Dienstag, März 28, 2006

cornwall









































Ich sitzte im Zimmer in Cornwall vor beschlagenen Scheiben. Die schamanische Übung der Kälte. Es ist sehr zivilisiert, die Dusche ist warm. Eine nie gekannte Sinnlichkeit macht sich in mir breit. Ich fühle sanfte Zärtlichkeit, will teilen, will berührt werden. Bin gespannt, ob so eine Öffnung Wirklichkeit wird, ob ich mich sanft von Innen steuern kann, ganz auf Empfang, wie eine Blüte. Mein Begehren ist nicht hitzig und geistesgestört, wie beim letzten Male, das mich verwundet und schockiert zurückließ. Es war wichtig, ein Spaziergang in meinen Ängsten und Neurosen, ein Abgeben aller Macht an den anderen, ein leeres Zurückbleiben. Jetzt ein bei mir sein wie nie zuvor, ein ja oder nein zählt nicht, eine sanfte Welle, ohne Forderung, nur im Sein.

Eine Sehnsucht einer Blüte nach dem Schmetterling, sei es oder sei es nicht. Vielblättrig, zart, weich und weise, lachen und verstehen. Was jünger gehetzt ist und elektrisierend ist nun heiter und leicht mit aller Zeit der Welt. Die Welt hat Zeit, wird gebaut aus unserer Energie und die Liebe ist ein Geschenk. Es öffnen sich Tore, die die Verwandlung aufnehmen und sanftes Klima schaffen, ein Träne weniger für jede echte Begegnung mit mir selbst.

Cornwall bringt einmal wieder Saiten oder Seiten in mir zum Klingen, die so sanft und annehmend sind, wie ich es sonst nicht kenne. Verwürfe, Erwartungen, Verletzungen verklingen, lösen sich, wehen weg mit dem Wind. Eine raue Lieblichkeit macht sich breit. Alles vergeht und entsteht neu.

Die Frauen inspirieren mich, jede eine Schamanin der besonderen Art. Unsere Gesichter erzählen Lebensgeschichten. Wenn ich nach Hause komme, räume ich um und auf.

Tiefer geht es hier, der Boden gibt nach, er ist weich und viele Gänge wurden schon gegraben. An jeder Ecke sitzte ein Zwerg. Ich denke an Elfenlichter und die Unendlichkeit der Zeit. Meine innere Landschaft beim Trommeln, das Tal der Dinosaurier, die Zeit des Lebens, die Ewigkeit, was zählt meine Ängstlichkeit vor dieser Weite.

Alles wird sanft und zart, gibt nach. Die Realität ist das was sie ist, eine dünne Schicht, wie eine Milchhaut über der Anderwelt. Ich schöpfe, entwerfe. Gehe weg von kristallener Schärfe hin zu einem zarten Hauch. Verstehen und annehmen, Empfänglichkeit, Vision.

Blaues Zimmer mit Erker. Wo bin ich? Frei fließend. Lachend, leicht.

Träume von Anspannung, Verfolgung, Töten. All das ist in mir jeden Tag, macht mich hart und verkrampft. Gib nach, gib auf, lass dich fallen. Gehetzte Mörderin, Herrin über Leben und Tod, Verfolgte, Verurteilte und Scharfrichterin, regungslos, kaltherzig, verspannt. Hamsterrad, Geld und Wert, Wertlosigkeit, Existenzangst, Ungeliebtsein, Verharren.

Schaffe einen weichen Übergang in Empfänglichkeit, reines Sein, sein dürfen, leuchten und lieben. Die zerzauste Mörderin entspannt in den Armen der geliebten Erde. Von den schwarzen Stiefeln tropft Blut und Matsch, die weißen Laken hüllen mich ein.









































Eine Quellnymphe erzählt mir von wahrer Liebe. Sie erklärt mir, dass wahre Liebe nicht verletzt werden kann. Dieses Gefühl ist so rein und unschuldig und doch so stark. Die Verletzungen kommen aus anderen Schichten, Eitelkeit, Stolz, Besitz, nicht loslassen können, Abhängigkeit. Die Energie ist fein und leicht, fedrig, fließend. Ich werde weich, mein Herz öffnet sich.

Ute Schiran schreibt vom Schwefel, der Liebe und dem Element Schwefel. Schwefel kann sich 8 Mal mit sich selber verbinden, bevor es gesättigt ist, Verbindungen ebenso leicht mit anderen Elementen eingehen und wieder lösen. Das, was ich vor vielen Jahren gespürt hatte und noch nicht leben konnte, wird nun Gewissheit. Liebe ist frei, Liebende können einander nicht besitzen. Es finden Austausch statt, Sättigung. Loslassen.

Die Sonne geht über dem Meer unter, ich fühle mich leicht und kribbelig. So ein schöner Ort, so ein schönes Leben, das ich habe. Weiches Licht, Wind, Regen, Sanftheit.









































Gemeinhin stellt sich die Frage, wie bleiben diese cornischen Zustände erhalten, weben sie sich in den Alltag mit ein oder waren sie flüchtige Ahnungen? Wahrscheinlich webt sich alles in den Alltag ein, sei es die flüchtige Sichtung einer Dragonfly im Abendlicht.

Erotische Erlebnisse im Boscarvenon. Das letzte Mal fand ich mich belästigt, diesmal ließ ich mich freudig ein. Es leuchtete. Ich schwebte in andere Spähren, gab mich nicht auf empfand und blieb ein selbst, trug das Mondmal auf der Stirn und zauberte im schwarzen Kleid so schön.

Jeder Stein hat eine andere Botschaft. Ich spürte die cornische Künstlerin in mir, die Verbindung mit den vielen Frauen, die hier leben, lebten und schöpften. Ich möchte mehr über mich erfahren, mehr über sie erfahren. Ein anderer Stein erzählte mir von Geistern im Haus, vom Wahnsinn, von der Verfolgung und der Rettung durch einen Sprung über die Klippen. Tiefe Angst, gewaltiger Wahnsinn, Einsamkeit. Das Meer als letzte Rettung.

Ein anderer erzählt mir von Erotik, meiner Schönheit, Würdigung, Magie und Zartheit. Flüchtige Gefühle, Auflösung, Erdung, Wiederauferstehen.

Keine Vergangenheit, keine Zukunft, jetzt ist jetzt und alles was zählt. Bedenken und quälende Gedanken lösen sich auf, verschwinden in der Zeitlosigkeit des universellen Jetzt. Empfinden mit Gleichmut, ob tief in der Erde die Maden an mir fressen, oder hoch oben am Altar der Erleuchtung, alles klar und alles eins.

Ich sehe mich zuhause in Waldhütten, wie wir sie als Kinder gebaut haben, mit nackten, schmutzigen Füßen, in eine alte Decke gehüllt. Schweigen. Knochenbinderin, Bildermacherin. Schleier zerfließen lösen und werden wieder gebunden. Ich lächle und leuchte.





































Donnerstag, März 16, 2006

weg

Meine Lieben, morgen früh um 7:10 geht es los, nach Cornwall. Vielleicht schreib ich auch mal von dort, mal sehen. Für euch die Fotos von vor 1 1/2 Jahren. Bleibe bis zum 27.3., also bis bald wieder!!

Sonntag, März 12, 2006

imagine



Also heiß, echt. Die Themen "Frauenraum" und "wirtschaftliche Eigenständigkeit" sind doch wirklich die immer die brisantesten. Danke für eure vielen Comments, so bunt wie das Leben.



Zu der Frau, bei der mir einfach nur ein "meine Güte" rausgerutscht ist. Ich will niemanden abwerten. Da komm ich aber schon in die fiese Schiene "noch nicht so weit", wir diskutierten das an anderer Stelle. "Noch nicht so weit", weil ich auch mal eine überzeugte Hälfte einer Paarbeziehung war, mehrerer Paarbeziehungen eigentlich.



Es ist nicht so, dass ich nicht lieben kann oder will. Ganz im Gegenteil. Mir geht es einfach im Moment so, dass ich mich für einen Mann interessiere, dass es mich ganz wahnsinnig durchrieselt, das Begehren wächst, die Hormone wallen auf. Dann lässt er irgendeinen auch nur irgendwie abwertenden Spruch los, über mich oder
Frauen an sich, ganz spaßig gemeint, wie sie halt so daherreden die Kerle und er steht 100%ig nicht mehr auf meiner Liste. Früher war das nicht so. Da bin ich durch, fand das "was sich liebt das neckt sich" und so, ja nicht zickig und humorlos sein. Heut weiß ich, so einen Scheiß will ich nicht, brauch ich nicht. So kam mir auch diese Ansage vor, mit den niederträchtigen Tiefen. Vielleicht meine Interpretation, ich kenne das aber, dass Männer nachbohren, wie weit sie "ihre" Frauen erniedrigen und abwerten können, und wie sie reagieren. Es ist eine Art Machtspiel und Dressurakt. Sie sehen uns a priori als unter ihnen stehend. Das fällt mir immer besonders ins Auge, wenn auch der häßlichste, dickste, pickeligste, grad mal 18jährige sich abwertend über Frauen äußert und damit durch kommt.



Was ich dazu meine, das ist angelerntes Sozialverhalten. Ich denke nicht, dass Männer von Grund auf so sind. Die Sperma-Theorie von Angelika Aliti in "Die sinnliche Frau" kann ich so nicht teilen. Ist fieser Biologismus. (Teilweise ist das Buch aber schon gut). Sie meint Männer müssen so sein, sind von Grund auf so, weil sie wie das Sperma sind, dass der Sieger sein muss. Zielgerichtet, andere vernichten, erster sein. Ich glaube, momentan verhalten sich die meisten Männer so. Weil sie es so gelernt haben und die Frauen sich das gefallen lassen, bzw. diese Verhalten noch unterstützen. Ich denke das mit dem kämpfenden Sperma ist eine Fehlinterpretation. Das eine Sperma kommt nicht durch Kampf zur Eizelle, sondern weil die anderen ihm den Weg ebnen. Zusammenarbeit. Teamwork. Aber ich bin nicht die, die das "Ihrem" Mann lernt. Ich bin die, die Männern ganz grundsätzlich keine besondere Unterstützung (mehr) zu teil werden lässt. Die, die sich um sich selbst kümmert. Die sich als vollständig betrachtet, auch ohne Teil einer Paar-Beziehung zu sein. Ich mag das Wort Single nicht. Ich vereinsame auch nicht, weil ich alleine lebe. Es ist so klasse, für mich selbst zu kochen, was ich essen will. Nur meinen Dreck wegzuräumen, nur meine Wäsche zu waschen, nur mein Geschirr zu spülen. Ich bin durch die Hölle gegangen, nur um nicht alleine zu sein. Alles Quatsch, diese Angst vorm allein sein. Bin ich nämlich garnicht. Bin mit der tollsten Person zusammen, die ich kenne.



Dieser Aufschrei von "Anonym" war so typisch. Ich habe überhaupt nichts gegen Männer geschrieben, nur von Frauen, die ihren Raum alleine einnehmen. Allein das wird als Verrat gegen Männer aufgefasst. Glaubt mir, wenn wir sie weiter so hätscheln, wird das nie was mit glücklicher Liebe und wahrhafter Sinnlichkeit. Was wäre los, wenn wir unseren Raum nehmen, ihnen die Energie und Aufmerksamkeit entziehen und unser Ding machen? Imagine...

Donnerstag, März 09, 2006

begine



Zsusa hat wahren Schreib-und Bilder-Sturm, ich ersticke am Schnee. Oder an sonst was. Ich fiebre auf Cornwall hin und habe mir mit Treibhausblumen Frühling gezaubert.



Zur Frage zu den Karten auf dem Foto um letzten Eintrag: das sind die Karten der Madame Lenormand, neu gestaltet. Die Gestaltung ist wirklich schön. Für mich aber nur ein Sammlerstück, lege selten damit, die Aussagen sind nicht so meins.



Gestern war Weltfrauentag. Ich war bei einem Vortrag über das Beginenwesen in Deutschland. Ich hatte vorher schon ein wenig über die Beginen gewusst, mir war aber nicht so klar, dass es in ihrer Blütezeit um 1300 so viele von ihnen gab. Die Beginen waren alleinstehende Frauen die sich zusammengetan haben. Sie waren wirtschaftlich erfolgreich, übernahmen Aufgaben in der Kinderbetreuung, der Alten- und Krankenpflege. Sie waren extatisch-christlich-spirtuell, lebten aber nicht Klausur wie Klosterschwestern. In vielen deutschen Städten waren Beginenhöfe etabliert, so gehörten in Köln den Beginen über 50 Häuser. Heute gibt es wieder Beginen und Beginenhöfe, als alternatives Wohn- und Lebensmodell für Frauen. Die Referentin betonte mehrmal die Wichtigkeit eines Frauenraums abseits von männlich bestetzten Strukturen. Darauf baut auch das ganze Beginenwesen auf. Will ich nur mal so gesagt haben...



Ich finds recht reizvoll einerseits. Die Wohnmodelle beschränken sich alle auf 2-Zimmer Wohnungen für die Frauen. So lebe ich ja auch, der Grund ist auch sich zurückzunehmen, also sich nicht den Arsch aufzureißen für irgendein rießen Haus, in dem man dann eh nicht alt werden kann, weils spätestens mit 70 zu anstrengend wird. Die Gruppenidee, naja. Ich bin ziemlich einzelgängerisch und/oder habe Angst, mich einzulassen. Für mehr Info googelt mal "Beginen".



In Nordrheinwestfalen funktioniert das Beginenwesen prima. Aber in Bayern? Da kleben die Frauen an ihren Männern auch wenns schon staubt vor Trockenheit und Kälte.

Sonntag, März 05, 2006

weiß

Habe leider länger nicht geschrieben. Ich habe es auch satt Fotos zu machen, weil nichts als Schnee und nochmal Schnee. Plane, meinen Porzellanschneemann mit dem Hammer zu zerschlagen, vielleicht hilft das.



Habe angefangen, wieder auf Vollwertkost umzusteigen, nachdem ich ja vor mehreren Wochen den Kaffee aufgegeben habe. Macht Spaß, ist gut für die Verdauung und ich hab auch schon 4 Kilo abgenommen. Wehrte mich die letzten Jahre vehement gegen irgendwelchen Diätwahn, habe mir satte 90 kg angefressen. Die Lösung des Problems ist natürlich keine neue Diät, sondern eine neue Einstellung zum Körper und zur Nahrung, die auch bleibt. Fühle mich doch tatsächlich leichter und habe Lust auf Bewegung. Vorher habe ich Yoga nur alle 2 Wochen im Kurs gemacht, seit meiner erneuten Vollwertkostphase habe ich schon mindestens 5 Mal daheim geübt. Klasse.



Lese mal wieder Bridget Jones, weil ich mir auch so vorkomme. Nur ohne Daniel Clever und Marc Darcy. Wer nur den Film kennt, unbedingt das Buch lesen. Ist um Klassen besser.



Frühlingsgefühle habe ich mangels männlicher Unterstützung in Elekronik-Einkaufspläne umgewandelt. Habe schon ein neues Handy (Motorola V3 Razr), in das ich ganz verliebt bin. Morgen kaufe ich mir einen i-Pod. Den ganzen Nachmittag habe ich mich schon mit i-Tunes beschäftigt (Musik-Datenbank-Software für den i-Pod). Also lauter kleine schicke schwarze neue Elektronikgeräte. Juhu. Ein großer schicker Kerl wär auch nicht schlecht. Blödes Frühjahr.