wölfin

Heute aus dem Buch:
Wege der Wölfin von Ute Schiran

"Sie bereiteten die Reise nach Malta vor. Diesmal war es kein Auftrag. Barbara wollte die Tempel fotografieren, die wie riesige, steinerne Frauenleiber auf den Felsen lagen. Sie lagen nebeneinander auf dem Teppich, Bücher über Malta vor sich. Barbara schmiegte sich an Tamara und sagte zärtlich: 'Seit die Erinnerungen frei sind, brauche ich die Augen nicht mehr zu verschließen vor den Vergewaltigungen, die all den Frauen, all den Tempelkörpern, all den Pflanzen und Tieren widerfahren sind und widerfahren. Mein Zorn ist frei, mein Auge sieht Schönheit und Verstümmelung gleichermaßen. Ich fotografiere seither anders. Und ich werde eine Ausstellung machen, die all den Wahnsinn zeigen soll, den Schmutz, die Entwürdigung, die Besetzung, das Profitieren, die Verlogenheit, mit der sie Geschichte interpretieren, und die Unverletzbarkeit und die Schönheit, die Unvergänglichkeit und Kraft der Orte gleichermaßen. Dasselbe möchte ich mit Bäumen machen und mit Frauen - Analogien - gestern wie heute. Ich konnte das nie gleichzeitig sehen. Als Fotografin war ich auf Schönheit geeicht, als lesbische Frau sah ich all das andere.'

Sie sah Tamaris an. 'Dann hab' ich mich betrunken. Es war ein Schmerz, der nie enden wollte, den ich nur ertränken konnte.' Sie deutete auf einen wunderschönen Schrank. 'Darin ist meine Bar. Seit Island habe ich selten getrunken und nie wieder wegen dieses, nagenden, zu betäubenden Schmerzes. Vorher hätte ich meine eigenen Bilder nicht ausgehalten, wenn sie den Irrsinn einfangen, vorher war ich, sobald ich all das sah, von einem rasenden, ohnmächtigen Schmerz überwältigt. Jetzt habe ich einen wilden, kreativen Zorn entdeckt. Ich danke dir.'

'Ich war es nicht allein', sagte Tamaris leise. Sie hatten nie zuvor über diese Nacht in Island gesprochen. Jetzt erzählte Tamaris Barbara von den Verbundenheiten, die sie getragen hatten. 'Und schließlich', sagte sie lachend, 'hast du mich aufgeweckt, hast du mir selbst den Weg dahin geöffnet.'

'Die schlafende Göttin', sagte Barbara und zeigte Tamaris ein Bild, ds die schlafende Göttin von Malta darstellte. Aufmerksam betrachtete Tamaris das Bild. 'Es ist Zeit, dass sie erwacht', sagte sie, 'bevor dieser Planet völlig zerstört ist.'"

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9 Kommentare:
Hm, ich bin enttäuscht!
Hab mir vor kurzem überlegt, mir ein Schiran-Buch zuzulegen, aber ich muss ganz ehrlich sagen: ihren Schreibstil find ich furchtbar...
Gelegentlich gibt es ja Kombinationen von Wörtern, bei denen ich wünschte, ich könnte in den Boden versinken...
Was soll's.
Ist ja nur mein Senf.
danke danke danke liebe Artemis!!!!
Ganz meine Meinung (Dein Senf ist auch mein Senf....)
Hallo,
das stimmt nicht ganz.Der Artikel in Lachesis Nr.28 ist schwer verständlich geschrieben.Vermutlich ist er auch nur für Dienstleisterinnen im Heilwesen gedacht gewesen.
Diesbezüglich mögt ihr Recht haben.Aber in "Menschenfrauen fliegen wieder" schreibt sie sprachlich ganz glatt und wohl verständlich.Sehr schön und beeindruckend das Ganze.
Der Wölfin Text ist vermutlich erst im Zusammenhang schön.Für 9 Euro pro
Buch ist ja auch nicht allzuviel
Geld ausgegeben.
Grüsse
Dieser Post wurde vom Autoren entfernt.
Ich finde die Sprache nicht schwer verständlich, sondern unprofessionell. Trotzdem kann ich mit der Textaussage 'was anfangen. Allerdings ist der Auszug, den Ingrid hier reinstellt, das erste, was ich je von Frau Schiran gelesen habe.
Liebe Ingrid,
seit heute verbinde ich Folgendes mit Ute Schiran: Die Welt/Tarotkarte 21/
Der Hermaphrodit.
Grüsse
das ist aus ihrem erstlingswerk, mit ihrem heutigen stil nicht vergleichbar
Hatte auch nach dem Bart-Foto einen Auszug gelesen. Dachte: Gute Kernaussagen, aber langgezogen wie Kaugummi und irgendwie "pubertäre Atmosphäre". Bin überrascht, daß es einigen so ging. Vielleicht schreibt sie es ja nochmal mehr auf den Punkt.
Das Zweigestirn
komisch dass es euch so geht mit dem text. ich will euch jetzt durch die scheinbar nicht optimal gewählte textstelle ute schiran nicht vermiesen. klar ist das buch schon älter, aber ich finde das jetzt nicht so schlimm geschrieben. es ist halt völlig aus dem zusammenhang gerissen.
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