Weiterführende Gedanken zum Thema Beziehungen. Ich sehe ja die Dominanz der Zweierbeziehung als Irrweg an. Das bildet sich immer mehr heraus, je länger ich es durchlebe, mich hineinspüre und hineindenke.
Das Leben besteht aus Begegnungen. Aus vielerlei Arten von Begegnungen, mit vielerlei Wesenheiten, seien es stoffliche oder nicht stoffliche. Auch die Begegnungen zwischen Männern und Frauen (Frauen und Frauen, Männern und Männern) "liebender" und/oder "sexueller" Art ordnen sich einfach da mit ein. Sie sind nicht der Kern der Dinge, nicht das Ziel, nicht das Absolute. Geschweige denn eine einzige zu einem einzigen Menschen ausschließlich. Es funktioniert ehr wie ein nomadisierendes Spiegelkabinett. Und so funktionieren alle Beziehungen, auch die zu Steinen, zu Pflanzen, eben zum Universum und zum ganzen Rest.
Um wirklich alles voll erleben zu können, zu genießen, zu lernen, zu leben, zu lachen, gehört einfach Aufrichtigkeit dazu, und der Wunsch sich einzulassen. Das hat aber trotzdem etwas nomadisierendes, obwohl es in manchen Begegnungen einen intimen Moment gibt, der etwas ganz nahes, aufrichtiges, offenes, heiteres, erstaunliches, immer wieder neuartiges hat. Auch das Ergründen der Natur der Anziehungskraft und der Energie einer solchen Begegnung gehört dazu. Verschmelzen und wieder loslassen. Wieder begegnen oder sich nie wieder begegnen. Je nachdem, welcher Natur die Dynamik zwischen mir und dem anderen ist.
Ganz fatal finde ich einfach die "klassische" Struktur, den Versuch, "den einen" oder "die eine" zu finden, und zu glauben, dass es möglich ist, diesen Zustand auf alle Ewigkeit aufrecht erhalten zu können. Oder gar zu müssen. Es gibt Momente, in denen es "den einen" ("die eine") gibt. Wertvolle, förmlich kristalline Augenblicke höchster Glückseligkeit und Verschmelzung. Einen Lichtstrahl durch die hellgrünen Blätter eines Baumes zu sehen ist aber von der gleichen energetischen Natur und genauso flüchtig. Ich kann solche Momente oder Geschenke nicht konservieren. Und wenn ich es versuche, lande ich in einer Konservendose. Eingeengt, eingesperrt, bewegungsunfähig.
Es ist klar, dass wir es immer wieder versuchen, solche Momente in die Länge zu ziehen, sie festzuhalten, sie immer wieder und wieder zu erleben. Extase macht ja auch süchtig. Es hilft einfach nur loslassen, durchatmen, dankbar zu sein, und sich zu freuen, sowas in der Art vielleicht wieder einmal erleben zu können und zu dürfen. Aber dann wird es wieder ganz anders sein, weil in jeder Begegnung eine völlig andere Art von Potential liegt. Leben in Konservendosen macht dem gegenüber blind und handlungsunfähig, da fließt nichts mehr, da spielt man nur mit dem Gerippe einer verflossenen Vergangenheit oder einer nie real werdenden Zukunft.
Ich sage jetzt nichts gegen das Zusammenleben, ist zwar nicht (mehr) mein Ding, aber, es machen ja viele. Es sollte aber Klarheit vorhanden sein, dass es unmöglich ist, ewige Glückseligkeit zu konservieren, sondern dass solche Lebensmodelle einfach Zweckgemeinschaften sind. Im besten Falle ein freundschaftliches, liebevolles Teilen des selben Wohnraumes und der Finanzen und der einen oder anderen sonstigen Gemeinsamkeit. Das geht auch in einer WG. Es wird eine Nähe entstehen, weil man sich ja auch sehr gut kennt. Und im besten Fall auch wert-schätzt. Sich und die anderen.
Netzwerke mit Männern jetzt im speziellen spanne ich weit auf, es gibt z.b. zwei, mit denen hab ich eine ganz enorm tiefe, lange Verbindung. Wir leben räumlich sehr weit auseinander, begegnen uns immer wieder, immer wieder teils vertraut, teils neu, wie der Waldweg, den ich so gern gehe. Da gibt es noch mehr Formen und Modelle, die ich mit Männern lebe, Freunde, Tote, Lebendige, Kollegen, Vater, Großväter, Chefs, Ehemänner, Sohn ... Das ist aber auch ein gleichwertiger Teil meiner Beziehungen an sich, eben zu allem menschlichen, materiellen und nicht-materiellen. Schreib ich jetzt so betont, weil ich lange, lange durch patriarchale Sozialisation total auf Männer an sich und meine Partner und meinen Vater im speziellen fixiert war. Ich erlebte mich praktisch durch sie, oder was ich glaubte dass sie in mir sehen wollen und meine eigene Wertschätzung mir selbst gegenüber hing davon ab, wie ich glaubte, von ihnen gesehen und beurteilt zu werden.
Grad jetzt auch diesen Sommer erlebte ich eine enorme Anziehungskraft zu einem Mann, den ich nicht sehr gut kenne, kannte, es war ein faszinierender Prozess den ich da durchmachte. Für mich war das Ende an dem Punkt erreicht, an dem ich merkte, es wird keine offene Kommunikation stattfinden so wie ich das brauche, und wenn ich mich auf den Kopf stelle. Trotzdem habe ich herausgefunden, auch in so einem Fall ist alles so gut, wie es ist. Es liegt dann wohl in der Natur dieser einen speziellen Begegnung, dass es einfach so ist und nicht anders. Das heißt auch, dass weder mit ihm noch mit mir etwas nicht stimmt, sondern alles so richtig ist, wie es ist. Obwohl ich trotzdem wertvolle Erkenntnisse daraus ableite, aber ohne mich dabei in Frage zu stellen.
Das war eine der drei großen Palma-de-Mallorca-Erkenntnissschübe letztes Wochenende.
Ich finds ja witzig, wie ich mich durch den Raum bewege, um Informationen hervorzurufen. Das macht Spaß ohne Ende. Ist auch immer ein nettes Thema, die im-inneren-und-äußeren-Raum-bewegen-und-Erkenntnissschübe-bekommen Geschichte.