Montag, Juni 05, 2006

schule



Ein paar Gedanken zu den Schulen in Deutschland. Habe auf dem Sender Phoenix einen interessanten Beitrag gesehen. Es gibt natürlich Menschen, die sich darüber Gedanken machen und sehr schlaue Lösungen haben. Es wurden verschiedene Schulen vorgestellt. Was ich im Kern behalten habe, ist, dass es den "neuen" Schulen um das einzelne Kind geht, was es kann, was es lernen möchte. Dadurch entsteht auch automatisch eine starke Gemeinschaft. Die Pädagogen sagen, in herkömmlichen Klassen wird der Lehrplan höchstens 2-3 Kindern gerecht. Jedes Kind ist anders, hat einen anderen Wissenstand bei der Einschulung, ein anderes Lernthempo, andere Stärken, andere Schwächen. Es gibt gut ausgebildete, experimentierfreudige Pädagogen, die Methoden gefunden haben, Kindern individuelle Lernmöglichkeiten zu geben. Nicht nur für Eliteschüler, nicht nur in besonderen Internaten.



Die Methode, Lehrer vorne, alle hören zu, ist ja total veraltet und mittlerweile unbrauchbar. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es bereits andere Ansätze. War natürlich nichts für die Zeit die da kam, in den 60er Jahren gab es wieder vereinzelte Experimente. Heute ist es eine Notwendigkeit geworden. Dass sich Schüler mit Gewalt gegen das System und ihre Vertreter, die Lehrer wenden, ist nicht nur hirnlose Zerstörungswut unterprivilegierter agressiver Subjekte, sondern ein Auflehnen gegen eine überkommene Struktur, die für niemanden mehr etwas zu bieten hat.



Würde von Anfang an ein Kind ernst genommen in seiner eigenen Art, würde Freude am Lernen vermittelt, würde keine Gewalt ausbrechen. In der Sendung war auch ein Beispiel einer Schule an einem sogenannten sozialen Brennpunkt. Da läuft es prima mit anderen Methoden, die Schule schnitt auch als eine der Besten in der Pisa-Studie ab.



Viele meinen, in anderen Schulen würden die Kinder nicht fit genug für den Kampf als Erwachsene gemacht. Kinder sind die Zukunft, werden Sie auf miesen Konkurrenzkampt und auswendiglernen erzogen, wird die Zukunft so strukturiert. Neue Schulen fördern Individualitäit, Eigenverantwortung, Verantwortung für andere, Experimentierfreudigkeit.



Außerhalb der Schulen verändert die Technik unser Leben rasant. Auch die Technik ist nur ein Abbild unserer eigenen rasanten Bewusstseinsentwicklung. Wir lernen schneller und mehr als früher. Und in den Schulen? Wie noch vor 100 Jahren, das kann nicht gut gehen.



Die Tochter einer Freundin hat sich letzte Woche eine Gehirnerschütterung in der Schule zugezogen. Sie ist in der ersten Klasse. Ich dachte gleich: älterer, brutaler Schüler. Nichts dergleichen. Es passierte beim Brennballspielen. Sie ist mit einem andern Jungen bei dem Spiel zusammengeknallt. Also so lange an unseren Schulen im ersten Schuljahr noch Brennball gespielt wird, brauch mir kein Mensch mehr mit Gejammer über gewaltätige Jugendliche kommen. Woher sollen sie es denn lernen?



Zum letzten Eintrag: interessant sind die Interpretationen der Fotos. Es ist schön, und so gesehen eigentlich völlig unwesentlich, was die Fotos aus meiner Sicht zeigen, wo sie "wirklich" entstanden sind. Ich finde die Wirklichkeit wichtiger, die sie beim Betrachten auslösen. Meine ist da nicht die Richtige und alle anderen falsch, sondern meine ist nur eine von vielen möglichen.

3 Kommentare:

Am/um 11:41 PM , Blogger der Gauzibauz meinte...

Liebe Ingrid,

nix zum Thema,aber ein riesiges Kompliment an Dich.Verrätst Du in welchem Jungbrunnen Du gebadet hast?
Schöne Grüsse//Erika

 
Am/um 1:08 PM , Blogger Sam meinte...

Ich find allein die Lehrinhalte schon so lebensfremd. Da lernen die Kinder ausführlichst den 30jährigen Krieg oder Goethes Weltbild - grad dem seins!!, haben aber keine Ahnung, wozu mensch eine Leber hat oder Nieren, wie man Krankheiten erkennt und behandelt, nix lernen sie über Lebenszyklen oder Zeitqualität- also die Dinge, die wirklich bestimmend sind fürs Leben!

Man kann zum Schulsystem stehen wie man will, entscheidend ist, dass die Eltern dieses System des "friss oder stirb" immer wieder zulassen in den vielen Kleinigkeiten, die sich dann zum grossen Ganzen summieren.
Wenn ich mich als Mutter -und sei es noch so insgeheim- davor fürchte, mein Kind könnte versagen in der Schule und seine Angst vor schlechten Noten teile, geb ich diesen Druck an mein Kind weiter.
Dabei könnte ich z.B. aus meiner Lebenserfahrung heraus sagen, dass es völlig unerheblich ist, ob man ein Jahr früher oder später seine Abschlüsse macht (ich hab mit 17 Abi gemacht und bin immer noch nicht akademisch:)) und dass z.B. die Englischnote im späteren Leben ungefähr so wichtig ist wie die Zeitung von vorgestern und drüber hinaus nicht mal was über Sprachbegabung aussagt.
Ich weiss selbst, wie gross die Versuchung ist, sich auf die Lehrerseite zu stellen und den Schulerfolg so wichtig zu nehmen, gibts doch für ein Einser-Kind Applaus von allen Seiten und für jeden Menschen- nicht nur Kinder- die sich ihre eigene kurvige Entwicklung erlauben und ausleben, in aller Regel nur Stirnrunzeln und Unkenrufe. Da herrscht der Druck der Sozialnorm.
Ich kanns mir als Elter zum Glück aussuchen, ob ich mich und mein Kind dieser unterwerfe und es damit genau auf dieses dümmliche, nachturnermässig- konforme Leistungssystem eiche. Da braucht ich ihm später dann von Individualität und Gottvertrauen nichts mehr zu erzählen- das würde es dann nur noch intellektuell verstehen, was das ist oder sein könnte. Das Talent dazu wäre deformiert und zwar nicht vom Schulsystem, sondern von meinem Kleingeist und meiner Feigheit.

 
Am/um 1:58 AM , Blogger Ursel meinte...

Liebe Ingrid, liebe Sam,

puh, ein "weites Feld".. und in Ländern, in denen die Bildung noch mehr zu wünschen lässt, als in D auch nicht einfacher. Trotzdem vertrau ich einfach auf die Fähigkeit meiner Kinder, das zu lernen, was sich ihnen grad bietet, vor allem auch im Umgang mit den andern Kindern.
Und das ist keine deutsche Schule und auch sonst keine der privaten hier, sondern die ganz normale staatliche um die Ecke, wo auch die Kids aus der "Fast-Favela" am Rand des Stadtviertels hingehen, die keine Bücher zuhause haben, noch nicht richtig lesen können etc., dafür aber über andere Lebenserfahrungen verfügen, die auch wertvoll sind, wenn auch vielleicht schmerzlich und hart..
Natürlich hätte ich gern, dass meine Töchter gut abschneiden und wenn möglich auch studieren, aber das werden sie halt doch selber entscheiden müssen.
Ich hab' ja auch nicht studiert, weil ich doch lieber unabhängig werden wollte. Aber das war auch in D und hier ist B ;)

Liebe Grüsse
Ursel

 

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