Montag, Juli 31, 2006

wochenende zwei



Gestern war ich am Playa de Palma. Dort ist auch der Ballermann und die Schinkenstraße. Junge Männer machen hier Urlaub und besaufen sich übelst jeden Tag. Die Schinkenstraße besteht aus Buden mit Billig-Alkohol. Auf den ersten Blick grauenhaft. Auf den zweiten? Soviel Schnaps? Soviel Kontrollverslust? Dann müssen auch viele Geister hier sein? War hier mal ein Piratengemetzel? Ich werd rausfinden.



Habe Trancereise zu den Geistern der Insel gemacht. Eine Eidechse holte mich ab. Wir gingen in eine Höhle und ich wurde Futter für den ganzen Schwarm (oder sagt man Rudel?). Meine Knochen lagen da. Ich sah Eidechseneier in der Höhle. Ich tauchte als Mensch in der Ebene auf und vermischte mich mit dem Eidechsengeist. Meine Haut war schuppig und glänzend. Der Mensch wusste nicht, wie er hierhergekommen war. Verschleppt? Ausgesetzt? Keine Ahnung. Einfach da.



In dem Buch "Magisches Mallorca" heute früh schnell gegengecheckt. Es gibt hier massenweise Initiations-Höhlen. Thema Tod und Wiedergeburt. Das Trance Erlebnis war sehr rudimantär, wurzelig. Mal weitersehen. Das Piratenblut geht noch in den Straßen spazieren. Extrem viele tätowierte und gepiercte Jungs mit unglaublich interessanten Gesichtern. Sieht heiß aus. Und die Deutschen saufens aus... hihi.



Am Pool spürte ich die Frauen im Hirsehaus. Ihre starke Gegenwart und Magie, die starke Verbindung.

Dienstag, Juli 25, 2006

feministin



Lese grad Luisas neues Buch, Wortwechsel. Spricht sie mir doch wieder einmal aus der Seele. Wenige Frauen trauen sich noch die "Gleichberechtigung" in Frage zu stellen. Alles ist ja angeblich schon so schön und längst gelöst und kein Problem mehr. Gäbs in so einer Welt einen Wet-T-Shirt-Contest? Den ganzen Tag höre ich solche und andere Geschichten. Wie immer nach der Lektüre von Luisas Büchern bleibt mir der Seufzer der Erleichterung: "Ich bin nicht allein, ich bin nicht verrückt". Obwohl "verrückt" in meinem Sprachgebrauch durchaus postiv ist. Solange ich nicht völlig allein auf einer anderen Ebene stehe, ist das schön.



Vieles ist mir auch in letzter Zeit durch den Kopf gegangen. Z.B. auch diese Tipps in Frauenzeitschriften. "Wie mache ich es den Männern recht" ist absolutes Hauptthema, wird nicht in Frage gestellt. Geht schon in den Teenieblättern los. Das letzte Mal hab ich mich sehr amüsiert (ist wohl ehr eine Art Galgenhumor), es ging um Kommunikation. Wie bringt Frau brisante Themen so auf den Tisch, dass Männer auch zuhören. Das ist in sich ja schon der Hammer. Expertenrat: nicht gleich anreden, den Kerl. Auf keinen Fall morgens sagen: heute Abend müssen wir dringend reden. Erst schön Tisch decken, kochen, was nettes anziehen, Atmosphäre schaffen. Dann mal, du-u ich hab da was wichtiges zu besprechen. Findet ihr das normal???



Früher, als ich noch nicht beziehungsunfähig war, habe ich auch solche Tipps verschlungen. Weil Männer tatsächlich ziemlich bockig werden, wenn frau ein ernstes Thema, die Beziehung betreffend, besprechen will. Diese Tipps fallen also auf fruchtbaren Boden. Warum schreibt aber keine: dieses unreife Verhalten von Männern ist keinesweg tolerierbar, schmeißt sie raus und stoppt das energy-sharing? Seid ganz ihr selbst, wenn dann noch einer will, ist es ja auch ganz nett, manchmal. Aber keine Angst, da will keiner mehr. Wärn sie ja auch blöd, wenn sie es bei anderen Frauen viel leichter haben.



Interessant auch: das "Unwort" Feministin. Auch sehr emanzipierte Frauen sagen als ersten Satz: "Aber Feministin bin ich keine." Nun gut. Wieder mal bin ich heilfroh aus dem Zirkus draußen zu sein. Nur noch Erstaunen und kein Leiden. Obwohl mir manche Bemerkungen, die ich täglich so höre, heute noch einen groben Stich verstetzen.



Was ziehe ich in meinen Raum. Die Bilder vom Wochenende. Das Schönste: "Visionlab". Also Visionlab Malle. Ich erstaune mich. Hihi. Was begegnet mir so. Was sagt es mir. Was hat es mit mir zu tun. Was erzählen mir die Leute so. Was sehe ich. Was fühle ich.



Mache mir Gedanken darüber, woran es liegt, dass ich beim Reden manche Begriffe nicht erinnere. Gestern beim Essen stellten wir fest, dass es jedem so geht. Es ist ja so, dass im Gehirn kein Speicher gefunden wurde. Alle Information werden über die Protonen in den Hyper-Raum gespeichert. Es ist also keine Frage der Speicherkapazität, sondern des Zugriffs. Meine Theorie ist im Moment, dass ich bestimmte Begriffe nicht erinnere, weil sie nicht relevant sind. Weil ich in diesem Moment keine echte Konversation führe, die ich emotional trage, die im jetzt stattfindet, sondern bei irgendeinen Small-Talk mache, d.h. die Daten sind in diesem Moment eigentlich garnicht gefragt. Ich mach da mal Feldforschung.

Montag, Juli 24, 2006

wochenende eins

Freitag



Samstag

















Sonntag









Freitag, Juli 21, 2006

hufe



Ganz langsam gehe ich an die Sache ran. Mein Kollege war vorgestern in El Arenal, das ist die Partymeile in Malle. Mit seinem Zimmergenossen und noch Freunden vom Zimmergenossen. Alles der Hammer, Wet-T-Shirt Contest *magenumdreh*, viel zu saufen.



Von Montag bis Mittwoch habe ich abends ferngesehen, wie immer zu Hause. Ich habe auch eine Sat-Schüssel mit allen deutschen Programmen. Mittwoch hab ich auch Karten gelegt, nach dem Motto: "was soll ich hier überhaupt?". Ein wenig Angst, die anspruchsvolle Aufgabe im Job nicht ausreichend zu bewältigen hab ich auch. Und ein wenig Lust auch mit den anderen in Clubs zu gehen, aber nicht genug, das auch in die Tat umzusetzten. Nicht wegen dem Alk, wegen der Musik, das mag ich schon.



Die Frage war auch, was werde ich hier finden? Bin praktisch auf Dauer-Visionssuche, manchmal mehr, manchmal bin ich nicht so aufmerkam. Was spricht das in mir an, welcher bisher ungelebte Teil kommt zum Vorschein, ja kommt überhaupt einer zum Vorschein? Irgendwann in einer Matrix-Planungsphase hatte ich inständig gebeten, dass etwas passieren möge, dass mir einen neuen Aspekt zeigt.



Stelle fest, dass ich unglaublich wenig Heimweh habe und mich rasend schnell eingewöhne. Die Hitze macht mir überhaupt nichts aus, es ist ehr angenehm. Wie ich mich im Moment fühle, wird es ehr schwer, wieder heim zu müssen.



Gestern meinte meine Mitbewohnerin Dani, sie hat eine Kollegin, die in der Nähe wohnt, da gibt es einen Pool. Da waren wir gestern Abend um 9. Das ist vielleicht eine Liebe!! Anna, ist Ungarin, spricht Deutsch und natürlich Spanisch. Macht Yoga, hat ihre Wohnung mit wunderschönen indischen Sachen dekoriert. Sie hat eine Tochter, 2 Jahre und einen Mann. Die Wohnung hat eine so entspannte Atmosphäre und so schön.



Der Pool ist im Innenhof von diesem großen Wohnhaus. Das Haus ist mir schon immer auf dem Weg in die Arbeit aufgefallen, ein großer Wohnblock, sehr schön, nagelneu, mit grünen Fensterläden. Also der Pool und die Runde Schwimmen, wundervoll. Wir unterhielten uns gut, übers Kartenlegen. Ich meinte, ich lege Karten zur Innenschau, nicht so sehr zur Zukunftsprognose, obwohl meistens eine Tendenz sichtbar wird. Die Zukunft ist nicht festgelegt, deswegen funktionieren klassische Wahrsager nicht. Die Quote ist deshalb ziemlich gut, weil wenn man immer im selben Fahrwasser bleibt, ist die Zukunft nichts weiter als eine naheliegende Wahrscheinlichkeitsrechung. Ja gut, langer Rede kurzer Sinn, Anne ist der selben Meinung. Auf alle Fälle waren wir uns gleich sympatisch.

Mittwoch, Juli 19, 2006

malle



Arbeiten im Ausland? Fühlt sich seltsam an. Klar ist, dass das natürlich nicht das Spaß-Mallorca ist, wie in den Urlaubskatalogen zu sehen. Die meisten meiner Kollegen wünschten mir auch "viel Spaß" vor der Abreise. Da dacht ich mir schon, was wollen denn die von mir. Spaß? Hab ich oder hab ich nicht, egal wo.



Mein Zimmer ist klein und das schwülste Zimmer von ganz Palma. Die Wohnung liegt ziemlich weit weg von der Altstadt, an einer Hauptstraße. Die Firma ist im Gewerbegebiet. Ein paar Häuser weiter ist ein Toys'R'Us. Da kann ich dann hingehen und Spielsachen kucken, wenn ich eine schöpferische Pause brauch.



Wir sitzen hier in einen Büro ohne Fenster mit sagenhafter Klimaanlage. Also klingt seltsam, ist es aber nicht. Weil bei der Sonne müssten wir sowieso das Rollo ganz zu machen, wegen den Bildschirmen.



Also ganz ernsthaftes Leben. Trotzdem anders. Ich merke, dass ich meine ganzen Kram daheim eigentlich garnicht bäuchte. Was da heißt, ich kann mir vorstellen alle Nase lang woanders zu wohnen. Heut früh auf dem Weg zur Arbeit habe ich einen Pfefferbaum entdeckt. Der zweite, den ich jemals gesehn habe. Möglicherweise hat mich ja jemand hingewünscht, wo der Pfeffer wächst. Nicht schlecht.



Bilder von Sonntag, Ankunftstag:















Mittwoch, Juli 12, 2006

tendenz



Klar, der letzte Text ist nicht so gut wie der Mondspaziergang. Find ich auch. Den Text hab ich 1999 geschrieben. Der Hintergrund ist meine letzte Liebesgeschichte. Ich war damals dermaßen unglücklich verliebt. Ohne dass meine Gefühle erwidert wurden. Der Mann zog sogar bei mir ein, als mein "Untermieter", er war mir ganz nah täglich. Aber er berührte mich nie, und ich hoffte jeden Tag, dass er es täte. Ich kochte für ihn und wusch seine Wäsche. Ich kaufte ein. Ich fühlte mich abgrundtief häßlich und wie eine komplette Idiotin. 2 Jahre brauchte ich, um mich von ihm zu lösen. Und danach war ich deswegen auch noch in Therapie. Weil ich nicht glauben konnte, wie ich so eine schädliche Liebe leben konnte und nicht wusste, warum ich mir sowas antun musste.



Das war eine üble Zeit. Der Loslösungsprozess war langwierig, begleitet von Autorinnen wie Angelika Aliti, "Die Wilde Frau" oder anderen Büchern über das göttlich Weibliche.



Ich hatte eh immer so einen Hang, mich fast vollständig auf einen Mann zu beziehen. Es war eine Instanz im Kopf, die mich durch "seine" Augen sah. Nicht mein Ausdruck und meine Gefühle waren wichtig, sondern zu leben und sein wie ich glaubte, dass ich bei ihm gut ankam. Also total verdreht, so ein unerfülltes Vater-Tochter Ding.



Kernwörter dieser Zeit sind: Häßlichkeit, Mangel, Unvermögen, Abhängigkeit, Unselbständigkeit. Puh. Ich bezog meine Stimmung aus IHM, ob es ihm durch mich gut ging. Das ist bei mir absolut extrem, ich geriet in eine Art Sog, wenn ich mich auf einen Mann einließ, der mich selbst fast auslöschte. Ich habe einen Weg zu mir selbst gefunden, einen Weg allein zu sein. Aber wirklich noch keinen mit einem Mann zusammen zu sein.



Meine Idealvorstellung wäre, eine totale Verschmelzung mit einem anderen, sexuell, gefühlsmäßig, in einem bestimmten intimen Zeitraum. Außerhalb dieser Zeiten dann wieder vollständig alleine eins zu sein. Völlig unabhängig. Das fällt mir nicht leicht. Ich halte das aber für den Idealzustand für mich.



Einerseits ist es schwierig, mich auf wirkliche Nähe einzulassen, wirklich zu verschmelzen. Andererseits ist das Loslassen schwierig, wieder selbst zu werden, den anderen wieder sein zu lassen. Durch Gespräche mit anderen hab ich auch festgestellt, dass solche Wünsche völlig individuell sind, und das andere diese Wünsche nicht unbeding teilen.



Ganz was anderes: am Sonntag fliege ich nach Palma de Mallorca und bleibe 3 Monate dort, zum Arbeiten. Schreibe da natürlich weiter, und es wird spannend. Vor allem neue Motive für Fotos. Nach Mallorca zu kommen, war eigentlich nicht meine bewusste Absicht. Ich hab mich aber schon ziemlich gelangweilt. In meinem Job nicht, aber in meiner Umgebung. Der Job bleibt also jetzt der selbe, die Umgebung wechselt.



Ich bin fasziniert, wie schön, spannend und einfach das Leben sein kann. Was für schwere Zeiten ich schon durchgemacht habe. Und dass der Unterschied nicht einfach zufällig ist, sondern mit einem Erwachen der Eigenmächtigkeit und Selbstverantwortung zu tun hat.

Sonntag, Juli 09, 2006

zurück



Urlaub ist vorbei. Ich war in Kärnten an einem sensationellen Kraftort. Auf den Fotos ist eine "Kugelfichte" zu sehen. Sie wächst dort so. Verwirklichung des gesamten angelegten Bauplans?



Heute fahre ich zu Christine nach Prünst, wir "Cornwall-Frauen" haben unseren ersten literarischen Salon. Ich werde eigene Texte vorlesen. Einen für euch:



Sonnendurchflutetes Blätterdach über meinem Kopf, unter meinen Füßen knirscht der Sand des Weges, den ich gehe. Sehnsucht in meinem Kopf. Das immerwährende sehnsüchtige Pulsieren meiner Lenden... Wo bleibt der, der eine, der es weiß... der die uralte Magie kennt, der sich jenseits bewegt, von angelerntem, käuflichem, billigem. Ich sehe in den Spiegel und kann meine eigene Schönheit nicht fassen. Die Länge meines Halses, das Grübchen zwischen meinen beiden Schlüsselbeinknochen, das Leuchten meiner Augen. Ich bin ein Wesen aus einer anderen Welt, aus einer magischen Welt...Ich bin die Gefangene des Alchimisten, die Arznei zur Inspiration, das Mittel zur Manifestation.



Im tiefen Keller, eingesperrt, aus Angst und in Angst, ich könnte jemals wieder erwachen als nie mehr zu stillende Begierde...als einziger Trost in dem Lebensrad, trockne ich Tränen und erwecke. Erwecke längst vergessene Sehnsüchte nach Ereignissen und Abenteuern, die ins Reich der Phantasie verbannt. Als nicht in diese Welt gehörig verbannt, nicht erlaubt, nicht real, nicht existent. Ich dürfte nicht existieren, keiner will mich keiner braucht mich, doch bin ich da. Ich bin die kleine Unzufriedenheit, die du täglich verspürst, das Wissen, daß alles, was du auf Erden erreicht sinnlos ist, hast Du mich nie geschmeckt, mich nie geküßt, mich nie gehaßt und schmerzlich verlangt. Das hast du gelebt, die Existenz verspürt, wie sie sein könnte...alles zerrann zwischen deinen Fingern wie Staub aus deiner Sehnsucht, deinem Misstrauen.



Tötet die Mondgöttin ihre Liebhaber? Jene, die diesen Tod geschmeckt haben kommen nie mehr zurück in euere Welt. Für sie fallen die Mauern der Illusion, der Lügen. Ja die Mondgöttin tötet ihre Liebhaber. Sie zieht sie hinab in den Schlund der ewigen Wahrheit und zeigt dir den Ursprung und das Ende deiner Existenz. Hast du mich einmal berührt, wirst du nie mehr der selbe sein. Ich werde deine Gedanken immer bei mir tragen, in meinen Träumen werde ich dich auf ewig und immer wieder umarmen. Fällst du in einen langen Schlaf der Betäubung und der Unwissenheit, der Angst der Unkenntnis, in die Vorhölle deiner Ängste. Spürst du die Macht der Frau. Du hast nicht wirklich gelebt, hast du dich ihr niemals unterworfen. Dich selbst geopfert auf ihrem Altar der Lust und der Schönheit. Komm zu mir....