Sonntag, März 02, 2008

eine weibliche welt



Wiedereinführung des Matriarchats - wissen wir überhaupt, wie die alten Matriarchate ausgesehen haben? Sämtliche Theorien werden immer Mutmaßungen bleiben. Sind alle Frauen besser als die Männer? Bringt es Frauen weiter, wenn sie immer mehr Führungspositionen erobern? Alle diese Fragen werden immer im Lichte des Patriarchats gestellt, aus unserer Denkungsart heraus, die wir gelernt haben und die sich über mindestens zwei Jahrtausende in unserem kollektiven Unterbewusstsein festgesetzt hat.



Ich möchte keine neue Staats- oder Führungsform mit dem Matriarchat etablieren, es geht nicht um den Umsturz des großen Ganzen von oben herab. Es geht um die einzelne Frau. Das Lebensgefühl der einzelnen Frau. Welche Bindungen sie zur weiblichen Energie hat. Wie sie leben kann, wie sie sich verwirklichen kann, wie an ihr schöpferisches Potential kommen. Der erste Schritt hierzu ist einmal das beiseite lassen der Männer. Das muss nicht zwingend heißen, gleich Mann und Familien zu verlassen. Das beiseite lassen der Männer in unseren Köpfen ist gemeint.



Meine erste Reaktion in der Pubertät war sofort, mich mit dem stärkeren Geschlecht zu solidarisieren. Um etwas Würde zu behalten und nicht nur Kuscheltierchen und willenloses Spielzeug zu werden, musste ich das tun. Alle Karrierefrauen arbeiten so. Sie gewöhnen sich die Regeln der Männer an, um in einer Männerwelt zu überleben. Sie wissen und sie spüren recht schnell, dass sie in ihrem Fachgebiet genauso gut oder besser als die konkurrierenden Männer sind. Um aber beruflich nach oben zu kommen, bedarf es noch mehr. Sie müssen auch in der Männerwelt überleben können. Sich maskieren praktisch. Wenn eine Frau das weiß und durchschaut, mag es ja noch funktionieren. Tut sie das nicht, kann das ziemlich bösartige Formen annehmen, da eine Frau immer besser sein muss als ein Mann, um die gleiche Position zu erreichen. Das heißt auch, dass praktisch nichts für eine nicht mehr so frauenfeindliche Welt gewonnen ist, nur wenn Frauen auch in Führungspostionen kommen. Das System bleibt davon unangetastet. Gut, das macht Frauen an sich noch stärker, sie lernen Höchstleistungen zu vollbringen und sehen es deutlich, dass sie mindestens genauso viel können, wie Männer und sogar noch mehr, da sie auch noch Kinder und Haushalt zusätzlich haben. Es mag Männer geben, die Haushalt und Kinder fair teilen, die sind jedoch in der Minderzahl. Zusätzlich mag es in der Partnerschaft noch zu Problemen kommen, wenn eine Frau in eine höhere gesellschaftliche Position kommt als ihr Ehemann. Das ist aber auch noch nicht das, was ich meine. Die Machtübernahme durch immer mehr Frauen käme tatsächlich einem Polsprung gleich und nichts wäre gewonnen. Wir würden noch nach den selben Regeln und Gesetzen arbeiten. Die medizinische Versorgung wäre die gleiche, das Konkurrenzdenken wäre das gleiche, die Ausbeutung der ganzen Erde wäre die gleiche. Die psychische Verfassung der einzelnen Frau wäre womöglich noch schlechter, weil der Leistungsdruck bis ins unermessliche steigt. Karriere, tolle Kinder, toller Mann, schönes Haus, nicht altern, immer gut aussehen, super Garderobe, klasse Figur, viel Geld, heterosexuell aktiv, aber nicht zu aktiv, "gut im Bett" sein, all das verlangt die "moderne" Frau von sich und fühlt sich dabei sehr emanzipiert. Und nicht wenige scheitern an diesen hohen, unrealistischen Anforderungen und haben ein permanent schlechtes Gewissen.



Ich habe einen guten Text gefunden, der erklärt, was ich die ganze Zeit versuche auszudrücken. Es ist eine mögliche Weise, es auszudrücken. Der Textausschnitt ist aus dem Buch: Ich brauche die Göttin von Gerda Weiler.



"Es geht darum, den matriarchalen Umgang mit "Macht", matriarchales Selbstverständnis von Seins-Macht, wieder bewusst zu machen. Es geht darum, dass Frauen wieder fähig werden, ein gesundes Eigenmachtsgefühl zu entwickeln. Und es geht um Selbstfindung, wenn Frauen in Mythologie und Geschichte nach Vorbildern und Identifikationsmöglichkeiten suchen.
Die Psychologie spricht vom "Eigenmachtsgefühl", wenn es um eine unbewusste Selbstsicherheit geht, die einer noch tieferen Schicht angehört als Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Die Gründe für Minderwertigkeits- oder Selbstwertgefühle sind dem Bewusstsein einigermaßen zugänglich. Aber das Eigenmachtsgefühl, dass über unsere Grundbefindlichkeit in der Welt entscheidet, ist bewusstseinsfern. Es ist der verborgene Hintergrund, von dem das Bild unserer Seele sich abhebt. Ob dieser Hintergrund licht oder grau, farbig oder eintönig ist, erleben wir nur als Tendenz zu Hochstimmung oder Depression, zu Aktivität oder Lähmung.
Texte, die zum Selbstbild von Frauen beitragen, sollten deshalb mit Recht auf Aussagen über den Wert des Weiblichen überprüft werden. Es war für mich eine Befreiung zu entdecken, dass die Weiblichkeitsbilder des patriarchalen Mythos, sei er christlicher oder antiker Herkunft, keine "Archetypen" sind, sondern typisch patriarchale Projektionsmuster männlicher Ängste und Wünsche auf die Frau (Weiler 1985, passim).
Die Besinnung auf matriarchale Bedeutungszusammenhänge gibt Frauen die Möglichkeit, ihren Standort in dieser Welt selbst zu bestimmen. Die Erinnerung an matriarchale Göttinnen stellt die Verbindung der Frau zu ihrer kosmischen Dimension wieder her. Wenn ich biblische Texte auf matriarchale Kulttexte zurückführe, stelle ich verlorene und vergessene Symbole für Frauenkraft und weibliches Selbstbewusstsein wieder zur Verfügung.
Die Vorstellung eines patriarchalen Urmonotheismus wird relativiert. Der Eine Vatergott wird vordergründig. Seine Gestalt hebt sich ab vom Hintergrund matriarchaler Kulturen, und das matriarchale Bewusstsein steht als Alternative zum patriarchalen Selbstverständnis zur Diskussion.
Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist erst dann verwirklicht, wenn Frauen das gleiche Recht auf Weltdeutung haben wie die Männer. Dabei reicht es nicht aus, dass Frauen sich ein eigenes Recht auf Weltdeutung nehmen, sondern Männer müssen weibliche Weltdeutung ernst nehmen und ihr einen ebenbürtigen Stellenwert zuerkennen in Philosophie, Theologie und in den allgemeinen Wissenschaften. Erst dann können Frauen der Patriarchatskultur eine eigenständige weibliche Kultur entgegensetzen.
Um von der Integration von Männlichem und Weiblichem in der Kultur auch nur zu sprechen, muss das "Weibliche" zuerst zu einem Faktor werden. Frauen müssen
  • weibliche Geschichte erforschen, die bislang unterschlagen worden ist,

  • weibliche Spritualität neu entdecken, der vorläufig noch kein Eigenrecht zugestanden wird,

  • eine eigenständige weibliche Kunst entwickeln, die sich erst durchsetzen muss,

  • gegenüber einer Arbeitswelt, die bislang den männlichen Normen gehorcht, vom Leben entfremdet und durch "Sachzwänge" taktiert wird, eine Arbeitswelt zu fordern, die an weiblichen Lebenszusammenhängen orientiert ist, und

  • eine weibliche Politik anstreben, die vorläufig noch nicht einmal denkbar ist.

Erst wenn Frauen weibliche Symbole und Vorbilder für sich zurückgewonnen haben, kann sich ihre Befindlichkeit in dieser Welt ändern, können sie aus dem Schatten des Männlichen heraustreten und aufhören, "Le deuxième sexe" zu sein."



Was der Text für mich ausdrückt, ist, dass wir nicht einfach auf Männer zugehen können, unsere Arbeit mit ihnen teilen uns alles wird gut. Wir müssen erstmal in uns die wahren Quellen, unsere tatsächliche Weiblichkeit finden, und die in die Welt bringen. Dann wird erstmal eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe mit Männern möglich sein. Wenn sie dann noch den Mumm haben, uns in die Augen zu sehen...

29 Kommentare:

Am/um 9:24 AM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe Ingrid,

Es ist doch schon bekannt, dass weibliche "Archetypen", ein patriarchal zurechtgestutztes, verteufeltes, vergewaltigtes Frauenbild wieder spiegeln.
Simone de Beauvoir hat im "Das andere Geschlecht"
Mitte des letzten Jahrhunderts vieles von dem gesagt, beschrieben und angerissen,( die Göttin ausgegraben und benannt), wovon Frauen jetzt noch schriftstellerisch profitieren. Eigentlch war sie die "Quelle". Sie selbst war trotzdem ein Opfer ihrer Zeit und des Patriarchats.
Ich frag mich wie viele Frauen sich tagtäglich fragen" warum muss ich diese sinnlosen Opfer bringen - warum wird mein Beitrag für die Gesellschaft nicht gewertschätzt. Offensichtlich müssen Frauen selbstverständlich alles geben was sie haben, weil immer noch dieses christliche, muslimische, jüdische Bild der Frau, als die Schlechte, die Schwache, die Verführerin zum Bösen in uns wirkt - wir sollen oder wollen immer noch beweisen, dass das nicht stimmt. Die Emanzipationsbewegung als der Versuch den Beweis zu erbringen, dass wir stark, edel und gut sind -um erstmal unsere Ehre wieder herzustellen - hat uns noch nicht die Freiheit gebracht. Ich kann nur hoffen und wünsche es mir - dass jungen Frauen - die es wirklich nicht leichter haben - eher im Gegenteil - die Kraft haben eine weiblichere Welt zu fordern und zu kreieren. LG
P.S. Und solange den Männern das alles am A. vorbeigeht - selten Verantwortung übernehmen - und der Staat das toleriert - in Gesetzen sogar berücksichtigt - ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass es eine Menge zu fordern gibt.

 
Am/um 10:01 AM , Blogger kvinna meinte...

Unser ganzes gesellschaftliches "schneller, höher, weiter, größer" resultiert aus unzureichender Ablösung, nicht vollständig vollzogener Pubertät - Pubertät hier verstanden als saubere Ablösung vom VATER.

Das ist der Kern des Patriarchats, die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn, die auch die von der verlorenen Tochter sein könnte; Sinnbild für das reumütige Zurück-Kriechen zum Elternhaus anstelle des Abnabelns und Wachsens.

So verharren ALLE, Männlein wie Weiblein im Ringen um die Anerkennung durch den Vater - eine Anerkennung, die doch nie erreicht werden wird.

Genau betrachtet, ist selbst der Kirchturm ein Abbild des väterlichen Phallus.

 
Am/um 10:04 AM , Blogger kvinna meinte...

Bildlich gesprochen, mit dem Phallus als Machtsymbol des Patriarchates. Ich wollte jetzt nicht auf realen sexuellen Missbrauch durch den Vater hinaus. Das ist ein anderes Kapitel.

 
Am/um 10:44 AM , Anonymous Anonym meinte...

>>Und es geht um Selbstfindung, wenn Frauen in Mythologie und Geschichte nach Vorbildern und Identifikationsmöglichkeiten suchen.<<
dazu möchte ich eine kleine geschichte erzählen.
in einem forum, in dem ich sehr lange aktiv war, kam eine diskussion auf, inwiefern frauen denn überhaupt in der geschichte etwas "erreicht" hätten.
dazu meinte ein männlicher schreiber mit knapp 17 jahren, das ja alle wichtigen erfindungen von männern gemacht worden wären, das würde einem ja in der schule schon beigebracht.
worauf ich herging, und einige internetlinks raussuchte, in denen nicht nur die obligatorische marie curie vorkam, sondern jede menge frauen, sei es in astronomie, computer(ohne ada lovelace byron keine computersprache in der jetzigen form), etc. etc. - es stimmt im übrigen, in der schule hören wir nichts von ihnen, haben dadurch nicht in dem maße wie männer, die möglichkeiten vorbilder zu entwicklen.
nun, jedenfalls hatte ich eine schöne liste zusammengetragen, worauf ich von einer weiblichen userin angefurzt wurde, warum ich jetzt die männer für blöd erkläre und sie runtermache!
das war die reaktion, rein auf die liste der frauen aus der geschichte!
nur die aufzählung der selbigen bedeutete in ihren augen bereits ein runtermachen der männer!
der umkehrschluß, wieviel mehr "runtermachen" dann das allgemeine verschweigen von frauen bedeutet, war leider argumentativ nicht rüber zu bringen. auch bei den meisten anderen usern des forums nicht. ab sofort war ich dort die "männerhasserin", die böse "emanze". *ggg*
dabei haben diese frauen in dem sinne ja nie das patriarchat hinterfragt, sondern versucht, darin ihren platz zu haben. auch in den wissenschaftlichen, ihnen "verbotenen" bereichen.
die geschichtlichen damen, mein ich jetzt.
ich denke, dies kleine geschichtlein sagt sehr viel aus, wie unsere gesellschaft geprägt ist.

lucia

p.s.
für, die die es interessiert gibt es eine internetseite - http://www.fembio.org - mit interessanten biographien von sehr vielen starken und wichtigen frauen.

 
Am/um 11:29 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ne kvinna. ich glaub du bist auf dem falschen dampfer. die einführung des patriarchats ging mit der einführung eines männlichen Gottes einher und der entmachtung des weiblichen.

und der verlorene sohn ist eben ein sohn. und keine tochter.

nach deiner theorie müsste dann in vor-patriarchalen zeiten die ablösung vom vater funkioniert haben? damals war aber die biologische vaterschaft gesellschaftlich nicht relevant.

gruß ingrid.

 
Am/um 11:36 AM , Blogger kvinna meinte...

Ich meinte das nicht religionsgeschichtlich. Unsere Gesellschaft ist durch und durch von unserer Religion geprägt. Will heißen, es ist ein gelebtes Gefühl, dessen Wurzeln in unserer christlichen Kultur liegen. Heißt, wir sind voll katholisch, auch wenn wir mit Kirche gar nix am Hut haben und an keinen Gott glauben.

 
Am/um 11:38 AM , Blogger kvinna meinte...

Und "Einführung des Patriarchates" klingt so nach einem bewussten Akt. Ich glaube aber, das das einfach passiert ist, im Rahmen einer von niemandem bewusst gesteuerten menschlichen Entwicklung, die sich logisch ergab - logisch, aber nicht zwangsläufig richtig, wohlgemerkt!

 
Am/um 11:56 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

hab ich nicht behauptet, dass es ein bewusster akt war. kann sein oder auch nicht, wer weiß das schon.

die entmachtung des weiblichen hat jedenfalls methode.

ja - kvinna - genau dass ist ja der knackpunkt!!! wir sind alle christlich geprägt (in anderen ländern durch andere monotheistische religionen), das wirkt ins unterbewusste, auch wenn jemand meint er wäre nicht christlich. und durch diese "gehirnwäsche" ist die abwertung und entmachtung des weiblichen im kollektiven unterbewussten festgeschrieben und wir von fast allen als gegeben hingenommen.

 
Am/um 11:59 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

äh, wird von fast allen als gegeben hingenommen, mein ich.

das meint ja auch gerda weiler, in ihren texten. das ist aber nicht archetyisch, sondern die monotheistischen lehren gehen mit dem weiblichen als männliche angst und wunschprojektion um. das tatsächlich archetypisch weibliche liegt tiefer, ist älter. und das gilt es wieder frei zu legen. machen ja auch schon so einige frauen..

 
Am/um 1:16 PM , Blogger kvinna meinte...

Und WEIL wir christlich geprägt sind, habe ich das Beispiel vom verlorenen Sohn hergenommen. Darin geht es nämlich nicht vorrangig um Mann oder Frau - daher könnte es HEUTE genausogut eine verlorene Tochter sein - sondern um patriarchale Macht. Reumütig zurück zum Vater, der natürlich leicht verzeihen hat, wenn der Widerstand gebrochen ist.

Sich männlicher Macht unterwerfen wird hier als gut und richtig dargestellt.

Und von Männern genauso akzeptiert wie von Frauen.

Das ist - und diese Meinung teile ich mit Jutta Voss - der Dreh- und Angelpunkt bei unserem patriarchalen Kulturproblem.

Und der Ausdruck "Einführung des Patriarchates" stammt von dir. Ich habe ihn nur seziert.

 
Am/um 1:19 PM , Blogger kvinna meinte...

Übrigens finde ich Lucias Erlebnis symptomatisch. Und fembio.org habe ich auf meinem Blog verlinkt, weiß gar nicht mehr, hab' ich den Link nicht sogar von dir?? Das dazu gehörige Institut gibt es erst (!!!) seit 2002. Aber es wird.

 
Am/um 1:36 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

für mich ist es aber sinnlos, in der bibel nach frauenstärkenden quellen und hinweisen zu forschen.

das christliche ist ja die gehirnwäsche.

deswegen such ich nach meinen wahren quellen ganz woanders.

gruß ingrid.

 
Am/um 1:56 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ich halts außerdem für ziemlich unsinnig aus einer geschichte vom verlorenen SOHN etwas für das Leben von Frauen abzuleiten.

 
Am/um 3:00 PM , Blogger kvinna meinte...

Ich hab' ja auch nur auf den Fehler im System gezeigt, auf das, was ich für die URSACHE halte.

Und dass die Tochter sich genauso abnabeln muss wie der Sohn, liegt doch wohl auf der Hand.

Zu dieser Erkenntnis hat mir die Bibel verholfen - wenn das auch gar nicht im Sinne der Amtskirche ist ;)

Dass wir eine Vaterreligion haben, das macht doch das Patriarchat erst aus.

Die Gehirnwäsche im Christentum ist ja auch nur das, was die offizielle Kirche daraus gemacht hat.

Nu' bin ich doch noch in der Religionsgeschichte gelandet, obwohl ich doch das christliche Mäntelchen meine, das HEUTE auf allem liegt.

Jesus war total anders. Und die Bibel ist eine subjektive Auswahl von Schriften. Christentum wär' ganz anders, wenn die Kirche die Karten offenlegen tät'.

Ich sag' nur "Sunna" und "Lilith"

 
Am/um 3:33 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja angeblich gibt es viele andere quellen der damaligen zeit und die bibel so wie sie heute ist, ist die auswahl, die der amtskirche gut in dem kram passte.

ich kann aber auch nix mit jesus anfangen. das beutelt es mich ab. ist einfach nicht mein ding. wenn er auch noch so "nett" und angeblich "weiblich" war. er ist und bleibt der einzige sohn des einzigen gottes und deswegen für mich no go!

gruß ingrid.

 
Am/um 3:39 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

und was ist dann auch mit seiner seltsamen "unbefleckten" zeugung???
das sind doch alles so kernsachen, die die kraft von frauen unterwandert haben.

 
Am/um 8:33 PM , Blogger Zwillings-Sonne meinte...

Ich lese hier:
Völlig verzerrte Gottesbilder und die durchgehende Akzeptanz der Lüge von Gott als einem "Mann" und "Vater" - die Rede ist also hier vom "Kirchen- und Kindergott", und nicht von Gott bzw. der Schöpfung oder der Natur oder der großen Leere oder dem Maysterium daselbst. (Gratulation an die katholische Kirche, das System lebt!) Wo das hinführt, ist klar: Nirgendwohin und immer schön weiter gegen die Wand.

Genauso kindgerecht sehe in diesem Zusammenhang die Akzeptanz der "großen Göttin" durch viele Frauen heutzutage. Beides ist Schmarrn und beides gibt es nicht. Es ist ein schönes Märchen und macht zugegebenermaßen auch Spaß.

Es muß tatsächlich jede(r) sein eigenes Gehirn waschen, und zwar rein von dem ganzen Blödsinn, der dem einstigen Kind/Jugendlichen und auch noch Erwachsenen eingebrannt wurde. Und das ist Hausaufgabe für jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten und jeder muß es selbst tun, weil es nur selbst geht, es kann niemand anders für einen tun.
Wenn es viele Einzelne für sich tun - hat sich plötzlich "die Gesellschaft" geändert. Oder anders und viel entscheidender: Wenn ich es tue, hat sich die ganze Welt geändert!
Ganz ohne vertrackte, künstlich-intellektualisierte Matriarchats/Patriarchats-Konzepte, die auch alle Schmarrn sind, egal, wie logisch sie aufgebaut sein mögen.

Eigenmacht ist einfach nur Eigenmacht - und die nimmt man sich oder läßt es bleiben.
Es ist so einfach. Ich weiß es.

Kann aber schon sein, ist sogar höchstwahrscheinlich, daß es etwas kostet, unter Umständen auch das Leben, sowas kann passieren. In jedem Fall kostet es aber viel Mut, für sich allein zu stehen und zu gehen - völlig egal, welches Geschlechtsteil du in diesem Leben mitbringst.

Niemand hier bei uns ist mehr gezwungen, irgendeinen Blödsinn, auch nicht den der Kirche oder einer anderen Religion, zu glauben. Es gibt zahlreiche gut zugehbare Quellen, die sehr schlüssig belegen, daß die Bibel komplett abgekupfert wurde und ein Sammelsurium der vorhergehenden Kulturen ist - ob Jesus nun gelebt hat oder nicht, ist nicht so wichtig und wird auch nicht mehr nachvollziehbar sein. Es gibt soviele schlüssige und gut recherchierte Versionen, da kann sich jede(r) die für sie oder ihn passende raussuchen.

Und dann fängt die Arbeit erst an: Du mußt dich lösen - und zwar von ALLEM, was du bisher geglaubt hast - auch von solchen Ideen wie Matriarchat und Patriarchat. Beides führt nämlich nicht in Neuland. Und beides ist nur ein Spiel.
Soweit mein Er-leben.
Was in der Regel auf wenig Gegenliebe stößt, weil es eben radikal ist und nichts mehr übrigläßt.
Und dafür brauchst du Eingenmacht.
Solange du aber irgendwo noch dazugehören möchtest und nach Geborgenheit und Beschütztsein suchst - wirst du auch nicht die Eigenmacht kennenlernen.
So mancher Mensch soll es auch schon zwischendurch bereut haben, sich auf einen so unbequemen Weg gemacht zu haben. Aber wenn du einmal unterwegs bist, willst du auch wirklich aufwachen aus der Hypnose, ob sie nun Matriarchat oder Patriarchat oder Kirche heißt oder sonstwas.
Aufwachen manchmal tut weh, aber es lohnt sich. Am Ende (natürlich gibt es keines) siehst du dann: Es gibt nur Gott. Gott ist alles, alles ist Gott. Liebe ist alles, alles ist Liebe.
Das, was nicht Liebe ist in meinem Leben, bin immer ich. Und um das zu erkennen, hat es eine Weile gebraucht bei mir - jetzt ist es endlich soweit und es gibt nichts und niemanden mehr, auf den ich das abwälzen könnte.

Also überlegt es euch gut, ob ihr wirklich loslassen wollt.

Schwesterngruß, Anuja

Für Kvinna: Übrigens brauchen Töchter sich in den obigen Denkmodellen nicht abnabeln, weil sie ja ohnehin einen Mann heiraten werden - sie gehen also direkt vom Vatermann zum Ehemann.

 
Am/um 9:27 PM , Blogger kvinna meinte...

Maria - Eva - Lilith, das sind alles sehr entlarvende Frauenbilder.

Aber was ich für mich aus diesem Christenkram ziehe, führt hier zu weit. Das ist Stoff für einen eigenen Post, zu dem ich aber seit Monaten die Gedanken nicht richtig geordnet kriege.

Was mir aber noch einfällt: Wo keine Dunkelheit existiert, gibt es kein Licht.

Sprich: Frau sein geht nicht ohne Abgrenzung vom Mann und umgekehrt. Das Eine existiert gar nicht ohne das Andere. Weiblich gibt es nicht im stillen Kämmerlein und schon gar nicht auf einem Frauenplaneten.

Und: Die Männer sind genauso unterm Patriarchat wie die Frauen. Vom Vater ablösen müssen sich beide - heute, hier.

 
Am/um 11:50 PM , Anonymous Anonym meinte...

Ja, die Gedanken richtig zusammenkriegen ist nicht immer leicht. Auf dass wir uns alle vom Vater gut abnabeln. Tja, jetzt sollte mir wohl ein Licht aufgegangen sein. Steh wahrscheinlich total auf der Leitung - hier und jetzt.

 
Am/um 8:53 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

Mir geht es in erster Line darum, in meine ureigene Frauenkraft zu kommen. Und wieder mit ihr umgehen zu lernen. Passende Wörter sind hierzu: Mond, Menstruation, Tod und Wiedergeburt, weiß-rot-schwarz, Jungfrau-Mutter-weise Alte, Fruchtbarkeit-Unfruchtbarkeit. Die mal nur als Beispiel, da ich mit diesen Energien direkte Erfahrungen gemacht habe. Also nicht irgendwo gelesen und im Kopf verstanden, sondern gespürte Erfahrung.
Es gibt noch mehr Bilder: Kreis, Spirale, Labyrint, Vulva, Kuh, Göttin.

Zu Anjua: deine totale Auflösung von Allem liegt mir deswegen nicht, weil ich es als jenseitiges Ideal ansehe. Außerdem ist es trotzdem auch wieder nur eine Lehre, wie alles andere. Nur Symbole. Keine Wirklichkeit. Die kann nämlich niemand begreifen. Dieses Leben bin ich aber nicht umsonst als Frau hier und denke, ich nutze auch die spezifischen Eigenheiten, die sich dadurch ergeben. Erst Mal irdisch, bevor ich ins große Ganze eintauche. Das kommt wir nämlich wie eine Flucht vor. Das empfand ich schon so bei der damaligen umfangreichen Diskussion in meinem Blog zum Missbrauch. So nach dem Motto: Was stören mich irdische Missstände, ist doch eh alles Liebe.

Ich bin jedenfalls sehr irdisch und kann mit meinem spezifisch weiblichen Körper ganz andere Erfahrungen machen, als wenn ich einen männlichen hätte.

Mir geht es auch nicht darum, statt eines männlichen Gottes einen weiblichen Gott "anzubeten". Das alles sind für mich nur Sinnbilder einer bestimmten eigenen Energie. Mir tut es nicht gut, wenn ich die Energie im Außen und in einem anderen Geschlecht anbete. Sondern ich nutze die Göttinnen als Archtypische Seelenbilder, die mich einer eigenen, mir innewohnenden Energie näher bringen. Das ist erstmal ein krasser Gegensatz zu einem Vatergott im außen, den ich auch nur über männliche Vermittlung erreiche.
Ein geschlechtsloser Gott (wieso heißt es eigentlich nicht geschlechtslose Göttin) ist mir nicht nahe, es ist unwirklich, ich bin ja auch nicht geschlechtslos. Wirklich transzendiert bin ich auch nicht im hier und jetzt. Körper, Leben, Erde. Das ist mir hier und jetzt wichtig. Transzendenz ist körperlos. Kein Thema im Moment.
Sowieso unmöglich, wenn ich mich nicht zuerst mit dem Körper und den Wahrheiten des Irdischen auseinandergesetzt habe. Ich bin ja nicht zum Ausweichen hier, sondern zum Wahrnehmen. Ich habe einen Frauenkörper und sechs Sinne. Bestimmt nicht einfach so, sondern damit ich etwas damit anfange.

gruß ingrid

 
Am/um 8:58 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

und kvinna: ich sehe das weiblich-männliche nicht als Gegensatzpaar, und nicht als das-eine-geht-nicht-ohne-das-andere. Männlich stark, aktiv, Weiblich sanft, empfangend. So sehe ich das nicht.
Das weibliche kann ganz gut ohne das männliche mitzudenken und ohne sich als zweite Hälfte zu empfinden.
Ich finde es sogar sehr transformierend, das männliche, die Männer, mal beseite zu lassen und nur in sich zu gehen.

 
Am/um 9:39 AM , Blogger kvinna meinte...

Und ich bin nicht imstande, mich von der Vorstellung zu lösen, dass ich einen Mann in mir trage, so, wie jeder Mann eine Frau in sich trägt.

Ich kann die beiden nicht voneinander lösen, für mich sind das immer zwei Hälften, die ohne die jeweils andere unvollständig sind. Aber das sind eben MEINE Bilder.

Was nun DAS ;) Göttliche anbelangt, so habe ich für mich Erfahrungen gemacht und Empfindungen gespürt, die es mir möglich machen, einfach eine göttliche Kraft zu denken, zu fühlen, die kein Gesicht und kein Wesen hat, nicht männlich noch weiblich ist, gestaltlos, aber immer da, mich bergend und aufhebend.

Dafür bin ich sehr dankbar.

Um diese Vorstellung leben zu können, bediene ich mich ohne schlechtes Gewissen in allen Religionen und Philosophien, suche das Lebensbejahende und das Liebevolle für mich heraus.

Ich kann nicht anders. :D

 
Am/um 9:59 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja. ist ja schön :-)) gruß ingrid.

 
Am/um 11:41 AM , Blogger Zwillings-Sonne meinte...

"Transzendenz ist körperlos."
Das ist der Knackpunkt: Aufgrund von solchen abgehobenen Ideen über etwas bislang Unbekanntes rücken sie in weite abgehobene Fernen,obwohl es mitten im Leben stattfindet und nicht weg von ihm sondern in die eigene Mitte führt.

"Sowieso unmöglich, wenn ich mich nicht zuerst mit dem Körper und den Wahrheiten des Irdischen auseinandergesetzt habe."
Das gleiche: Nur eine Vor-stellung. Es ist jederzeit möglich. Es gibt nichts, was "vorher" getan werden müßte. Das ist der duale Glaube, an dem die meisten festhalten und lieber weiter Krieg führen mit sich und der Welt, weil sie denken "Ich bin ja nicht zum Ausweichen hier, sondern zum Wahrnehmen."

Ich schrub ja bereits oben, daß es in keiner Weise um ein Ausweichen geht, sondern ganz im Gegenteil um einen kanllharten Erkenntnisweg - in diesem Leben. Inklusive der 100prozentigen Übernahme von Verantwortung und Macht.

Einen schönen Tag, Anuja

 
Am/um 11:44 AM , Blogger Zwillings-Sonne meinte...

Schön kurz die Definition im Wikipedia: "Transzendenz (von lat. transcendere „übersteigen“) bedeutet Überschreiten von Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins, sowie das Sichbefinden jenseits dieser Grenzen."
Und zwar hier, auf der Erde und im Körper. Mit allen Wahrnehmungen, Gefühlen, Empfindungen, die das Menschsein ausmachen.
Anuja an Erde

 
Am/um 11:54 AM , Anonymous Anonym meinte...

Hallo Ingrid,
dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Ich glaube auch nicht, dass es die Lösung ist, wie die Männer Positionen in der Wirtschaft zu beziehen. Wo wir da hin kommen, sehen wir ja. Ich bin immer genervt, wenn Frauen zu mir sagen. Silvia du als starke Frau musst an den Hebeln der Macht drehen. Meist sind es Frauen, die auf Fraueninseln oder in Männerasylen leben und von dort die Revolution ausrufen. Ja, auch für mich geht es v.a. um mich – Selbsterkenntnis, Eigenmacht als weiblicher Mensch und natürlich im Verbund mit meiner Welt. Um da hin zu kommen brauche ich die Männer nur wenig und meistens stehen sie mir wie dir sogar im Weg und das liegt nicht an meinem Lesbischsein. Für mich logisch. Wenn mensch überhaupt verallgemeinern kann haben wir eine Männerwelt, die uns Frauen bestimmte Räume zuweist, die zwar heute schon freundlicher sind als im Mittelalter aber das ist es auch schon. Und um da hin (zu mir) zu kommen kann ich mir nicht Krücken aus dieser Männerwelt nehmen (z.B. Jesus). Am liebsten suche ich mir ganz eigene Krücken (weil wir selbst Materie sind, brauchen wir wohl Materie), das ist schwer aber alles Vergangene ist nicht Teil meiner (bewussten) Erfahrung. Bücher inspirieren mich aber wirklich vertrauen kann ich nur meinem Leben. Genau deswegen will ich mich auch nicht rausziehen aus diesem meinem Leben. Ich kann auch wenig mit Menschen anfangen, die ihre Wertevorstellungen vor allem aus Büchern oder Religionen ziehen. Ich bin immer richtig froh wenn ich Menschen treffe, die ähnliche Vorstellungen vom Leben haben. Denn Zuspruch brauchen wir ja alle, eben weil wir noch hier auf Erden sind, ein Ego haben, das uns vielleicht behindert, um in die Traumwelt zu gelangen aber auch ermöglicht in der Arbeitswelt zu bestehen. Aber auf meinem Weg habe ich schon gelernt mir diesen Zuspruch nicht mehr dort zu holen, wo ich nicht gewollt werde. Frei nach der Devise: Du kannst noch so oft zum Ziegenbock gehen, du wirst keine Milch bekommen . Wann bist du denn wieder mal in Berlin? Grüße dich herzlich Silvia aus Berlin

 
Am/um 2:57 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

hi Silvia!
Auf alle Fälle komme ich dieses Jahr nach Berlin. Wahrscheinlich Ende Juni/Anfang Juli. Ich melde mich bestimmt!

gruß i.

 
Am/um 9:35 PM , Anonymous Anonym meinte...

o-t

ähm... wenn ihr nix dagegen habts, dieses berlin-treff-käffchen tät ich gern teilen, gelle :-)

und was mir manchmal bei den diskussionen hier durchen koppe geht ... das sich bei dir schon ein forum rentieren täte, ingrid - bei der menge an diskussionen :-)

lg
lucia

 
Am/um 8:43 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja klar, ich geb das dann im blog bekannt, wenn ich nach berlin komme. wie gesagt, ich plane so um die letzte juni/erst juli woche rum. dann machen wir was aus.

ein forum tät sich echt rentieren. viele punkte wären es schon wert noch ausführlicher diskutiert zu werden. z.b. was kvinna über die frauen zu sagen hätte, sunna lilith usw. oder über das eva buch, dass sie mal erwähnt hat. Oder z.B. mehr über Trancetechniken. ist ja alles ziemlich interessanter Diskussionsstoff und wäre auch ein gutes Wissensarchiv. Ich lass mir was einfallen...

gruß ingrid.

 

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