wenig freud

Luisa war in Zürich und hat einen Vortrag vor Therapeuten, Psychologen usw. gehalten. Wir hatten uns vorher auch schon kurz bei ihr drüber unterhalten. Das Thema löst bei mir ja einen ganzen Schwall von Emotionen aus. Und meine ganzen Erfahrungen. Jahrelang habe ich mich mit der Szene beschäftigt.
Mit 28 habe ich mein Fachabitur gemacht, FOS Sozialzweig. Da lernt man erst mal so die Grundbegriffe der Psychologie. Erster Eindruck: diese HERREN haben auch nichts weltbewegendes rausgefunden, was einem nicht eh schon der gesunde Menschenverstand sagt. Teilweise wars sogar extrem ungesund, einer der Forscher, Namen vergessen, war ja z.B. echt wahnsinnig. Der hat seine Experimente über die Verknüpfung von Reiz und Reaktion mit seinem Sohn durchgeführt. Er hat bewiesen, wenn er ein weißes, sonst ja niedliches Plüschkaninchen mit einem ganz fürchterlich lauten Geräusch verbindet, das dieser Sohn das Plüschkaninchen dann nicht mehr anfasst. So auch geschehen. Was auch sonst. Aber dieser Sohn ist nicht sehr alt geworden.

Schulisch fußte ja die ganze Geschichte auf den netten Herrn Freud. Über seine Theorien ging dann auch die Abiturprüfung. Zu ihm später mehr. Zusammenfassend: diese Herren fanden nicht unbedingt spektakuläre Sachen raus. Werden heute noch durch die Bücher geschleppt und bilden die Basis der psychologischen Ausbildung. Es waren lauter verwöhnte Kerle, die nahezu alle eine mehr oder weniger devote Hausfrau daheim hatten. Söhne aus "guten" Familien. Die also auch nicht wirklich Ahnung vom Leben geschweige denn von Kindern hatten.

Hört ihr schon die Nachtigal trapsen? Nach dem Abitur studierte ich ein paar Semester Sozialpädagogik in München Pasing. Das war Mitte der 90er. Die FH war ganz faszinierend. Es etablierte sich gerade eine ganz starke feministische Fraktion. Ich hab dort viel gelernt, und mich auch wohl gefühlt. Also die Feministinnen, aller Orten. Die Professorinnen nahmen kein Blatt vor den Mund. Ich hatte eine in Politologie und eine in Pädagogik. Das Verhältins Mann:Frau war bei den ProfessorInnen natürlich umgekehrt als bei den StudentInnnen, 70:30, der Dekan ein Mann. Im letzten Jahr muss man dann ein Schwerpunktgebiet wählen, über das auch die Diplomarbeit geschrieben wird. Die Frauen führten als Schwerpunktgebiet Frauen- und Mädchenarbeit ein. Unter großen Widerständen.

Erst mal, Psychologie bei einem Professor. Er zog Freud ziemlich durch den Kakau, was mir gefiel. Freud war ja ein Kokser mit einer recht lüsternden Sexualität. Bei dem Professor schrieb ich auch eine Seminararbeit über die Archetypen in der großen Arkana des Tarot, die gut ankam. Was mir nicht gefiel war, in welche Richtung sich die Psychologie entwicklen sollte, laut dieses Professors. Es ging darum, die geistigen Prozesse nachzuweisen, per Hirnstrommessung. Wem das nutzen soll? Es ging um die Beweisbarkeit psychologischer Theorien. Dieses "schwammige" eben, dass sich die Psychologen von den anderen Fakultäten verwerfen lassen müssen. Ich fand es schade. Weil es für mich um was ganz anderes geht.
Fündig wurde ich bei den Feministinnen. Die hatten einen ganz anderen Arbeitsansatz. Z.B. Thema Magersucht. Sie entwickelten eine Lehre, die von der Magersüchtigen ausgeht. Sie nicht mit Theorien vollpacken, sondern genau schauen, genau zuhören. Und alles, ganz wichtig, nicht nur auf die Person beziehen, sondern in dem ganzen gesellschaftlichen Gefüge sehen.

Zu Freud fanden sie heraus, dass er wohl bei seinen Patientinnen anfangs feststellte, dass ihr Leiden fast immer von sexuellem Missbrauch herrührte, der schon in der Kindheit begann. Diese Meinung musste er vor den anderen Kollegen und Förderen revidieren.
Was mir selbst noch fehlte, war die Einbindung in Spiritualität und in die Macht des Weiblichen, in meine Eigenmacht. Das machte erst das ganze Bild rund und lies mich aus der akademischen Psychologie abwandern. Inspiration hole ich mir im Moment bei Luisa Francia, Ute Schiran, und gerade ganz intensiv bei Cambra Marie Skade. Kraft schöpfe ich aus mir aus Lebendigkeit, der Begegnung mit der Natur und meinen Freundinnen und meiner Familie.
Zu meinen eigenen Erfahrungen mit Therapie als "Klientin" im nächten Eintrag. Die Fotos sind von gestern Abend im Büro, habe diese Woche Spätschicht von 14-23 Uhr.
















































