Klar, der letzte Text ist nicht so gut wie der Mondspaziergang. Find ich auch. Den Text hab ich 1999 geschrieben. Der Hintergrund ist meine letzte Liebesgeschichte. Ich war damals dermaßen unglücklich verliebt. Ohne dass meine Gefühle erwidert wurden. Der Mann zog sogar bei mir ein, als mein "Untermieter", er war mir ganz nah täglich. Aber er berührte mich nie, und ich hoffte jeden Tag, dass er es täte. Ich kochte für ihn und wusch seine Wäsche. Ich kaufte ein. Ich fühlte mich abgrundtief häßlich und wie eine komplette Idiotin. 2 Jahre brauchte ich, um mich von ihm zu lösen. Und danach war ich deswegen auch noch in Therapie. Weil ich nicht glauben konnte, wie ich so eine schädliche Liebe leben konnte und nicht wusste, warum ich mir sowas antun musste.
Das war eine üble Zeit. Der Loslösungsprozess war langwierig, begleitet von Autorinnen wie Angelika Aliti, "Die Wilde Frau" oder anderen Büchern über das göttlich Weibliche.
Ich hatte eh immer so einen Hang, mich fast vollständig auf einen Mann zu beziehen. Es war eine Instanz im Kopf, die mich durch "seine" Augen sah. Nicht mein Ausdruck und meine Gefühle waren wichtig, sondern zu leben und sein wie ich glaubte, dass ich bei ihm gut ankam. Also total verdreht, so ein unerfülltes Vater-Tochter Ding.
Kernwörter dieser Zeit sind: Häßlichkeit, Mangel, Unvermögen, Abhängigkeit, Unselbständigkeit. Puh. Ich bezog meine Stimmung aus IHM, ob es ihm durch mich gut ging. Das ist bei mir absolut extrem, ich geriet in eine Art Sog, wenn ich mich auf einen Mann einließ, der mich selbst fast auslöschte. Ich habe einen Weg zu mir selbst gefunden, einen Weg allein zu sein. Aber wirklich noch keinen mit einem Mann zusammen zu sein.
Meine Idealvorstellung wäre, eine totale Verschmelzung mit einem anderen, sexuell, gefühlsmäßig, in einem bestimmten intimen Zeitraum. Außerhalb dieser Zeiten dann wieder vollständig alleine eins zu sein. Völlig unabhängig. Das fällt mir nicht leicht. Ich halte das aber für den Idealzustand für mich.
Einerseits ist es schwierig, mich auf wirkliche Nähe einzulassen, wirklich zu verschmelzen. Andererseits ist das Loslassen schwierig, wieder selbst zu werden, den anderen wieder sein zu lassen. Durch Gespräche mit anderen hab ich auch festgestellt, dass solche Wünsche völlig individuell sind, und das andere diese Wünsche nicht unbeding teilen.
Ganz was anderes: am Sonntag fliege ich nach Palma de Mallorca und bleibe 3 Monate dort, zum Arbeiten. Schreibe da natürlich weiter, und es wird spannend. Vor allem neue Motive für Fotos. Nach Mallorca zu kommen, war eigentlich nicht meine bewusste Absicht. Ich hab mich aber schon ziemlich gelangweilt. In meinem Job nicht, aber in meiner Umgebung. Der Job bleibt also jetzt der selbe, die Umgebung wechselt.
Ich bin fasziniert, wie schön, spannend und einfach das Leben sein kann. Was für schwere Zeiten ich schon durchgemacht habe. Und dass der Unterschied nicht einfach zufällig ist, sondern mit einem Erwachen der Eigenmächtigkeit und Selbstverantwortung zu tun hat.