zukunft ist jetzt

Kvinna war einen Nachmittag bei mir, sie hat eine Reise nach Bayern gemacht und dabei die virtuelle in eine analoge Realität verwandelt. Oder anders: Leute, die sie im Internet kennengelernt hat, richtig echt begegnet. War sehr schön!

Da seh ich es, das "wirkliche" Leben. Ich war ja letzte Woche auf der OMD in Düsseldorf. Dort trifft sich die Online-Marketing Branche und versucht die Gegenwart darzustellen und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Das berühmte Web 2.0, das Mitmachweb. Von Self-Entertainment über Self-Publishing zu Self-Creation. Also von Fernsehen über Blogs, Flickr und You Tube, zu naja, entwickeln einer eigenen Realität?

Wieso erinnert mich das alles immer an Magie und Spiritualität? Alles läuft in die gleiche Richtung, nach den gleichen Gesetzen. Wir können ja nichts weiter, als einfach unser Bewusstsein in der Welt abbilden. Klar, dass einfach parallel zu unserer kollektiven Bewusstseinsentwicklung entsprechende Tools entstehen. Aber es sind nicht die Tools, es sind WIR.

Witzige Effekte: einmal die Zukunftsprognosen, es gibt ja mittlerweile viele Zukunftsinstitute. Genau wie es einen Boom bei KartenlegerInnen und AstrologInnen gibt. Wobei ich nicht glaube, dass das Sinn macht, weil es im Augenblick sogar schwierig ist, den Ist-Zustand zu beschreiben. Wir splittern und driften in ein großes buntes Jetzt.

Diese Denkweise ist anscheinend noch etwas ungewohnt. Ich sah einen Vortrag über eine geniale Umfrage. Es bekamen 1400 Leute ein Gerät, mit dem sie 72 Stunden lang jede Stunde beschreiben mussten, was sie gerade taten. Mit Fotos. Das ist eine sehr individelle Geschichte. Am Schluss wurde das schöne Ergebnis aber wieder zusammengedampft auf den "typischen" User mit dem typischen Medienverhalten. Männlich, zwischen 25 und 35 Jahre alt, über 1500 Euro im Monat, verbringt viel Zeit mit Spielen und Internet, weniger mit Fernsehen und Zeitschriften, enspannt sich wenig mit Natur und Spazieren gehen. Tja. Bin ich aber nicht, und ihr auch nicht.

Was ich wirklich nachvollziehen kann, ist dass die Menschen ihre Zeit neu einteilen. Dass es soviel gibt, dass wir immer mehr im Multitasking-Modus arbeiten und leben. Das ist nicht leicht. Wir lernen auszuwählen und wir lernen Techniken, damit uns das alles nicht verrückt macht. Yoga hat da auch nicht umsonst so einen Boom. Die wichtigsten Internettools sind Suchmaschinen und Aggregatoren, also Tools, die Inhalte aus vielen Angebote übersichtlich zusammenfassen. Wir brauchen einen kurzen Überblick über alles, was es gibt, um dann zu entscheiden, mit was wir uns näher beschäftigen wollen.

Die Frage der Zukunft: Wie nutzen wir das große bunte Jetzt mit all seinen Möglichkeiten? Wie navigieren wir uns durch und was können wir machen, damit uns nichts für uns relevantes mehr entgeht? Oder können wir das schon längst und machen das eh schon die ganze Zeit? Uh-hu...

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11 Kommentare:
Das finde ich schon lustig, dass du in D'dorf (he, das ist hier die landläufige Abkürzung für "Düsseldorf", mir fällt grade auf, die passt auch auf Deggendorf :) warst, während ich in Tölz war.
Bayern und Rheinland, da liegt einiges dazwischen und doch auch wieder nicht.
Ja, der Informationsüberfluss, was macht der mit uns? Die Energie, die wir früher brauchten, um Informationen zu bekommen, reicht heute kaum aus, die richtigen von den falschen Fakten, das Überflüssige vom Nützlichen zu unterscheiden.
Und die für uns vorsortieren, die Suchmaschinen und all' das, wie objektiv, subjektiv sind die?
Luisa sagt, dass alles immer zur Verfügung steht. Ein Abenteuer!
Ingrid, ich wünsch' dir eine wirklich schöne Zeit in Rom!
Ich habe vor Monaten Facebook entdeckt, v.a. um mit meiner gesamten Austausch-Jahr-Bekanntschaft in Kontakt zu bleiben. Das ist dann so eine Art Maschine, wie du sie oben beschreibst, bei der jeder minutiös seine Tätigkeiten dokumentieren kann. Und die Freunde sehen's. Und du kannst die Freunde der Freunde sehen, ihre Bilder, ihre Geschichten etc. Stalking pur.
FB fasst sozusagen alle Augenblicke deines "Netzwerks" zu einem Augenblick zusammen. Gemacht wird's aber wieder nur von UNS, indem wir unsere Lebensgeschichten zugänglich machen durch Einträge, Bilder, Videos, etc...
Du kannst dir da durch diverse "Tools" zB eine superradikale Umwelt-Schützer-Identität zulegen, ohne tatsächlich jemals einen Fuß vor die Tür gesetzt zu haben...
Ich weiß noch immer nicht, ob ich's lieben oder hassen soll... Magisch ist es auf jeden Fall!
LG
Das mit den "falschen Fakten" war denke ich immer schon so. Einfaches Beispiel. Wir schreiben das Jahr 1977. Dann haben wir zwei Bücher vor uns liegen. Zwei unschuldige Geschichtsbücher aus der 7. Klasse. Das eine ist aus der BRD, das andere aus der DDR. Welches sagt die Wahrheit?
Das Sortieren ist alledings mittlerweile komplexer geworden. Aber abgesehen von Tools und Suchmaschinen, hab ich trotzdem das Gefühl, immer auf gar seltsamen Wegen die richtige Info zur richtigen Zeit zu bekommen. Das war allerdings Pre-Internet auch schon so...
Das generieren einer falschen Identität wär mir zu anstrengend. Obwohl ich es spannend finde. Man kann sich da mal ausprobieren, so "was wäre wenn". Es gibt doch so viele brachliegende Persönlichkeitsanteile in einem.
lg ingrid.
Du hast schon recht - aber irgendwie auch wieder nicht. Denn früher hat man Fakten ERJAGT und hatte dann nur einen Blickwinkel.
Denn, wer konnte schon das DDR- mit dem BRD-Geschichtsbuch vergleichen, DAMALS?
Das ist vielleicht perfide, aber wenn man nicht so viele Wahrheiten nebeneinander stellen konnte, wie wir das heute können, kam man wohl auch nicht so leicht auf den Gedanken, sie IN FRAGE zu stellen.
Oder, anders: heutzutage ist es doch schon nicht mehr nur leiser Zweifel, sondern schon eher komplette Verwirrung, so ein:
"JA, WAS STIMMT DENN NUN VON ALL' DEM?"
Schlicht verursacht durch die Masse. Wie eine Art Inflation des Wahrheitsgehaltes.
Ja, ich wünsch' Dir auch ein schönes Rom, auch wenn's nur kurz wird. Ich find's ja immer noch viel zu kurz ;)
Aber so eine Spritztour hat bestimmt auch was .
LG ursel
danke für die reisewünsche!!
seh ich nicht so, das mit der inflation des wahrheitsgehaltes. es ist aber durchaus ein gängiges argument in der diskussion ums internet.
wir haben in der schule bei geschichtsbücher verglichen. und früher gabs ja auch verschiedene zeitungen, da konnte man sich ja auch fragen, was stimmt denn nun, die BILD zeitung oder die Frankfurter Allgemeine.
ein weiterer kritikpunkt ist ja z.b. wegen sowas wie wikipedia, dass es eben ein lexikon gibt, in das JEDER reinschreiben kann. das wurde sehr kritisch beäugt eben wegen dem wahrheitsgehalt. fakt ist aber, dass in wikipedia genauso viele oder wenige fehler sind, wie in der enzyclopedia britannica.
was ich eigentlich sagen will: das problem gabs schon immer, es gab ja schon immer haufenweise quellen und bücher zu einem thema, und man wusste noch NIE ob das jetzt alles wahr ist oder nicht.
ich geh da weiter, zu der frage: was ist überhaupt realität und gibt es eine objektive wahrheit?
Ich glaube, dass es die eben nicht gibt. :) Und das die Menschheit das langsam sieht, ist ein Zeichen von Reifung.
Noch eins: ich glaube doch, dass die Menge der Informationen das Vergleichen und Zweifeln naheliegender und damit leichter macht als früher.
Die Schule, die ich besuchte, hat das dritte Reich nur kurz gestreift und die RAF gar nicht erwähnt. Beispielsweise.
ja das schon. es ist ja auch leichter, seine meinung vielen anderen zugänglich zu machen als früher.
mit der schule hatte ich glück. es wurden gerade erst lehrpläne eingeführt, vorher hatten die lehrer mehr freiheit, wie sie den stoff vermitteln konnten. meine lehrer waren auch alle sehr jung noch und hatten 68 studiert. hauptinhalt war uns ein kritisches bewusstsein zu vermitteln.
Hehe. Was man ja nicht gerade als Lernziel eines katholischen Mädchengymnasiums bezeichnen kann. Hahaha :D
uhi ja ... da läuft ein anderes programm..:-))
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