walfisch
Völlig wort- und sprachlos gewesen und liege nun vom Walfisch ausgespuckt am Strand. Die Reise in meine Sexualität erwies sich als eine in die tiefsten Abgründe und Wahrheiten. Macht, Ohnmacht, Hingabe, Verbindung. Auch Leid und Schmerz. Recherche in der SM-Szene. Was ist das, was mich da antörnt? Leide ich für dich, liebst du mich? Erhöhung durch Opfer, sehr christliche Motive. Soweit vertrauen, dass ich mich total hingeben kann. Merke, dass ich keinem Menschen der Welt soweit vertrauen kann und will, dass ich meine Macht abgebe. Was passiert, wenn ich nachgebe, meine dunkelsten Fantasien lebe, meine inneren Grenzen verschiebe, werde ich dann frei? Frei durch Auflösung jeglicher Schamgrenze? Ich weiß es nicht, der Gedanke war eine Zeit lang aber sehr klar und present. Es fühlte sich an, wie etwas das süchtig und wahnsinnig macht, aber eine nie dagewesene Dimension in meinem Bewusstsein eröffnet. Mit dem Einsetzen der Blutung verschwand alles schlagartig, jeglicher Gedanke an einen Versuch in der Realität, außerhalb von Erregung durch Fantasie.
Lese im Tarot: das Credo des Eremiten ist die Erkenntnis, dass es keiner äußeren Partnerschaft, sondern einer inneren Führung bedarf. Was war das für eine Frühlings-Reise, über Sehnsucht, zarte Verliebtheit, Quellnymphen, Hingabe im Schmerz und totaler Auflösung des eigenen Willens. Das alles nur als Kopfkino, keine Beziehung. Es ist gut so. Der Gedanke an einen realen Partner lässt mich Schaudern. Er wäre Instrument für meine Erkenntnis, nicht mehr. Sonst nur lästig. Will Liebe immer über den Menschen hinaus zum göttlichen weisen?
Ein wichtiger Aspekt ist auch, wo begegne ich einem anderen, wo wird er nur Projektionsfläche meiner Fantasien und Sehnsüchte, meiner Abgründe. Suche ich eine perfekte Leinwand oder lasse ich los und mich neu überraschen? Lasse ich mich ein? Ein-lassen, das löst Panik aus, Panik vor dem Bezogen sein auf einen Anderen, vor dem Verlust der inneren Stärke, dem Bezogen sein auf mich und meine Werte, meine Richtung, mein Rhythmus, mein Freiraum. Alleine spielt es sich gut, es kommt auch da und die Sehnsucht wird zu einem wissenden Lächeln, zur gleichsam religösen Extase, zur Eremitage.
Eine Leserin schreibt, sie hätte mit Männern auch schwierige Erfahrungen gemacht, aber Frauen hätten ihr letztendlich das Kreuz gebrochen. Will heißen: auch und gerade auf Frauen ist kein Verlass. Sie sind nicht die besserern Menschen. Hab ich auch nie behauptet. Was ich behaupte, ist: ich bin eine Frau und das beste für mich ist, den eigenen, weiblichen Weg zu gehen, meine Wurzeln und Ahninnen zu finden, meine Gesetze zu entwickeln. Intuition, Gefühl und Logik zu verschmelzen, immer in ein verlässliches, weil starkes inneres Netz fallen.



