Mittwoch, November 12, 2008

zwei universen



War mit Luisa in Südtirol, war sehr schön. Wir lernen uns immer besser kennen. Das brachte mich auf eine neue Theorie. Den Unterschied von Frauen und Männern betreffend.



Erzähle ich einer Frau von mir und meinem Leben, was ich alles mache, habe und kann, hört sie zu. Erzählt mir von ihren Sachen. Wir vergleichen. Lachen. Staunen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Spüren unsere eigene Einmaligkeit und die der Anderen. Spüren, was wir von der anderen noch lernen können. Geben der anderen Tipps und Ratschläge, lassen sie von unserem Wissen profitieren. Profitieren von ihren Kenntnissen. Erfreuen uns an der Schönheit der Erzählungen, der Schönheit ihrer Körperlichkeit und ihrer Ausstrahlung, ihrer Persönlichkeit, spüren Stärke und Verletzlichkeit gleichermaßen. Spüren auch, was ihres ist, uns fasziniert, wir aber nicht weiter verfolgen wollen. Oder können. Zwei Königinnen treffen sich, zwei Universen kommunizieren. Wir sind uns dabei klar, dass wir das andere Universum niemals in seiner Gänze begreifen können, da es ein nicht-ich ist. Wir sind durch und durch erfüllt von Wohlgefühl und Schönheit der Begegnung. Ich spüre sie und gleichzeitig mich neu.



Das gleiche Verfahren in der Kommunikation mit Männern führt bei mir immer zu erheblichen Irritationen. Das fühlt sich vollkommen anderes an. Als würde ich mich anbieten, also darstellen wollen, wie toll und super ich doch bin. Sie reagieren völlig anderes als Frauen. Das führt dazu, dass ich mich total bescheuert fühle. Das kann nur zwei Gründe haben: erstens, Männer gehen davon aus, dass ich eine Ware bin, die sich anbieten will. Zweitens: Männer nehmen das was ich sage oder schreibe nicht dazu, um ein anderes Universum, einen anderen Menschen kennenzulernen, sondern um eine Hierarchie und Strategie zu entwickeln. Was kann sie besser als ich? Wo ist sie mir überlegen? Wo unterlegen? Wie kann ich sie unterwerfen? Wo muss ich Angst haben, dass sie mich unterwirft? Wie kann ich sie unter Kontrolle bringen? Wo kann ich sie verletzen um sie zu kontrollieren? Wo kann ich ansetzen, um das aus ihr raus zu holen, was ich brauche, und dabei möglichst wenig von mir zu offenbaren und herzugeben? Wie kann ich vermeiden, dass sie mir zu nahe kommt und meine Schwächen bemerkt? Wenn sie sieht wie ich wirklich bin, bin ich erledigt... usw.



Es gibt auch nur zwei Lösungen des Problems: erstens, ich werde endlich lesbisch, oder zweitens: Göttin will, dass ich auf die wenigen Männer treffe, die nicht in Hierarchien Frauen gegenüber verwickelt sind. Zwei kannte ich. Beide tod. Einer war ja auch verwandt (Großvater). Also ok, Hierarchie unter Männern, schön und gut. Ich stehe eindeutig auf Alphatiere. Verdammt sexy. Ich habe wirklich sehr viel Spaß, ihnen dabei zusehen. (Obwohl, global betrachtet, ist es nicht lustig, aber das führt jetzt zu weit, aber interessanter Gedanke. Vielleicht später.) Aber gegenüber Frauen, die Mann kennenlernen und vielleicht lieben will, ist das nicht machbar. Das kann nur hierarchiefreier Raum sein, sonst funktioniert es nicht und ist reine Energieverschwendung und nicht im Sinne der Erfinderin.



Und ja - es gibt sicher auch Frauen die untereinander im hierarchischen Stil kommunizieren. Das ist dann aber garantiert nicht echt, sondern von klein auf zu Überlebenszwecken in männerdominierten Familien antrainiert.



UND: Was ganz neues, ganz, ganz tolles: Missy-Magazine. Ausgabe 1 leider, oder besser, im Sinne der Macherinnen, glücklicherweise schon vergriffen. Webseite ist aber auch interessant, für das Warten bis die Nummer 2 erscheint.

6 Kommentare:

Am/um 9:02 PM , Anonymous Marion meinte...

ooh danke für den tollen Link, ich will auch missy lesen !!!!

 
Am/um 10:01 PM , Anonymous Anonym meinte...

Hallo Ingrid!
Um was gehts eigentlich im "Missy-Magazin". Wie sind die Beiträge, Themen...?
Liebe Grüße
Monika

 
Am/um 9:03 AM , Blogger kvinna meinte...

Tendentiell finde ich, dass du Recht hast mit deinen Unterscheidungen. Mit einer wesentlichen Einschränkung: ich seh' den Mann in der Kommunikation weniger als Krieger und Eroberer. Es geht nicht so sehr um Macht und Manipulation, sondern mehr darum, dass der Mann das Gehörte häufig als Aufforderung auffasst, etwas zu unternehmen, was von der Frau so gar nicht gewollt ist, ihr Erzählen hat eine ganz andere Funktion als seines. Kurz: m.E. steht bei der Frau die soziale Komponente - das Miteinander eben - im Vordergrund, wenn sie spricht, beim Mann eher die Fakten, der Informationsgehalt. Das geht oft genung völlig aneinander vorbei.

 
Am/um 1:04 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

also missy-magazine: es geht um popkultur für frauen. feministisch. musik, kunst, mode. aber auf eine ironische art uns weise, und die interviews endlich mit den richtigen fragen. um frauen der geschichte, um musikerinnen, djanes, künstlerinnen, geschäftsfrauen. ja um sex geht es auch.

 
Am/um 1:05 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

kvinna: ja das auch, das hab ich auch schon festgestellt, und es ist ja auch in vielen büchern schon zu lesen. was ich beschrieben habe ist eine erfahrung die ich beim kennenlernen machte, nicht so sehr im alltäglichen umgang mit ihnen.

 
Am/um 9:37 AM , Blogger She-Ra meinte...

Liebe Ingrid

Kein Wunder dass du auf Alpha-Tiere stehst, schließlich bist du eine kraftvolle Frau, man muss sich ja schon auf gleicher Ebene treffen. Ich kann das mit dem lesbischwerden gut nachvollziehen, habe die letzten vier Jahre gedacht, ich und Männer, das passt einfach nicht zusammen, die kommen auf mich nicht klar. Ich bin zu irrational, zu eigensinnig und zu sehr im Frieden mit der Erde als dass mir einer dieser engstirnigen Technokraten auf lange Sicht gefallen könnte. Auf einmal passte es doch, wie aus dem Nichts. Ja, ich glaube es ist eine Herausforderung der Göttin, aber eine angenehme. Bei mir hat es damit zu tun, welches Bild ich eigentlich habe, von mir, Männern gegenüber, und ob ich bereit bin alte, sichere Vorstellungen hinter mir zu lassen, zu Gunsten der Freiheit. Es hat eine gesellschaftliche Komponente, aber auch eine persönliche, wie immer.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Startseite