mankind

Diesmal über Männer. Wegen den Comments, die ich bekomme. Mir fällt da einiges auf und möchte mal zusammenfassen.

Der Knackpunkt sind die verschiedenen Ebenen, die man schlecht mischen kann. Beispiel. Ich wurde ja vom Vater sexuell missbraucht. In der Ebene des aktuellen Geschehens war das einfach grausam. In einer höheren Ebene, in der es keine Verletzungen gibt, ist das geschehen, um bestimmte Lernprozesse meiner Seele in Gang zu setzen. Eine Art negativer Katalysator, um mich zu entwickeln. Diese Erkenntnis gilt aber nur für die übergeordnete, ganzheitliche, inkarnationsübergreifende Ebene, in der alles heil ist und alles einen Sinn hat. In der irdischen Ebene, in der es passierte, ist das kein Argument.

Am Missbrauch fällt mir immer das nicht vorhanden sein des Täters auf. Die Opfer müssen sich aus ihrem Opferstatus befreien, die Mütter aus ihrer Schuld befreien, weil sie weg gesehen haben, die Töchter wollten eigentlich die Nähe, sind also selbst schuld, die Opfer sollen sich durch Verzeihung befreien. Das ist also intensivste Seelenarbeit, von Frauen verrichtet. Schön und gut. Wo ist jetzt der Anteil der Täter? Ich finde die Abwesenheit dieses Gedankens, dass sich der Täter damit auseinandersetzen soll, ganz komisch. Schließlich hat er auch was zu lernen.

Männer halte ich nicht für schlecht. Ist Blödsinn. Wir leben in einer patriarchalischen Struktur, die von Ausbeutung lebt, Ausbeutung von Natur, Erde und von Schwächeren. Diese Struktur ist für den Mann als Einzelnen bestimmt auch nicht lustig. Im Gegenteil, sie werden sogar noch mehr verarscht, weil sie erst mal glauben, natürlicherweise auf der Gewinnerseite zu stehen. Das hält sie mehr davon ab, sich zu entwicklen als Frauen, die einen größeren Leidensdruck haben. Aber auch sie entwickeln sich natürlich. Und das, ohne dass wir sie verteidigen und ohne dass wir ihnen helfen. Unser weiblicher Brut- und Pflegetrieb ist nicht für erwachsene, eigenständige Personen gedacht. Das ist dann keine Fürsorge, sondern Kontrolle.

Frauenraum einzunehmen und sich Gedanken über Alternativen zu den herkömmlichen Beziehungen zu machen, stärkt mich. Die Stärke ist nicht gedacht, um gegen einzelne Männer zu kämpfen. Die Stärke ist dazu gedacht, eine vollständige Persönlichkeit zu werden. Eine 2er Beziehung ist dann nicht mehr so essentiell wichtig, weil man die Einheit in sich selber gefunden hat und nicht im Außen sucht. Eine Begegnung mit anderen ist möglich. Ohne Projektionen, Neurosen, Ängste. Nicht in den eigenen Bildern gefangen sein, sondern andere Menschen (Männer) wirklich sehen. Das erwarte ich mir von "Beziehung". Das kostet auch Arbeit, wird nicht von selbst so gehen. Es gibt sicherlich Männer, die genauso denken. Wenn ich einem begegne, gut. Dann kann ich und er immer noch entscheiden, ob wir uns auf einander einlassen. Oder ob ich mein all-ein Sein vorziehe. Obwohl ich natürlich auch in einer Beziehung all-ein sein kann. Ich will nur ausdrücken, dass eine Beziehung zu einem Mann nicht mein zentrales Ziel ist, sondern die Beziehung zu mir selbst und meine Selbst-Entwicklung am wichtigsten ist.

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5 Kommentare:
Ui, hier kam für mich was durcheinander im All-Einen, ich hake mal ein:
"Der Knackpunkt sind die verschiedenen Ebenen, die man schlecht mischen kann....In einer höheren Ebene, in der es keine Verletzungen gibt..... Diese Erkenntnis gilt aber nur für die übergeordnete, ganzheitliche, inkarnationsübergreifende Ebene, in der alles heil ist und alles einen Sinn hat. In der irdischen Ebene, in der es passierte, ist das kein Argument."
Einen Sinn gibt es meines Erachtens nicht, den will nur der Verstabd immer hineininterpetieren, um sich selbst zu bestätigen und seine Existenz zu rechtfertigen - solange er kann. Der Verstand weiß, daß er, wenn er uns nicht mehr bechäftigt halten kann mit Sinnfragen und solchem Zeugs, total an Wichtigkeit verliert und sich dem, was größer ist, dienstbar machen wird. Das gefällt ihm nicht ....
Das andere sage ich jetzt mal mit "christlichem Vokabular", weil es die Sache so schön trifft: Wer den Himmel auf Erden verwirklicht hat, braucht nicht mehr zwischen irgendwelchen "Ebenen" zu trennen.
"Die Stärke ist dazu gedacht, eine vollständige Persönlichkeit zu werden. Eine 2er Beziehung ist dann nicht mehr so essentiell wichtig, weil man die Einheit in sich selber gefunden hat und nicht im Außen sucht."
Wenn man die Einheit gefunden hat, wozu dann solche Trennungen kreieren zwischen vermeintlich über-weltlicher und weltlicher Ebene? Einheit hat keine Persönlichkeit, weil letztere sich in der Einheit auflöst. Um "dahin zu kommen" mag sie erst mal hilfreich sein. Und um durch die Geschichten zu navigieren, auch.
Du bist doch schon heil, wie du doch selber weißt - alles andere sind Geschichten, die darin auftauchen und wieder verschwinden, schöne, häßliche, mit Männern, ohne Männer, irgendwas muß ein Mensch ja tun in den vielen Jahren....
Viel Glückseligkeit dabei, das Zweigestirn
Hi, Ingrid !
Vielleicht hast du zuviel im Gepäck. Vielleicht "sagst" du zu einem (neuen) Mann: lass uns erst mal meinen Koffer auspacken und schauen, was ich mitgebracht habe. Und natürlich hat er auch einen dabei. Vielleicht will er dir seinen gar nicht öffnen oder vielleicht doch... . Das macht es wiederum schwierig. Neugier, Offenheit und Last zu verbinden. Wo bleibt da die Leichtigkeit auf beiden Seiten ?!
Uns Frauen ist das meist bewusst. Die meisten Männer jedoch, müssen in unserer Gesellschaft Indianer sein und sind von daher geborene Verdränger. Sie tun zwar so rauhbeinig, aber Schmerzen können sie ganz schlecht aushalten. Von daher haben sie draußen auch ne Menge auszuhalten und wollen zu Hause eine unkomplizierte Frau. Irgendwie verständlich. Sie haben oft genug einen äußerst unrealistischen Zugang zu Beziehung und auf keinen Fall sollte die auch noch mit Arbeit verbunden sein.
Grüß dich ganz herzlich ibsi
"In einer höheren Ebene, in der es keine Verletzungen gibt, ist das geschehen, um bestimmte Lernprozesse meiner Seele in Gang zu setzen. Eine Art negativer Katalysator, um mich zu entwickeln."
Tut mir leid, ich sehe mich völlig außerstande, diesem Gewaltakt IRGEND ETWAS Positives abzugewinnen. Auf GAR KEINER Ebene.
Da sträubt sich mir alles. Das KANN nicht sein.
Aber das Fehlen der Täter ist mir auch schon aufgefallen. Mich einem solchen gedanklich anzunähern, finde ich schwierig. Ich meine, mir vorzustellen, ob und wie er seine Schuld wahrnimmt.
Zunächst mal "der Rabe" ist, glaub ich wieder einmal ganz nah dran. Danke.
Liebe Ingrid, die Täter beschäftigen mich auch. Was sich in ihnen abspielt wissen wir nicht genau. Was, wenn sich gar nicht viel abspielt - kein Bewusstsein vorhanden ist? Dann heißt das aber doch auch, dass sie kein glückliches Leben nach den Gesetzen der Menschlichkeit leben können, so wie du oder ich es vielleicht für unser eigenes Leben, für besonders wertvoll und erstrebenswert halten. Das würde dann wieder für mich heißen, die Wege haben sich getrennt. Das " Opfer " kann aus seinem Erfahrungsschatz aufbauen. Aus dem eigenen Leid ensteht Mitgefühl (ich finde auch das Wort Mitleid nicht so unpassend, wie oft mal erklärt oder behauptet wird,) für alle Wesen - es erwacht die Schamanin. Ob die jetzt gerade einen Freund hat oder nicht - wen kümmerts.
Jetzt lese ich schon eine ganze Weile bei dir Ingrid und die Kommentare von allen berühren mich auch oft. Ich glaube, daß alle Recht haben, eben ihr Recht, entstanden aus ihren Erfahrungen. Eine gute Freundin von mir sagte mal, als ich sie fragte, ob ich denn das oder das oder das tun sollte: UND. Das war eins von diesen Plopperlebnissen. Seitdem gehe ich davon aus, daß alle Recht haben und nehme mir das, was mir weiterhilft und laß den Rest bei der anderen. Nun aber zu meiner Missbrauchserfahrungen. Damals war mein Erlebnis Scheiße und es war auch später ganz wichtig für mich es als Scheiße zu definieren. Dann hat sie sich gewandelt und ist sozusagen durch Erdverbundenheit Humus geworden. Ich meine, heute weiß ich, daß sie wichtig und "gut" war für mich diese Erfahrung. Ich habe dadurch Zugang zu Demut gegenüber meinem Leben und Mitgefühl/Mitleid mit mir selbst gefunden, ein ganz wichtiger Schritt zu meiner Bewußtwerdung. Dann wollte ich noch sagen, daß ich aus meinen Selbsthilfegruppen weiß, daß es auch bei den "Missbrauchern" (Scheißwort), welche gibt, die sich auf einen Weg machen zu mehr Verbundenheit mit sich, mit den anderen (auch ihren Opfern), mit Natur .... Auch die "Beziehung" zu meinem/r Mißbrauchern hat sich gewandelt, erst war ich wütend (auch beim Mißbrauch), dann irritiert, verunsichert, dann sogar Mitgefühl und heute kann ich sie gehen lassen, um nicht zu sagen, sie sind mir egal. Denn ich merke natürlich schon, daß die Erfahrung mich geprägt hat und auch heute immer noch behindert in sexuellen Kontakten. Da habe ich noch nicht immer wirklich die Wahl, z.B. welche mich anmacht (bin Lesbe), beim hemmungslosen Hingeben etc. Danke euch für eure Beiträge.
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