Freitag, Mai 02, 2008

alte steine

Official Trailer "Shine a Light"



Habe mir an Walpurgis "Shine a Light" mit den Rolling Stones von Martin Scorsese angesehen. Also da ist Altern so überhaupt kein Problem. Es ist wirklich klasse anzuschauen, wie sich der fast 70jährige Mick Jagger so bewegt. Alle Stones sind gealtert, aber irgendwo total alterslos. Schön.



Aber: so geht das doch nur für Männer. Ich meine jetzt nicht grundsätzlich das alterslose Altern, das können Frauen auch. Im Prinzip. Aber, näher betrachtet wäre es komplett undenkbar in unserer Gesellschaft einfach die Geschlechterrollen zu tauschen. Einfach nur der Anblick, ein fast 70jähriger macht auf sexy, singt von Frauen mit denen er alles mögliche treibt, und vorne, in den ersten 5 Reihen im Publikum nur ganz junge hübsche Frauen, die wirklich total fasziniert waren und die Band anhimmelten. Ein Umkehrung? Was wäre da unsere Reaktion?



Nojo. Aber Feminismus ist ja kein Thema mehr. Ist ja alles in Ordnung.



Sonst im Lande? Der Mai ist gekommen, und ich steuere ein wenig orientierungslos durch die Gegend. Nach der heißen Phase im Dezember, in der ich wirklich das totale Burn-Out hatte und es noch nicht mal gemerkt hab und der Phase von Januar bis März, in der ich einen Erkenntnisschub nach dem anderen hatte, ist es jetzt ruhig. Im Kopf.



Bei einer Kartenlegung über die Chakren, also 7 Karten, die den Zustand der Chakren illustrieren, sah ich 2 Bereiche, in denen ich nicht synchron schwinge. Obwohl? Synchron... kommt ja von Chronos, Zeit. In dem Sinne schwingen sie schon synchron. Aber sie schwingen nicht universell. Also. Mein Wurzelchakra hatte die Karte "Kummer", mein Herzchakra "Enttäuschung".



Genauso erlebe ich mich auch im Moment. Wurzelchakra. Wo gehöre ich hin? Habe ich eine Heimat? Bin ich die Heimat? Ist Deggendorf meine neue Heimat? Kann ich von hier weggehen? Wenn ja, wohin? Ist das dann eine Flucht vor dem Verwurzeln? Ich merke deutlich, dass ich immer noch das Heimatvertriebenentrauma meiner Familien mit mir rumtrage. Ich muss mir andere Wurzeln suchen. Irgendwo sind sie.



Das Herz ja. Die enttäuschte Liebe. Ich komme einfach mit Männern nicht in der Weise zusammen, die ich mir erfühle, ersehne. Ablehnung, Frust. Keine Ahnung. Habe Jahre damit verbracht, abwechselnd die Schuld bei mir und bei ihnen zu suchen. Ich komme auf keinen grünen Zweig. Trotzdem jetzt im Mai eigentlich so viele da sind.



25 Kommentare:

Am/um 11:39 AM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe Ingrid

Sieben Jahre habe ich mit einer Tochter zusammen gewohnt, bis sich diese Konstellation aufgelöste. Ich hätte in eine relative Nähe ziehen können, in einen Nachbarort. Ich hätte auch überall hingehen können. Irgendwo neu anfangen. Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Aber auch ich stellte fest, da gibt es keine Heimat in die ich zurückkehren könnte. Auch ich gehöre zu der entwurzelten Generation. "Heimatvertriebenentrauma" wer spricht denn heute noch davon, bzw. wurde es je ernsthaft betrachtet? Es gehört bestimmt zu den best bewachten Tabus, privat wie gesellschaftlich.
Alles hinter mir lassen, neue Welt, neues Glück! Das wollte ich schon mal, hat nicht geklappt. Es war einfach nicht stimmig.
Mein lieber getrennt lebender Ehemann sagte einmal: "...ohne deine Kinder gehst du doch kaputt!" - Eine seiner wenigen Äußerungen die meine Zustimmung findet.
Also wohne ich jetzt wieder in unmittelbarer Nähe meiner anderen beiden Töchter und "ihren Familien". Das ist für mich logisch, das ist schlüssig, so fühlt es sich für mich richtig an. Aber es doch nicht das, was es sein müsste. Meine Sippe gibt es nicht mehr.
Ich erlaube den Dingen sich zu entwickeln. Ich bin da und das muss genügen.
Wenn Oma da, ist geht alles seinen großmütterlichen Gang und das ist gut so...!


Ganz liebe Grüße
Stephanie

 
Am/um 11:41 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja ich denke auch, andere wurzeln, andere verbindungen. aber in die nähe meines sohnes und meiner enkelin ziehen fühlt sich auch nicht so passend an, obwohl ich sie sehr liebe... meins hab ich anscheinend noch nicht gefunden.

 
Am/um 12:16 PM , Blogger Stephanie meinte...

Das kann ich gut verstehen. Mein Sohn hat auch gerade geheiratet und es war für mich auch zu keiner Zeit eine Option in seine Nähe zu ziehen. Die zersprengten Familienstrukturen durch zwei Weltkriege und besonders durch den letzten, wirken sich vielleicht intensiver aus als bisher wahrgenommen, bzw. geflissentlich übersehen wurde.
Wenn ich so bei kvinna lese, dass sie mit ihrer Familie in einem Haus lebt, das schon mehre Generationenfolgen bewohnt habe, dann frage ich doch manches Mal, was wäre wenn? Oder, wie wären wir, wenn …?

 
Am/um 12:17 PM , Blogger Stephanie meinte...

Ach ja und Danke, dass du den Kommentar gleich weiter geleitet hast.

 
Am/um 12:18 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

da hab ich auch schon viel drüber nachgedacht. ich denke das hat auch seine zwei seiten, wir haben mehr freiheit, als jemand der eine an einen ort gebundene tradition weiter führen muss/sollte.

 
Am/um 1:38 PM , Blogger Stephanie meinte...

… das ist das alte Spiel: Tradition = Gebundensein - Knebelung – Unfreiheit. Es ist die Kausalkette, die wir so übernommen haben, weil wir in diesem Sinne aufgewachsen sind und ausgerichtet wurden. Und welche Arten der Freiheit haben wir denn? Bindungslos in einer unverbindlichen Welt zu leben?
Tradition ist eigentlich Erbe, Überlieferung, Brauchtum, Weitergabe, Gepflogenheit, innere Ordnung, vielleicht auch Geborgenheit.
Wieso sind Traditionen neuerdings im allgemeinen Verständnis fragwürdig bis schlecht?
Woher kommt denn unser Drang zu den Pseudofreiheiten unserer Zeit? Diese Fragen stelle ich mir als Frau immer wieder.

Stephanie

 
Am/um 1:50 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ich meinte das jetzt rein ortsgebunden. ich hab zum beispiel in einer anderen stadt ein völlig neues leben angefangen. ist schön. hätte ich mit einem generationenhaus schwer bis garnicht machen können. so hab ich nichts, dem ich nachtrauern könnte, keine bindung an einen bestimmten platz. obwohl die immer wieder entstehen kann. ich merke, wie gerne ich hier in deggendorf bin. dann kommt aber die angst alles zu verlieren. das sehe ich als die zentrale botschaft der vertriebenennachkommen. das merke ich immer wieder. ich breche lieber selber alles ab, bevor mich jemand wegschickt, entlässt, usw. die angst davor sitzt so tief. deswegen ziehe ich lieber weg, bevor es mir irgendwo zu gut gefällt, ich könnte es ja wieder verlieren.

das mit den traditionen ist wieder was anderes. die können ja wirklich ganz schön knebeln. hier in bayern hat das ja mit unglaublich konservativen einstellungen zu tun. und mit der kirche. viele suchen in ganz anderen traditionen, im indischen oder indianischen. oder die traditionen in ganz anderen zeiten, ich z.b. in der vor dem christentum. und familientradition? nun. wir waren arm und mussten arbeiten. es gab sicher auch noch anderes, das Nähen und Handarbeiten z.b. bei den Frauen meiner Familie. Ich finde Traditionen gut, aber auch die Möglichkeiten sich zu entscheiden, welche man verfolgt. Das verstehe ich unter Freiheit.

 
Am/um 2:58 PM , Blogger kvinna meinte...

Hm. Ich bin nicht von hier. Meines Mannes Familie wurzelt in diesem Haus seit Generationen und mein Hierher-Kommen hat sich einfach nur richtig angefühlt. Dahin, wo ich aufgewachsen bin, in das kleine katholische Dorf auf der andern Rheinseite könnte ich mir nie vorstellen, zurückzukehren.

Meiner Mutter Familie war dort ähnlich eingewurzelt, wie meines Mannes Familie hier, obwohl meine Oma aus einer andern Stadt kam.

Vertrieben wurde mein Vater als Dreijähriger aus Pommern. Angst vor Veränderung, die hat er mir wohl weitergegeben, das glaube ich manchmal schon.

Aber desto tiefer bohre ich meine Wurzeln in diesen niederrheinischen Flecken hier. Vernetze, verflechte mich mit meiner Welt hier.

Kann mir nicht vorstellen, woanders zu sein. Schon wegen der Menschen.

 
Am/um 3:21 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

stimmt ja. hast du mir erzählt, ist ja das haus der familie deines mannes.

eben ich hab mich in deggendorf auch schon ganz schön vernetzt... am anfang war ich noch ganz allein, jetzt kenn ich unglaublich viele total verschiedene leute... das ist es, warum ich gerne hier bin. und die landschaft. mein sonnenuntergangsplatz auf dem hügel 30 min zu fuß von meiner wohnung weg. der hat es mir schon ganz schön angetan...

 
Am/um 3:57 PM , Blogger Sam meinte...

Ich hab die Stones damals in München gesehen (auf eine Einladung hin, ich hätte mir kein Ticket gekauft) und fand sie nicht mehr sexy.
Ganz im Gegenteil zu einigen Menschen aus Publikum, das ja auch schon älter war.
Ich denke das mit der erotischen Anziehung funktioniert auf der tierischen Ebene, also instinkthaft. Das ist von irgendwelchen -ismen usw. unabhängig.

 
Am/um 4:02 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ne du verstehst nicht was ich meine. stell dir eine frauenband vor, alle mitte 60, die über sex mit jungs singen, und im publikum in den ersten 5 reihen lauter junge männer, die sich nach ihnen verzehren.
ich glaub da friert ehr die hölle zu, bevor sowas ankommt. aber die stones kommen an. gewaltig. immer noch. was nichts schlechts ist. aber nur mal umkehren, dann wirkt es auf einmal grotesk.

 
Am/um 4:29 PM , Blogger Sam meinte...

Ja, da hast Du recht :)

 
Am/um 10:00 PM , Anonymous Anonym meinte...

patti smith
marianne faithfull
tina turner
die großen jazz soul und blues sängerinnen
hej
wenn wir es als grotesk bezeichnen
müssen wir uns nicht wundern wenn uns die männer aufs altenteil schicken und kleine barbies wählen
birgit

 
Am/um 10:55 PM , Blogger kvinna meinte...

Ich stell' mir gerade männliche Jungspunde vor, die mit Sabber im Mundwinkel Tina Turner anhimmeln??? Irgendwas passt da gerade nicht. Oder ist das nur meine Brille?!

 
Am/um 9:52 AM , Anonymous Anonym meinte...

wenn anziehend / attraktiv (auch sexuell) finden gleichgesetzt wird mit dümmlich ansabbern
auch die mädchen die die stones anhimmeln stellen sich nicht unbedingt ein leben an ihrer seite vor
wahrscheinlich liegt es an meinem alter mit 55 dass ich immer wieder drauf hinweisen möchte dass es nicht grotesk ist wenn jüngere männer ältere frauen attraktiv finden
birgit

 
Am/um 8:49 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ICH finds ja auch nicht grotesk. ich überzog ein beispiel ins groteske um auf einen missstand in unserer gesellschaft hinzuweisen.
glaubt ihr jetzt wirklich, wenn eine über 60jährige frauenband auf sexuell und erotisch macht, dass sie ungeteilte zustimmung und begeisterung erntet?
denkt ihr, die sexuelle macht ist völlig gleich zwischen alt und jung, mann und frau?

 
Am/um 9:47 AM , Anonymous Lucia meinte...

also ingrid, das ist doch aber verboten, sowas zu vergleichen.
weil das ist doch gaaaaaaaaanz was anderes. männer, die werden doch immer interessanter, je älter sie werden.
während alte frauen, um himmels willen....
bei frauen ist das doch so, die sind erst gackernde hühner, die bedürfen der führung eines älteren, erfahrenen mannes. und damit er halt dieses hühnergegacker aushalten kann, habens wenigstens einen straffen körper.
wenn sie dann aber älter werden, die frauen, meine güte ... was sollte da noch reizvoll sein - immer noch führungsbedürftig und brüste bis zu den knien .... ja hallo ingrid, was kannst du da bloß vergleichen.

achtung, das ist ironie.

das ist nämlich tatsächlich mit der hintergrund warums so normal ist, das schon fast abnippelnde kerls mit jungen frauen akzeptiert sind.
der ausdruck "zweiter frühling" den kenn ich z.b. fast ausschließlich in zusammenhang mit männern. wieso ist das so?
männer haben einen "zweiten frühling" und frauen sind alt.
na, danke.

 
Am/um 8:24 AM , Anonymous Anonym meinte...

Uhhhhaaaahhhaaaa....

Männer haben ein absolut anderes Selbstverständnis und treten auch dementsprechend auf, wenn nun noch etwas Macht und Geld in Spiel kommmen, ist es auf gut bayerisch ein "gemahtes Wieserl" für so manche Damen.

Da dürfen fröhlich die Haare aus Ohren und Nase wachsen, letztere untersuchen sie ja auch in aller Öffentlichkeit gerne mal eingehend mit dem Finger. Da macht es keinen Unterschied ob sie Schiesser-Feinripp oder Boss tragen. Und diese "Weiber" aus den ersten 5 Reihen finden sie immer noch hot&sexy, auch wenn "er" ab einem gewissen Alter nur noch ein wenig über 45° nach oben schafft.

Das "Problem" ist rein hausgemacht bzw. wurde uns andressiert und steckt in uns Frauen selbst ganz tief drin.

lg Aniti

 
Am/um 9:24 AM , Blogger kvinna meinte...

Angelehnt an aktuelle Erfahrungen bringt mich Anitis Kommentar auf folgenden Punkt: "Ist es möglich, dass Frauen oft zu selbstkritisch sind und Männer dagegen meist gar nicht?"

Ich mein', von Selbstreflektion unbeleckt, steht sich's gleich ganz anders in der Welt, oder?

 
Am/um 10:21 AM , Anonymous Anonym meinte...

Kvinna, genau das meine ich.

Die Frau an sich macht sich ja ständig Sorgen ob die Klamotten sitzen oder ob die Haare grau werden.

Männer existieren einfach - sind vollkommen unkritisch sich selbst gegenüber, zumindest was Äußerlichkeiten betrifft. Einen Mangel kompensieren sie dann einfach mit Geld oder Macht (auch wenn beides augenscheinlich gar nicht vorhanden ist). Das macht einen Mike Jagger oder Hugh Hefner sexy.

lg Aniti

 
Am/um 7:37 AM , Blogger kvinna meinte...

Mir macht weniger die fehlende Arbeit an Äußerlichkeiten zu schaffen. Im Gegenteil, da könnte ich eigentlich gar nicht klagen.

Aber vielleicht geht das Hand in Hand mit dem, was sich im Innern abspielt.

 
Am/um 6:51 PM , Anonymous Esmerelda meinte...

Ich bin auch gerade dabei mich umzupflanzen. Von Meck.-Pomm. hats mich nach Bremen gebracht und nun nach fast 20 Jahren, trage ich mich mit dem Gedanken nach Berlin zu ziehen. Der Theorie naht langsam die Praxis und ich fühle mich Hin und Her gerissen, doch weiß ich es ist das Richtige, für mich. Noch in diesem Jahr will ich in meiner Traumstadt wohnen.

Vielleicht komme ich so auch einem anderem Traum von mir näher, all mein materielles Hab und Gut soll in einen VW-Bus (oder auch Sprinter ;-) ) passen, so dass ich die Freiheit habe mal eben zu packen und einfach wo anders zu wohnen ...

Da stellt sich mir grad die Frage, was lässt uns so verwurzelt sein, wenn es nicht die materiellen Dinge sind, und auch nicht die Leute, vielleicht nicht einmal die Wohnung. Was wirkt wie Klebstoff? Warum nicht wieder das Freiheitsgefühl aus der Jugendzeit erleben.
Ich fang mal an es auszubuddeln.

Alles Liebe
Esme

 
Am/um 9:00 AM , Blogger kvinna meinte...

Gerade gestern habe ich Verwurzelte gedanklich die Umpflanzung durchgespielt.

Es scheint tatsächlich der Boden zu sein, der mich hält.

Der Boden und was er hervorbringt.

Schönes Bild.

 
Am/um 9:01 AM , Blogger kvinna meinte...

Ich meine, Fortgehen, ja. Aber nie, ohne zurückzukehren. Soviel zu meiner persönlichen Abenteuerlust. ;)

 
Am/um 10:52 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ha witzig. das mit dem vw-bus ist mein wenn-ich-einmal-im-lotto-gewinne traum. ich muss ja erst noch den führerschein machen, das kompliziert die sache etwas. obwohl? eigentlich kompliziert die sache der nicht vorhandene lottogewinn.

also dann will ein wohnmobil mit internet und fahre erst durch deutschland, dann durch europa, fotografiere, rede mit leuten und schreibe.

die eine hälfte hab ich schon... ich fotografiere, rede mit leuten und schreibe...

lg ingrid

 

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