wochenende fünf
Das Wochenende war fantastisch in vielerlei Hinsicht. Erstmal samstags Morgen versuche ich auf blöd mal nachzuschauen, ob ich nicht mit meinem Laptop ins Internet komme in meinem Zimmerchen. Und glatt, tatsächlich, hat doch ein Nachbar ein unverschlüsseltes wlan. Ich war so glücklich, fast wie ein Orgasmus. Kann also jetzt auch am Wochenende daheim online gehen für lau. Die Internetgeschichte ist also wirklich der Bereich in meinem Leben, wo es am allerbesten klappt. Bin anscheinend schon dreiviertelts digitalisiert.
Sonntags bin ich mit dem Linienbus, der vor der Haustür weggeht bis zu letzten Haltestelle gefahren. Dort, eine kleine Bucht, wunderschön, voller Leute aber dafür mit Restaurants und Eis. Überfüllt und trotzdem magisch. Ich muss mich da erst loslassen und locker machen, bei so vielen Menschen auf engen Raum. Dann gings. Hab dann auch für 12 Euro einen magischen Kristallohrring erstanden.
Die Insel ist schon heftig, ich hab so das no-way-out Syndrom. Also ein Gefühl der totalen Verstärkung aller vorhandenen Befindlichkeiten. Absolut intensive, lebhafte Träume. Alles wie mit einer Vergrößerungslinse. Kein Wunder, dass hier so viel gesoffen wird, ist teilweise schwer auszuhalten. Ich bins ja schon 8 Jahre gewohnt ständig nüchtern zu sein, deswegen gehts.
Wie haltet ihr es eigentlich so mit den Süchten? Ich kenne unglaublich viele Leute (neuerdings wieder mal), die so locker mit Alkohol umgehen. Also oft trinken, es aber locker sehen. Kenn das von früher, in letzter Zeit bin ich privat ehr mit Menschen zusammen, die nicht oder selten mal Alkohol trinken. Bin irgendwie erstaunt drüber. Hörte letztens einen Satz im Fernsehen: "Auch wenns jeder macht, ist es trotzdem ein Problem." Ich sehs halt schon ein bissel enger auch, weil ich mich selber wirklich intensivst mit meinen Süchten konfrontiert habe. Es ist ja nicht einfach das Trinken (oder Einnehmen von anderen Substanzen), dahinter lag bei mir ein Berg an Verdrängtem, Unbearbeitetem, Selbstzerstörungstrieb zwecks mangelndem Selbstwertgefühl, Hemmungen und diverse Ängste. Da kann doch keinE noch so versierter WeinkennerIn drüber hinwegtäuschen?
Sonntag Abend, nach einem Nachmittag am Meer:
technorati tags
wlan träume alkohol bucht sucht selbstzerstörung angst



7 Kommentare:
du siehst sehr schön aus, nach deinem tag am meer, wow.
alkohol, die volksdroge. ich erlebe grad zum erstenmal hautnah, wie elend das sein kann. mein liebster trinkt. jeden abend schüttet er sich mit bier zu, narkotisiert sich, um weiter funktionieren zu können, wie er sagt. tiefe depression. ich habe keine chance, das ist mir theoretisch sehr bewussst. bin am punkt, wo ich mich von ihm abwenden müssste - ich weiss das. kenne auch das phänomen der co abhängigkeit. alles klar in meinem kopf. aber mein herz hängt, will helfen, will umsorgen, will sagen, komm wir schaffen das, alles wird gut... aber nein, so wird es nicht gehen, ich weiss.
mit alkohol fällt mir alles leichter. nein, vieles fällt mir leichter. über die destruktivität aller substanzen (kokain, xtc, alkohol), die ich so manches mal konsumiere, bin ich mir bewußt und lande doch auch nach längerer abstinenz, in ders mir nicht gefehlt hat, wieder genau da! für ein paar stunden noch lockerer sein als sonst. vergessen. spaß haben. loslassen.
das ist wohl nur ein-bildung. und nur für den moment. wirklich einfacher wird dadurch gar nichts. zumindest nicht auf dauer...
die fragen, die du deinen leserinnen stellst, sind super! ich werde sie mal detallierter für mich selbst durchgehen. mach weiter so! :-)
Liebe Ingrid,
seltsam wie du Themen aufnimmst die mir grad ganz tief in die Seele bohren.Ja,der Alkohol!!! Früher hab ich auch ganz gern getrunken um meine Leere und Unsicherheit auszuhalten und nicht zuletzt um zu funktionieren.Dann tarf ich meinen
2.Mann,trockener Alkoholiker.Hab mich also von einem Alkoholiker ab - einem trockenen zugewandt.Viele Jahre ging es gut,15 Jahre blieb er trocken.Vor 2 Jahren fing er an abends ein Glas Wein zu trinken.Langsam wurde es ein wenig mehr-
eine halbe bis dreiviertel Flasche.Ich fände das nicht so schlimm.Jetzt stelle ich allerdings fest,dass sich sein
Charakter enorm verändert hat und die Veränderung noch lange nicht abgeschlossen ist.Im Moment fühle ich mich total LEER,jedoch wild entschlossen dies keinesfalls so hinzunehemen.
Gleichzeitig bemerke ich eine Veränderung meinerseits.Hab Luisa`s Buch "Die schmutzige Frau"gelesen.Früher fand ich Feminismus total doof.Aber langsam fühle ich eine Wut in mir hochsteigen.Bis jetzt hat mir Nichts gefehlt,hab die Beziehungsprobleme immer am einzelnen Beteiligten festgemacht.Lamgsam dämmert mir aber,dass Frauen und Männer auf Dauer doch nicht miteinander können,wenn Alkohol im Spiel ist,erst recht nicht!Schade!
Grüsse
Ingrid, ich glaube, du hast da was angestoßen, dass diesen Rahmen sprengt.
Dabei kann Fernsehen, auch Internet, sogar Bücher können ein Suchtmittel sein, auch ganz übel schaden.
Dann nämlich, wenn sie die Flucht aus dem Alltag, vor der Realität, vor den tatsächlichen Gegebenheiten darstellen.
Nur nicht daran denken, nicht damit auseinandersetzen, lieber noch ein bisschen - nur ein bisschen, gleich funktioniere ich ja wieder - surfen, zappen, lesen...
Ist es ein Zufall, dass Sucht und Flucht sich aufeinander reimen?
:0)
Hallo Ingrid, ich lese deinen Blog schon lange, habe mich aber noch nie zu Wort gemeldet.
Ich kann Anonym 2 nur zustimmen: die Fragen, die du aufwirst, können wirklich eine Menge an Entwicklungen anstoßen - wenn man ihnen denn mal nachgeht - und nicht, wie Anonym 4 das so treffend beschreibt, sich in diverse Süchte flüchtet.
Alles kann (mir) ein Suchtmittel sein, was mich davon abhält mich meinem Alltag, meinen Problemen, meiner notwendigen Entwicklung zu stellen - oder was mir vorgaukelt, es würde mir die dafür nötige Energie geben.
Meine Wohnung ist z.B. bis obenhin voll mit Büchern...
Viele Grüße, Gina :-)
Liebe Ingrid,
fühle mich gerade so, wie wenn ich einer Künstlerin spontan zu einem Solo applaudieren möchte.
Dass du uns LeserInnen teilhaben läßt an deinen Gedanken, deiner Schöpfung, und die Art, wie du es machst, finde ich so überaus mutig und heilsam. Ich erlaube mir also ein aus tiefstem Herzen kommendes: " Bravo!"
Liebe Ingrid,
ich konnte es jahrelang nicht ausstehen, von einem halben Glas Wein (das ich einfach nur lecker finde !) das Gefühl zu haben, dass ich mich nicht mehr richtig konzentrieren konnte. Ich war mir schon bewusst, dass das nur meine Wahrnehmung war und sonst niemand etwas merkte, aber das reichte. Habe väterlicherseits 3 Alkoholiker-Onkel (einer schon verstorben, einer ist seit über 25 Jahren trocken, aber stark wesensverändert) und mein Vater ist dem vermutlich nur durch eine Internatserziehung entkommen..
Seit ich mit einem Brasilianer verheiratet bin, trinke ich schonmal ein oder zwei Glas Bier, eher Radler, aber dann reicht's auch ! Ich finde angetrunkene Menschen immer noch einigermassen widerlich und wenn die Stimmung mir dann zu blöd wird an so einem Familienfest, dann ziehe ich mich auch zurück.
Also ist meine körperliche Toleranz zwar etwas gestiegen, aber die psychische weniger oder so.
Ich fined es halt auch gefährlich, dass es als so "normal" gilt !
LG nach Mallorca
Ursel
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