Donnerstag, März 26, 2009

unsere mütter

Da hat sich doch ein interessantes Thema ergeben aus dem letzten Post: unsere Mütter. In weiterer Konsequenz: wir als Mütter. Aber erst mal: unsere.



Meine war sehr künstlerisch, will sagen: interessiert an Kunst. Sie wusste Sachen, ich wundere mich heute noch woher. Sie ist 40 geboren, erlebte die Vertreibung als Kind und besuchte "nur" die Volksschule. Also das "war" verwende ich jetzt, weil ich schreibe, wie ich sie als Kind empfand. Sie lebt noch.

Also. Sie liebte das Arabische. 1001 Nacht. Und mehr. Die ganze Kultur. Sie war nie in einem arabischen Land. Bis sie einen palestinensischen Liebhaber hatte, mit dem war sie mal in Syrien. Sie interessierte sich sehr für Geschichte.



Sie arbeitete als Näherin im Akkord. Sie war beruflich nie mächtig und dominant (obwohl? ich war nie dabei), aber verdiente immer ihr eigenes Geld. Das war ihr unglaublich wichtig. Sie war in der Gewerkschaft engagiert und organisiert.

Zu mir war sie sehr liebevoll und zärtlich. Um den Missbrauch meines Vaters zu verhindern oder zu unterbinden war sie zu schwach, zu konfliktunfähig. Später setzte sie sich mit mir und damit auseinander. Wir sind damit im Reinen.



Jetzt: sie ist zum 3. Mal verheiratet (von meinem Vater geschieden, ihr 2. Mann starb an Krebs) und lebt ihr eigenes Leben mit ihrem Mann. Sie ist oft unterwegs, sie haben ein Wochenendhaus in Kärnten. Wir telefonieren alle paar Wochen und sehen uns zu den Familienfesten. Für uns beide genau die ausreichende Form von Kontakt. Wir empfinden unsere Verbindung einfach als vorhanden.



Was mir bei den Schilderungen der Frauen über ihre dominanten Mütter auffiel: es ist meistens von einer Dominanz die Rede, die die Mädchen unterdrückte und über sie Macht ausübte. Keine Dominanz, die die Mädchen mit einbezog. Was ich meine, wäre zum Beispiel eine Konzerncheffin, die ihre Tochter zu ihrer Nachfolgerin erzieht, parntnerschaftlich. Oder eine erfolgreiche Künstlerin, die ihrer Tochter beibringt, wie es im Kunstbetrieb so zugeht.

11 Kommentare:

Am/um 7:21 PM , Blogger waldviertelleben meinte...

schön, dass du das thema nochmals aufgreifst.
das mit der dominanten mutter, die macht ausübt, stimmt für mich auch. aber dadurch, dass sie in einer weise sehr unangepasst war, sind mein bruder und ich sehr eigenständige menschen geworden. und dafür bin ich ihr dankbar. unsere beziehung war immer konfliktreich - und wie sie gestorben ist, war es für mich eine befreiung. vielleicht war männermacht deshalb nie ein thema für mich, weils eben frauenmacht in der familie war. ich habe auch keine männlichen gewaltgeschichten erfahren, weil ich mir das nie gefallen lassen hätte. natürlich sehe ich die ganzen frauenfeindlichen sachen z.b. in der werbung oder sonstwo, aber ich muss mich drüber nicht aufregen, finde es einfach letztklassig, wie viele andere sachen auch. es berührt mich nicht in meiner person. weil ich mir persönlich nichts gefallen lasse.
aber ich lebe auch auf meiner insel - recht privilegiert.

 
Am/um 7:42 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

Das ist wirklich ein Vorteil, wenn es eine nicht so voll trifft. Ich hatte deswegen immer Probleme meinen Standpunkt zu vertreten, weil ich dann völlig aus dem Gleichgewicht gerate.

 
Am/um 8:03 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ha - wobei mir jetzt grad einfällt, dass meine mutter unter der dominanz von ihrer mutter leidet, heute noch. mama ist 68, oma 90. ich selbst habe zu meiner oma ein ganz anderes verhältnis. ich habe ihre dominanz nie angenommen, ihr immer machtkämpfe geliefert. und gewonnen. oder - es war nie so das thema?

meine oma ist eine sehr katholische frau, mit prinzipien. sie trug mir z.b. die trennung von meinem ersten mann nach. eine frau hat sich um ihren mann zu kümmern und alles auszuhalten. so die liga. es hat mir aber nie was ausgemacht, wenn sie missbilligte, was ich so machte. sie gab mir immer das gefühl, dass sie mich trotzdem liebte.

 
Am/um 8:17 PM , Blogger waldviertelleben meinte...

ich sage immer, eltern sollten sterben, wenn frau 40 ist (ich kann das leicht sagen, ich habe keine kinder), dann erst ist frau wirklich frei und kann erwachsen werden - wir werden jetzt alle so alt, da bist du selbst schon alt und hast noch eltern. ich meine das natürlich hypothetisch . aber solange eltern leben, ist frau immer noch irgendwo auch kind.

 
Am/um 11:08 PM , Anonymous Anonym meinte...

oh danke dass ich noch 13 jahre zugebilligt bekomme tztztz
ich bin doch kind meiner eltern auch wenn sie tot sind
und erwachsen werden hat doch nichts mit toten eltern zu tun
erwachsen werden ist eine patriarchalische forderung
bei lebendigem leib tot zu sein
keinen spass mehr zu haben...
als jugendliche habe ich sehr gelitten zu sehen wie meine mutter sich meinem vater unterordnete
sie meinte immer ich müsse diplomatisch mit ihm umgehen
ich habe mir geschworen mein geld selbst zu verdienen
aber trotzdem habe ich früher meiner macht nicht geglaubt habe das für allmachtsphantasien gehalten und mich dafür schuldig gefühlt
als sozialarbeiterin hatte ich mehr mit den *anderen* männern zu tun (die aber mit zunehmendem alter immer machomässiger werden)
da habe ich auch in einer nische gelebt und hatte keine probleme
nur mein vater hat mir nie anerkennung gegeben...

 
Am/um 7:18 AM , Blogger waldviertelleben meinte...

ich denke auch erwachsen kann leben ganz schön spassig sein. ist wohl eine frage der definition von "erwachsen". ERWACHEN.
mit "toten eltern" meine ich, sind auf der konkreten ebene nicht mehr vorhanden und es findet kein energieaustausch , kein dialog mehr statt. und dann kann sich eine beziehung abschliessen. und das kann recht heilsam sein.

 
Am/um 1:53 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

hm. es wirken doch aber die eltern oder sonstige erzieherisch wirkende personen auch noch im unterbewussten weiter, als innerer kritiker z.b., ohne dass wir es so recht merken. das hat auch nichts mehr mit dem aktuellen dialog zu tun.

obwohl ich mir sehr gut vorstellen kann, wie erleichtert meine mutter wäre, wenn ihre gestorben ist. also nicht gleich sofort, es wird schon weh tun, aber das gefühl der erleichterung wird sie sicher auch haben. es ist ja dann der alltägliche kleinkrieg, der wegfällt.

 
Am/um 9:15 PM , Anonymous Anonym meinte...

Erwachsenwerden hat was mit Verantwortung übernehmen zu tun und das ist auch nicht unbedingt ein Spaßhindernis.

Warum sehen sich Töchter immer als "Kind" und gehen nicht einfach auf dem Pfad der Frau weiter in das Muttersein. Das Stadium, dass sich nicht nur um die Kinder kümmert sondern auch um "die Alten".

Frau lebt zyklisch und sie bleibt das Kind ihrer Mutter, auch wenn sie selbst in die Mutterzeit eintritt und eines Tages gehört sie zu den Alten, in gewisserweise abhängig von den Jungen.

Und doch, wenn sie uralt ist, die Frau, bleibt sie Tochter und Mutter und GroßMutter, das ist doch so einfach...

Ursula

 
Am/um 10:27 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

mein "erwachsen werden" empfinde ich als immer mehr gelassenheit bekommen. durch die wiederholten erlebenisse vom auf und ab im leben, merkt frau beim älter werden, dass alles kommt, wie es kommen muss ....

verstehe aber auch das "erwachsen werden" als bürde an verantwortung und gewisser steifheit, das ergibt sich aus dem leben der vorgaben von gesellschaft und anderen, also bespiel, du wachst auf in einer verstrickung von beruflichen pflichten, schulden fürs haus, kümmern um die ganze familie. und "funktionierst" nur noch. immer arbeiten, dann die mickrigen 6 wochen urlaub, in denen eine dann sinnentleert an einem überfüllten strand liegt. vor so einer zukunft hatte ich in der pupertät einen riesen horror. ... da bin ich erst mal irgendwo anders hin abgebogen...

 
Am/um 9:43 AM , Anonymous Anonym meinte...

Ich überlege, wie ich als mutter so war....hmm, sollte mal meine töchter fragen ;)
Ich habe versucht alles, aber auch wirklich alles anders zu machen als meine mutter. automatisch machte ich andere fehler, so sehe ich das heute. Ich war lange recht unreflektiert, habe vorgegebene rollen perfektioniert, habe"funktioniert", später war der spagat zwischen dem gewohnten und dem, wie ich es mir vorstellte, immer schmerzhafter. Das mussten meine kinder aushalten, ich habe es aber erst rückblickend erkannt, wie schwer es für sie war.
So ein gefühl der leichtigkeit wollte sich nie einstellen, es war soviel pflicht:kindergarten, schule,arbeit. Ich habe manchmal kein gutes gefühl, wenn ich auf mich als mutter zurücksehe, aber ich konnte es auch nicht anders, hatte auch keine hilfe von freundinnen, schwestern o.ä.
Diese erkenntnis hat mich auch ein stückweit mit meiner verstorbenen mutter versöhnt, ich denke mir, sie hat es nicht besser verstanden. Gut gemeint und schlecht getroffen, nennt sich das wohl...:)
LG, doris

 
Am/um 7:16 AM , Blogger kvinna meinte...

Meine Mutter ist bis heute völlig unreflektiert fremdbestimmt und macht ihre eigenen Kreise immer kleiner und kleiner.

Als Mutter meiner frühen Kindheit war sie so etwas wie die böse Stiefmutter aus dem Märchen, ich habe damals oft gedacht, sie könne gar nicht meine leibliche Mutter sein.

Sie hat "nach oben gebuckelt und nach unten getreten" ohne das mein Vater das je verlangt hätte - sein Patriarchat war sehr viel subtiler und ist es bis heute. Nur nicht mehr für mich.

Ich dachte auch lange, als Mutter müsse ich unbedingt alles ganz anders machen als an mir getan wurde.

Bis ich gesehen habe, dass das auch keine Freiheit ist. Dann habe ich langsam entdeckt, dass nicht alles grässlich war in meiner Kinderzeit und angefangen, Frieden zu machen damit.

 

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