breitband
Ich war länger ein- oder untergetaucht. Mal wieder in einzelne Atome zerlegt habe ich es schwer mich zu finden, eine Form zu entwickeln. Alles steht wieder einmal in Frage und ich bin einfach und ich bin zu groß für diesen Körper und für meine Worte. Außerkörperliche und nicht allgemein anerkannte Erfahrungen durchziehen mein Geistgewebe und schütteln mich durch und durch.
Die Phase der Sehnsucht nach Ausleben körperlicher Lust endet mit Resignation. Ich kann es nicht. Ich kann nichts mehr "einfach so", nichts mehr halbes. Wenn dann, muss ich lieben. Richtig. Sonst sinnlos.
Ich kaufe mir neue Sextoys, um autoerotisch mal wieder was auszuprobieren. Anders betrachtet, sind viele Begegnungen sexuell, erotisch, auch ohne Worte, ohne den Akt. Scheitere mal wieder an der Enge der Begriffe, an der Enge der Schematas.
Als Großmutter kann ich schließlich wählerisch sein. Früher erlegte ich mein Wild auf Biegen und Brechen. Meist war ich fassungslos über die Kleingeistigkeit meiner Partner, in sexueller Hinsicht. Wenn eine Gesellschaft so öffentlich so sexuell ist, hat das Private anscheinend so wenig Reiz und Tiefe. Ein riesen Gedöns und nichts dahinter. Wobei es ja nach dem Balzen erst losgeht, nach der ersten Nacht. Eine Nähe und Vertrautheit erzeugen, experimentieren, Fragen, ausprobieren, lachen.
Da heißt es doch immer, Männer seien für sowas nicht geschaffen, sie wären dann nicht mehr so angeturnt und suchen lieber was neues zum Jagen und blabla. Ich glaub einfach, da wo es richtig anfängt, da haben sie Angst. Ich wahrscheinlich auch. Die ganze Pornoindustrie ist vermutlich aus Angst vor wirklicher Nähe und tief empfundener Sexualität entstanden. Männer sind so? Faule Ausrede...
Mein Part dabei? Ich mache ja nicht mehr das Rollenmodell. Die verachtete Frau, die Hure und Heilige und das alles. Ich suche einen reifen Mann, der tatsächliche Ahnung von Weiblichkeit hat, das ist nun mal schwer zu finden. Reif hat nichts mit dem Alter zu tun, es gibt Männer, die empfinden von Anfang an "normal". Ich meine das ehr als gesellschaftlich reif. Habe keinen solchen gefunden oder keinen so nahe kennengelernt, dass ich es feststellen konnte. Also keinen 2-Personen-Geschlechtsteil-Sex. Sondern Ein-Frau-Sextoy-Spaß. Und prickelnde geistige Blitzchen hin und wieder.
Ich werde auch oft gefragt, ob ich mir Sex mit Frauen vorstellen kann. Schließe ich nicht aus, aber so richtig gefunkt hast bei mir noch nicht bei einer Frau.
Sonst hat sich auch mein ganzes restliches Wesen irgendwie zerlegt, falls Sexualität überhaupt trennbar ist. Diesmal versuche ich mich nicht nach Plan zusammenzusetzen, ich lasse es einfach. Ich lasse mich von Innen zusammensetzten. Führe keine Pflichten und Vorhaben ein. Kein Hausputz, kein Kreativitätsprojekt. Warte einfach ab, was in mir aufsteigt.
Momentan ist Träumen sehr wichtig. Träumen als gültige Erfahrung in einer anderen Wirklichkeit. Nicht als Verarbeitung des Alltags und Probeerleben für die Zukunft. Sondern ein anderes Leben in einer anderen Dimension. Aus der Sicht dieser Dimension träume ich im Moment gerade einen Traum. In diesem Sinne meinte ich anfangs, ich wäre zu groß für meine Körper. Ich nehme mein wanderndes Bewusstsein als real an und sehe meinen Körper als eine Art Nest für meinen Geist, ein Nest, dass mein Geist nach belieben verlassen kann. Schalte vom durch populäre Wissenschaft und Medien propagierten schmalen Realitätskanal auf Breitband um.
Lerne das wie ein Kind das Sprechen oder das Laufen. Die Gefühle dabei stehen außerhalb von Beschreibungen durch Worte. Das Erlebte würde durch Sprache nur wieder eingeengt. Ein Ziehen, ein Fließen. Wahrnehmen. Mein Leben ist das exakte Abbild meiner gesamten Psyche. Immer im Werden und Wandeln begriffen.
Das Denken in Subjekt und Objekt, bzw. in Betrachter und ein Objekt, dass betrachtet wird, ist noch nicht so alt. Aber alt genug, dass viele glauben, es sei real. Das ist es nicht. Es ist einfach nur schade. Und fade.



10 Kommentare:
Liebe Ingrid
In deinem Bericht überschneiden sich mehre Ebenen: der Wunsch nach Sex, Zuwendung im wahrsten Sinne des Wortes, Vertrautheit, aber auch die eigene weibliche Entwicklung, die sich mit Macht Bahn bricht, dein Eintreten in andere Dimensionen, das Spüren dieser universellen Weite, das mir auch so gut vertraut ist.
Die Frage ist doch ob es Sinn macht, Verständnis für all das von einem Mann zu erwarten….
Meine Hypothese: wo Frauen anfangen in die Wandlung einzutreten, beginnen Männer ihre Entwicklung einzustellen (und leider ich bin bisher immer bestätigt worden).
„… Männer seien für sowas nicht geschaffen…“ – stimmt, es gibt Dinge die sollte frau nicht erst erwarten. Bestimmt spielt auch die Angst vor der komplexen weiblichen Sexualität eine Rolle, vielleicht ist es jedoch schlichtweg nur Unvermögen.
Sag Bescheid wenn du den verstehenden Mann gefunden hast, ich bin an dem Thema sehr interessiert.
Gruß Stephanie
Erwartungen. Welche Erwartungen sollte Frau an den Mann haben? Eine interessante Frage. WAS ist denn der Part eines Mannes in der Beziehung? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass erstaunlich mehr "geht" in einer Beziehung, wenn man sich wirklich völlig öffnet. Dann passiert Überraschendes...dann ist plötzlich viel mehr Einklang da, als man sich vorher nur vorstellen konnte!
Zum Thema "Sex ohne Liebe " gebe ich zu bedenken, dass das durchaus keine gefühllose Angelegenheit sein muss. Es ist zwar schon über vierzehn Jahre her, dass ich "bindungslos" meine Sexualität ausgelebt habe, aber ich weiß sicher, dass damit kein "Kater" verbunden war, dass es sich immer "richtig" angefühlt hat.
Ich habe die jeweiligen Männer respektiert, bestimmte Dinge an ihnen bewundert und genossen. Für mich war es einfach nur eine Hymne auf das Leben, eine Huldigung des schönen Körpers. Ohne dass er oder ich uns über eine gemeinsame Zukunft Illusionen gemacht haben.
Käme ich heute in so eine Lage, ich machte es ohne zu zögern wieder genauso. Besonders im Frühling erinnere ich mich gern daran zurück....
:0)
Liebe Ingrid, liebe Stephanie,
bei mir ist es zur Zeit so, dass ich mich erst einmal von vielen alten Mustern befreien muss, um an meine urgeigene Sexualität zu kommen und das, was ich da manchmal schon zeigt, erschreckt auch mich erst einmal. Vor allem auch die Frage, mit wem ich das eventuell ausleben soll. Denn ich merke, dass mein Mann eben in dieser Beziehung auch für alle Männer steht, wenn ihr versteht, was ich damit meine, bedeutet, dass all der seelische und körperliche Mißbrauch, den ich durch Männer erfahren habe, auch an ihm hängen bleibt. Da ist es sehr schwer für mich, mich ganz zu öffnen und ich weiß auch gar nicht so richtig, ob ich das nun machen soll oder nicht. Vor allem seit ich bei Francia diesbezüglich ein paar sehr nachdenkliche Sätze gelesen habe. Eine ernsthafte Frage: Wozu sollte ich mich einem Mann voll öffnen? Was macht er dann damit? Und geht es wirklich um Sexualität, so wie wir sie kennengelernt haben, oder hat das alles eine ganz andere Bedeutung und Dimension? An den Antworten bastele ich noch für mich herum.
Liebe Grüße
Vera
"Was macht er dann damit?" Tja, wenn man DARÜBER erst nachdenkt, kann man sich natürlich nicht fallen lassen. Die ganze Sache setzt eine gewisse Risikobereitschaft voraus. Die Haltung ist: "Scheissegal, was danach kommt, ich lass' das jetzt 'raus!" Mit einem Mann so weit zu kommen, dass man eben diese Haltung annehmen kann, das ist ganz wunderbar... aber dazu müssen natürlich auch die Voraussetzung bei einem selbst stimmen, und das tun sie auch bei mir nicht 24 Stunden am Tag.
:0)
Liebe Ingrid!
Das ist es wieder, das Thema Sex, welches uns alle so fasziniert.
Ich stelle oft fest bei mir, wieviele meiner Gedanken sich um Männer und Sex und "potentielles Wild" drehen, obwohl tatsächlich gar nichts in der Hinsicht in meinem Leben geschieht und meine größte Sehnsucht sich ganz woanders hin richtet.
Ziwschendurch werde ich manchmal trotzdem blind, weil ich auch manchmal gerne einen angenehmen und humorvollen Liebhaber treffen und die Sache gerne beschleunigen würde, die da solange auf sich warten zu lassen scheint - die konkrete Blindheit währt aber meist nur sehr kurz.
Osho berichtet über eine Untersuchung, laut der Männer alle 3 Minuten und Frauen alle 6 Minuten ans andere Geschlecht denken.
Was für eine Verschwendung, diese Urkraft Sexualität ständig auf ein Objekt außer mir konzentrieren zu wollen.
"Ich suche einen reifen Mann, der tatsächliche Ahnung von Weiblichkeit hat, das ist nun mal schwer zu finden." Das stimmt! Bloß nicht zuviel suchen, nachher vergeht das Leben drüber und du hast keinen gefunden!
Wie fühlt es sich denn an, sich aufzulösen in Atome, Moleküle und so Zeugs? Ist das nicht besser als (der übliche 08/15) Sex?
Ich helfe mir selbst, das tue ich ja sonst auch in meinem Leben.
Und wenn einer kommt, der reif ist oder eben einfach "schön und willig", dann überlasse ich es der Situation. Vorab darüber nachzudenken, bringt mir nichts, weil´s ganz sicher anders geschieht.
Wenn ich denn alle paar Jahre mal einen sehr nett finde, dann kann es mir auch passieren, das ich plötzlich in Windeseile wieder 14 werde, schüchtern und so unangenehmes Zeugs, das ist wirklich zum Piepen, da kann ich zwischendurch noch so erwachsen dahergeredet haben!
Der beste Liebhaber, den ich je getroffen habe, erscheint mir manchmal körperlos und dennoch mit mir vereint nachts im Traum und dann wache ich auf, und stelle sehr überrascht fest, daß ich gerade heftig atme und einen ganzkörperlich-intensiven Höhepunkt erlebe. Habe allerdings noch nicht herausgefunden, ob ich ihn rufen kann und wann er kommt und wieso...und ob er vielleicht Kundalini heißt.
Ich hatte mal einen Kumpel, der meinte immer "Das ganze Theater nur wegen der paar Minuten?" Irgendwie hat er recht.
Ich finde Osho´s Buch "Sex - das mißverstandene Geschenk" sehr spannend und aufschlußreich zum Thema.
Gut siehst du aus mit deinem Enkelkind, viel Spaß für euch beide, Labbatú y su cuervo contento
Hallo Anonyme, deine Art von Risikobereitschaft hat für mich eher etwas von dem berühmten Kopfsprung in unbekannte Gewässer und außerdem finde ich es ziemlich irritierend, dass du hier von totaler Öffnung und der besagten Risikobereitschaft schreibst, während du noch nicht einmal bereit bist deinen Namen zu nennen.
Gruß Vera
Liebe Vera,
ich gehe jetzt mal vom Positiven aus und fühle mich nicht angegriffen. WO und WEM gegenüber ich mich öffne und WANN ich dazu bereit bin, überlege ich mir sehr genau und entscheide ich selbst.
Kopfüber in unbekanntes Gewässer ist eine ziemlich brutale Angelegenheit und hat nichts mit dem zu tun, was ich meine.
Loslassen, sich fallen lassen - das setzt Vertrauen ins Gegenüber voraus. Vertrauen in die Welt, vertrauen auf das Leben.
Kaltes Wasser hat mit Vertrauen überhaupt nichts zu tun. Dieser Sprung wäre also einfach nur dumm.
Und was meine Anonymität betrifft, so stelle ich diese nicht zur Diskussion. Schliesslich, was hat meine Person mit dem Thema zu tun? Mir geht`s um Inhalte. Wenn`s allzu persönlich wird, reden wir hier bald übers Wetter, das Mittagessen oder sonst banales.
Konzentriert beim Thema bleiben, das ist, was ich will.
:0)
Hallo Anonyme, ich verstehe dich nicht ganz. Wenn der Beitrag von Ingrid nicht persönlich ist, dann weiß ich nicht was persönlich bedeutet und Inhalte haben für mich immer auch etwas mit der Person zu tun. Aber ich will das jetzt nicht weiter vertiefen.
Viele Grüße
Vera
Siehste! Schon wieder vom Thema abgekommen! (Lautete das nicht: Öffnung? Und das hat weder was mit kaltem Wasser noch was mit den Daten in meinem Personalausweis zu tun!)
Und: Wieso muß ich mich offenbaren, wenn ich Persönliches äußere? Ob ich Intimes preisgebe und dabei identifizierbar sein will, bleibt doch wohl mir selbst überlassen?
:0)
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