Sonntag, Mai 18, 2008

aus mit anpassung



Gewinne Erkenntnisse über mein Verhalten in Gruppen, Cliquen. Anpassung. Anpassung ist angesagt, wer nicht so ist wie wir, wird abgewertet. Viele Persönlichkeitsanteile werden verleugnet, passen nicht in den Verhaltenscodex der Gruppe. Ausgrenzung findet im eigenen Kopf statt, Anteile werden nach Außen projiziert und bekämpft.

Für einzelne, darin begabte, lässt sich in einer solchen Gruppe auch ganz easy eine Machtstruktur etablieren und aufrecht erhalten. Man macht sich einfach zum obersten Richter in Fragen des Verhaltscodex und stellt an Beispielen dar, was das nicht befolgen für Konsequenzen hat. Also man grenzt einfach jemanden aus der Gruppe aus, der nicht ganz konform ist. Das tut der Person furchtbar weh und sie verbiegt sich so lange, bis sie wieder rein passt.



Wie eine in so eine Gruppe kommt? Wo sind so viele von uns deformiert? Wir wollen geliebt werden, anerkannt werden, uns geborgen fühlen. Da das für die meisten von klein auf nicht reibungslos geht und selbstverständlich ist, kommt es zu einem Mangel. Deswegen sind viele so bereit so viel zu geben, nur um dazu zu gehören.

Macht gelebte Individualität einsam? Bestimmt nicht. Gelebte Individualität ist gelebte eigen-Liebe. Macht unmanipulierbar. Es gibt da gewisse Naturtalente, ich war immer schon so hin- und hergerissen, hab mich teilweise auf mehrere Gruppen und Cliquen verteilt um verschiedene Anteile leben zu können, aber innerhalb der Gruppe habe ich meist angepasst reagiert. Es gibt auch so einen Haufen ganz schlechter Energien, die so eine Gruppe erzeugt, die der Ausgrenzung, der Unterdrückung, der Selbstverleugnung. Und Energie geht ja bekanntlich nicht verloren...



Wir sind doch eigentlich alle sehr seltsame Kombinationen. Ich bin intensive Feministin, sammle aber Barbie-Puppen. Ich liebe Rosa und Schädelknochen (aber nicht beides in Kombination). Mein Musikgeschmack ist der eines 19jährigen verhaltensgestörten männlichen Jugendlichen, von Filmen ganz zu schweigen. Ich mag die Gewaltorgien eines Tarantino, das militärische und technische von Star Trek aber auch die Modeorgien von Sex and the City. Ich mag die Serie Charmed, aber stehe magisch gesehen auf total elementare schamanische Reisen und mag keinen stylischen Ritualkram. Ich mag Bauhaus und meine Wohnung sieht aus wie wenn auf einem Kleinstadtflohmarkt eine Farbbombe explodiert wäre. Ich lese Emma und Brigitte. Kaufe Nahrung am liebsten bio und fair, aber erst wieder neuerdings nach einer 4jährigen Leberkäse- oder Mettwurstsemmelphase. Na und so weiter.



Was ich denke ist, dass jeder so inkonsistent ist. Blos stellen wir vieles anders dar und zurück, machen viel im Stillen, und mögen uns dafür nicht besonders. Gebrauchen viel Energie, um Zugehörigkeit zu simulieren.

Das alles geht irgendwie auf eine neue Ebene bei mir. Es verbaut mir nämlich die tatsächliche Beziehung zu anderen. Die ganze Energie fließt in die Aufrechterhaltung eines künstlich homogenen Zustands, anstatt in die tatsächliche Begegnung.

Und: die Manipulierbarkeit des einzelnen auf der Suche nach Anerkennung ist nicht zu unterschätzen. Statussymbole wie Autos, Schmuck, Klamotten oder Häuser. Warum macht jemand sowas? Zum Teil weil man es einfach mag und will. Zum Teil aber auch, um dazuzugehören, in die Gruppe, deren Statussymbole man bevorzugt. Kann teuer werden. Und bringt alles mögliche mit sich, Schulden, eine Haufen Arbeit, Stress, Druck, sich leer fühlen, aber nicht das, was man eigentlich sucht.

Gleiches System: die großen Weltreligionen. Da laufen entsprechende Programme schon ein paar tausend Jahre, aber kein grüner Zweig in Sicht. Na gut, es weicht auf. Jedenfalls in Ländern wo man nicht gleich wegen einer anderen Meinung gesteinigt wird. You see? Same energy...




11 Kommentare:

Am/um 8:51 PM , Blogger kvinna meinte...

In der Grundschule, als Teenie und später auch als Azubi hat mich eine Erfahrung sehr geprägt: ich stand immer nur daneben. Dabei hätte ich so gerne mitgemacht!

Wohlmeinende Pädagogen haben mich das eine oder ander mal beiseite genommen und mir zugeredet, ich solle mich "so oder so", aber jedenfalls "nicht so" verhalten, damit die andern mich akzeptieren.

Damit allerdings weckten sie bei mir nur eins: massiven Widerwillen!

Erst viel später konnte ich für mich artikulieren, dass ich mich nicht verbiegen werde, um dazuzugehören.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, warum das bei mir so ist; einerseits diese Sehnsucht, dazuzugehören und andererseits dieser Trotz gegen das "Mitschwingen".

Gerade in der Pubertät war das mit unsäglichen Schmerzen verbunden.

Heute gehe ich anders damit um.

 
Am/um 8:53 PM , Blogger kvinna meinte...

Trotzdem habe ich auch das "angepasste Reagieren innerhalb einer Gruppe" gelebt, hie und da.

Passiert aber eigentlich immer dann, wenn die übrigen Gruppenmitglieder mir etwas voraus haben, dass ich mir unbedingt aneignen möchte.

 
Am/um 4:44 PM , Blogger She-Ra meinte...

Liebe Ingrid

Schwimme gerade auf der gleichen Welle wie du. Auch ich habe mir gesagt: du kannst nur machen was du für gut hältst, nichts sonst, gleichgültig was andere sagen oder denken, gleichgültig wie abgefahren es ist und ob es den gängigen Lebensmustern entspricht. Alles andere führt zu nichts und ist Zeitverschwendung. Ich habe darin eine solche Konsequenz entwickelt dass um mich die Fassaden zu Boden knallen. Mein ganzes Lebensumfeld hat sich geändert. Alle die meine Direktheit / Andersartigkeit nicht ertragen können gehen. Darunter eine gute Freundin. Ich habe etwas gebraucht um zu erkennen dass das gut so ist. Eigentlich hat sie doch ziemlich oft versucht mich vom Weg abzubringen. Und wieviel habe ich gewonnen. Wieviele Kontakt zu anderen lieben Menschen, mit solcher Leichtigkeit. Und auch die nicht lieben stören mich nicht. Ich lerne von ihnen, über mich selbst, sie können mir nichts anhaben. Freiheit, Freude, Liebe zu mir selbst. Ich habe das Gefühl ich kann mich viel tiefer erleben, das ist ein solches Glück, immer mehr Erfahrungen nähern sich, Dinge auf die ich schon lange gewartet habe. Mein Leben ist viel intensiver, ich kann zerstörerische Verhaltensweisen ablegen, die doch nur dazu dienten mich zu betäuben, damit ich nicht fühle wie wenig alles mit mir zu tun hat. Meine Sinne klären sich, die Farben werden intensiver, ich rieche, fühle, schmecke mehr. Es ist so viel da, so reich. Manchmal fühle ich mich wie unter Drogen... :-) Ja, ich habe auch diese Inkonsistenz, wie du es nennst, ich habe das Gefühl das sind verschiedene Aspekte von mir die hin und her schaukeln und sich vielleicht irgendwann in Einklang bringen. Sie sind wie verschiedene Geschichten über mich.

 
Am/um 8:08 AM , Anonymous Anonym meinte...

Liebe Ingrid,

über deinen Beitrag habe ich mir über Nacht Gedanken gemacht und ich denke, sie sind immer noch nicht ganz ausgereift.
mir geht es ebenso wie dir. In Gruppen halte ich mich immer wieder erst mal zurück, um zu spüren, wie denn die Grundstimmung ist.

Mir fällt dann ein, mich auch gleich mit den sogenannten Ausgegrenzten zusammen zuschließen, da ich eben erwarte ausgegrenzt zu werden, so fühle ich mich ganz so allein.

Ich bin durch die ständigen Umzüge meines Vaters immer gleich fremd in den neuen Klassen gewesen.
In der Zwischenzeit ist es mir aber fast auch schon egal, "denn ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich gänzlich ungeniert"

Vielleicht sollte ich jedoch mal anfangen zu sehen, was Gut ist, also Ressourcen orientiert, anstatt Defizit orientiert zu sein.

Wenn ich die Stärken der einzelnen Leute erkenne und sie auch ausspreche und anerkenne, kann ich vieles verändern.
liebe Grüße Dagmar

 
Am/um 8:09 AM , Anonymous Anonym meinte...

Ps.: so fühle ich mich "nicht" ganz so allein.
sollte es heißen
Gruß Dagmar

 
Am/um 10:03 AM , Blogger kvinna meinte...

Was mir gerade auffällt, ganz ungefiltert: der Kontrast zwischen der Überschrift dieses Posts und und dem Bild einer von Stützdraht durchbohrten und gezwungenen Gerberablüte direkt darunter...

 
Am/um 10:29 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ha stimmt. ist völlig "zufällig" hab ich nicht bemerkt. hat was ;-))

 
Am/um 7:03 AM , Anonymous Anonym meinte...

rubi aus australia,lebe in einer kleinstadt geraldton w.a.
auch hier gibt es dieses gruppen-
anpassen und die frauen finden nicht zur eigenen power.
wir tanzen bellydance eigentlich um uns zu befreien aber das gegenteil passiert. wir passen ins an. wir wollen gefallen. und damit
geben wir unsere power weg und keiner merkt es, ausser mir.

 
Am/um 7:03 AM , Anonymous Anonym meinte...

rubi aus australia,lebe in einer kleinstadt geraldton w.a.
auch hier gibt es dieses gruppen-
anpassen und die frauen finden nicht zur eigenen power.
wir tanzen bellydance eigentlich um uns zu befreien aber das gegenteil passiert. wir passen ins an. wir wollen gefallen. und damit
geben wir unsere power weg und keiner merkt es, ausser mir.

 
Am/um 11:39 AM , Anonymous Anonym meinte...

Der einzelne Mensch ist liebenswürdig,
in der Gruppe wird er zum Ungeheuer!

Warum kannst du nicht einfach du selber sein?

 
Am/um 1:10 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

weil das "du selbst" nicht einfach so feststeht. es ist ständig im wandeln und im fließen.

und wird ein mensch in einer gruppe zum ungeheuer, ist er in dem moment auch "er selbst" - da angepasst sein und sich anpassen wollen zum mensch sein dazu gehört. wir sind eben soziale wesen...

lg i.

 

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