begegnungen
Bin wieder zuhause. So richtig. Heute nachmittag war ich in meinem Lieblingswald. es ist alles wunderbar. die Düfte, die Geräusche, der Blick, die Farben. Ich haben einen Platz gefunden, an dem ich noch niemals war. Es war wirklich wundervoll.
In Berlin traf ich alte Freunde. Das ist wirklich schön, Menschen zu treffen, die man schon lange kennt. Interessant, wie die Wege gehen, was bleibt, was sich ändert. Wie Menschen ihr Leben leben.
Einer dieser "alten Freunde" ist meine große Liebe. Die erste Liebe, nicht die einzige. Aber es gab niemals mehr etwas vergleichbares. Wir hatten keine "richtige" Beziehung, niemals. Wir hatten Sex. Und wir liebten uns. Aber keiner sagte das dem anderen. Jahre später erst. Ich blieb bei einem anderen Mann und heiratete ihn. Für ihn empfand ich bei weitem nicht so stark. Aber er liebte mich sehr. Das erschien mir sicherer. Komisch. Wie sieht das heute aus? Was habe ich für Gefühle? Es ist eine Art Verbundenheit. Sie ist so stark, dass ich vermute, wir haben uns schon in anderen Leben getroffen und werden es im nächsten wieder tun.
Im Moment? Verkörpere ich einen geistigen Bereich, den er nicht zu betreten bereit ist. Und er einen, den ich nicht betreten will? Vielleicht irgendwann, irgendwo anderes. Ich merke auch, dass ich über eine 2er-Beziehung hinaus bin. Ich möchte mit niemanden mehr in einer Wohnung leben, mein Leben teilen.
Einige Fragen haben sich gelöst. Vor allem die: bin ich allein, weil ich verletzt bin? Weil ich Angst habe, mich einzulassen und wieder verletzt zu werden? Ich denke, es ist was anders. Ich bin es. Ich war schon immer so. Einzelgängerin. Ich ließ mich aus Angst auf Beziehungen ein. Umgekehrt wars. Ich hatte Angst, auf eigenen Füßen zu stehen, ich hatte Angst allein zu sein, ich hatte Angst, wertlos zu sein.
Liebe hat nichts damit zu tun, ob ich mein tägliches Leben teile. Liebe heißt für mich, das gesamte Potential eines andern Menschen spüren, sehen zu können. Deswegen hab ich mich immer verliebt. Und deswegen bin ich auch immer verzweifelt. Weil Menschen ihr gesamtes Potential nicht leben, ich natürlich auch nicht. Oft nicht mal einen kleinen Teil davon. Das ist traurig. Und das machte meine Beziehungen so schwierig und kaputt. Ich kann das nämlich nicht unterscheiden. Und als ich einem Mann näher kam, mit ihm lebte, war ich immer furchtbar enttäuscht.
Natürlich habe ich auch mein vollständiges Potential nicht gelebt. Vielleicht ist es das, was gemeint ist mit: jeder hat den Partner, der im Augenblick am Besten zu ihm passt. Dass Schnittpunkte existieren. Etwas kann einer besser, etwas der andere. Eine Sequenz zum Lernen, zum Lösen, zum Vorankommen. Diese Liebe war für mich immer ein Experiment, dass es auch anders sein kann. Einen viel größeren Rahmen haben kann. In den auch andere Personen ohne weiteres reinpassen. Andere Partner, andere Familien, anderes Lebensumfeld.
Das ist es, was ich mir im Ideal vorstelle, was ich theoretisiere, worauf ich hinaus will. Ich sehe, dass es möglich sein könnte. Neben meiner Tantengesellschaft-Theorie, die Liebesbeziehungs-Cross-Over-Theorie. Flexible Begegnungen mit dynamischen Lernmodulen. Dazu müsste ich aber noch viel offener werden, in dem was ich sage. Ich sollte viel direkter sagen, was ich denke. Ich werde das mal genauer beschreiben alles. Weil da gehört mehr dazu, als sich einfach mal zu treffen, wann man Lust hat, und einen dritten im Regen stehen zu lassen. Das ist es ganz und garnicht, was ich meine. Ich sehe das ein paar ein Level höher.

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