Mittwoch, Januar 18, 2006

noch nicht so weit



Ihr habt ja viel zum Thema von letzten Eintrag geschrieben. "Frauenraum". Das spiegelt auch zum Teil die Diskussion im Frauenzentrum wieder. Eine Dimension kam noch dazu, an die ich nicht gedacht hatte. Die meißten Frauen dort sind ja christlich orientiert. Daraus entsprang die Auffassung, dass es eine angemessene Entwicklung bedeutet, wenn wir Frauen mit den Männern letztendlich wie Brüder und Schwestern zusammenleben können.
Dieser Gedankengang ist auch gut beschrieben in dem Buch "Schwarzmond Tabu" von Jutta Voss. Es gibt eine Bewegung von christlichen Feministinnen, die meinen, man könne nicht zurück zu den alten GöttInnen. Das Christentum sei eine menschliche Weiterentwicklung, und richtig verstanden, und im Sinne Jesu, sei das Ziel, dass sich Männer und Frauen brüderlich/schwesterlich vereinen.



Ich respektiere natürlich die Anschauung und die Spiritualität der Frauen, klar. Was für mich nicht so ganz ok war, dass sie sagten, wir seien eben noch nicht so weit, und würden in altem Schmerz und aufgewühlten Emotionen stecken bleiben. Ach ja, noch zur Ergänzung, es stand nur zur Debatte, dass Männer mit den Ladendienst übernehmen können, aber nicht an den sonstigen Aktivitäten und Sitzungen des Frauenzentrums teilnehmen dürfen. Wobei es ja dann so ist, dass man diese Männer ja dann auch nicht von gewissen organisatorischen Besprechungen ausschließen kann.
Also gut, ich "bin also noch nicht soweit". Das ist genau das gleiche wie bei meiner Psychologin. Warum ist denn die Spitze der Entwicklung, dass ich mich auf einen Mann einlasse? Der Frauenraum wurde auch nicht richtig verstanden, also die Frauen, die auf den Frauenraum bestanden, fühlten sich nicht verstanden. Wir kommen nämlich alle gut mit Männern aus, einige sind verheiratet, ich habe z.B. einen Sohn, alle haben mit Männern zu tun, am Arbeitsplatz, im Alltag. Und dort passt es ja. Wir sind ja alle nicht mehr diese Männer-hinterher-Dienerinnen. Wir wollten aber einen Raum für uns, nur mit anderen Frauen, um uns besser kennenzulernen, anders zu erleben und um unsere Weiblichkeit durch andere Frauen in vielen Facetten zu spiegeln.



Es gab 3 Richtungen in der Diskussion, die brüderlich/schwesterliche, die Frauenraum, und einigen war es egal, sie konnten nichts damit anfangen, dass einige diesen Frauenraum brauchen. Das ist ja auch in den Comments so beschrieben, so nach dem Motto, wir können wir selbst bleiben, auch wenn Männer dabei sind. Diese Frauen haben klar recht, ich bin immer ich. Probierts es aber einfach mal aus, über längere Zeit etwas nur mit Frauen anzufangen. Das hat einfach eine andere Qualität und wirkt wieder positiv auf die Begegnungen außerhalb des Frauenraums. Es entsteht dort einfach eine besondere Energie. Männer und Kinder wollen ja auch mal unter sich sein, ne. Die wissen schon warum.



Das Argument, das dann zog, war ein ganz anderes. Der Weltladen ist unterhalb des Frauennotrufs. Da könnten Männer einfach stören. Das war zwar das rettende Argument, aber in der Diskussion kamen wir uns nicht näher. Andererseits kam ich mir auch etwas übertrieben und fehl am Platz vor, vielleicht war das ja der Weg der Gruppe, wenn sie sich spirituell mit Gott Vater und Jesus beschäftigen wäre die Annährung an Männer folgerichtig. Es ist ja auch ganz komisch, was ich da für eine andere Energie reinbringe. Die sind alle so sanft und besinnlich. Ich bin so laut und temperamentvoll. Habe Mars in Krebs. Schon alleine deswegen ist das Christliche nichts für mich. Mir sind noch zwei Sachen an den für-Männer-Frauen aufgefallen. Sie wollten den Männern, die dann im Laden arbeiten etwas geben. Etwas vermitteln. Also wieder geben. Und sie taten sich auch mit dem "nein" schwer. Einem Interessenten, der fragt, ob er im Laden Dienst machen kann, einfach zu sagen "nein". Sie brauchten Begründungen und Argumente, um ihn nicht zu "verletzten".



Also das mit dem "weiter in der Entwicklung" ist ganz furchtbarer Bullshit. Ich glaub einfach, es gibt solche und solche Frauen. Ich bin einfach so ein Amazonen-Typ. War schon immer in Konkurrenz zu Jungs, später zu Männern, mehr oder weniger ernst, je nach dem. In meinen Partnerbeziehungen hörte meine Sehnsucht, allein zu leben nicht auf, auch wenn es gut lief. Ich kann den Wunsch vieler alleinstehender Frauen, wieder einen Partner zu finden überhaupt nicht nachvollziehen. Aber wenn sie es wollen....

12 Kommentare:

Am/um 12:09 PM , Blogger Juansi meinte...

Noch nicht so weit, schon weiter und so weiter. Wer kann darüber urteilen? Waren da nicht mal die fremden Mokassins, in denen eine Meile gewandert werden sollte? Oder der Igel und seine Frau, die immer schon DA waren, während der Hase sich totrannte?

 
Am/um 6:44 PM , Anonymous Nimien meinte...

Dieses "noch nicht so weit"-Argument geht mir auch regelmäßig auf die Nerven, wo immer ich darüber stolpere. Wie du so schön schreibst: Menschen sind verschieden - und was für die eine gut und richtig ist, muss für die andere noch lange nicht stimmen. Ich find's gut, dass du dich dadurch nicht verunsichern lässt.

 
Am/um 9:04 PM , Anonymous shaman-ca meinte...

Ich bin erstaunt, dass es diese Diskussion immer noch gibt. Wegen solcher Diskussionen habe ich mich bereits Ende der 80iger aus der Frauenbewegung verabschiedet, auch als die "autonome" Frauenbewegung damals bekannt. Ich mache mein Ding und wer sich darin finden kann ist eingeladen und wer nicht... ? Frauenraum ist wichtig und Frauen müssen/sollen Raum einnehmen und nicht nur den Raum, der ihnen "zugestanden" wird. Ich wünsche Dir viel Glück und Durchhaltevermögen.

herzliche Grüße
silvia

 
Am/um 6:05 PM , Anonymous Aruna meinte...

Das ist wirklich ein leidiges Thema. Was mich daran immer wieder nervt ist, dass es dabei überhaupt nicht darum geht, ob frau jetzt mit Männern ein Problem hat oder nicht, sondern dass wir uns immer noch ständig erklären müssen, wenn wir Frauenraum beanspruchen. DAS ist für mich das Entscheidende. Es ist eben immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen sagen: Hier sind wir mal unter uns. Punkt. Keine Diskussion.

Grüße
Aruna

 
Am/um 8:33 PM , Anonymous yivi meinte...

Also echt, da bist du ja in so eine gehirnwaschscheiße geraten, die doch immer wieder ganz schön verwirrt - wer was für frauen machen will und nicht kapieren und akzeptieren kann das ein Raum für uns in jedem fall keinerlei disskussion bedarf, der kann solche arbeit nicht machen - das übliche eben - frauen reden über männer und der schrei "meiner ist aber gaaanz anders!" Hä willst du wirklich da noch weiter hingehen!? ich meine schließlich machte ich solche ehrenamtlichen Dinge um ein bißchen meine umwelt mitzubestimmen und nicht um mich zu auf-reiben und bei null anzufangen. Diese frauen werden für dich immer unbefriedigend bleiben, frei nach deiner freundin Luisa "eine leiche wird auch durch intensive pflege nicht lebendig" sei lieb umärmelt

 
Am/um 6:22 AM , Anonymous Anonym meinte...

... ein interessantes Thema.
"noch nicht so weit" mag ich auch nicht.
Ich bin auf MEINEM Weg und vergleiche mich nicht mit anderen.
Es gibt nur einen Weg zum Göttlichen, zur Göttin, zu Gott und der ist eben für jeden anders - un-vergleich-bar.
Aber grundsätzlich + existenziell wichtig finde ich, daß ich Raum für mich selbst habe: innerlich + äußerlich und den nehme ich auch ein.
Frauen unter sich - das hat soviel Kraft und Magie, gibt soviel Freude und Energie ... aber das will ausgehalten werden.
Und noch immer, gerade bei diesem Thema, spüre ich die Angst vor DER Frau oder den Frauen (auch bei den Frauen selbst ) - hach, aber gerade das spornt mich an.
Raum für Frauen, ob äußerlich oder in mir drin, ist unverzichtbar + tatsächlich kein Diskussionsthema. Ich diskutiere ja auch nicht, ob ich atmen soll oder wie oft - ich tu es einfach.
Das hat nichts mit Männerhaß oder Abneigung zu tun, das ist Realität und Existenz-not-wendigkeit.
Bleib Dir treu und nimm DEINEN Raum ein - er steht Dir zu.
Liebe Grüßlis Dagmar.... die jetzt unten auf "anonym" klickt, obwohl ich gar nicht anonym bin und sein will
www.erdweibchen.de

 
Am/um 3:01 PM , Anonymous Anonym meinte...

"Es ist eben immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen sagen: Hier sind wir mal unter uns. Punkt. Keine Diskussion."

Liebe aruna,
wemgegenüber ist es denn nicht selbstverständlich? Gegenüber Männern habe ich persönlich das noch nie verteidigen müssen...

 
Am/um 6:41 PM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe anonym,
das ist nämlich der Punkt. Es sind ja, wie Ingrid schreibt, einige Frauen, die nicht unter sich bleiben wollen. Wenn die ihren Raum auf Männer ausweiten wollen gestehen sie sich den Frauenraum selbst nicht zu, ganz einfach. Oder sie wollen ihn nicht.
Das Noch nicht so weit- Sein ist das typische Argument in der Frauenszene, wenn die Nichtkonformen irgendeinem diffusen Spiri- Entwicklungskodex unterworfen werden sollen. Mich könnten die ganz schnell mal...
Karin

 
Am/um 10:50 AM , Blogger Corriendo Mundo meinte...

Jetzt wird es aber wirklich langsam diffus hier... Es ist doch ganz einfach:
Die Frauen, die sich was zu sagen haben oder zusammen was erleben wollen, tun sich zusammen - und die andern machen was anderes. Wo ist das Problem? Und wozu ist es gut, sich gegenseitig einzustufen oder mit diffusen Abschätzigkeiten zu beschießen? "Du bist noch nicht soweit" und "Spiri-Entwicklungskodex" sind für mich dabei von gleicher Qualität.
Ich sehe mal wieder, wieso ich es geniesse, keiner Gruppe anzugehören. Alleine ist es soviel leichter. Keep cool and enjoy yourself, wie auch immer, Labbatú

 
Am/um 3:40 PM , Anonymous Anonym meinte...

Der Traum vom Raum

Wie groß ist Frauen - Raum?
Und ist er hier oder da oder überall?

Und gehört ein Hof oder Garten dazu?
Und das Stück Straße vor dem Haus?
Der Himmel darüber?

Werden wir gefragt, wenn
jemand unser Hoheitsgebiet durchquert?

Hat der Raum innen und außen eine Klinke?
Welcher Geist bewacht die Schwelle?

Auf alten Balken steht:
Tritt ein bring Glück herein!

Wer soll Glück hereinbringen?
Die , die uns sagen wo es lang geht?
Die die erst den Herrgott fragen?
Die, die nur unser Bestes wollen?

Die Glückseligkeit ist längst
bei uns eingezogen und hat sich
häuslich eingerichtet.

Und so gibt es
keinen weiblichen Raum ohne
Baum und Lachen und Kindern
und Katzen und Blumen und Elfen
und Träumen und Wirklichkeit...

Habt ihr den Raum gefunden?
Macht mit Kreide ein Mal an die Tür!

Ganz räumlichweitetiefe Grüße an alle von Kara-Nat

 
Am/um 9:00 AM , Anonymous Natascha meinte...

hallöle,
ich bin verheiratet, habe zwei Kinder (4, 10 Jahre alt, beides jungen)und habe absolut kein problem mit männern. im gegenteil, ich habe 10 jahre in einem männerberuf gearbeitet (polizistin). und ehrlich gesagt verstehe ich die ganze diskussion gar nicht. mein mann geht zwei mal in der woche zum body building. dort haben sie extra den keller ausgebaut, damit die männer dort ordentlich testosteron loswerden können. naja und eben alles was sonst noch bei männern, wenn sie unter sich sind, so los werden wollen. ich glaube, die haben noch nie `ne diskussion über frauen- oder männerraum geführt. bei denen ist das so und fertig. deshalb finde ich es gena so wichtig das frauen ihren raum haben. eben einen frauenraum!! fertig. wenn die frauen keine weibliche vertretung für den laden finden, dann sollten sie sich mal überlegen, wie ach so solidarisch frau doch ist ?! außerdem finde ich es dem mann gegenüber diskriminierend, ihn "nur" in den laden zu stellen. also, ich glaube es ist klar geworden, dass ich absolut kein problem mit männern habe, im gegenteil in vielen situationen sind sie klarer als frauen. trotzdem finde ich es sehr wichtig, das es einen frauenraum, eben nur mit frauen gibt!!!! außerdem glaube ich, das es genau die frauen sind, die auch männer im frauenraum zu lassen wollen noch nicht so weit sind!!!!!

liebe grüße aus berlin
natascha

 
Am/um 2:43 PM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe Natascha,
also, wenn ich für meinen Teil die Beiträge richtig verstehe, geht es nicht eigentlich um "Probleme mit Männern". Sondern darum, wie frau ihr Frausein versteht. Aber "it's a fine line"... es gibt da so einen Teil Weiblichkeit, der manchen Frauen für immer verschlossen bleibt. Ich für mich habe gelernt, das so stehen zu lassen. Toleranz ist gefragt.

 

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