auf die alten tage

Nach Schönheit und Gewicht, jetzt das Altern. Vielschichtig ist es das Altern.
Bin ja grad mal 45. Da fängt es also erst an, dass ich faltig werde im Gesicht, der Körper sich verändert und ich langsam richtig weise werde.... Das hat ganz verschiedene Auswirkungen. Ich stelle fest, dass Männer nicht mehr so spontan auf mich ansprechen, wie früher. Das ist aber auch was total zweischneidiges. Als ich noch jung und knackig war, hat mich das voll genervt, wenn ich merkte, der will jetzt blos was von mir, weil ich gut aussehe. Oder eben diese tägliche Anmache, die jetzt völlig weg fällt. Ich wünschte mir Männer, die sich für MICH und nicht nur für meinen Körper interessierten. Das ist ja jetzt das gleiche, die sich für mich interessieren, haben ja auch nichts gegen meine Falten. Obwohl sich jetzt viel weniger Männer für MICH interessieren, also ohne die jugendliche Verpackung sehen sie den Inhalt schon zweimal nicht. Na gut, die es trotzdem tun sind halt auch dementsprechend. Andererseits hatte ich natürlich auch kein Problem damit Männer zu verführen, die ich mochte, das traue ich mir jetzt nicht mehr so zu. So strudelt es mich manchmal rein in das, aber ich glaub das hat überhaupt nichts mit dem Älter werden zu tun, das ist was anderes.

Diese Angst lässt sich halt industriell gut ausnutzen, diese Angst, keinen Mann mehr abzubekommen, nicht mehr attraktiv zu sein usw. Das reitet ja unsere Ängste so schön. Ist ja auch deswegen einfach, weil das Bild und die Macht der "weisen Alten" so komplett aus unserem Mainstream verloren gegangen ist, ausgemerzt wurde. Jetzt ist es ja Sache ewig jung und sexuell aktiv zu sein. Jede hat dann Panik, wenn sie alt wird, "nichts" mehr zu sein, weil es kein positives Rollenvorbild gibt. Die Zeit für kosmetische Behandlungen und "allesistaus" Paranoia kann Frau besser anlegen im suchen und finden von so einigem an Vorbildern, Mythen und eigenen Kräfen. Grad das älter werden hat doch den Vorteil, dass eine nicht mehr jeden Mist mitmacht. Die Industrie hat es ja natürlich auch schon gespannt und die pro-age Kampagne von Dove mit den tollen Fotos von Annie Leibovitz daraus gemacht.

Es ist und bleibt auch ehrlich meine Meinung, dass ein gewisses Alter einen nachlassenden Sexualtrieb bedeutet und dadurch auch eine größere Selbstbezogenheit ermöglicht, die total lustvoll ist. Mit anderen Worten, ohne die Sorge um die (vermeindliche) sexuelle Attraktivität und den Erhalt der (optischen) Konkurrenzfähigkeit gegenüber jüngeren Frauen ist Altern doch so gar kein Problem. Über die Problematik des möglichen körperlichen und geistigen Verfalls kann ich noch nichts sagen, dafür bin ich noch zu jung.

Es ist total spannend. Wenn ich dran denke wie das alles war, als ich jünger war. Ich war wild, und hatte eine Menge Probleme, Ängste, Sorgen, Chaos. Das hat sich jetzt alles ein wenig gesetzt. Mit einem Lächeln denke ich an so manche verrückte Episode, auch ein wenig wehmütig. Was mir gefällt, probiere ich jetzt mit etwas weniger dramatischen Konsequenzen aus. Zum Beispiel die ganze Nacht lang Tanzen. Jetzt ohne rauschbedingten Komplettausfall bei irgendeinem komischen Kerl aufzuwachen. Und nicht mehr jedes Wochenende. Und nicht mehr egal wo. An der Straße zu stehen und mit nichts dabei irgendwohin zu trampen hat mir bis über die 30 eine Menge Spaß gemacht. Sobald ich an der Straße stand, fühlte ich mich frei. Jetzt fahr ich halt Zug mit Köfferchen. Den Nerv, mir nach längstens 2 Tagen in irgendeinem Edeka eine frische Unterhose zu besorgen hab ich nimmer.

Lustig an Falten ist folgendes: stellt euch vor den Spiegel und probiert mal die Mimik aus, die diese Falten erzeugt hat. Was für Stimmungen sind das gewesen, die so oft vorgekommen sind, dass sich dadurch Falten gebildet haben? Bei mir ist es: Konzentration, Stress, Traurigkeit, Lachen, Erstaunen. Da gibt es zum Beispiel eine ganz tiefe Falte über meiner rechten Augenbraue. Die ziehe ich nämlich hoch, wenn ich überrascht, erstaunt bin, was lustiges sehe und bemerke. Ich kann das nicht mal mit Willen vor dem Spiegel, das geht nur unwillkürlich. Meist geht das so: Augenbraue hochziehen - Lachanfall.

altern faltenl lachanfall weise kosmetik lachen



29 Kommentare:
Wo hast du die dicken Frauen her?
Kann frau die käuflich erwerben?
giggle
ja die gefallen mir auch
yeah
es ist die gnade der jugend zu glauben wenn der blick auf die alten ringsum schweift dass ihre sexuellen begierden ins nirwana zurückgesunken sind
das erste mal bekam ich zweifel an dieser gewissheit als die geschwister meines schwiegervaters alle um die achtzig pubertär albern gackerten beim kniffel
und auch ich erlebe mit meinen 55 jahren noch kein verblassen meiner wünsche und energien
die fähigkeit zur selbstbezogenheit rührt aus der entspannung
heute darf ich so alt aussehen wie ich bin
muss mich nicht frischer für den markt präsentieren
und
ein unschätzbarer vorteil
ich muss nicht mehr verhüten...
viel schwerer fällt mir die körperlichen einschränkungen anzunehmen
da muss ich immer noch an den gitterstäben rütteln
wegen altersweitsichtigkeit
den zähnen
den gelenken
geistigen verfall bemerke ich nicht *kicher*
vergesslich war ich schon immer
aber das wird sowieso der umwelt mehr auffallen
wenn sie dann so wissende blicke tauschen
werde ich vielleicht stutzig...
birgit
die frauen hab ich im weltladen deggendorf fotografiert. die sind teil eines wandbildes, weiß auch nicht, wo die her sind, ich find sie auch toll.
ja komisch, bei mir ist halt die sexuelle aktivität absolut gesunken die letzten jahre. ich hab mich aber auch extrem ausgetobt früher. viele frauen legen mitte 40 nochmal richtig los, vor allem wenn sie ein neues leben anfangen und sich von ihrem mann trennen, mit dem sie seit sie 20 waren treu verheiratet waren, also hab einige kennengelernt bei denen das so ist.
lg ingrid.
ja noch ein aspekt, es ist schon ein unterschied, ob einem im alter jeglicher sexuelle ausdruck abgesprochen wird, oder ob es dann schon umgekehrt wird, dass die Sorge um die Erhaltung der sexuellen Attraktivität und Agilität zur Zwangsjacke wird.
Huch, schon wieder erwischt...!
Ich gehöre zu denen, die brav und treu waren und jetzt nochmal durchgestartet sind, motto:ab jetzt alles anders.
Wir sind gleich alt , ingrid, bin auch 45(werde es im mai)und erlebe altern vor allem als körperlichen prozess, da eher negativ, merke, dass viele jahre harter körperlicher arbeit spuren hinterlassen, merke aber auch, wie versöhnlich mein körper auf "streicheleinheiten"reagiert, egal ob wellness, kuscheln, gymnastik, egal.
Dass meine sexuellen bedürfnisse nachlassen könnten, empfinde ich oft als heimliche bedrohung, weil ich mir erst seit kurzer zeit genußvolle sexualität erobert habe-und dann wieder verlieren?hilfe...gg;)
Ansonsten finde ich durchaus viele dinge bei mir, die älterwerden nicht nur männer-oder sexualitätsbezogen sind. Ich bin generell nicht mehr so leicht zu verunsichern, wie noch vor 10 jahren, ich genieße genieße, genieße meine freiheit nach 20 jahren mutterschaft und ehe.Und ich bin noch immer neugierig und trau mich heute eher blöde fragen zu stellen, wenn ich was nicht gleich verstehe(was oft genug vorkommt...gg)
Alter heißt für mich auch vorausdenken;wie will ich später, wenn die kräfte nachlassen, leben, wie kann ich da vorsorgen, ich will sowas wie plan b und c im kopf haben, das beruhigt und dann kann ich bei bedarf ganz locker plan d aktivieren.
Vorbilder...ja, das wäre fein, eine alternative zu dem ewigjungundknackigsexy-schmarrn zu haben, zu der "weisen alten"habe ich noch nicht so recht zugang gefunden.
Lg aus tirol,
Doris
ja das mit dem rückgang der sexuellen bedürfnisse, das läuft dir ja auf keinen fall entgegen. also wenn du bedürfnisse hast, und die ausleben möchtest sind sie ja da. es kann nicht passieren, dass du etwas ausleben möchtest, dass kein inneres bedürfnis ist. also, es ist ja nicht so, dass es nicht mehr geht, obwohl ich möchte. es würde schon gehen, ich hab halt das interesse an männern weitestgehend verloren.
und ich war faul, also was arbeit betrifft. kann mir aber wirklich gut vorstellen, dass kontinuierliche arbeit wie ich sie jetzt mache, 25 jahre lang durchgehend praktiziert, einen körper ganz schön mitnehmen. kenne es von meiner mutter und von meiner oma.
ja, yoga, und auf sich selbst achten, work-life-balance um es poplär auszudrücken.
ich merk schon auch, dass ich nicht so belastbar bin, wie meine jüngeren freundinnen und kollegen. ich wills auch garnicht sein.
auf mich achten ist schon wichtig.
die freiheit, wenn die familienzeit vorbei ist kenn ich. das genieße ich auch in vollen zügen, aber bitte mit sitzplatz.
das ist ja schon ein aspekt der weisen alten, das ende der familienzeit, die zeit sich um sich selbst zu kümmern, nach innen hören zu können. nicht mehr ständig für die bedürfnisse anderer da zu sein. wenn dann ehr als ratgeberin, denn als praktische arbeitsleistung.
lg ingrid.
Die "Grundstimmung" in diesem und in dem vorgergehenden Post über den Körper unterscheiden sich für mich enorm - und das überrascht mich. Hier schreibst du mit einer gewissen Gelassenheit über die Dinge, die in dem anderen Post mit Stress und (Schönheits-)Druck beladen sind. Ist das stimmungs-
abhängig? Bei mir schon.
Ich beobachte bei mir seit einigen Monden meine eigene Resonanz auf die allgemein vorherrschende Konditionierung, daß welkende Frauen nicht mehr attraktiv sind - und welkende intelligente, selbständige schon gar nicht.
Ich beobachte ältere Frauen auf der Straße - habe einen Job, bei dem ich dafür viel Raum habe - und im direkten Kontakt mit mir u.a. Frage mich manchmal, was ich von ihnen "übernehmen" möchte. Viel ist da nicht. Manchmal schockieren sie mich mit ihrem "Altweibergeruch", eine Mischung aus penetrantem Parfum und Mottenkugelmuff in den Klamotten - garantiert asexuell.
Denke ich an ältere Männer, erscheinen mir sofort viele Hunderte, die die Finanzen und Menschen dieser Welt regieren und dirigieren - außer Golda Meir fällt mir gerade keine nennenswerte ältere Frau dazu ein.
Mutter Theresa? Nein danke, ich nicht.
In einer der ungezählten Tatort-Folgen war mal die Rede von der "Armee der Unsichtbaren" - gemeint waren alte Frauen. Auf der Straße beobachte ich oft Ähnliches. Es gibt nicht annähernd soviele Männer, die Aufmerksamkeit via zur Schau gestellter Hilflosigkeit erwarten und einfordern (Taxi-Erfahrung, alles live erlebt).
Na, vielleicht ändert sich gerade einiges und wir wachsen und reifen doch noch zu wilden und bunten Alten aus.
Die alte-Frauen-Generation in den 60ern meiner Kindheit war so eine Art Horror für mich: Asexuell, gebückt, grau und moralinsauer. Hochanständig - und keine Spur von Lebendigkeit. Aus der Kinderperspektive waren natürlich auch schon 35-jährige sehr alt.
Insgesamt ist mein Eindruck der, das Frauen im Alter besonders unsichtbar werden - die meisten sind es ja auch schon zu allen anderen Lebzeiten, wenn ich mir die Reihen der Entscheidungsträger und der Handvoll -Innen ansehe.
Das war nur so ein kurzer Flash ... ein interessantes Thema. Und sicher wird es nochmal alles ganz anders kommen, wenn ich selbst in ein paar Jahren den Zenit überschreite.
Anuja
PS: Ich erinnere mich sehr gut an den Aufschrei, der durch das jgendwahnverblödete Land ging, als Uschi Glas es mit ihren 60 Jahren gewagt hat, sich nackt ablichten zu lassen. Es zeigt mir, was da in den Köpfen programmiert ist. Ich finde die Frau sehr ansehnlich und attraktiv und verstehe nicht im mindesten, warum sie sich nicht zeigen dürfen soll. Es bedeutet im Klartext: Sie soll kein
Recht mehr haben auf Körperlich- und Sinnlichkeit. Es ist "nicht anständig". Und sowas im Zeitalter des Internet-Pornoportale. Absolut verrückt. Und verlogen.
Anuja
gut schon klar. sie sollte unbedingt dürfen wenn sie mag. aber: müssen wir wirklich mit 60 noch am rattenrennen um die sexuelle attraktivität teilnehmen?
ist das alles was uns dann ausmacht? und wenn nicht vorhanden, dann ende?
"ist das alles was uns dann ausmacht? und wenn nicht vorhanden, dann ende?"
Nein, es ist aber vielleicht bei einigen ein weiterhin wichtiger Teil und ich sehe nicht, wieso es da eine gesellschaftlich-relevante Altersgrenze geben soll.
Einerseits wird uns per Medien eine völlig durchsexualisierte Gesellschaft vorgegaukelt und andererseits kommen die Prüden oder welche, die einen jugendlichen Alleinanspruch erheben und rufen laut: Nein, die nicht, die ist zu alt, das gehört sich nicht mehr.
Ich war letztes Jahr bei einer ca. 70 jährigen Frau mit rotem langem Haar bei einem Vortrag, im Sommer, es war sehr heiß - und diese schillernde Gestalt hatte unter ihren farbenprächtigen weiten Seidengewändern nichts weiter an. Jedesmal wenn die zur Erläuterung ihrer Ausführungen den Körper und die Arme miteinsetzte, konnten alle ca. 50 Anwesenden ihre prallen Brüste bewundern - und es war wunderschön. Nicht anzüglich, keine Spur von Rattenrennen, einfach nur sehr geerdetes Selbstbewußtsein und Schönheit auch im Alter stolz getragen - und hemmungslos gezeigt.
Anuja
das ist mir schon klar. wie schon gesagt. aber in den comments wurde bisher kein anderes thema angesprochen außer dem wunsch, dass "die gesellschaft" eine sexualität und deren ausdruck ohne altersgrenze anerkennt. ich mein, das finde ich nicht das problem. wenn jemand mit 76 sex will, meinst du er/sie fragt mich ob er darf, oder wie ich das finde?
was gibt es aber sonst noch für veränderungen und themen? vor allem für frauen?
oder anders erklärt: jetzt und noch älter mach ich sexuell was ich will, da brauch ich keinerlei einverständnis oder toleranz von jüngeren. ist mir egal. dazu bin ich dann wohl alt genug, dass ich tun kann, was ich möchte.
es tun sich einfach andere räume auf wenn frau älter wird. das ist mir wichtig.
"es tun sich einfach andere räume auf wenn frau älter wird. "
Erst wollte ich sagen:"Aber das tun sie doch ständig!"
Dann viel mir ein: Nicht nur öffnen sich die Räume fließend, auch älterwerden ist kein stop-and-go.
Von Geburt an.
Seufz. Es ist mir natürlich eingefallen und hat nix mit der Menge zu tun, grummel. Ich sollte die Vorschau nutzen.
Hallo Ingrid!
Zu deiner Bemerkung:
"in den comments wurde bisher kein anderes thema angesprochen außer dem wunsch, dass "die gesellschaft" eine sexualität und deren ausdruck ohne altersgrenze anerkennt."
Mir ist ein anderes Thema eingefallen. Was mir manchmal durch den Kopf geht, ist die Sache mit der Einsamkeit. Ich genieße es sehr, allein zu sein, aber ich habe Angst davor, im Alter zu vereinsamen. Besonders, da ich so ein Gefühl habe, dass das mit Kindern und Familie und geregeltem Leben bei mir nix werden wird. Da frage ich mich schon - wer hilft mir denn, wenn ich viell. mal nicht mehr allein in die Dusche komme? Ich möchte nicht aus dieser Angst heraus eine Familie gründen... Was mich beruhigt sind Bilder von 80-90jährigen Yoga-Omas - die schaffen alles! Ich habe also ganz gute Chancen ;)
Vor ganz kurzem war im Bus ein sehr alter Mann, ziemlich wackelig, verwirrt, sah aus wie ein Obdachloser. Der Bus fuhr los, ich ging grad nach vorne um ein Ticket zu kaufen, da fiel mir der Alte auf. Der Bus war voll, keine Haltegriffe mehr frei, der Mann ruderte verzweifelt mit den Armen, stammelte irgendwas. Die Jugendlichen um ihn herum lachten laut. Ich hab den Mann festgehalten während der Bus um die Kurve fuhr. Der Typ, der hinter ihm stand, sah mir grinsend ins Gesicht, zeigte mit dem Finger auf den Alten und der Rest lachte über mich. Mir sind nur ein paar Eckdaten zu Österreich durch den Kopf geschossen. Wie alt die Bevölkerung bereits ist. Dass keine Jungen mehr "nachwachsen". Und die, die es gibt, ekeln sich davor, einen alten Penner vorm Sturz zu bewahren...
ja genau. das sind so die sachen. einsamkeit. die kräfte lassen nach. altern macht auch angst.
mir geht auch nicht mehr aus dem kopf, was anuja so schreibt.
ich formuliere es mal betont überspitzt: alte frauen sind nur ok, wenn sie ansehnlich, sinnlich und lebendig rüberkommen. sobald man ihnen die last ihres lebens, verbitterung, armut, und das nachlassen der mentalen und körperlichen kräfte ansieht, ist das nicht mehr schön. wie lieblos ist das denn?
gerade die frauen, die jetzt um die 80 sind, haben noch den 2. weltkrieg erlebt. oft auch die vertreibung aus der heimat. meine oma war noch zusätzlich 2 jahre im tschechischen lager, also völlig komplett traumatisiert. die erziehung war hart, das leben war hart. viele waren eingeengt durch christliche moralvorstellungen. körperfeindlich. konnten nicht aus schlechten ehen ausbrechen, weil sie so erzogen und geprägt wurden. (das machen übrigens jetzt viele frauen immer noch aktuell durch,in anderen teilen der welt, in anderen religionen) jetzt stehen viele da, haben eine winzig kleine rente, niemand schert sich was um sie. dann stehen sie da , mitten in der stadt, das gedächtnis lässt nach, die augen, hilflosigkeit und scham kommt hoch.
sinnlich im alter. ja. aber nur wenn's noch ästhetisch aussieht. ... meine brüste sind schon lange nicht mehr prall...
ja alte frauen sind hilflos, ja stellen ihre hilflosigkeit zur schau, was heißt, sie tun nur so, als wären sie hilflos, und alte männer sind toll und regieren die welt? das ist es ja gerade. es heißt ja patriarchat und nicht matriarchat. es gibt doch überall massenweise interessante weibliche vorbilder: künstlerinnen werden alt, schriftstellerinnen werden alt. lebenskünstlerinnen werden alt. und das ist jede frau auf ihre art. jeder alte mensch hat etwas zu erzählen. schließlich hat jeder viel erlebt, das leben musste gemeistert werden. jeder hatte ein schicksal zu erfüllen.
auch wenn du die frauen so erlebst, ist es ja deine wahrnehmung. du hälst nicht viel von frauenkraft und achtest männer mehr. also auch die entsprechende wahrnehmung. wie ich beim wunschbuch. das gleiche.
gut schön wenn alte wild und bunt sind. aber irgendwann kommt das unausweichliche: die konfrontation mit der eigenen endlichkeit, das nachlassen der kräfte. DAS ist der raum, der letztendlich aufgeht.
klar, es gehen dauernd räume auf im leben. aber im alter andere als mit 20. außer, ich habe mit 20 eine unheilbare krankheit. es ist ein zyklus, und der will gelebt werden.
und noch was zu den alten männern, die so toll sind und die welt regieren: die haben alle daheim eine frau, die ihnen den haushalt gemacht hat, die kinder groß gezogen, den rücken frei gehalten hat, ihn unterstützt hat. wenn er sie nicht schon durch eine jüngere ersetzt hat, auf dem gipfel seiner karriere als zu alt und langweilig entsorgt hat.
Nur mal zur Ergänzung: Sexualität IST Lebenskraft pur, deshalb spielt sie eine so große Rolle. Sie äußert sich in allen Lebensbereichen. Damit ist nicht dieser verschwindend geringe Anteil an sexueller Aktivität wie auch immer gemeint."Asexuell" bedeutet also nicht, keinen Sex zu haben. Ich hatte im übrigen schon ein wenig mehr als nur das angesprochen.
Anuja
So, jetzt habe ich erst den Rest gelesen. Und da ich selten so absurd verdreht worden bin wie hier, erlaube ich mir, klarzustellen, daß das, was du mir da zuschreibst, schon ABSURD ist!
Obwohl es in solchen Situationen i.d.R. wenig Sinn macht, nochwas zu sagen, stelle ich hier folgendes richtig:
Ich habe nie im Leben einen alten Menschen verachtet oder verurteilt dafür, daß seine Kräfte nachlassen. Ja, ich beobachte, wie ältere Menschen im Leben stehen - und standen. Und was sie dadurch anderen mitteilen und vorleben.
Die von mir angesprochen Frauen SIND nicht hilflos sondern nutzen die Vorspiegelung von Hilflosigkeit, um Aufmerksamkeit einzufordern.
In allen Altersklassen passiert das, du schreibst ja selbst drüber, wie die Rollenverteilung immer noch läuft. Und dazu sind die wenigsten gezwungen.
Ich habe lediglich BEOBACHTET, daß alte Männer die Welt regieren und mit keinem Wort gesagt, daß ich das oder diese Männer toll finde. Ich muß mich doch sehr wundern über solche absurden Schlußfolgerungen!
Es entspricht in KEINER Weise meiner Sichtweise, was du da so für dich auf mich projiziert hast.
Das ist schonknallhart, was hier an Projektion und vor allem an Unterschieben von Bewertungen stattfindet, die ich so nicht getroffen habe.
Deswegen kan ich´s auch nicht annehmen, was mir da zugeschoben wird. Ich geb´s zurück.
Anuja
Und jetzt projiziere ich auch nochmal: Deine komplette "Argumentationsschiene" zugunsten der "armen sich aufopfernden Trümmer- und Ehefrauen" ist nämlich genau der Knackpunkt, an dem sich unser beider Geister immer wieder scheiden!
Ich mag Frauen - aber nicht, wenn sie sich selbst in die Opferrolle begeben und anschließend auch noch Dank (Anerkennung) dafür erwarten.
Ich fange übrigens jederzeit alte, schwache Menschen auf oder hebe sie auf. DAS ist nicht gemeint.
Es hat mich wirklich stocksauer gemacht, so einen Schmarrn zugeschrieben zu bekommen!
Und ich nehme es als interessante Erfahrung. Anuja
Ein bissl leid bin ich die diskussion um schön oder schiach im alter schon.
Mir fiel das bild von ute schiran ein, das vor einiger zeit mal in diese blog zu sehen war, die ist auch nicht "schön"im landläufigen sinne, aber keine von uns käme auf die idee, sie auf eine verbitterte omi zu reduzieren. Frauen in opferrollen gibts genug, nicht nur bei den alten, ich habe selbst sehr lange meine einzige möglichkeit darin gesehen, aufmerksamkeit und zuwendung zu bekommen(und das IST der einzige zweck dieser ichbinsoarm-sache).
Letztenendes muß jede/r im eigenn kopf anfangen, denkprogramme als solche umzugestalten.
Ich wünsche mir, dass dies auch noch funktioniert, wenn ich mal alt bin.
Was alter und einsamkeit angeht, denke ich, dass eine beizeiten anfangen muß, ihre netzte zu weben, egal ob familie, freundinnen, beziehungen, senioren-wg, was halt individuell geht.
Lg,
Doris
ich kenne die opferrolle auch gut. ich hab sie aber nicht eingenommen um zu tyrannisieren, auch wenn ich es letztendlich getan hab. aus meiner perspektive betrachtet war ich verdammt hilflos und mir waren keinerlei alternative handlungsmöglichkeiten bewusst und greifbar.
auch noch zu der generation "opferrolle". diese frauen haben ja auch garnicht die erziehung und information und die möglichkeit das anders zu machen und da raus zu finden. und ein kriegstrauma macht das auch nicht besser. das wollte ich darstellen. ich habe da verständnis für. ich kenne das gut. meine oma hat mich oft genervt damit. dann tat sie mir leid, weil sie aus meiner sicht dadurch unterhalb ihrer möglichkeiten lebte. dann hab ich gemerkt, dass es ihr leben ist, ihr weg. und ich hab sie einfach lieb und respektiere sie. es ist nicht an mir, sie nach meinen vorstellungen umzuerziehen.
An dieser Stelle hättest du dir auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn du dich für die absurden Verdrehungen des von mir Gesagten entschuldigt hättest.
Ich habe mich wirklich sehr geärgert - andererseits gibt es mir auch viel Aufschluß über das Bild, was du dir offensichtlich von mir gemacht hast.
Ich werde mich nun vornehm zurückziehen, in der Gewißheit, daß das nun deutlich genug gesagt ist - und mich nicht mehr verdrehen und unberechtigterweise zur "Alten- und Frauenfeindin und Männerfreundin" machen lassen.
Anuja
Ich fahre oft mit dem Bus - leider seltener mit dem Taxi. Mir ist nach jahrelanger Beobachtung folgendes aufgefallen: Bei alten Paaren ist es immer oder besser gesagt wirklich sehr oft , die Frau, die die Tickets beim Automaten entwertet - die schnauft, die die volle Einkaufstasche trägt und auf den leicht abwesend- oder mürrisch dreinblickenden oder sonst irgendwie Hilfe- und Sitzplatzbedürftigkeit ausstrahlenden Mann aufmerksam macht - meistens schafft sie es dann auch noch für sich selbst ein Plätzchen zu ergattern. Oder die Männer die mit einem Kinderwagen einsteigen - manchmal, eigentlich eher oft, so unkoordiniert, dass man hochspringen möchte um helfend einzugreifen, um Kind und Mann zu retten. Mach ich aber nicht - ich habs ja auch immer geschafft. LG
von doris lessing gibt es ein spannendes buch zum thema "alt werden", heißt "der sommer vor der dunkelheit" glaube ich. vor einigen jahren hatte ich es schon mal angefangen und nix verstanden. aber jetzt..
lg
pandora
hab nachgeschaut, ich kenns nicht, aber doris lessing ist klasse, habs bei amazon gefunden, gibts ganz billig:
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äh der link, geht ja so wieder nicht...
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