moder

War heute im Bayrischen Wald Naturschutzgebiet im Urwald wandern. Da wird nicht mehr eingegriffen, oder nur ganz wenig und die Natur sich selbst überlassen. Interessant ist, dass es nicht "schöner" im Sinne von lieblich wird, sondern ein Aspekt zum Tragen kommt, den wir nur zu gerne ausgrenzen. Verfall und Tod.

Viele Menschen in der Gegend würden nur zu gerne eingreifen. Zu sehr sind wir es gewohnt, den Verfall aus unserem Gesichtskreis zu räumen. Das ist aber schon typisch Deutsch auch. Im Ausland siehts überall viel heftiger aus.

Passte zu dem Buch Wabi Sabi, nicht perfekt aber glücklich, dass ich grade lese, oder angefangen habe zu lesen. Das erste Kapitel ist gut, der Rest ziemlich langweilig. Der Kern der Sache ist ziemlich schnell gesagt, Wabi Sabi ist japanisch und hat mit Nicht-perfektion und Vergänglichkeit zu tun. Im Gegensatz zu unserem Jugendwahn und Alles-muss-neu-sein-und-gleich-aussehen.

So eine Wanderung durch einen bayrischen Urwald ist Wabi Sabi. Ich denke an Kali. Und daran, loszulassen.

Filmtipp: Magnolia - sehr faszinierend. Es geht darum, dass es keinen Zufall gibt. Der Film ist von 2001, den kennen sicher schon viele. Für mich war er neu. Und ganz toll: Tom Cruise, als Mann, der aus meinen Albträumen entstiegen ist. Aber auch er ist einfach nur von einem anderen Mann, seinem Vater vernichtend verletzt worden.
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6 Kommentare:
Hallo Ingrid,
mag sein, dass das typisch deutsch ist. Aber ich denke, es hat weniger damit zu tun, dass man keinen Verfall sehen möchte, sondern dass man kein juristisches Risiko eingehen will. In Deutschland ist jeder Baumbesitzer dazu verpflichtet, die Verkehrssicherheit seiner Bäume zu garantieren. Das gilt auch an Waldwegen. (Wir haben die gesetzlich festgeschriebene Betretbarkeit der freien Landschaft für jeden.) Und weil sich ein Grundeigentümer den Ärger ausmalen kann, wenn wirklich was passiert, wird er jeden auch nur im entferntesten gefährlich aussehenden Baum sofort entfernen. Zum Umfallen und Vermodern kommt der Baum dann gar nicht erst.
In England hingegen stehen viele tote Bäume in der Landschaft. Aber wenn ich mich nicht falsch erinnere, ist dort die rechtliche Regelung so, dass man ohne Genehmigung des Grundbesitzers nirgendwo hin darf, so dass der auch nicht dafür garantieren muss, dass seine Bäume verkehrssicher sind.
Liebe Grüße
Atta
Scheint wirklich typisch deutsch zu sein: das Bewusstsein fehlt, dass der deutsche Durchschnittswald eine NUTZFLÄCHE, ANBAUFLÄCHE ist, genau wie ein Rübenacker.
Dabei hat Moder und Verfall durchaus etwas tröstliches. Tod und Geburt sind sich sehr ähnlich, ist mir neulich erst wieder bewusst geworden.
Tod und Verfall auszuklammern erscheint mir doch eher typisch "menschlich". Wir leben doch alle ewig - oder?
LG Nyx
hm in vielen ländern und bei vielen völkern wird der tod nicht so ausgeklammert. habe von einem volk gehört, die regelmäßig ihre toten ausgraben, sie neu kleiden und mit ihnen feiern. oder man denke an kaligat.
bei "typisch deutsch" beziehe ich mich auf das saubere, wenig bis gar kein verfall, jedenfalls in bayern. alles geputzt, aufgeräumt, fein säuberlich.
wenn ich mir dagegen den dreck in so einem land wie ägypten anschaue... als ich mit dem bus durch kairo fuhr, beobachtete ich, wie ein bagger müll zusammenschichtete, oben drauf ein totes pferd. das mitten auf irgendeinem gesteig.
bei uns gibt es auch dreck und tod, aber fein gemahlen und schön aus dem blickfeld gesperrt.
das ist irgendwie schädlich, weil es einem die illusion gibt, alles ist immer auf volle energie und vollmond, als gäbe es keine zyklen, pausen, wandlungen, tode.
das paradoxe ist, dass eben gerade das perfekte eigenlich das tote ist. wenn sich nichts wandelt, ist es tot.
lg ingrid
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich dieses ganze "nicht-wahrhaben-wollen" tierisch aufregt. Dieses Anklammern an das, was zu sein scheint...
"Das einzig beständige ist die Unbeständigkeit."
UND: ich habe vor Jahren eine mehrmonatige Ausbildung gemacht für Sterbe- und Trauerbegleitungen. Dafür brauchte ich ein paar Tage frei bzw. mußte ich an manchen Tagen früher gehen. Als ich als geforderte Begründung angab eben diese Ausbildung zu machen, da wurde ich fast angegriffen. "Was beschäftigt sich so eine junge Frau (33) mit dem Tod und den Krankheiten" oder "Hast Du nichts besseres zu tun?"
Später habe ich ehrenamtlich im Hospiz gearbeitet und wenn ich das mal erwähnte, dann wurde ich seltsam angesehen. U.a. weil die meisten Menschen einfach nicht wissen wollen, daß in diesem Leben, in jedem Moment, jeder Sekunde der Tod da sein kann oder Krankheit oder Verlust.
Krankheit, Sterben, Tod und Trauer werden ausgegrenzt, weil es u.a. Angst macht. Das Leben ist endlich. Statt sich davor zu fürchten (und ich nehme mich da nicht raus.Muss selbst noch viel lernen) sollten wir uns so bewußt wie möglich sein, daß dieses Leben nur eine relativ kurze Zeit währt.
In dem Bewußtsein kann die Angst erträglicher werden, wenn man das Leben jetzt lebt und genießt, so gut es geht.
Jette
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