auftauchen

Bin wieder zurück aus dem Untergrund, auch aus meinem eigenen. Habe erfahren, was wirklich auf dem G8 Gipfel hinter dem Zaun (oder war's vor dem Zaun?) los war. Journalisten, die keine Lust auf Wahrheit haben, sondern die Gewalt suchen, um eine (erwünscht brutale) Schlagzeile zu haben. Abgesehen von Pflastersteinen exitieren dort auch Workshops, vegane Volksküche, Technowägen, Clowns, Kinder, Spaß und ernsthaftes Engagement.

Bin letztens kommentiert worden, weil ich geschrieben habe, dass es vielleicht doch noch etwas mit mir und den Männern wird. Dass ich wahrscheinlich schlechte Erfahrungen gemacht habe, aber dass es viele, viele tolle Männer gibt. Ich weiß, dass es nette Männer gibt. Mein Opa war einer, mein bester Freund war einer. Das ist doch gar nicht der Punkt. Besonders meine eheerfahrene Freundin Angelika teilt mit mir die Ansicht, das was ich wirklich meine, kann nur eine Frau jenseits der 40 verstehen, die einen Großteil ihres Lebens in einer Ehe und mit Kinder aufziehen verbracht hat (und mit nebenbei arbeiten).

das ist Vera, liebste Freundin und Paralleluniversum...
Mir ging es nie um den einzelnen Mann, sondern um den Lebensentwurf, der uns zu abhängigen Dienstleisterinnen macht. Das in der persönlichen Ebene. In der gesellschaftlichen herrschen Werte wie das Recht des Stärkeren, Konkurrenz, Ausbeutung. Diese Werte entspringen aus einer am männlichen orientieren Denkform. Das weibliche hat in dem Fall die Aufgabe, alles ein wenig erträglicher zu machen und den Servicegedanken zu verwirklichen.

Natürlich nehme ich wahr, dass immer mehr Frauen Karriere machen. Was dabei herrauskommt ist im Falle einer Schwangerschaft die berühmte "Doppelbelastung", die doch eigentlich eine dreifache ist, und bei der die Frau an sich auf der Strecke bleibt. Ich meine: außer Haushalt (1), Karriere (2) und Kindern (3) gibt es doch auch noch sie selber.

Nochmal meine Lösung: Tantengesellschaft, das heißt eine weibliche Kerngruppe, die sich gemeinsam um Kinder, Haus und Geldbeschaffung kümmert. Männer außen vor, was das anbetrifft. Das hat doch auch in erster Linie nichts mit Liebe zu Männern zu tun. Da geht es um Alltag, Überleben, Putzen, Kochen, Waschen, Kinder hüten, Geld verdienen. Wenn das alles nur zu zweit gelöst wird, bleibt doch die Liebe und Selbstachtung auf der Strecke. Und das, was wirklich zwischen Mann und Frau ablaufen könnte geht unter zwischen vollgeschissenen Windeln, dreckigen Socken und überzogenen Konten.

Vielleicht sehe ich jetzt, was meine tollen Theorien wert sind, wenn ich mich tatsächlich verliebe. Ob es mich aufsaugt und ich mich eines Tages wiederum ohne eigenen Besitz irgendwo mit einem Geschirrtuch in der Hand finde, oder ob ich es schaffe, etwas ganz eigenes zu erfinden und zu leben?

Also gut. Schluss mit dem "wenn ich mich tatsächlich...", ich bin verliebt. Definitiv. Seit 9 Jahren das erste Mal. Und ich hatte auch seit 7 Jahren keinen Sex mehr. Weil ich es selber ganz fantastisch kann und keine Lust auf irgendeinen Kerl habe, der nicht für wirkliche Nähe in Frage kommt. Was heißt, dass Männer, in die ich mich verlieben kann so überaus selten sind, dass ich mein restliches Leben schon komplett als glückliche alleinstehende Frau verplant hab. Nojo. Wie immer beliebt das Universum zu scherzen. Besonders das in dem ich mich befinde. Wobei ja noch nichts passiert ist, außer dass es mich voll erwischt hat und ich ein Date klar gemacht habe, das aber erst in 3 Monaten stattfindet.

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8 Kommentare:
Ich finde das "Tantenmodell" eine wirklich gute Sache, wenn sich denn die richtigen zusammen finden. Allerdings glaube ich, dass es problematisch ist, dass viele Frauen bestimmte Teile ihres Lebens so abgetrennt von sich sehen und deshalb das Gefühl haben, dass "sie selbst" dabei auf der Strecke bleiben. Meine Kinder und meine Arbeit sind Teil meines Lebens. Natürlich ist dieses Leben zuweilen sehr voll, aber das ist doch klar und je nach dem in welcher Lebensphase ich mich befinde, kommt schon mal das eine oder andere etwas zu kurz...und wird dann später nachgeholt.
Noch eine Frage: Frisch verliebt und ein Treffen erst in 3 Monaten??? Wie hältst Du das aus????
Herzlich, Antje
ja furchtbar. aber uns ist schon was neues eingefallen. es ist ganz schön prickelnd, halt die phase in der sich keiner noch so richtig sicher ist, ob der andere wirklich... einfach fantastisch.
zu dem thema "zeit für sich selber", ich empfinde meinen job z.B. auch als teil von mir, das stimmt schon. aber da ist noch was, das ich erst kennengelernt habe, seit ich alleine bin. aber womöglich trifft das auch nicht auf jede frau zu, ich hab halt so was tief magisches, schamanisches, eintauchendes, weibliches. das war vorher auch schon da, aber nicht so klar.
lg ingrid
Ich werde mal schauen, wie's ist, wenn meine Kinder aus dem Haus sind... Ich kann mir schon vorstellen, dass es da noch große Unterschiede gibt und dass sich jede individuell entwickelt.
Jedenfalls wünsche ich Dir noch eine wunderbare, aufregende und prickelnde Zeit.
Grüße
Antje
Das Tantenmodell ist grandios!! Mit genug Tanten würde ich mich auch ans Kinderkriegen trauen. Aktuell kenne ich halt weder einen Mann, mit dem ich mir ein Zusammenleben vorstellen könnte, noch würde ich mich finanziell von einem abhängig machen wollen. Mit Tanten ginge es auch ohne das...
Gratuliere zu Deiner neuen Liebe! Möge sie gedeihen und trotzdem noch Platz für anderes lassen!
Liebe Grüße
Atta
..schliess mich voll an !!
Ich hätte nur Bedenken, dass ich für mich viel zuviel planen wollen würde, wenn ich so lange warten müsst' auf's Date.
Ich bin da so verkopft, dass ein bisschen holterdipolter ganz gut ist. So wie mit meiner neuen Stelle jetzt :)
LG Ursel
Zur Dreifachbelastung :
die vierte KANN dann eben auch noch der Mann sein !
Kann auch entlasten, wenn's funktioniert, aber Zeit will eben jeder von uns für sich, Kid's Arbeit, Haus und Mann (habe ich schon die Hunde etc.aufgezählt ?).
Jo, da kann einer schon das Gefühl für das Bedürfnis auf eigene Zeit/Raum bei untergehn. DAs ist echt eine Gefahr !!
Und ich denke wirklich auch, dass in Deinem Modell von der Tantengesellschaft diese "Besitzansprüche" wohltuend wegfallen würden.
Fänd' ich ja überhaupt nicht schlecht !!
tja, ich bin immer noch für die art des lebens wie bei den mosuo in china, da gibts dann auch onkel und väter - nur völlig anders wie bei uns.
http://www.matriarchat.net/grundlagen/zusammenleben/frauen_in_china.html
fürs verliebt sein viel glück. schmetterlinge im bauch sind einfach ein tolles gefühl....
:-)
lucia
liebe ingrid,
gleich mal herzlichen glückwunsch zur neuen liebe!
schade, dass deine "nachlese" zum g8 so kurz ausfällt, einerseits. andrerseits: gibts bei euch in deggendorf keine freien radiosender zu empfangen? zumindest im internet über live stream waren viele sendungen mit den "anderen" infos ganz leicht zu hören.
genieße die zeit!
lg, subwaypunk
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