Dienstag, November 29, 2005

wenig freud



Luisa war in Zürich und hat einen Vortrag vor Therapeuten, Psychologen usw. gehalten. Wir hatten uns vorher auch schon kurz bei ihr drüber unterhalten. Das Thema löst bei mir ja einen ganzen Schwall von Emotionen aus. Und meine ganzen Erfahrungen. Jahrelang habe ich mich mit der Szene beschäftigt.

Mit 28 habe ich mein Fachabitur gemacht, FOS Sozialzweig. Da lernt man erst mal so die Grundbegriffe der Psychologie. Erster Eindruck: diese HERREN haben auch nichts weltbewegendes rausgefunden, was einem nicht eh schon der gesunde Menschenverstand sagt. Teilweise wars sogar extrem ungesund, einer der Forscher, Namen vergessen, war ja z.B. echt wahnsinnig. Der hat seine Experimente über die Verknüpfung von Reiz und Reaktion mit seinem Sohn durchgeführt. Er hat bewiesen, wenn er ein weißes, sonst ja niedliches Plüschkaninchen mit einem ganz fürchterlich lauten Geräusch verbindet, das dieser Sohn das Plüschkaninchen dann nicht mehr anfasst. So auch geschehen. Was auch sonst. Aber dieser Sohn ist nicht sehr alt geworden.



Schulisch fußte ja die ganze Geschichte auf den netten Herrn Freud. Über seine Theorien ging dann auch die Abiturprüfung. Zu ihm später mehr. Zusammenfassend: diese Herren fanden nicht unbedingt spektakuläre Sachen raus. Werden heute noch durch die Bücher geschleppt und bilden die Basis der psychologischen Ausbildung. Es waren lauter verwöhnte Kerle, die nahezu alle eine mehr oder weniger devote Hausfrau daheim hatten. Söhne aus "guten" Familien. Die also auch nicht wirklich Ahnung vom Leben geschweige denn von Kindern hatten.



Hört ihr schon die Nachtigal trapsen? Nach dem Abitur studierte ich ein paar Semester Sozialpädagogik in München Pasing. Das war Mitte der 90er. Die FH war ganz faszinierend. Es etablierte sich gerade eine ganz starke feministische Fraktion. Ich hab dort viel gelernt, und mich auch wohl gefühlt. Also die Feministinnen, aller Orten. Die Professorinnen nahmen kein Blatt vor den Mund. Ich hatte eine in Politologie und eine in Pädagogik. Das Verhältins Mann:Frau war bei den ProfessorInnen natürlich umgekehrt als bei den StudentInnnen, 70:30, der Dekan ein Mann. Im letzten Jahr muss man dann ein Schwerpunktgebiet wählen, über das auch die Diplomarbeit geschrieben wird. Die Frauen führten als Schwerpunktgebiet Frauen- und Mädchenarbeit ein. Unter großen Widerständen.



Erst mal, Psychologie bei einem Professor. Er zog Freud ziemlich durch den Kakau, was mir gefiel. Freud war ja ein Kokser mit einer recht lüsternden Sexualität. Bei dem Professor schrieb ich auch eine Seminararbeit über die Archetypen in der großen Arkana des Tarot, die gut ankam. Was mir nicht gefiel war, in welche Richtung sich die Psychologie entwicklen sollte, laut dieses Professors. Es ging darum, die geistigen Prozesse nachzuweisen, per Hirnstrommessung. Wem das nutzen soll? Es ging um die Beweisbarkeit psychologischer Theorien. Dieses "schwammige" eben, dass sich die Psychologen von den anderen Fakultäten verwerfen lassen müssen. Ich fand es schade. Weil es für mich um was ganz anderes geht.

Fündig wurde ich bei den Feministinnen. Die hatten einen ganz anderen Arbeitsansatz. Z.B. Thema Magersucht. Sie entwickelten eine Lehre, die von der Magersüchtigen ausgeht. Sie nicht mit Theorien vollpacken, sondern genau schauen, genau zuhören. Und alles, ganz wichtig, nicht nur auf die Person beziehen, sondern in dem ganzen gesellschaftlichen Gefüge sehen.



Zu Freud fanden sie heraus, dass er wohl bei seinen Patientinnen anfangs feststellte, dass ihr Leiden fast immer von sexuellem Missbrauch herrührte, der schon in der Kindheit begann. Diese Meinung musste er vor den anderen Kollegen und Förderen revidieren.

Was mir selbst noch fehlte, war die Einbindung in Spiritualität und in die Macht des Weiblichen, in meine Eigenmacht. Das machte erst das ganze Bild rund und lies mich aus der akademischen Psychologie abwandern. Inspiration hole ich mir im Moment bei Luisa Francia, Ute Schiran, und gerade ganz intensiv bei Cambra Marie Skade. Kraft schöpfe ich aus mir aus Lebendigkeit, der Begegnung mit der Natur und meinen Freundinnen und meiner Familie.

Zu meinen eigenen Erfahrungen mit Therapie als "Klientin" im nächten Eintrag. Die Fotos sind von gestern Abend im Büro, habe diese Woche Spätschicht von 14-23 Uhr.

Sonntag, November 27, 2005

schnee



Gestern war meine Schwiegertochter und mein Sohn da. Als sie weg war, spürte ich, dass sie irgendwie Kontakt zu Engeln bekommen kann, dass sie Talent dazu hat. So für mich selber finde ich die ganze Engelszene ehr naja, ist nicht mein Ding. Aber bei ihr hab ich die Empfindung, es wäre genau ihrs. Komisch.



Heute nachmittag war Ilona bei mir. Wir hatten wie immer viel zu Lachen und zu Erzählen. Bilder, Erzählungen, Gedanken. Wir springen von einem zum Anderen. So viel.



Ich habe aus meinen Kartenlegungen herausbekommen, dass es Zeit ist, zu vergleichen. Zu vergleichen, was ich früher für Pläne hatte, in der Kindheit und Jugend, und was daraus wurde.



Ich konnte mich natürlich nicht so gut erinnern, habe meine Tagebücher aus der Zeit gelesen. Leider fehlt mein allererstes, da habe ich ganz ausführlich drüber geschrieben, wie ich mir mein Leben als Erwachsene vorstelle.



Anscheinend litt ich sehr in der Pubertät, verstand mich mit meinen Freunden nicht mehr, das mit den Jungs klappte auch nicht, ich fühlte mich ungeliebt. Die Schule war stressig, ich musste ständig lernen und wurde ständig geprüft. Dass mich mein Vater missbrauchte sprach ich in meinem Tagebuch auch nur ganz versteckt an. Es war keine schöne Zeit.



Mir Gedanken darüber zu machen, passt irgendwie in die Winterzeit. Die Stille, das nach Innen gehen, die Bestandsaufnahme. Weitere Kartenlegungen. Eine deutliche Aussage folgte. Die Zustände, die in meiner Familie herrschten, die Übergriffigkeit und die falsche Liebe brachten mich dazu, es als Herrausforderung zu sehen, mein Leben in der Zukunft anders zu gestalten. Meine Zukunftsträume waren nicht Haus, Auto, Karriere. Es ging um Harmonie, wirklich gute Freunde, eine liebevolle Familie.



Dabei kam mir der Gedanke, dass es mir nichts mehr nützt, so oft zu denken, hätte mich mein Vater nicht so geschädigt, wäre aus mir das und das geworden, oder ich hätte nicht so viel Schwierigkeiten mit dem und dem. Oder ich wäre heute ganz woanders, mehr Karriere, mehr Wohlstand. Möglicherweise gehört das einfach zu meinem Leben. So wie es war, so wie es ist. Das ist mein Prüfstein, meine Herausforderung. Wie bei jemand anders, der Gehbindert ist z.B. Das ist keine Entschuldigung für den Täter. Nö. Gewiss nicht. Das wirkt aber auf mich, mein Leben als zusammengehöriges Ganzes zu sehen, nicht als verpfuscht von Anfang an.

Montag, November 21, 2005

moonday



Am Sonntag bin ich mit dem Zug nach München gefahren und war mit Zsusa bei Luisa.



Wir hatten eine Menge Spaß, redeten in die Tiefe und die Breite, rund um die Welt in alte und neue Zeiten und ins Dies- und Jenseits.



Wir haben Karten gezogen Margarete Peterson Tarot, meine: Moon. Wen wunderts.

Haben uns gegenseitig fotografiert, im Blog- und Digitalfever.



Heute wieder Arbeit und viel Spaß. Alle Irre außer uns. Höchst qualifizierte Techniker, Alkoholentzug und Verschwörungstheorien.

Qualifizierte Techniker: unsere Techniker sind seit 2 Wochen beim Weißeln der alten Büros in der Stadt. Was wir (Anita und ich) schon lange ahnten, aber nun immer sicherer wissen: Die Aussage, "Das ist für Frauen zu kompliziert" ist ein Code für "Lasst sie ja nicht merken wie einfach das alles ist".



Alkoholentzug: der Stoibi, unser Herr Stoiber, der heißt wirklich so, unser Lehrling, den wir nur wegen seines guten Ausehens eingestellt haben, hatte heute Schädelweh. Weil er verdient sein Geld als Barkeeper und hat seit 36 Stunden nichts mehr gesoffen.

Verschwörungstheorien: ein Geschäftspartner hat Anita eine neue Verschwörungstheorie geschickt. Wir haben uns gebogen vor Lachen. Und wir haben selber eine ultimative Verschwörungstheorie: Etisalat ist von Außerirdischen unterwandert. Das Beweisfoto:



Sonst natürlich ernsthafte Arbeit und Reisenewsletter versendet.

Sonntag, November 20, 2005

eile



Bei leider in Eile, weil ich mich noch duschen und anziehen muss, weil mein Zug um dreiviertel 12 geht. Deswegen einige Bilder von Gestern.







Dienstag, November 15, 2005

neid transformation



Lese jeden Tag Else Buschheuers Tagebuch. Gut dass ich Bachblüten gegen Neid nehme. Diese Frau kennt so viele Bücher, Musik und Filme. Fühle mich ein bisschen dumm. Aber: gehe mit ihrer Top Ten Bücherliste in die Bücherei und suche. Einiges ist zu haben. Die Bücherei Deggendorf, ein magischer Ort. Ich suche Doris Lessing bei Romanen unter LESS und Ingeborg Bachmann. Ingeborg Bachmann ist nicht unter BACH, sondern bei Di.1, Dichtung.



Finde neben ihr Herbert Achternbusch. Aha. Er war also auch auf dem Nil. Ich drehe mich im Kreis und fühle mich wie ein schwarzes Loch, das sich selber frisst. Luisa ist eine gute Freundin von Herbert Achternbusch. Sie hat ja unsere beiden Tagebücher, das von Else und meins zusammen an einem Tag in ihrem Tagebuch erwähnt. Meins wegen dem Ägypten-Reisebericht.



Gehe um eine weitere Ecke in der Bücherei herum und finde ein Buch von Doris Wolf "Was war vor den Pharaonen". Ich blättere es durch, überfliege die Kapitel. Klar war davor ein Matriarchat. Sie zeigt es auf, die spätere Pharonenherrschaft, das Wegsehen der Ägyptologen bei den Spuren der Frauen. Die Unterdrückung der Nubier, die in den 60er Jahren mit der kompletten Auslöschung ihres Lebensraums geendet hat.

Montag, November 14, 2005

laub



Ich lese gerade"Die Sprache der Traumzeit" von Luisa. Komischerweise lese ich immer ein Buch von ihr, das sich genau mit den Themen beschäftigt, die mir gerade durch den Kopf gehen. Obwohl, Kunst ist ja eigentlich ein Dauerthema bei mir.



Feministisch rituelle spirituelle Kunst. Wie mir der Feminismus im Blut liegt. Als Mädchen war ich wirklich verzwiefelt, ich wollt einfach niemals so eine geschminkte Tussi werden. Ich fragte mich auch, ob es nicht eine andere Weiblichkeit geben könnte, als die vorgeformte. Völlig frei von Anregungen durch Vordenkerinnen. Ich trug Trainingsanzüge und versuchte es als Junge. Die Frage blieb.



Das zeigt mal wieder, das innere Gefühle richtig sind, und Geduld alles ist. Ich fand was ich suchte.



In der öffentlichen Medienwelt sollte jede auch noch so freche Künsterin gut aussehen. Hübsch halt. Ich habe mal einen Fernsehbericht über feministische Künstlerinnen in New York gesehen. Eine von ihnen fotografierte sich selber über Jahre. Schonungslos bis zu ihrem Krebs-Tod. Sie brach radikal das Tabu der schönen Frau in der Kunst. Sie zeigt sich und das Leben und Sterben. Ein Stück Wirklichkeit. Weiß jemand von euch den Namen? Ich hab ihn leider vergessen. Hab kein gutes Namensgedächtnis.



Ah, ja. Gut, wenn man immer Tagebuch schreibt, habe den Eintrag gefunden, er ist vom 7.3.2003:
Gestern sah ich auf 3sat was über feministische Kunst in Manhattan. War einfach toll...heute hab ich mich über die blödsinnige Zusammenfassung der Sendung auf der 3sat Webseite sehr geärgert. Zitat:"Michael Blackwood hat für seinen Film ältere und jüngere feministische Künstlerinnen befragt. Es entstand eine spannende Debatte über die Sicht, die Frauen von ihrer Rolle in Kunst und Gesellschaft haben. Ängstlich und wütend kämpften die Künstlerinnen in den 60er Jahren um Anerkennung. Ihren Platz im männlich beherrschten Kunstbetrieb suchten sie zumeist über den politischen Protest. Mit Lust artikulieren dagegen die jungen Frauen ihre Forderungen. Der weibliche Körper, der über Jahrhunderte hinweg das Thema männlicher Kunst war, ist für sie jetzt Gegenstand und Mittel künstlerischer Produktion." Was für ein riesen Schmarrn. Klar, Michael hat gefragt, hatte kein Gespür für das. Erste Frechheit: das "ängstlich". So kam mir gewiss keine der interviewten Frauen vor. Die waren alles andere als ängstlich. "Mit Lust artikulieren.." da sah der Mann wohl wieder die nackte Frau. Beispiel: eine Künsterin fotografiert sich ihr ganzes Leben lang nackt, eine wunderschöne Frau. Sie fotografierte ebenso ihren Kampf mit ihrer unheilbaren Krebskrankheit, ihren gezeichneten Körper. Das hat mit dem "weibliche Körper, der über Jahrhunderte hinweg das Thema männlicher Kunst war" überhaupt nicht das allergeringste zu tun. Der weibliche Körper wird für eine Frau niemals "Gegenstand und Mittel künstlerischer Produktion" sein. Sie ist der weibliche Körper. Sie ist Kunst, sie setzt sich mit ihrem Selbstbild künstlerisch auseinander, lustvoll, und ohne Angst vor dem, was als häßlich gilt und vor Krankheit und Alter.



Die Fotos sind vom Samstag, da hatte sich der Nebel aufgelöst und es war wunderbarer Sonnenschein. Wenn ich mir die ganzen Fotos so ansehe, find ich am interessantesten, dass ich eigentlich nur auf 2 Hügeln spazieren gehe. Die Bilder sind immer komplett anders.



Das ist das Schöne am Draußen, der ewige Wandel. Keinen Tag sieht es gleich aus. Und sei es der tägliche Weg zur Arbeit.



Ich freue mich ich liebe die dunkle Zeit, das Kerzenlicht schon um 5 Uhr Nachmittags, das Beschäftigen stundenlang abends. Sammel, sortieren, neues Schaffen. Auf der Couch liegen, faul sein. Keine Sonne lockt mich nach draußen. Höhlenfeeling.



Neue Ideen, weibliches ungeschminkt. Den eigenen Ausdruck, durch die Nebel der Erwartungen und fremden Vorgaben. Was ist da schöner als Wald an einem Novembertag?

Donnerstag, November 10, 2005

ahhhhhhhhh



Von wegen machtlos! Glaubte ich vor 2 Tagen noch, ich hätte keinen Einfluss, ob aus meiner Steckdose Atomstrom kommt oder nicht! Es gibt doch Ökostrom, und Lichtblick ist ein günstiger Anbieter. Es ist etwas teuerer als vorher. Aber das ist es mir wert.

arbeitswoche



Stecke mitten in der Arbeitswoche. Außer arbeiten, gesten Yoga, jeden Tag Karten legen, Blogs schreiben und lesen, Simpsons. Morgens Kultur auf 3sat. Da kommen sie jetzt wieder mit Woodstock an, der bahnbrechende Auftritt des Jimi Hendrix.



Früher empfand ich Kultursendungen mehr am Puls der Zeit. Was für Musik machen und hören die Jugendlichen in Paris? Hoffe auf arte und Tracks.



Obwohl, nix ist perfekt. Ilona hat einen wütenden Brief an arte geschrieben, wegen einem pro-Pelz Beitrag.



Etwas von letztem Jahr, ein Cover von einer Zeitschrift. MEIN Frauenzeitschriften Cover. Hier klicken.



Die Fotos heute, mitten aus dem All-tag. Das erste, mein Blick. Zweites, Blick aus dem Fenster. Drittes: Kolleginnen. Viertes: Blick aus dem Fenster. Fünftes auch.



Das ist meine Abteilungsleiterin. Genannt: Commander Aniti. Momentan läuft Udo Jürgens vs. Marilyn Manson. (Spaß)



Die Wand hinter meinem Rücken. Ach, ja. Es gibt noch eine Galerie: Hier klicken . Das sind die ganzen Fotos von Ägypten. Die Hälfte war eh schon im Blog.

Dienstag, November 08, 2005

ideen und bachblüten



Heute ein wundervoll nebliger Morgen.



Ich mach mal wieder ein Bachblüten-Kur. Sie fielen mir ins Auge, als ich letztens an einer Apotheke vorbei ging. Bachblüten-Infos: hier klicken



Die Blüten wirken sehr feinstofflich. Ich nehme sie für Gedankengänge und Verhaltensmuster, die sich im Kreis drehen. Die immer wieder in meinem Kopf sind, und von denen ich weiß, dass sie mir schaden. Meine Kombination: Larch, für Selbstvertrauen, gegen Licht unter den Scheffel stellen. Holly, gegen den Neid und die Eifersucht auf andere, die das haben und schaffen, was ich gerne erreichen will. Und Pine gegen das Gefühl ständig an allem Schuld zu sein.



Merke auch diesen November wieder, es ist meine kreativste Zeit. Ich habe die besten Ideen für Projekte. Jedes Jahr um diese Zeit hab ich etwas angefangen, eine tolle Idee gehabt.



Ich habe zwei Galerien erstellt (das ist aber nicht die tolle Idee, die verrat ich nicht), die eine Auswahl meiner Fotos zeigen. Eine von 2002-2004, die andere von diesem Jahr, Januar bis Oktober.

Galerie 2002-2004

Galerie 2005

Ich schaue grad Simpsons, wie jeden Tag. Simpsons und Wohnen nach Wunsch. Ich liebe Vorher-Nachher Shows. Die Mutter von Milhouse fängt ein neues Leben an *grins*, mein jetzt hab ich vor lauter msn schreiben das Finale von Wohnen nach Wunsch verpasst.

Sonntag, November 06, 2005

macht und vertrauen



Ich denke über eine Frage nach, über die schon viele philosophiert und nachgedacht haben. Einige Erlebnisse und Ereignisse der letzten Zeit drängen diese Themen in meinem Kopf. Muss man Menschen helfen? Wenn ja, auf welche Art? Wie weit? Wie komme ich auf diese Fragen?



Meine Reise durch Ägypten. Die Begegnung mit staatlicher Willkür, Armut, Überlebenskampf. Die Aufstände in Frankreich. Haben diese Jugendlichen wirklich keine Chance? Werden ihnen alle Chancen genommen? Von Außen?



Eine liebe Freundin von mir hat große Probleme. Ängste, Sorgen. Ohnmachtsgefühle. Wie viele Hilfe brauch sie? Muss sie selber drauf kommen, dass sie nicht ohnmächtig ist? Macht ein zuviel an Hilfe nicht noch abhängiger und ohnmächtiger? Gibt es falsche und richtige Hilfe? Hilfe zur Selbsthilfe, gibt es Hilfe, die den Ohnmachtsstatus zementiert? Soll ich trösten, unterstützen oder konfrontieren? Von selber? Oder warten, bis jemand auf mich zukommt und um Hilfe bittet?



Ganz von mir aus neige ich dazu, zu warten, bis mich jemand auf konkrete Unterstützung anspricht. Ganz tief empfinde ich die Probleme als begründet im festen Glauben an die eigene Ohnmacht und auch an mangelndem Vertrauen in das Universum, die Göttin oder was auch immer. Das jetzt im Einzelfall, von großen gesellschaftlichen Zusammenhängen wage ich garnicht zu reden.



Obwohl das auch mit dem Glauben an die Ohnmacht zu tun hat. Aber auch mit gezieltem Untermauern dieses Glaubens von Außen. Klein halten, wer an seine Ohnmacht glaubt, ist leicht zu manipulieren. Leicht zu unterdrücken. Das gilt in der Welt draußen und auch in der eigenen Familie, im eigenen Leben.



So schön gewaltloser Widerstand auch ist, manchmal hilft es nicht. Siehe Wackersdorf. Laut Aussagen von Beteiligten war es auch ein großer Teil das Verdienst der Autonomen, die sich gewaltbereit zeigten. Diese Gewalt in Frankreich ruft auch die Präsens von friedlichen Menschen hervor, die auch mit den politischen Zuständen nicht einverstanden sind, aber einen anderen Weg gehen wollen. Wahrscheinlich hilft immer vieles zusammen. Eine Methode allein reicht nicht. Reines Vertrauen und Glaube hilft ja auch nicht, ich muss ja auch handeln, erden.



Mir geht immer diese Grenze im Kopf herum. Wer schränkt wie meine Freiheit ein? Ich oder andere? Wer manipuliert wie? Die großen Konzerne. Was tun die? Die unüberschaubaren großen Konzerne. Siehe Vogelgrippe und Roche.



Wobei jeder Einzelne sich informieren und sich seine eigene Meinung bilden kann. Ich bin nicht gezwungen loszulaufen und mir diese Tamisil-Tabletten zu kaufen.

Ich selber war auch schon so weit unten, dass der Impuls zur Selbsthilfe nicht mehr gegriffen hat. Ich rief nach Hilfe schreiend ständig Freunde und auch Ärzte an. Schrie und weinte. Wimmerte vor meinen Partnern um Untersützung.



Macht konnte mir keiner geben. Die musste ich mir nehmen. Damit die Macht keine rasende, wütende wird, ist die Verwurzelung in der Erde wichtig. Und Vertrauen. Vertrauen getragen zu werden. Es gibt doch die klassische Frage: warum lässt Gott sowas zu. Angesichts von Armut, Krankheit und Leid.



Ist es, weil wir Menschen den "freien Willen" haben? Es ist zynisch, zu sagen, dieses arme, verhungernde Kind tut dies aus freiem Willen. Die Frau, die an Brustkrebs stirbt, tut dies aus freiem Willen. Wie weit ist das Konzept des freien Willens erweiterbar?



"Die großen Konzerne", ist das nicht auch eine Illusion, die sich verselbstständigt hat? Eine Strömung von Energien, die etwas Großes erzeugt hat? Kommen daher die Verschwörungstheorien, die ja unrealistich sind, weil kein Kopf, keine Gruppe Menschen kann soetwas gezielt initialisieren? Aber Absichten, Ziele, Gedanken, Wünsche können sich zu Strömungen zusammenballen.



Der Glaube an die Ohnmacht des eigenen Körpers, der Selbstheilungskraft, der Natur fließt den Pharmakonzernen in den Geldbeutel. Der Glaube an die Ohnmacht, ein selbstständiges Leben führen zu können, zerstört die eigene Integrität, die Kreativität. Die Energie fließt zu Menschen, die sich damit ein bequemes Leben machen können.

Foto: meine Oma und meine Mama. Waren gestern zu Besuch bei mir.