cornwall




















Ich sitzte im Zimmer in Cornwall vor beschlagenen Scheiben. Die schamanische Übung der Kälte. Es ist sehr zivilisiert, die Dusche ist warm. Eine nie gekannte Sinnlichkeit macht sich in mir breit. Ich fühle sanfte Zärtlichkeit, will teilen, will berührt werden. Bin gespannt, ob so eine Öffnung Wirklichkeit wird, ob ich mich sanft von Innen steuern kann, ganz auf Empfang, wie eine Blüte. Mein Begehren ist nicht hitzig und geistesgestört, wie beim letzten Male, das mich verwundet und schockiert zurückließ. Es war wichtig, ein Spaziergang in meinen Ängsten und Neurosen, ein Abgeben aller Macht an den anderen, ein leeres Zurückbleiben. Jetzt ein bei mir sein wie nie zuvor, ein ja oder nein zählt nicht, eine sanfte Welle, ohne Forderung, nur im Sein.
Eine Sehnsucht einer Blüte nach dem Schmetterling, sei es oder sei es nicht. Vielblättrig, zart, weich und weise, lachen und verstehen. Was jünger gehetzt ist und elektrisierend ist nun heiter und leicht mit aller Zeit der Welt. Die Welt hat Zeit, wird gebaut aus unserer Energie und die Liebe ist ein Geschenk. Es öffnen sich Tore, die die Verwandlung aufnehmen und sanftes Klima schaffen, ein Träne weniger für jede echte Begegnung mit mir selbst.
Cornwall bringt einmal wieder Saiten oder Seiten in mir zum Klingen, die so sanft und annehmend sind, wie ich es sonst nicht kenne. Verwürfe, Erwartungen, Verletzungen verklingen, lösen sich, wehen weg mit dem Wind. Eine raue Lieblichkeit macht sich breit. Alles vergeht und entsteht neu.
Die Frauen inspirieren mich, jede eine Schamanin der besonderen Art. Unsere Gesichter erzählen Lebensgeschichten. Wenn ich nach Hause komme, räume ich um und auf.
Tiefer geht es hier, der Boden gibt nach, er ist weich und viele Gänge wurden schon gegraben. An jeder Ecke sitzte ein Zwerg. Ich denke an Elfenlichter und die Unendlichkeit der Zeit. Meine innere Landschaft beim Trommeln, das Tal der Dinosaurier, die Zeit des Lebens, die Ewigkeit, was zählt meine Ängstlichkeit vor dieser Weite.
Alles wird sanft und zart, gibt nach. Die Realität ist das was sie ist, eine dünne Schicht, wie eine Milchhaut über der Anderwelt. Ich schöpfe, entwerfe. Gehe weg von kristallener Schärfe hin zu einem zarten Hauch. Verstehen und annehmen, Empfänglichkeit, Vision.
Blaues Zimmer mit Erker. Wo bin ich? Frei fließend. Lachend, leicht.
Träume von Anspannung, Verfolgung, Töten. All das ist in mir jeden Tag, macht mich hart und verkrampft. Gib nach, gib auf, lass dich fallen. Gehetzte Mörderin, Herrin über Leben und Tod, Verfolgte, Verurteilte und Scharfrichterin, regungslos, kaltherzig, verspannt. Hamsterrad, Geld und Wert, Wertlosigkeit, Existenzangst, Ungeliebtsein, Verharren.
Schaffe einen weichen Übergang in Empfänglichkeit, reines Sein, sein dürfen, leuchten und lieben. Die zerzauste Mörderin entspannt in den Armen der geliebten Erde. Von den schwarzen Stiefeln tropft Blut und Matsch, die weißen Laken hüllen mich ein.




















Eine Quellnymphe erzählt mir von wahrer Liebe. Sie erklärt mir, dass wahre Liebe nicht verletzt werden kann. Dieses Gefühl ist so rein und unschuldig und doch so stark. Die Verletzungen kommen aus anderen Schichten, Eitelkeit, Stolz, Besitz, nicht loslassen können, Abhängigkeit. Die Energie ist fein und leicht, fedrig, fließend. Ich werde weich, mein Herz öffnet sich.
Ute Schiran schreibt vom Schwefel, der Liebe und dem Element Schwefel. Schwefel kann sich 8 Mal mit sich selber verbinden, bevor es gesättigt ist, Verbindungen ebenso leicht mit anderen Elementen eingehen und wieder lösen. Das, was ich vor vielen Jahren gespürt hatte und noch nicht leben konnte, wird nun Gewissheit. Liebe ist frei, Liebende können einander nicht besitzen. Es finden Austausch statt, Sättigung. Loslassen.
Die Sonne geht über dem Meer unter, ich fühle mich leicht und kribbelig. So ein schöner Ort, so ein schönes Leben, das ich habe. Weiches Licht, Wind, Regen, Sanftheit.




















Gemeinhin stellt sich die Frage, wie bleiben diese cornischen Zustände erhalten, weben sie sich in den Alltag mit ein oder waren sie flüchtige Ahnungen? Wahrscheinlich webt sich alles in den Alltag ein, sei es die flüchtige Sichtung einer Dragonfly im Abendlicht.
Erotische Erlebnisse im Boscarvenon. Das letzte Mal fand ich mich belästigt, diesmal ließ ich mich freudig ein. Es leuchtete. Ich schwebte in andere Spähren, gab mich nicht auf empfand und blieb ein selbst, trug das Mondmal auf der Stirn und zauberte im schwarzen Kleid so schön.
Jeder Stein hat eine andere Botschaft. Ich spürte die cornische Künstlerin in mir, die Verbindung mit den vielen Frauen, die hier leben, lebten und schöpften. Ich möchte mehr über mich erfahren, mehr über sie erfahren. Ein anderer Stein erzählte mir von Geistern im Haus, vom Wahnsinn, von der Verfolgung und der Rettung durch einen Sprung über die Klippen. Tiefe Angst, gewaltiger Wahnsinn, Einsamkeit. Das Meer als letzte Rettung.
Ein anderer erzählt mir von Erotik, meiner Schönheit, Würdigung, Magie und Zartheit. Flüchtige Gefühle, Auflösung, Erdung, Wiederauferstehen.
Keine Vergangenheit, keine Zukunft, jetzt ist jetzt und alles was zählt. Bedenken und quälende Gedanken lösen sich auf, verschwinden in der Zeitlosigkeit des universellen Jetzt. Empfinden mit Gleichmut, ob tief in der Erde die Maden an mir fressen, oder hoch oben am Altar der Erleuchtung, alles klar und alles eins.
Ich sehe mich zuhause in Waldhütten, wie wir sie als Kinder gebaut haben, mit nackten, schmutzigen Füßen, in eine alte Decke gehüllt. Schweigen. Knochenbinderin, Bildermacherin. Schleier zerfließen lösen und werden wieder gebunden. Ich lächle und leuchte.




















