verbindung

Frühling
Da ich letztes Mal über Walpurgis/Beltane geschrieben habe, denke ich, es ist nützlich, wenn ich über die Jahreskreisfeste im Allgemeinen schreibe.

Sommer
Es gibt 8 Jahreskreisfeste, die 4 Sonnenfeste: Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche oder Ostara (23.3.), Sommersonnenwende oder Litha (21.6.), Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche oder Mabon (23.9) und Wintersonnenwende oder Yul (21.12.), und die 4 Mondfeste: Lichtmess oder Imbolc (1.2.), Walpurgis oder Beltane (30.4.), Schnitterinnenfest, Lammas oder Lughnasad (1.8.), Halloween oder Samhain (31.10.)

Herbst
Diese Feste Teilen den "Jahreskreis" in 8 nahezu gleiche Teile. Die Feste haben lange Tradition, wurden ja auch teilweise christianisiert und neuerdings kommerzialisiert (Ostern, Allerheiligen - Halloween, Weihnachten). Das führt dazu, dass heutzutage kam mehr jemand einen wirklichen inneren Bezug zu diesen Festen hat.

Winter
Gefeiert werden diese Feste z.B. von Anhängern des Wicca-Kultes. Dies allerdings sehr rituell und festgelegt, für meinen Geschmack höhlt das immer das Eigentliche aus, aber wer's mag. Viele Menschen lieben die Sicherheit und Verbindlichkeit von festen Abläufen.

Auch in der spirituellen Frauenbewegung (bitte wertfrei nehmen den Begriff) werden diese Feste mit neuem Leben gefüllt. Das ist alles meist nicht organisiert oder mit festen Ritualen ausgeschmückt. Es treffen sich hier und dort einfach Gruppen von Frauen, um diese Feste gemeinsam zu feiern. Jede Gruppe hat ihre eigene Dynamik und ihre eigene Form der Rituale erfunden, wiederentdeckt, ausgedacht, gechannelt, gefühlt, gespürt.

Dabei ist die Tradion eine logische Stütze, um zu sehen, was wurde früher gemacht. Der eigentliche Kern ist für mich die Verbindung zur Natur. Der Lauf der Natur korrespondiert mit einem inneren Wandel. Einfaches Beispiel: wie fühlt ihr euch an einem grauen Novembertag, wie an einem sonnigen Tag anfang Mai? Im Jahreskreislauf bekommt der Wandel Richtung, Substanz und eine Korrenspondenz mit den Elementen und der Natur.

Ich als einzelnes Wesen binde mich ein in einen übergeordneten Ablauf, von dem ich als Mensch eigentlich nie getrennt war, nur im Bewusstsein, ich verbinde mich wieder, re-ligere lat. zurückverbinden, daher leitet sich das Wort "Religion" ab. Z.B. an Beltane feiere ich meine Fruchtbarkeit und das Leben. Das bezieht sich auch auf innere Prozesse, es ist die Zeit Ideen und Projekte wachsen zu lassen. Zu Samhain gehe ich nach innen, wie die Natur, ich ziehe mich zurück, halte Rücksprache mit Ahninnen und Geistern, mit dem nicht-lebendigen. Und so weiter.

Wir in unserer Gruppe halten es sehr spontan und eigenwillig. Der feste Rahmen besteht darin, dass wir uns vorher ausmachen, bei wem wir uns treffen und welchen Platz wir besuchen. Wir gehen immer in die Natur, an einen besonderen Platz, egal welches Wetter. Jede bringt etwas zu essen mit. Das Fest selbst wird entweder gar nicht geplant oder eine oder zwei Frauen überlegen sich einen bestimmten Ablauf. Beides ist schön und hat was für sich. Wir tauschen uns aus, wo die einzelne gerade ist und was das Fest für sie bedeutet. Natürlich ist es auch nicht immer harmonisch, das gehört auch dazu. Wir feiern auch nicht immer alle zusammen, manchmal will eine allein sein oder sich für dieses Mal einer anderen Gruppe anschließen.

Für mich ist es wichtig, in mich hineinzuhorchen, welche Qualität die Zeit hat, die "Jahreszeit" und wie das mit meinen inneren Prozessen korrespondiert. Das berührt auch Bereiche, die nicht mehr kommunizierbar sind. Deswegen auch Ritual.

Es gibt viel Literatur über dieses Thema. Und eine Menge Webseiten. Das ist aber immer nur eine Anregung, und wir sehen, was andere draus machen. Ich finde wichtig, das alles sehr persönlich zu gestalten. Aber das findet sich mit den Jahren und ist ein sehr interessanter Prozess.

Ein anderer, kleinerer und ähnlicher Zyklus ist der Mondzyklus. Der korrespondiert mit uns als Frauen ja ganz eindeutig. Es wird auch von vielen Frauen Vollmond oder Neumond gefeiert, oder zumindest die Aufmerksamkeit auf den Zyklus gerichtet.

Was mir das gebracht hat? Ich habe das Gefühl, ich schwinge syncron. Ich kenne keine "Winterdepression" mehr, weil ich den Lauf der Zeit anerkenne, und nicht auf dauernden Vollmond und Sommer bestehe. Ich nutze jeweils die Zeitqualität bewusster. Zu bestimmten Zeiten sind eben bestimmte Energien näher bzw. natürlich vorhanden.
Es ist spannend, sich darauf einzulassen. Es gewährt mir einen Blick hinter die Kulissen, hinter die Kulissen der Dekorationen, der Traditionen, der Jahreszeiten.

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10 Kommentare:
hallo ingrid, du sprichst mir mal wieder aus tiefster seele. bin gerade an einem scheidepunkt/wendepunkt in meinem leben (47) und du hast mir grad mal den nächsten schritt gezeigt: raus in die natur gehen und hören.lauschen.nach-innen-gehen.verbindung suchen. re-ligio.rückbindung ans spirituelle.schauen. innen. außen. vision suchen. vision überprüfen ob sie noch passt. in kontakt treten mit der anderswelt. danken und segnen. mich freuen. einfachheit. getragen-sein erfahren.vetrauen-dürfen-ins-leben.
gabriele
Ingrid hat gesagt: "Einfaches Beispiel: wie fühlt ihr euch an einem grauen Novembertag, wie an einem sonnigen Tag anfang Mai?"
Also, ich fühle mich gar nicht wohl, seitdem der Himmel wieder so wolkenverhangen ist. Eher fast so wie an einem grauen Novembertag. Auch wenn's die lieben Pflänzlein grad brauchen können. Ich hab die Heizung wieder angestellt, und von mir aus darf es immer warm und trocken sein.
Gruß Juansi
"Einfaches Beispiel: wie fühlt ihr euch an einem grauen Novembertag, wie an einem sonnigen Tag anfang Mai?"
Das kommt schlicht darauf an, was sonst noch so alles geschieht im Universum meines Lebens - so kann ich zum Beispiel an einem regenerischen Novembertag bester Dinge sein und an einem Sonnentag äußerst betrübt.
Meistens durchlebe ich an nur einem Tag die ganze Palette der Emotionen. Deshalb machen solche groben Einteilungen für mich persönlich wenig Sinn, außer, daß die Feste ganz schön sein können, wie du sie beschreibst.
Aber ich identifiziere mich ja auch nicht mit dem Lauf meiner monatlichen Blutung - die sicher auch einen gewissen Einfluß auf mein Befinden hat...
Ich denke, es ist eine Möglichkeit, sich in der Welt auszurichten und zu orientieren - eine von vielen. Wenns für´s Herz gut ist, erfüllt es seinen Sinn.
Ketzerische Frage: Was macht die Percht im Hochsommer, wenn man so gar nichts von ihr hört?
Schöne Grüße, Anuja
" Ich kenne keine "Winterdepression" mehr, weil ich den Lauf der Zeit anerkenne, und nicht auf dauernden Vollmond und Sommer bestehe"
Liebe Ingrid, diesen Satz finde ich so gut - kann ich nur bestätigen - geht mir genauso. LG
hallo anuja,
im hochsommer ist die percht wahrscheinlich im urlaub in australien..:-))
erst dachte ich, du kannst dich damit nicht so identifizieren, weil du ja glaubst, dass kein nicht-ich existiert. dann ist mir aufgefallen, dass ich mich dann noch mehr mit der natur und den jahreszeiten identifizieren würde da ja die "umgebung" dann ein ausdruck meines unbewussten ist.
klar kann ich auch bei sonnenschein traurig sein, es war nur ein beispiel zur verdeutlichung. ich sehe das so wie in einem fluss, da kann ich mich treiben lassen, gegen den strom schwimmen, mit dem strom schwimmen, tauchen, stehenbleiben, vergessen, dass ich in einem fluss bin, und trotzdem darin treiben, usw.
ich glaube dass ist wie mit dem horoskop, bzw den planetenständen, zu bestimmten zeiten stehen einfach energien besser zur verfügung als andere, ich kann aber entscheiden, ob ich sie nutze oder nicht, oder entscheiden, wie ich sie nutze oder es garnicht wissen und sie trotzdem nutzen, in dem fall spielt sich halt alles mehr im außen ab.
ne aber nix für ungut, ich finde auch, jede soll das machen, wohin ihr herz sie führt. ich mache halt damit sehr positive erfahrungen, und es kann sein, dass es andere auch anregt, deswegen schreib ich.
habe auch festgestellt, dass z.B. frauen aus der selben jahreskreisgruppe total unterschiedliche erfahrungen machen. es ist spannend, sich darüber auszutauschen.
Liebe Ingrid,
danke für deinen anregenden Post.
Ich persönlich mag keine Jahreskreisfeste feiern. Ich merke auch, dass ich sie nicht wirklich brauche, wenn ich ansonsten mit der Qualität der jeweiligen Jahreszeit im Einklang bin.
Das Einschwingen passiert bei mir meist nebenher, zum Beispiel auf dem täglichen Spaziergang/Radweg zur Uni, zum Arbeiten, oder zum Einkaufen. Ich achte einfach auf die Verwandlung der Natur um mich, ich sehe, welche Vögel zurückgekehrt sind, oder welche sich verabschieden, ich rieche und schmecke, was der Wind so zu erzählen hat. Ich denke darüber nach, welche Qualität gerade in meinem Leben vorherrscht. Ich beobachte und schau mir vom Leben was ab.
Ein Jahreskreisfest an einem festgelegten Tag zu feiern, setzt mich außerdem unter Druck - was, wenn ich es innerlich gar nicht mehr nötig habe? Oder noch nicht nötig? Was, wenn das Wetter und die Stimmung nicht passen? Was, wenn ich mich mit den Menschen nicht wohlfühle, mich nicht gehen lassen kann?
Ich mag sehr die spontanen, formlosen Rituale, die ohne viel Planung entstehen. DIE spiegeln für mich die wahren Bedürfnisse und Qualitäten des Augenblicks wieder.
Ich muss dazu aber auch sagen, dass meine Lebensumstände zur Zeit dieses mühelose Mitschwingen gut erlauben. In anderen Phasen, in denen die Besinnung und Verbindung nicht so ohne weiteres möglich sind, würde ich bestimmt auf die alten Feste zurückgreifen wollen.
Dieses Jahr bin ich zufällig auf eine Walpurgis-Veranstaltung in einem Park in Lund gestoßen. Dort brannte ein riesiges Feuer, das mir aus 7 Metern Entfernung fast die Wangen verbrannt hat. Dazu gab's afrikanische Trommelrhythmen. Die Kinder haben Marshmallows in die Glut gehalten.
Es war schön, besonders das Feuer.Das kriegt man ja heute nicht so oft in derartigen Mengen zu sehen (Sicherheit, und so).
Trotzdem: glücklich bin ich in Massenansammlungen einfach nicht. Gruppenrituale sind also nix für mich...
hallo artemis,
ich hab auch schon oft alleine gefeiert und wir hatten auch das eine oder andere fest, dass nicht gerade reibungslos gelaufen ist, weil eine von uns nicht gut drauf war. verstehe, was du meinst.
nur einfach beobachten reicht mir nicht, mach ich aber auch. manchmal besteht ein "ritual" bei uns einfach nur darin, dass jede frau ganz still ihren eigenen bilder nachgeht. ich will einfach den besonderen moment haben, ähnlich wie manchmal ein besonders schön gedeckter tisch, während ich sonst einfach nebenbei eine kleinigkeit esse. so gehts mir halt, will nix aufdrängen.
ach ja, die energie ist auch ganz anders, wenn mehrere frauen zusammen sind, als wenn ich alleine bin. ist schon ein unterschied, obwohl beides was für sich hat. wir sind auch nicht so viele, 6 frauen, und es sind nicht immer alle anwesend.
Die Frau Percht hat mich in der vergangenen Nacht gegen 0.10 Uhr besucht und aus dem Schlaf geholt - schätze, das war ihre Antwort auf meine Ketzerei. Werde das auch tunlichst unterlassen in Zukunft, denn meine "archetypische Programmierung" hat durchaus Respekt vor ihr und anderen alten Wesenheiten.
Was mir noch einfiel eben, beim Lesen von Artemis Beitrag und dem Einschwingen auf die Natur um mich herum: Das ist seit geraumer Zeit ziemlich durcheinandergeraten mit den Rhythmen der Natur, und es bringt mich auch oft durcheinander in meinen "Jahresrhythmen". Der Winter war hier so mild, daß ich beim Quittungschreiben bzw. Datumausstellen immer überlegen mußte, welche Jahreszeit wir denn gerade haben. Und als kürzlich der Frühling kommen sollte, war es tatsächlich schon ein geballte Hochsommer, bis vor wenigen Tagen, als endlich mal wieder Regen kam.
Von daher ist die Geschichte mit den festgelegten Daten eine gute Erinnerung an Jahreszeiten, die es so einmal gab. Oder so...
(PS: Auch wenn meine größte Sehnsucht dem gilt, was hinter allen Erscheinungen ist, bin ich doch noch auf diesem Planten und habe aller Voraussicht nach noch ein paar Jahre täglich mit der Welt der Erscheinungen zu tun.)
Anuja
Ihr Lieben !
Für mich bedeuten die Jahreskreisfeste hier auf der Südhalbkugel
erstmal noch den Prozess, mich hier in die Natur einzuschwingen, die eben anders ist (grundsätzlich eben nicht so vier- oder 8-geteilt wie in Europa)
aber auch die Sehnscht nach Deutschland und den Jahreszeiten (zumindest so, wie sie dort bisher normalerweise waren, hmm)
und nicht zuletzt, diesen Spagat auszuhalten. :)
Prinzipiell bin ich froh, hier vielmehr "in der Natur drin" zu sein, weniger hermetisch ab- oder eingeschlossen.
Zumindest wenn frau, wie ich, ohne Klimaanlage lebt ;)
Wenn die Sonne scheint, ist es heiss/warm, im Haus angenehm sommerlich kühl, meine Wäsche trocknet fantastisch etc.
Wenn es regnet, kann ich auch im Haus vor lauter Prasseln u.U. nix verstehn, der Wind geht durch die Fenster durch.
Die Kanalisation ist da, wo sie existiert, meist noch nicht so ausgeklügelt, bzw. fasst einfach die Wassermassen eines subtropischen Regenschauers nicht ausreichend, was heisst,
dass frau sich durchaus bei Regen nasse Füsse holen kann, wenn sie auf die Strasse muss und die Schuhe den Regenbächen auf Strassen und Bürgersteigen nicht standhalten :)
Deshalb frequentieren auch an Regentagen viel weniger Kinder den Unterricht und so weiter und so fort..
Wenn's kalt ist, kann ich mich bein Sonne draussen aufhalten zum Aufwärmen. Wenn sie untergegangen ist, heisst's, sich auch im Haus warm anzuziehn und es sich evtl. im Bett gemütlich zu machen.
Ich MUSS mich in Vielem nach der Natur richten. Das ist auch garnicht schlecht, wenn's vielleicht auf den ersten Blick primitiv erscheint.
Bin dabei, mir ab und zu kleine eigene Rituale zu gestalten mit Feuer u.a.
Ganz liebe Grüsse über'n Teich
Ursel
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