Stadion und der unvergessliche Abend im Nektar. Erlesenes Essen, Performance, Videoinstallationen, Lieblingsmusik von Zauberflöte live gesungen, bis beste House-Musik, Masseuse, Engel, Zauberer.

Sonntag, August 21, 2005

oma

heute habe ich erfahren, dass ich Großmutter werde. Kristin ist in der 6. Woche schwanger. Die Freude, die ich empfinde, ist nicht mehr in Worte zu fassen.

Um die Glücksgefühle richtig auszukosten, war ich spazieren und fotografieren.





















Donnerstag, August 18, 2005

alte männer

Ich hab heut mit jemanden aus Köln telefoniert. Der ist extra aus Bayern weggezogen, weil ihn die ständige Präsenz von Ordnungskräften auf die Nerven ging. Aber grad in Köln wird wiedermal jeder Kanaldeckel wegen irgendeinem alten Mann rund um die Uhr bewacht was wieder einen Haufen Kohle kostet.



Die sollen zu Hause bleiben und die Ordnungskräfte, naja, auf Kinder aufpassen, damit die Mütter Geld verdienen können...



Fotos sind vom letzten Oktober in London. Britisches Museeum und Notting Hill.

Mittwoch, August 17, 2005

yoga abend

Um 19 Uhr geh ich in Yoga. Das heißt, ich fahr mit dem Rad bis zum Naturkostladen und geh dann zu Fuß den Berg zu Elke rauf.



Die Arbeit war heut locker. Auf dem Heimweg hab ich noch so einige Fotos gemacht.



Es fühlt sich schon an wie Herbst.







Und nach dem Yoga: ein Cassis-Schoko Eisbecher!

perspektive

Es ist schon mein Ding, ohne einen Mann zu leben. In meinen Beziehungen hatte ich immer immer die Sehnsucht danach, mein eigenes Leben zu haben. Mein eigenes Geld, meine eigene Wohnung. Auch wenn gerade mal gut lief, blieb diese Grundsehnsucht. Das haben wahrscheinlich nicht alle Frauen. Für mich ist es passend.



Deswegen finde ich auch die Aussage dieses Mannes so passend: unkommunikativ und egoistisch. Das bin ich in der Tat wenns um Männer geht. Ich war echt heilfroh als sich die Psychoklammer bei mir löste, um die Burg für jemanden da zu sein. Mag sein, dass es funktioniert, eine gleichwertige Partnerschaft zu haben. Aber die Energie, die es kostet eine solche aufzubauen, steck ich lieber gleich in mein Leben.



Meine Fotos, ja. Viele schreiben, dass sie schön sind. Ich lerne etwas über Leichtigkeit. Das Fotografieren fällt mir leicht.



Ich sehe seltsame Wesen. Ich kann in einen Dialog eintauchen. Es fühlt sich leicht, richtig und gut an.



Das verzaubert natürlich die Hecke, an der ich jeden Tag vorbei gehe.

Dienstag, August 16, 2005

nebel im kopf

In Waldkraiburg hab ich mich den Nebelschwaden hingegeben. Eins ist sicher, ich habe kein Kopfweh. Sonst wars echt seltsam, ich sollte mal meine Wahrnehmung in Bezug auf dort irgendwie nachprüfen. Viele negative Botschaften. Strenge Selbsthypnose.







Bin echt noch ganz durch den Wind. Jedenfalls hab ich einiges zu Fragen, wenn ich mal wieder auf schamanische Reise gehe.



Meiner Mutter gehts wirklich gut und meinem Sohn und seiner Freundin auch. Meine Oma ist nicht so gut beieinander, sie ist jetzt auch schon 86 Jahre alt. Sie ist sehr lieb. Schade, dass sie sich seit immer schon mit negativen Botschaften selber zutextet. Es ist aber irgendwie noch nicht im Allgemeinwissen gelandet, dass man so seine eigene Realität erschafft. Mit Mantras. Und Wiederholungen.



Wie ich sehe, wie Leute wahrliche Meister im "schlecht-reden" sind, warum geht das nicht einfach anders, mit "gut-reden"?

Freitag, August 12, 2005

feiern und wundern

Bin nach Waldkraiburg gefahren, feiere Geburtstag. War schön, Mama, Oma, Benjamin, Kristin. Familie, scherzen und essen.



Das ist mein Sohn mit seiner Frau beim Scherzen. Sie heiraten im September. So gängan die Gang. Sagt man in Bayern.



Im Garten mache ich Jagd auf Schmetterlinge und andere Insekten.





Mama hatte schon eine komische Phase, sagt sie, wegen ihrem 65. Geburtstag. In 5 Jahren ist sie immerhin 70. Und 5 Jahre gehen schnell vorbei. Aber es geht schon wieder, sagt sie.



Abends besuchte ich meinen Mann Heinz, ich lebe von ihm schon seit Jahren getrennt. Er spricht mit seiner Psychologin über mich. Bin seine große Liebe. Sagt er so irgendwie. Was ich mache sieht er als Art Spinnerei, also das Frauen in die 40 zwecks Torchlusspanik sowas machen. Allein und selbstständig leben. Er erzählte mir, dass Günther, meine absolute Beziehungshavarie, also der Mann, mit dem ich noch bis von 3 1/2 Jahren zusammengelebt hatte, gesagt hat, er sei überzeugt, ich sitze einsam in Deggendorf, weil ich ja kommunikationsunfähig und egoistisch bin. Wir besuchten noch einen meiner Ex-Liebhaber, da ich während meiner Ehe sexuell nicht so auf den Punkt kam, hatte ich einige Liebhaber, da fühlte ich mich wie in einer Zeitmaschine. In die Vergangenheit. Er ist zwar in einer neuen Wohnung, da siehts aber noch genauso aus wie von 10 Jahren. Im Fernsehen liefen die besten Werbespotts der Welt. Narrisch echt.



Irgendwie hats mich auf einen anderen Planeten gebeamt. Was Männer anbetrifft. Ich kann nur noch den Kopf schütteln. Was hatte ich denn ja eigentlich jemals verloren? Wenn was verloren, dann hab ich dort garantiert nicht gefunden. Ja mich selber eben. Erst seit ich wirklich ohne Mann lebe habe ich meine gesamte Energie zur Verfügung. Und das ist ein wesentlicher Unterschied zu vorher.



Und über das egoistisch und kommunikationsunfähig könnt ich mich biegen vor Lachen. So sehen sie das, wenn frau ihnen die Aufmerksamkeit enzieht. Irre oder? Sie begreifen uns echt nicht als eigene Wesen. Er so als ne Art Ausbuchtung ihrer selbst. Meine Psychologin wollt mir immer klar machen, dass ich mich nur mit den falschen Männern abgeben hab. Das es da auch andere gibt. Wasn Quatsch. Für sich genommen find ich Männer jetzt auch ned furchtbar, aber ich sehe deutlich, dass für meinen Anspüche ans Leben keine Beziehung in Frage kommt.

Mittwoch, August 10, 2005

tja

Vera schreibt von unserer ersten Begegnung. Es ging um das Beatles White Album und um Mick Jagger. Vor ein paar Monaten hab ich was im Fernsehen über die Stones gesehen. Da wurde mir wieder diese unglaubliche Magie und Ausstrahlung bewusst, die sie hatten. Hatten. Was die Songs heute noch auslösen, klar Erinnerung, ein wahnsinniges Gefühl, magisch. So toll wars aber eigentlich nicht, es ging um Hörigkeit nach hübschen Kerlen und um Drogen. Aber es brizzelte so ganz ungeheuerlich. Im Grunde zogen sie eigentlich nur Frauenenergie.



Morgen früh fahre ich zu meiner Mama, sie hat 65. Geburtstag. Eine sehr sanfte Löwin...



Momentan schwimmt mein Bewusstsein wieder oben auf der Wasseroberfläche. Das geht bei mir zyklisch. Abtauchen, auffliegen, wie eine Haut über einem Pudding liegen. Der Text gestern über das Geld hat auch damit zu tun, das ich manchmal alle Meinungen und Aussagen so irrelevant finde, weil alle einzeln für sich eine Art Splitter der ganzen Wahrheit sind und keine für sich falsch oder allein richtig ist. Dann bekomme ich eine Ahnung von der größeren Wahrheit jenseits aller Worte.



Zusammenhänge mit Worten zu ergründen und zu beschreiben ist wiederum Wirklichkeits schaffend, sie kippen schon das Unsichtbare ins Sichtbare. Ganz besonders unsere inneren Mantras. Komischerweise haben wir oft so negative, "man bin ich blöd" oder "mir gelingt ja eh nie was". Die auszutauschen ist eine lohnende Arbeit.



Obwohl ich das ja auch nicht so sehe, wie in den Eso-Büchern aus Amerika. Dieser Anspruch, finde die richtigen Glaubensätze und du wirst schön, Millionär und hast umgehend eine erfüllte Beziehung. Finde ich Quatsch.



Mir geht es um die Ausdehnung des Moments, nicht um das erreichen wollen irgendeines Idealzustands. Das macht unglücklich, weils doch dann immer irgendwie nicht reicht und ich bin dann auch noch selber schuld, weil ich mein inneres Selbst nicht finde. Den Moment ausdehnen, den Tag genießen oder auch Wut, Angst, Versagen zu leben und wahrzunehmen, was es tut. Wie interessant das alles ist.

Dienstag, August 09, 2005

nochmal geld

Kein Thema, dass ich hier angeschnitten habe, hat so viele Comments bekommen, wie das Thema Geld, interessant.



Fazit: der Umgang mit Geld ist sehr persönlich, und gleichzeitig auch mit dem ganzen Gesellschaftsgewebe verwoben. Habe mich damit auch lange lange beschäftigt. Was dabei rausgekommen ist: bin reich an Wissen, aber mein Konto ist immer noch überzogen.

Montag, August 08, 2005

pluto

Pluto geht in mein 12. Haus. Scheint, ich muss mich etwas von meinem Drang nach absoluter Ästhetik verabschieden. Da pfeift Kali drauf. Samstags war ich mit Ilona im Tierheim, sie ist da öfter. Ich führte einen absolut widerlichen Hund spazieren, er hatte Durchfall, entzundene Augen, war alt, zog so an der Leine, dass er röchelte. Ich kann mich nicht in meiner schönen Welt verstecken.

Heute telefonierte ich mit einer alten Freundin aus Waldkraiburg, weil ich am Donnerstag hinfahre, meine Mama wird 65. Meine Freundin weinte viel, sie ist fix und fertig. Ihre Mutter liegt im Sterben, sie hat Krebs. Meine Freundin ist allein damit, im Krankenhaus hat ja auch keiner Zeit. Sie ist völlig überfordert, der Schmerz, die Belastung überhaupt, sie ist auch alleinerziehend, der Sohn 5 Jahre alt.



Am Wochenene begegnete ich einer Nonne, sie sperrte uns die Kirche mit der Bridget auf, da wir schon so spät dran waren. Ich hab noch nie so einen mitfühlenden Menschen erlebt. Also nicht diese übertriebene Anteilnahme und diese Aufopferei. Sie war ganz ruhig in sich selbst zentriert. Sie wusste um Leid, Not und Verbrechen in der Welt, ihr Kommentar "solche Dinge passieren" und ihre Antwort eine strahlende,
mitfühlende Wärme.

Sie arbeit mit dementen alten Menschen, früher arbeite sie im Kinderheim. Und der Opferstock wurde kürzlich aufgebrochen. Es ist also nicht so, dass sie vor lauter Weltfremdheit so naiv liebevoll ist. Ganz anders.

andere

Gestern letzter Tag mit Vera. Wir waren auf dem Natternberg. Das war garnicht so einfach, bei unserem ersten Versuch hagelte es. Jedenfalls waren wir so unterwegs, dass es immer in Strömen regnete, wenn wir einen Fuß nach drausen setzten.





Vera hat auch einen Blog, tolle Texte. Ich mag sehr, wie sie schreibt, sie hat auch eine Menge Erfahrung damit, sie schreibt für Zeitungen und das schon seit der Schulzeit.

hier Veras Blog



Noch zwei Blogs, von Frauen, die mir ab und zu Comments schreiben. Ursel, rasend interessant, sie ist nach Brasilien ausgewandert und erzählt von ihrem Alltag dort.

hier Ursels Blog

Atreja, Hexenleben:

hier Atrejas Blog

Samstag, August 06, 2005

wald

War mit Vera und Ilona im Zauberwald.



















Danach waren wir noch in Preying in der Kirche der St. Brigida. Also wirklich die vorchristliche, irische Bridget. Mitten im Bayerischen Wald. Manchmal möcht mans doch echt nimmer glauben. Siehe: Heide Göttner Abendroth/Kurt Derungs (hg.) Mythologische Landschaft Deutschland.





Es war ein wundervoller Samstag!

Freitag, August 05, 2005

erst mal



Ja, erst mal: alle Frauen, die mir comments geschrieben haben oder auch eine E-Mail sind so toll, ich bin ganz fasziniert. Danke fürs Mitmachen! Weil: dieses Blog hab ich ja einfach so angefangen und den Link Luisa geschickt, damit sie auch mal was zu lesen hat ;-)) und sie hat den Link veröffentlicht. Jetzt muss ich sagen, es macht einfach so viel Spaß zu schreiben und Fotos zu machen, weil ich weiß, dass jeden Tag ca. 100 LeserInnen mein Blog anschauen.

Die Fotos sind alle von gestern, von meinem Weg in die Arbeit. Ich habe etwa 7 Minuten zu Fuß.



Heute kommt Vera zu Besuch, ich freu mich schon. Ich mag ja alle Frauen, die ich so die letzten Jahre kennen gelernt habe, aber wie Vera jemanden schon mehr als 20 Jahre zu kennen, ist was ganz besonderes. Eine unvergleichliche Vertrautheit.





Donnerstag, August 04, 2005

beraterinnen

Mache interessante Erfahrungen mit meinem Freisstilschamanismus. Das bringt so ganz andere Sichtweisen, als mein Psychoanalyse-Weg (5 Semester Soz-Päd *seufz*). Wird auch Zeit. Ich geh mir schon selber auf den Senkel damit, dass ich dauernd andere Leute analysier und immer alles besser weiß. Und auch immer sofort weiß, wo es bei ihnen herkommt, das "Problem". Weil: das zählt überhaupt garnicht. Was andere für ein Problem haben. Das kann ich ja garnicht wissen. Auch mit 100 Semestern ned.



Geht mich auch garnichts an. Oder Selbstanalyse. Auch so zäh. In der Trance Beraterinnen aufsuchen und Fragen stellen ist viel hilfreicher. Diese Psychosache funktioniert ja nach einem ziemlich begrenzem Schema, die Beraterinnen haben Zugang zu allumfassender Info. Und sind garantiert nicht fremdbestimmt. Es ist ja meine innere Welt. Ist mir ja auch mit meiner Psychologin passiert. Sie war schon teilweise hilfreich, aber sie ist ja auch nur ein Mensch und sieht mich durch ihre Augen. Was mir eben einfach nicht in allen Belangen gerecht wird.

mein Fenster vom Bett aus


Gestern war ich müd und schon um halb 10 im Bett, konnte aber nicht einschlafen. Ich hab mich schon seit gestern Abend in miese Gefühle gegenüber einer Freundin reingesteigert und fand nicht mehr raus. Deswegen hab ich dann eben die Beraterinnen aufgesucht. Das Ergebnis war äußerst interessant. Um diese Freundin ging es überhaupt garnicht. Es ging nur um mich. Erst meinte ich schon, sie hat sich falsch verhalten. Nönö. Es ist ganz meins. Der Wesensanteil der andere kritisiert ist der, der eigentlich mich unterstützen sollte, wenn ich mich wirklich aktiv druchsetzten müsste. Also, wenn ich zum Beispiel zum Chef oder so jemanden muss und was durchsetzten, meine Interessen vertreten, krieg ich voll die Panikattacken. Ich kann zwar grad noch hingehen, bin aber völlig kraftlos. Und die gleiche Energie verzerrt kritisiert lieblos andere. Ich sah diesen Wesensanteil rot wütend und festgekettet auf einem Thron sitzen. Meine Beraterin verwandelte mich in eine Löwin. Mit riesigen Krallen und einem großen Herzen. Danach weinte ich erst mal und dann ging es mir besser und ich schlief ein.

Mittwoch, August 03, 2005

es steht an

Bei mir hat sich einiges bewegt in letzter Zeit. So stehen auch einige klärende Gespräche mit Freundinnen an. Mich neu bestimmen, die Beziehungen neu klären. Macht mir Angst. War schon immer ein Angstpunkt. Meine Grenze ziehen, mich bestimmen. Saturn durch Löwe ist schon interessant, aber Hekate fordert Präsenz und Stellungnahme.

Dienstag, August 02, 2005

nicht einfach

Ich merke, es ist nicht einfach mit Schreiben das auszusagen, was ich auch wirklich meine. Wie ich das so hingeschrieben habe, Frauen handeln ihre Erzeugnisse untereinander. Eine schöne Vorstellung, die ja so auch schon funktioniert, da hat Karin recht (siehe ihr Comment gestern). Blos ich sehe es nicht so romantisch. Klar kann ich meine Sachen unter Frauen handeln. Ich kenne aber sehr wenig Frauen, die auch davon wirklich leben können. Oder bin ich nicht in den richtigen Kreisen? Erzählt mir mal! So nebenbei, für ein zusätzliches Taschengeld eigene Waren verkaufen, no Problem. Die mehreren Frauen, die ich kenne, haben Jobs und/oder Ehemänner. Oder sind in Rente, die sie sich sauer verdient haben.

Dann: die "wirkliche" Finanzwelt. Die Großen, die die Millionen schieben. Minderwertige Waren und Inhalte so lange bunt mit Ideologien aufblasen, bis wir kaufen. An der Herstellung dieser Waren gehen in anderen Ländern Menschen zu Grunde. Und keinen störts jeder kaufts. Und das Geld kreist nicht mal mehr. Weil die einen Mehrwert erzeugt haben, den sie nach oben absaugen. Und wir? Verkaufen uns gegenseitig mal ein paar selbstgestrickte Socken für ein paar Euro. Die anderen haben in der Zwischenzeit unsere Träume zu ihrem Gold gesponnen.

arbeit


Wir sind doch doof, oder nicht? Jede kämpft so für sich alleine. Wir haben kaum Struktur, kein "Vertriebsnetz". Ich würde jetzt nie blind patriarchale Marketingregeln übernehmen. Aber blöd sind die ja auch nicht, man kann diese Regeln ja anpassen. Andernfalls sind wir so blöd und verhungern vor lauter Geld-und-Macht-ist-böse-Ideologie. Macht ist auch für sich selbst sorgen können. Momentan hats jede Frau irre schwer sich da raus zu winden. Verlässt du deinen Mann, buckelst du als nächstes für irgendeinen Chef. Weil noch kein Netz da ist, das eine Frauengesellschaft erschaffen hat. Das Patriarchat ist auch nicht von Heut auf Morgen so mächtig geworden. Das ging schon über Generationen. Wir sind noch lauter Einzelkämpferinnen. Ich persönlich verdiene zwar mein eigenes Geld, aber sponsore mit meiner Arbeitskraft andere Leute, die mich eigentlich nichts angehen, die an mir verdienen.

holz und stein am schreibtisch


Haben ein paar Frauen eine gute Idee, bauen sich ein Geschäft auf, z.B. Frauenbuchladen, Verlag, Frauenhotel oder ähnliches kämpfen sie permanent gegen den Ruin. Ich hab da jetzt auch nicht die einfache Lösung, aber einen Workshop "Synthese matricharchale Kultur und moderner Wohlstand für alle" zu machen hatte ich schon Lust. Aber irgendwie glaub ich der Workshop hat schon lange angefangen...dieser ganze Wahnsinn, der ständig passiert ist doch auch ein Ausdruck dafür, dass ein arm-reich stark-schwach herrscher-untertanen System in sich nur mit Gewalt zusammengehalten werden kann, weil es nicht natürlich von selber hält.

marketing

War mittags am Bogenbach. Mache mir Gedanken über Produktvermarktung. Ich bin ja Mediengestalterin für Print und Digitalmedien, und in meinem Job jetzt habe ich auch sehr viel mit Marketing und Werbung im Internet zu tun, vor allem Affiliate-Marketing.



Wenn ich dann so mit Frauen unterwegs bin, fällt mir immer das gleiche auf: alle können so viel, sind so kreativ. Aber das Management, die Vertriebswege, das Marketing... lausig.



Und grade gestern erzählt mir Anita in der Pause, dass sie im Fernsehen diesen südamerikanischen Frauen-Stamm gesehen hat, die matriarchal leben, Händlerinnen sind und einen guten Wohlstand haben. Kernsatz: auf ihrem Markt dürfen nur sie verkaufen, aber sie verkaufen auch auf andern Märkten.

Was Anita auch so fasziniert hat, diese Frauen haben keinerlei Repräsentativbauten. Brauchen sie nicht. Kein Protz-Bedarf.

Haben wir eine Scheu Geld zu machen? Wenn eine satt Kohle machen will, zieht sie sich im allgemeinen einen Hosenanzug an. Gehts auch anders?