Habe mich nach intensiver Recherche mit den "neuen" Feministinnen ausgesöhnt. Von den Medien wird ja ein richtiger Generationenkrieg zwischen den neuen Feministinnen und Alice Schwarzer beschrieben. Das wird der Sache aber nicht gerecht, wenn man mal genauer hinschaut. Die Ziele und Absichten sind nach wie vor die gleichen, oder ähnliche. Die
"Neuen deutschen Mädchen", oder die
"Alphamädchen" wollen nicht mehr auf der Straße demonstrieren, den Feminismus nicht mehr für wenige außenstehende leben, sondern in die tatsächliche Lebensumstände von Frauen integrieren.
Finde ich witzig. Weil sie da ja auch in ihrer Argumentation wiederum auf ein Mediengespenst hereingefallen sind. Diese demonstrierende Feministin in lila Latzhosen war sicherlich nicht die Mehrheit. Einfach medienwirksam war das (unter anderem). Die vielen, die innerhalb ihrer eigenen Lebensumstände für Verbesserungen gekämpft haben, kommen halt nicht in die Öffentlichkeit.
Ich habe auch das Buch von den "Neuen deutschen Mädchen" gelesen. Ich musste lachen. Kenn ich doch alles, bei mir wars doch auch nicht anderes. Was ist jetzt da so neu dran?
Was für einen Punkt ich halt immer nie ganz verstehe, ich zitiere aus der sz-online, (Artikel: "Kein böses Patriarchat" Neuer Feminismus: Nach den "neuen deutschen Mädchen" antworten nun auch die "Alphamädchen" auf die Vorwürfe von Alice Schwarzer.
Zum Artikel: hier klicken)
Also hier das Zitat:
"Es sind vor allem Rollenklischees und Rollenerwartungen, die junge Frauen nicht das Leben führen lassen, das sie sich ausmalen. Sie starten mit tollen Schul- und Berufsabschlüssen, haben von ihren Eltern gehört, dass ihnen die Welt offensteht. Und dann begegnen sie dem sexistischen Chef, dem überforderten Ehemann, den ehrgeizigen Freundinnen, den traditionsbewussten Bekannten. Sie erwarten von einer jungen Frau etwas anderes, als diese eigentlich tun wollte. Die junge Frau solle doch lieber wieder die zurückhaltende Nette sein, im Berufsleben einen Schritt zurücktreten, solle sich für die Familie aufopfern, bitte nicht zu laut sein oder zu viel verlangen. Es sind subtile Hindernisse, die sich uns in den Weg stellen, kein großes, böses Patriarchat an sich."
Woher kommen denn dann die subtilen Hindernisse? Doch wohl aus unserem Kollektiv, aus unserer Gesellschaftsform. Die lässt sich ja nicht der einzelne einfallen, die sind gesellschaftlich als akzeptabel gesetzt. Die Bezeichung Partiarchat hat ja auch nichts mit Verschwörungstheorie zu tun, mit ein paar "Machern", die uns alle an der Nase rumführen. Es ist einfach die Bezeichnung für die männerzentrierte Gesellschaftsform, die heutzutage global überwiegt.
Weiteres Zitat:
"In unserer Generation gilt es als gesetzt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Findet sich eine Frau plötzlich trotzdem in einer Rolle wieder, die sie sich so nie gewünscht hatte, dann ist sie eben selbst schuld, hat sich nicht genügend angestrengt. Wer meckert, gibt sich als Versagerin zu erkennen in einer Gesellschaft, in der doch angeblich alles möglich ist.Wir haben uns entschlossen, Frauen das generationenübergreifende Gefühl des Scheiterns zu nehmen, indem wir wieder und überall darüber sprechen, dass es noch immer Ungerechtigkeiten gibt in dieser Gesellschaft; Strukturen, die Frauen das Leben ein bisschen schwerer machen als Männern."
Genau das ist es ja: partriarchale Strukturen. Ich versteh nicht ganz, warum Patriarchat sooo ein Tabu-Wort ist. Überhaupt nichts neues ist ja auch, der einzelnen Frau das Gefühl des persönlichen Scheiterns zu nehmen. Das ist für mich schon lange ein zentraler Punkt des Feminismus. Es haben zum Beispiel feministische Forscherinnen einige gängige Theorien in der Psychologie umgeschrieben, in dem sie die persönlichen Probleme der Person in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt haben. Beispiel: Therapie bei Magersucht. Da unterscheiden sich die feministischen Denkmodelle ganz wesentlich von den traditionellen. Die traditionellen Forscher, meist männlich oder wenn Frauen, dann patriarchal angepasst, beziehen die gesellschaftlichen Strömungen überhaupt nicht ins Denk- oder Therapiemodell mit ein. Im Gegenteil: die Psyche des Durchschnittsbürgers wird als Norm und als richtig geradezu blind vorausgesetzt. Da kann es passieren, dass eine magersüchtige Frau zur geschmeidigen Ehepartnerin therapiert wird...
Es geht auch nicht darum, die Umstände und die Gesellschaft für alles verantwortlich zu machen und in eine Ohnmachtsstruktur zu verschwinden. Nein. Es geht darum, die eigene Problematik und die eigenen Schwierigkeiten nicht nur auf sich zu beziehen, sondern sie in einem größeren Rahmen zu sehen. Weiter am Beispiel Therapie: erstmal das Familiensystem, dann das Gesellschaftssystem betrachten. Das führt zur Erkenntnis, ich tue mich mit manchen Sachen schwerer, nicht weil ich zu wenig dafür tue, sondern, weil die Gegebenheiten mir Steine in den Weg legen, oder mich die Gegebenheiten in eine gewisse Denkrichtung drängen, bzw. prägen. Die Konsequenz ist ja dann nicht Ohnmacht, sondern erstmal die Bewusstwerdung von der Situation und den Zusammenhängen. Das ist meist schon die halbe Miete, wenn jemand einen Mechanismus durchschaut hat, fällt er dem selben nicht mehr so einfach zum Opfer. Im zweiten Schritt dann, wenn gewünscht, der Wille und die Absicht, bestehende Strukturen zu ändern, um ein besseres und freieres Leben zu führen, und auch anderen ein freieres Leben zu ermöglichen. Das wollen wir ja alle, neue Mädchen und alte Mädchen...
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