Sonntag, Juli 22, 2007

wahrheit und zorn



Gestern war ich bei Ilona. Sie hat mir mal vor Augen geführt, in was für einen uferlosen, sinnlosen Wahnsinn ich mich schon wieder hineinbegeben habe. Sie führte mir vor Augen, dass das mit dem Date in 3 Monaten ein totaler Scheiß ist. Wenn sich jemand wirklich interessiert, dann macht er sowas nicht. Punkt.



Am Freitag war ich beim Atlasknochen einrichten. Die Therapeutin hat ein riesen Mitgefühl mit mir entwickelt, als ich ihr meine Lebensgeschichte so kurz mal erzählt hab. Das ist auch immer so ein Ding. Ich bin was ich bin. Jedenfalls hat sich irgenwie etwas verschoben. Meine linke Seite war auf einmal viel energetisierter. Es ist so, dass der Atlasknochen, der erste oberste der Wirbelsäule, wenn er schief ist, Gefäße, Nerven, Lymphe usw. teilweise abklemmt. Wenn er auf einmal richtig sitzt, werden die Zellen zum ersten Mal im Leben optimal versorgt und arbeiten so wie sie gedacht sind, der Mensch kann sein Potential erstmals wirklich ausleben. Soweit die Theorie.



Ich habe ja vorher gehört, dass alle ernsthafteren Krankheiten, die der Körper durchgemacht hat, rückwärts ablaufen, also die Symtome nochmal für 1-2 Tage hochkommen. Geht man dann zum Arzt damit, kann er aber nichts feststellen. Erlebe das jetzt psychisch, also ich somatisiere nicht so, ich hab meine innere Hölle. Es ist so als würde die Festplatte durchsucht, jede Datei geöffnet, und krankes hoffendlich gelöscht oder umgeschrieben.




Das fing gestern bei Ilona an. Es war wirklich schmerzhaft, da hin zu schauen. Ehrlich zu sehen, dass ich mich in ein Phantom verliebt habe, dass so nicht existiert. Nur eine Hoffnung, eine Wunschvorstellung ist, die ich schon sehr lange und unerfüllt mit mir herumtrage. Sie hat mir klar gemacht, wenn sich ein Mann wirklich interessiert, läuft das anders ab. Wobei sie recht hat. Was er tut, ist soviel Distanz wie möglich zu erzeugen. Was ganz deutlich sagt: er will nichts von mir.



Was mir ja wiederum voll weh tut, weil ich es einfach nicht verstehen kann. Einmal will ich ja nicht morgen mit meinem ganzen Hab und Gut vor seiner Tür stehen um für die nächsten 40 Jahre bei ihm zu wohnen, sondern uns erst mal Raum geben uns kennen zu lernen. Für mich ist er ein ziemlich gebildeter belesener interessanter Mensch, mit dem ich mich stundenlang unterhalten könnte. Nicht bewundernd, sondern ehr ergänzend und kontrovers. Lebendig halt. Und warum will er das nicht? Oder was meint er, worum es geht?



Mehrere Frauen haben von "netten Männern" geschrieben. Kann mir das mal eine näher definieren? Was ist das? Warum lerne ich nie einen kennen? Warum weichen mir immer alle aus? Mein eigener Mann hat jahrelang nicht mit mir geschlafen, Begründung: es fühlt sich total verboten und abgründig an. Hallo???



Was so sehr tief in mir drin steckt, ist das abgelehnt sein. Gestern hab ich es in meiner "Festplattenbereinigung" erlebt mal wieder. Und meine Oma hat es heute am Telefon auch wieder erzählt. Als ich 3 Jahre alt war, hat mein Vater im Suff einen Menschen tot gefahren. Er kam deswegen ins Gefängnis. Meine Mutter musste dann arbeiten. Ich wurde zu den Großeltern geschickt. Das alles hab ich erst als Erwachsene erfahren. Jedenfalls war es der Horror. Ich weinte nur, wurde krank, kotzte. Wir gingen jeden Samstag zum Bahnhof, meistens kam meine Mutter nicht. Ich war jedes Mal total verzweifelt. Ich fragte: "Warum kommt meine Mama nicht?". Ich denke, dass ich da so meine Antworten gefunden habe, die bis ins Heute wirken.



Nach spirituellen und psychologischen Theorien begegnet man dann endlich seinem Traum- oder Seelenpartner, wenn man den Schmerz verarbeitet und angenommen hat. Sich selbst lieben lernt, weiß wie wertvoll man ist usw. Nach den ganzen Jahren der Arbeit an mir, in denen ich mir nichts erspart habe, jeden blöden Stein in meinem Kopf umgedreht hab, dachte ich doch glatt, ich wär soweit. Pustekuchen. Das bringt mich auch zwei Ideen: es ist eine verdammte Lebensaufgabe, die ich vielleicht auch gar nicht lösen kann oder die ganze Theorie ist Bullshit.



Ich bin so voller Wut und Zorn. Ich sehe, wie sich Menschen hinter gesellschaftlich anerkannten Gefühlshülsen verstecken. Es ist doch so einfach: Frauen kommen von der Venus, Männer vom Mars. Das impliziert ja, dass wir Frauen uns mit Gefühlen auskennen, damit umgehen können uns damit wohlfühlen. Und Männer einfach solche Probleme damit haben, dass sie Gefühle garnicht so gut spüren, identifizieren und drüber reden können. Was ist das blos für ein Schwachsinn. Das macht ja einen Dialog total unmöglich, wenn sich Männer hinter diesen Klischees verstecken.



Habt ihr eine Ahnung, wie wenig gut ich mit meinen Gefühlen umgehen kann? Wieviel Angst sie mir machen? Was ich für eine Panik habe, von ihnen überschwemmt und verschlungen zu werden, die Kontrolle zu verlieren? Wohl fühlen ist was anderes.



Gestern Nacht, als der Prozess lief, kamen alle 10-30 min schmerzhafte Gefühle nach oben. Das hielt 1-2 min an und verschwand dann. Es folgten Erkenntnisschübe. Wahrheiten. Eine Wahrheit ist zum Beispiel: ich hatte ja 7 Jahre keinen Sex mehr mit Männern. Ich meinte es ist bewusst, ich will mich selber finden, Eigenmacht entwickeln, geistig gesund werden, ich will keinen Mann, ich ziehe mich aus dem Partnersuche-Geschäft zurück und blabla. Die Wahrheit ist ganz einfach, dass sich die ganzen verdammten 7 Jahre kein Mann für mich interessiert hat und ich mich fühle wie eine alte, fette, bucklige Brotspinne.



Dienstag, Juli 10, 2007

auftauchen



Bin wieder zurück aus dem Untergrund, auch aus meinem eigenen. Habe erfahren, was wirklich auf dem G8 Gipfel hinter dem Zaun (oder war's vor dem Zaun?) los war. Journalisten, die keine Lust auf Wahrheit haben, sondern die Gewalt suchen, um eine (erwünscht brutale) Schlagzeile zu haben. Abgesehen von Pflastersteinen exitieren dort auch Workshops, vegane Volksküche, Technowägen, Clowns, Kinder, Spaß und ernsthaftes Engagement.



Bin letztens kommentiert worden, weil ich geschrieben habe, dass es vielleicht doch noch etwas mit mir und den Männern wird. Dass ich wahrscheinlich schlechte Erfahrungen gemacht habe, aber dass es viele, viele tolle Männer gibt. Ich weiß, dass es nette Männer gibt. Mein Opa war einer, mein bester Freund war einer. Das ist doch gar nicht der Punkt. Besonders meine eheerfahrene Freundin Angelika teilt mit mir die Ansicht, das was ich wirklich meine, kann nur eine Frau jenseits der 40 verstehen, die einen Großteil ihres Lebens in einer Ehe und mit Kinder aufziehen verbracht hat (und mit nebenbei arbeiten).


das ist Vera, liebste Freundin und Paralleluniversum...

Mir ging es nie um den einzelnen Mann, sondern um den Lebensentwurf, der uns zu abhängigen Dienstleisterinnen macht. Das in der persönlichen Ebene. In der gesellschaftlichen herrschen Werte wie das Recht des Stärkeren, Konkurrenz, Ausbeutung. Diese Werte entspringen aus einer am männlichen orientieren Denkform. Das weibliche hat in dem Fall die Aufgabe, alles ein wenig erträglicher zu machen und den Servicegedanken zu verwirklichen.



Natürlich nehme ich wahr, dass immer mehr Frauen Karriere machen. Was dabei herrauskommt ist im Falle einer Schwangerschaft die berühmte "Doppelbelastung", die doch eigentlich eine dreifache ist, und bei der die Frau an sich auf der Strecke bleibt. Ich meine: außer Haushalt (1), Karriere (2) und Kindern (3) gibt es doch auch noch sie selber.



Nochmal meine Lösung: Tantengesellschaft, das heißt eine weibliche Kerngruppe, die sich gemeinsam um Kinder, Haus und Geldbeschaffung kümmert. Männer außen vor, was das anbetrifft. Das hat doch auch in erster Linie nichts mit Liebe zu Männern zu tun. Da geht es um Alltag, Überleben, Putzen, Kochen, Waschen, Kinder hüten, Geld verdienen. Wenn das alles nur zu zweit gelöst wird, bleibt doch die Liebe und Selbstachtung auf der Strecke. Und das, was wirklich zwischen Mann und Frau ablaufen könnte geht unter zwischen vollgeschissenen Windeln, dreckigen Socken und überzogenen Konten.



Vielleicht sehe ich jetzt, was meine tollen Theorien wert sind, wenn ich mich tatsächlich verliebe. Ob es mich aufsaugt und ich mich eines Tages wiederum ohne eigenen Besitz irgendwo mit einem Geschirrtuch in der Hand finde, oder ob ich es schaffe, etwas ganz eigenes zu erfinden und zu leben?



Also gut. Schluss mit dem "wenn ich mich tatsächlich...", ich bin verliebt. Definitiv. Seit 9 Jahren das erste Mal. Und ich hatte auch seit 7 Jahren keinen Sex mehr. Weil ich es selber ganz fantastisch kann und keine Lust auf irgendeinen Kerl habe, der nicht für wirkliche Nähe in Frage kommt. Was heißt, dass Männer, in die ich mich verlieben kann so überaus selten sind, dass ich mein restliches Leben schon komplett als glückliche alleinstehende Frau verplant hab. Nojo. Wie immer beliebt das Universum zu scherzen. Besonders das in dem ich mich befinde. Wobei ja noch nichts passiert ist, außer dass es mich voll erwischt hat und ich ein Date klar gemacht habe, das aber erst in 3 Monaten stattfindet.