Sonntag, Mai 28, 2006

walfisch



Völlig wort- und sprachlos gewesen und liege nun vom Walfisch ausgespuckt am Strand. Die Reise in meine Sexualität erwies sich als eine in die tiefsten Abgründe und Wahrheiten. Macht, Ohnmacht, Hingabe, Verbindung. Auch Leid und Schmerz. Recherche in der SM-Szene. Was ist das, was mich da antörnt? Leide ich für dich, liebst du mich? Erhöhung durch Opfer, sehr christliche Motive. Soweit vertrauen, dass ich mich total hingeben kann. Merke, dass ich keinem Menschen der Welt soweit vertrauen kann und will, dass ich meine Macht abgebe. Was passiert, wenn ich nachgebe, meine dunkelsten Fantasien lebe, meine inneren Grenzen verschiebe, werde ich dann frei? Frei durch Auflösung jeglicher Schamgrenze? Ich weiß es nicht, der Gedanke war eine Zeit lang aber sehr klar und present. Es fühlte sich an, wie etwas das süchtig und wahnsinnig macht, aber eine nie dagewesene Dimension in meinem Bewusstsein eröffnet. Mit dem Einsetzen der Blutung verschwand alles schlagartig, jeglicher Gedanke an einen Versuch in der Realität, außerhalb von Erregung durch Fantasie.



Lese im Tarot: das Credo des Eremiten ist die Erkenntnis, dass es keiner äußeren Partnerschaft, sondern einer inneren Führung bedarf. Was war das für eine Frühlings-Reise, über Sehnsucht, zarte Verliebtheit, Quellnymphen, Hingabe im Schmerz und totaler Auflösung des eigenen Willens. Das alles nur als Kopfkino, keine Beziehung. Es ist gut so. Der Gedanke an einen realen Partner lässt mich Schaudern. Er wäre Instrument für meine Erkenntnis, nicht mehr. Sonst nur lästig. Will Liebe immer über den Menschen hinaus zum göttlichen weisen?



Ein wichtiger Aspekt ist auch, wo begegne ich einem anderen, wo wird er nur Projektionsfläche meiner Fantasien und Sehnsüchte, meiner Abgründe. Suche ich eine perfekte Leinwand oder lasse ich los und mich neu überraschen? Lasse ich mich ein? Ein-lassen, das löst Panik aus, Panik vor dem Bezogen sein auf einen Anderen, vor dem Verlust der inneren Stärke, dem Bezogen sein auf mich und meine Werte, meine Richtung, mein Rhythmus, mein Freiraum. Alleine spielt es sich gut, es kommt auch da und die Sehnsucht wird zu einem wissenden Lächeln, zur gleichsam religösen Extase, zur Eremitage.



Eine Leserin schreibt, sie hätte mit Männern auch schwierige Erfahrungen gemacht, aber Frauen hätten ihr letztendlich das Kreuz gebrochen. Will heißen: auch und gerade auf Frauen ist kein Verlass. Sie sind nicht die besserern Menschen. Hab ich auch nie behauptet. Was ich behaupte, ist: ich bin eine Frau und das beste für mich ist, den eigenen, weiblichen Weg zu gehen, meine Wurzeln und Ahninnen zu finden, meine Gesetze zu entwickeln. Intuition, Gefühl und Logik zu verschmelzen, immer in ein verlässliches, weil starkes inneres Netz fallen.

Dienstag, Mai 02, 2006

breitband



Ich war länger ein- oder untergetaucht. Mal wieder in einzelne Atome zerlegt habe ich es schwer mich zu finden, eine Form zu entwickeln. Alles steht wieder einmal in Frage und ich bin einfach und ich bin zu groß für diesen Körper und für meine Worte. Außerkörperliche und nicht allgemein anerkannte Erfahrungen durchziehen mein Geistgewebe und schütteln mich durch und durch.



Die Phase der Sehnsucht nach Ausleben körperlicher Lust endet mit Resignation. Ich kann es nicht. Ich kann nichts mehr "einfach so", nichts mehr halbes. Wenn dann, muss ich lieben. Richtig. Sonst sinnlos.



Ich kaufe mir neue Sextoys, um autoerotisch mal wieder was auszuprobieren. Anders betrachtet, sind viele Begegnungen sexuell, erotisch, auch ohne Worte, ohne den Akt. Scheitere mal wieder an der Enge der Begriffe, an der Enge der Schematas.



Als Großmutter kann ich schließlich wählerisch sein. Früher erlegte ich mein Wild auf Biegen und Brechen. Meist war ich fassungslos über die Kleingeistigkeit meiner Partner, in sexueller Hinsicht. Wenn eine Gesellschaft so öffentlich so sexuell ist, hat das Private anscheinend so wenig Reiz und Tiefe. Ein riesen Gedöns und nichts dahinter. Wobei es ja nach dem Balzen erst losgeht, nach der ersten Nacht. Eine Nähe und Vertrautheit erzeugen, experimentieren, Fragen, ausprobieren, lachen.



Da heißt es doch immer, Männer seien für sowas nicht geschaffen, sie wären dann nicht mehr so angeturnt und suchen lieber was neues zum Jagen und blabla. Ich glaub einfach, da wo es richtig anfängt, da haben sie Angst. Ich wahrscheinlich auch. Die ganze Pornoindustrie ist vermutlich aus Angst vor wirklicher Nähe und tief empfundener Sexualität entstanden. Männer sind so? Faule Ausrede...



Mein Part dabei? Ich mache ja nicht mehr das Rollenmodell. Die verachtete Frau, die Hure und Heilige und das alles. Ich suche einen reifen Mann, der tatsächliche Ahnung von Weiblichkeit hat, das ist nun mal schwer zu finden. Reif hat nichts mit dem Alter zu tun, es gibt Männer, die empfinden von Anfang an "normal". Ich meine das ehr als gesellschaftlich reif. Habe keinen solchen gefunden oder keinen so nahe kennengelernt, dass ich es feststellen konnte. Also keinen 2-Personen-Geschlechtsteil-Sex. Sondern Ein-Frau-Sextoy-Spaß. Und prickelnde geistige Blitzchen hin und wieder.



Ich werde auch oft gefragt, ob ich mir Sex mit Frauen vorstellen kann. Schließe ich nicht aus, aber so richtig gefunkt hast bei mir noch nicht bei einer Frau.



Sonst hat sich auch mein ganzes restliches Wesen irgendwie zerlegt, falls Sexualität überhaupt trennbar ist. Diesmal versuche ich mich nicht nach Plan zusammenzusetzen, ich lasse es einfach. Ich lasse mich von Innen zusammensetzten. Führe keine Pflichten und Vorhaben ein. Kein Hausputz, kein Kreativitätsprojekt. Warte einfach ab, was in mir aufsteigt.



Momentan ist Träumen sehr wichtig. Träumen als gültige Erfahrung in einer anderen Wirklichkeit. Nicht als Verarbeitung des Alltags und Probeerleben für die Zukunft. Sondern ein anderes Leben in einer anderen Dimension. Aus der Sicht dieser Dimension träume ich im Moment gerade einen Traum. In diesem Sinne meinte ich anfangs, ich wäre zu groß für meine Körper. Ich nehme mein wanderndes Bewusstsein als real an und sehe meinen Körper als eine Art Nest für meinen Geist, ein Nest, dass mein Geist nach belieben verlassen kann. Schalte vom durch populäre Wissenschaft und Medien propagierten schmalen Realitätskanal auf Breitband um.



Lerne das wie ein Kind das Sprechen oder das Laufen. Die Gefühle dabei stehen außerhalb von Beschreibungen durch Worte. Das Erlebte würde durch Sprache nur wieder eingeengt. Ein Ziehen, ein Fließen. Wahrnehmen. Mein Leben ist das exakte Abbild meiner gesamten Psyche. Immer im Werden und Wandeln begriffen.



Das Denken in Subjekt und Objekt, bzw. in Betrachter und ein Objekt, dass betrachtet wird, ist noch nicht so alt. Aber alt genug, dass viele glauben, es sei real. Das ist es nicht. Es ist einfach nur schade. Und fade.

oma



Das ist Annalena, geboren am 23.4.2006 um 13.04 Uhr in Wasserburg am Inn. Willkommen und viel Spaß auf dieser Welt!