in der tiefe des brunnens

Nehme seit einiger Zeit kalifornische Blütenessenzen. Unter anderem eine, die den Kontakt mit dem höheren Selbst verstärkt, deutlicher macht, in den Vordergrund rückt. Im Moment fühle ich mich, als würde ich am Rand eines gemauerten Brunnens stehen und in die Tiefe sehen.

Habe eine sehr einfache Übung gefunden. Wir bewerten ja unsere Wirklichkeit und uns selber ständig. Leben praktisch nicht das was wirklich ist, sondern ein Konstrukt aus Annahmen. Beispiel. In der Arbeit. Annahme: Meine Kollegen können mich nicht leiden. Einfache Frage: Ist das wirklich wahr? Bist du dir ganz sicher, ist es bewiesenermaßen wirklich wahr? Die Anwort lautet immer: nein, es ist eine Annahme von mir. Es mag eine Kaskade von Gründen und Erklärungen folgen, aber niemand hat in diesem Fall doch tatsächlich seine Kollegen befragt und die deutliche Antwort bekommen: ich kann dich nicht leiden.

Also: Wirklichkeitsdeutung per unbewiesener Annahme. Und nach dieser Annahme gestalten wir nun unseren ganzen Tag. Die kleine Frage, "Ist das wirklich wahr?" kann diesen Gedankenfluss schon mal ein wenig unterbrechen.

Die Wirklichkeit erschließt sich mir aus diesem tiefen inneren Brunnen heraus, quasi in einer Ebene, in der alles verbunden ist. Oder in einer Ebene, die eben nicht nur aus einem Konstrukt von unbewiesenen Annahmen über die Realität und die Person, die "ich" ist, besteht.

Der Verstand ist sehr begrenzt. Winzig klein und "dumm" gegenüber der größeren inneren Weisheit und Wahrheit, die uns zur Verfügung steht. Das ist mir eigentlich schon lange klar. Das andere ist ja, das auch anwenden zu können. Also nach dem "wake up" das "wake down". Das habe ich in einem Buch gelesen und finde es toll, es spricht mir aus der Seele. Das ist so aus der höchst spirtuellen Szene, von Menschen, die viel meditieren, zu LehrerInnen gehen, nach Indien fahren, Retreats machen. Sie stellten fest, innerhalb der Meditation das Gefühl des Einsseins mit allem zu bekommen ist nicht so schwer.

Um was es aber tatsächlich geht, ist der ganz einfache Alltag. Wie bringe diese Inspiration in meine Alltag ein? Wenn mir da gerade alles um die Ohren fliegt, mein Partner sich von mir trennen will, mein Job mir keinen Spaß macht usw. Was auch grade in dem Buch steht, und ich sooo toll fand, dass es fatal ist, einfach die ganzen inneren Probleme und Schwierigkeiten beiseite schieben, mit der Begründung, sobald man sich darauf einließe, sei man verhaftet im alten Denken. Da streit ich mich schon ewig mit allen möglichen Leuten und mir selber rum deswegen. Das führt zu ganz fatalen inneren Verbiegungen. Das Spüren der Einheit, des großen Ganzen, allumfassender Liebe ist eins, das zurückkehren in eine beschädigte Psyche (und nahezu jeder hat Schäden) etwas anderes.

Da muss ich hinschauen, da muss ich aufräumen, liebevoll heilen, ungesehenes ans Licht bringen, umarmen, sehen. Hatte letztes Jahr auch so einen netten Zen-Spruch in meinem Kalender: Vor der Erleuchtung: Holz holen, Feuer machen. Nach der Erleuchtung: Holz holen, Feuer machen.

Nochmal zu meinem Post mit der Figur, Diät, mit dem Abnehmen und Körper. Bekam von mehreren Seiten ein Feedback, dass der Eindruck entstand, mir ginge es nicht gut. Das verwundert mich dann immer. Ich fasse das überhaupt nicht so auf. Das sind Gedankengänge, die bei mir in einem großen Topf von vielen, vielen anderen Gedankengängen existieren. Der eine ist nicht angenehm, das ist wohl wahr, und er existiert auch. Ich fand ihn auch so universell gültig, ich glaube, dass den viele Frauen so ähnlich haben. Nachdem mir sowas durch den Kopf ging und ich es aufgeschrieben habe, vergess ich es aber wieder. Dann taucht es mal wieder auf, bei Gelegenheit, ich weiß aber, dass ich nicht der Gedanke bin. Was ich sagen will: ich kenne das schon seit Jahren nicht mehr, dass es mir "schlecht" geht. Ich habe eine Zeit durchgemacht, in der ich alle Gefühle, gute und schlechte in mir total betäubt hatte. Seit ich wieder fühlen kann, finde ich jedes Gefühl interessant. Auch die schlechten. Also ich habe unbequeme Gefühle, es geht mir aber nicht "schlecht". Ich schaue mir das an, wie man sich einen besonderen Stein anschaut.

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