Dienstag, Oktober 28, 2008

manche können das

Übergriffigkeit von Männern ist gerade Thema in meinem Leben. Aus den verschiedenen Blickwinkeln. Am Wochenende war ich mit jüngeren Kolleginnen auf einer Messe. Wir stellten das Zettel verteilen in Sommerkleidern ein, weil manche Männer die Grenzen, ja, eigentlich sämtliche Grenzen der jungen Frauen komplett übertreten haben. Ich hatte schon fast vergessen, wie sich das anfühlt, weil wenn eine Frau älter wird, macht Mann das nicht mehr. Es ist wirklich einfach nur widerlich. Es greift massiv die Integrität einer jungen Frau an. Und die Frauen halten solche Männer durchweg für komplett unsymphatische Vollidioten. Ich finde es seltsam, dass ich sowas hinschreiben muss, das ist als würde ich schreiben, nachts ist es dunkel.

Eine Freundin wird per SMS belästigt. Wie sie aussähe, was sie für Kleidung trägt, wie alt sie ist. Ihr Freund wiederum verschließt sich emotional vor ihr, aus Angst, es könnte ihm gefährlich werden.

Klar, manche Männer können das. Es ist nämlich einfach ein Dialog. Unter gleichen, mit ein wenig Spannung, je nach Bedarf. Hm? Ein wenig sprechen, ein wenig non-verbale Kommunikation, auf Signale achten, Aufmerksamkeit, hin und her, spüren, handeln, ausprobieren, fragen, lernen. Macht Spaß. Da können sich faszinierende Universen auftun. Diese Männer denken sich wahrscheinlich, gut, dass die meisten anderen solche Vollidioten sind. Konkurrenz und so. Es hat aber echt seine Grenzen, und ist manchmal nicht mehr lustig, und das ist noch milde ausgedrückt.

Wir haben das Jahr 2008 und manche Männer haben immer noch nicht kapiert, dass Frauen Menschen sind. Ich bin zutiefst schockiert.

Und: Gedanken existieren nicht nur im abgeschlossenen Hirnkastel. Sie haben Energie und sind durchaus auch für andere spür- und erlebbar. Gell. Also nix erlaubt ohne Einverständnis. Gar nichts. Mit keine Grenzen.

Sonntag, Oktober 19, 2008

kino

Gestern habe ich Burn after Reading im Kino gesehen. Ja, die Kritiken sind so etwas wie "super lustig", in die Richtung. Ich fand ihn super umwerfend, womöglich weil dieser Film einiges von meinen jüngsten Erlebnissen widerspiegelt. Die Filmhandlung ist ähnlich irre wie mein wahnwitziger Versuch, ein Paar zu werden und damit klar zu kommen. Damit hab ich dieses Jahr so ziemlich den ganzen Sommer zugebracht. Nicht mal mehr Fotografieren konnte ich. Eindringlich fühlte ich gestern im Kino wieder die Distanz der Menschen zueinander, ihre Grausamkeit, ihre Lebenslügen, ihren Selbstbetrug und ihre Isolation. Natürlich ist es eine schwarze Komödie. Es ist ja auch zum Lachen, der ganze Wahnsinn, sonst wäre ich niemals 46 geworden. Wenn ich nicht gerade lachte, stand mir der Mund vor Staunen offen, wie unglaublich gut die Coen Brüder das alles rüberbringen können. Frances McDormand als Linda Litzke war ja auch sowas von total genial, ich würde ihr sofort einen Oskar geben.



Dazu meine Buchtipps für alle Linda Litzkes dieser Welt, sozusagen ab 40 lieber lesen, zaubern, lachen und reisen statt Männersuche und Schönheitsoperation: Der weise Leichtsinn von Angelika Aliti und Der Rest deines Lebens beginnt jetzt von Luisa Francia.

Und für die Männer, die einen Schritt weiter gehen wollen als durchzudrehen oder sich erschießen zu lassen: Eisenhans von Robert Bly und Die neue Erde von Eckhard Tolle.

Samstag, Oktober 11, 2008

kos, die zweite



mehr werden es wahrscheinlich auch nicht. Ja, gestern bin ich 46 Jahre alt geworden. Ich habe mich auf Kos auf Wanderschaft in die Berge, bzw. in den Berg gemacht.



Acht Stunden lang. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Knochen gefunden wie an diesem einen Tag. Kraehen, Hasen, Ziegen. Ich war im Wald, davon gibt es hier wenig, also so ein Latschen Gebirgswald. Da laufen Waldschildkroeten (wahrscheinlich die gemeine griechische Landschildkroete) rum. Ich dachte mir noch, so einen leeren Panzer finden, waere der Hammer. Und, ich fand einen. Den kann ich natuerlich nicht mitnehmen, weil zu gross, aber ich habe Fotos. Interessant vor allem wie die Wirbelsaeule mit dem Panzerknochen verwachsen ist. Besser gesagt, der Panzer ist auch Knochen, mit einem Ueberzug. Ein Stueck fiel ab, das hab ich mitgenommen.



Also riesen Knochensammlung im Koffer. Sonst, das Meer hier. Von oben. So gross und furchterregend. Das Gefuehl hatte ich noch nie. Ich beschaeftige mich gerade mit dem astrologischen Neptun (Lesetipp: Liz Green Neptun-Die Sehnsucht nach Erloesung) und der Ego-Aufloesung. Meer ist unser Ursprung, in den wir uns wieder aufloesen. Diese Aufloesung in das grosse Weite machte mir Angst. Unsere kleinen Ego-Boote da drin. Gut ist, wenn ich weiss, dass ich mit einem kleinen Boot auf einem grossen Meer fahre.



Wegen dem Buchtipp im letzten Post, ist natuerlich wieder wie mit allem, einiges ist zu verwerten, anderes weniger, das Erleben ist ziemlich spezifisch fuer den Autor selbst, also fuer seine Geschichte und Auffassung. Aber ist ja eh immer so, wenn jemand was schreibt und ein anderer liest es.

Ich empfinde es aber immer als das gleiche: ich bekomme die richtigen Tipps zur richtigen Zeit.

Was ich noch gemerkt habe, diesmal auch deutlicher als zuvor, dass nicht-liebliche der Natur, das gewaltige, dass sich jeglicher Kontrolle entzieht. Moeglicherweise ist das auch der neue Eingang in eine neue Lebensphase, die Knochen, die Naturgewalten, da jetzt langsam die Wechseljahre anfangen bei mir. Ich spuere schon Auswirkungen. Ist denke es ist wichtig darueber zu schreiben, weil sich die ganze Wechseljahrsdiskussion immer drum dreht, Hormone nehmen oder nicht. Das geht ja so vollkommen am eigentlichen vorbei.



Ich sehe schon, es ist ein Schritt naeher in die Dunkelheit. Der Hormonspiegel sackt jetzt teilweise so ab, dass ich einen kurzen Moment wie schwimme und verunsichert bin, bis ich weiter falle und dann wieder Boden unter den Fuessen spuere. Der Boden hat mit Selbsterkenntnis und Mythen zu tun. Das ist ein ganz anderer Raum. Habe das jetzt seit zwei Zyklen und auch nur kurzzeitig. Es faengt ja erst so langsam an.

Die Geburtstagswanderung war so ein Einblick in die Energien, die da kommen. Ich finde es auch immer wieder faszinierend, wie das Universum kommuniziert, ich weiss nicht, wie ich es sonst nennen soll. Wahrscheinlich ist es einfach gut, Fragen zu stellen und Interesse zu haben. Der jeweilige Bereich antwortet offensichtlich mit Vergnuegen.

Mittwoch, Oktober 08, 2008

kos, die erste



Bin mal wieder unterwegs. Diesmal: Mittelmeerinseln ganz oestlich. Fotos spaeter. Ich fahre hier mit dem Rad in die Hauptstadt, stelle es ab, gehe 100 Meter und stehe vor einem Aphroditetempel. Tja. Gut dass das so funktioniert, weil mein Verstand tut das naemlich nicht, der hat den Reisefuehrer im Hotel vergessen. Aber: ich kauf mir immer wieder einen.

Sonst: hier ist der Himmel weiblich und die Erde maennlich. Geht auch. Die Griechen halt.

Bin wieder in einem Touristenhotel, ganz gediegen. So ein Labyrint, dass man eigentlich nicht verlassen braechte, mit Restaurants, Pools, Bars, Strand und kleinem Laden.



Morgens gehe ich joggen. Bei Sonnenaufgang am Meer entlang. Das hat schon was. Also so Gluecksgefuehle, wie im vorletzten Post beschrieben. Wahnsinn. Und wenn das Licht dann auch noch durch eine Blume scheint.. ahhhhh.

Morgen geht es in die Tuerkei, die ist nur 15 km von hier entfernt. Und: mein Glueck, ich liebe Schafskaese, Tomaten und schwarze Oliven, und die gibt es hier schon zum Fruehstueck. Und Joghurt, dazu den besten Honig aller Zeiten.



Ja - Realitat. So ist es. Lese gerade: Die neue Erde von Eckerhard Tolle. Er beschreibt, dass wir alle irre sind und an einer Massenhalluzination leiden. Meine Rede. Er kanns halt so schoen zusammenfassen, und praktisch auslegen. Wunderbar. Wieder einen Schritt weiter und eine gute Botschaft erhalten. Verstricke mich naemlich sozusagen in totale Ego-Identifikation, bezueglich Job und wie es sonst so in meinem Leben weiter gehen soll. Ja, kaum gehe ich eine Schicht tiefer, schon sehe ich Sonnenstrahlen durch Blumen.



Gestern sah ich beim Fruehstueck eine Frau, die zwei Kannen hatte. Wir alle anderen haben nur ganz kleine Tassen. Sie erklaerte mir woher sie die hatte und dass sie sie braucht, weil sie ganz viel Kamillentee trinken muss, sie hat es ja so mit dem Magen. Heute Morgen war ich schon nahe dran, sie zu fragen, ob es ihr schon besser gehe. Auf ihrem Tisch standen die 2 Kannen Kamillentee, 3 volle Tassen Kamillentee, ein Streifen Tabletten und so zirka 5 Teller voll leckerer Sachen zum Essen. Ich bekam den totalen Lachanfall. Genau so fuehre ich mich auf. Es ist so lustig.

Samstag, Oktober 04, 2008

ostwärts

Bin in Ostberlin. Zur Kur. Das kommt also dabei heraus, wenn ich nicht mehr fernsehe.





Mittwoch, Oktober 01, 2008

zweisam

Weiterführende Gedanken zum Thema Beziehungen. Ich sehe ja die Dominanz der Zweierbeziehung als Irrweg an. Das bildet sich immer mehr heraus, je länger ich es durchlebe, mich hineinspüre und hineindenke.

Das Leben besteht aus Begegnungen. Aus vielerlei Arten von Begegnungen, mit vielerlei Wesenheiten, seien es stoffliche oder nicht stoffliche. Auch die Begegnungen zwischen Männern und Frauen (Frauen und Frauen, Männern und Männern) "liebender" und/oder "sexueller" Art ordnen sich einfach da mit ein. Sie sind nicht der Kern der Dinge, nicht das Ziel, nicht das Absolute. Geschweige denn eine einzige zu einem einzigen Menschen ausschließlich. Es funktioniert ehr wie ein nomadisierendes Spiegelkabinett. Und so funktionieren alle Beziehungen, auch die zu Steinen, zu Pflanzen, eben zum Universum und zum ganzen Rest.

Um wirklich alles voll erleben zu können, zu genießen, zu lernen, zu leben, zu lachen, gehört einfach Aufrichtigkeit dazu, und der Wunsch sich einzulassen. Das hat aber trotzdem etwas nomadisierendes, obwohl es in manchen Begegnungen einen intimen Moment gibt, der etwas ganz nahes, aufrichtiges, offenes, heiteres, erstaunliches, immer wieder neuartiges hat. Auch das Ergründen der Natur der Anziehungskraft und der Energie einer solchen Begegnung gehört dazu. Verschmelzen und wieder loslassen. Wieder begegnen oder sich nie wieder begegnen. Je nachdem, welcher Natur die Dynamik zwischen mir und dem anderen ist.

Ganz fatal finde ich einfach die "klassische" Struktur, den Versuch, "den einen" oder "die eine" zu finden, und zu glauben, dass es möglich ist, diesen Zustand auf alle Ewigkeit aufrecht erhalten zu können. Oder gar zu müssen. Es gibt Momente, in denen es "den einen" ("die eine") gibt. Wertvolle, förmlich kristalline Augenblicke höchster Glückseligkeit und Verschmelzung. Einen Lichtstrahl durch die hellgrünen Blätter eines Baumes zu sehen ist aber von der gleichen energetischen Natur und genauso flüchtig. Ich kann solche Momente oder Geschenke nicht konservieren. Und wenn ich es versuche, lande ich in einer Konservendose. Eingeengt, eingesperrt, bewegungsunfähig.

Es ist klar, dass wir es immer wieder versuchen, solche Momente in die Länge zu ziehen, sie festzuhalten, sie immer wieder und wieder zu erleben. Extase macht ja auch süchtig. Es hilft einfach nur loslassen, durchatmen, dankbar zu sein, und sich zu freuen, sowas in der Art vielleicht wieder einmal erleben zu können und zu dürfen. Aber dann wird es wieder ganz anders sein, weil in jeder Begegnung eine völlig andere Art von Potential liegt. Leben in Konservendosen macht dem gegenüber blind und handlungsunfähig, da fließt nichts mehr, da spielt man nur mit dem Gerippe einer verflossenen Vergangenheit oder einer nie real werdenden Zukunft.

Ich sage jetzt nichts gegen das Zusammenleben, ist zwar nicht (mehr) mein Ding, aber, es machen ja viele. Es sollte aber Klarheit vorhanden sein, dass es unmöglich ist, ewige Glückseligkeit zu konservieren, sondern dass solche Lebensmodelle einfach Zweckgemeinschaften sind. Im besten Falle ein freundschaftliches, liebevolles Teilen des selben Wohnraumes und der Finanzen und der einen oder anderen sonstigen Gemeinsamkeit. Das geht auch in einer WG. Es wird eine Nähe entstehen, weil man sich ja auch sehr gut kennt. Und im besten Fall auch wert-schätzt. Sich und die anderen.

Netzwerke mit Männern jetzt im speziellen spanne ich weit auf, es gibt z.b. zwei, mit denen hab ich eine ganz enorm tiefe, lange Verbindung. Wir leben räumlich sehr weit auseinander, begegnen uns immer wieder, immer wieder teils vertraut, teils neu, wie der Waldweg, den ich so gern gehe. Da gibt es noch mehr Formen und Modelle, die ich mit Männern lebe, Freunde, Tote, Lebendige, Kollegen, Vater, Großväter, Chefs, Ehemänner, Sohn ... Das ist aber auch ein gleichwertiger Teil meiner Beziehungen an sich, eben zu allem menschlichen, materiellen und nicht-materiellen. Schreib ich jetzt so betont, weil ich lange, lange durch patriarchale Sozialisation total auf Männer an sich und meine Partner und meinen Vater im speziellen fixiert war. Ich erlebte mich praktisch durch sie, oder was ich glaubte dass sie in mir sehen wollen und meine eigene Wertschätzung mir selbst gegenüber hing davon ab, wie ich glaubte, von ihnen gesehen und beurteilt zu werden.

Grad jetzt auch diesen Sommer erlebte ich eine enorme Anziehungskraft zu einem Mann, den ich nicht sehr gut kenne, kannte, es war ein faszinierender Prozess den ich da durchmachte. Für mich war das Ende an dem Punkt erreicht, an dem ich merkte, es wird keine offene Kommunikation stattfinden so wie ich das brauche, und wenn ich mich auf den Kopf stelle. Trotzdem habe ich herausgefunden, auch in so einem Fall ist alles so gut, wie es ist. Es liegt dann wohl in der Natur dieser einen speziellen Begegnung, dass es einfach so ist und nicht anders. Das heißt auch, dass weder mit ihm noch mit mir etwas nicht stimmt, sondern alles so richtig ist, wie es ist. Obwohl ich trotzdem wertvolle Erkenntnisse daraus ableite, aber ohne mich dabei in Frage zu stellen.

Das war eine der drei großen Palma-de-Mallorca-Erkenntnissschübe letztes Wochenende.

Ich finds ja witzig, wie ich mich durch den Raum bewege, um Informationen hervorzurufen. Das macht Spaß ohne Ende. Ist auch immer ein nettes Thema, die im-inneren-und-äußeren-Raum-bewegen-und-Erkenntnissschübe-bekommen Geschichte.