heuschrecken
Habe ein paar Tage darüber nachgedacht, warum manche Menschen endlos Geld verdienen wollen auf Kosten der ganzen restlichen Gesellschaft und der Umwelt. Ich glaube, es ist wie die Frage warum sich Hunde die Eier lecken. Weil sie es können.
Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre ansieht, ist da eine deutliche Änderung passiert. Kapitalisten gab es schon immer, aber noch nie konnten sie ungestraft so unverschämt sein (obwohl? in der düsteren Zeit des Kolonialismus war es auch gruselig, also zumindest war es mal kurzzeitig in unserem Land etwas humaner, bis zum Ende der 80er Jahre ca.). Die freie Marktwirtschaft hat sich zum Heuschreckenkapitalismus entwickelt.

Ich hab jetzt die Jammerei und Anklagerei auch langsam satt und werde in Zukunft recherchieren und immer mal wieder einen Link oder einen Buchtipp nennen, von Menschen und/oder Gruppen, die wirklich konstruktiv andere Wege entwickeln.
Heute: es gibt auch Unternehmer, die anders denken und noch nicht zu Heuschrecken mutiert sind. Beispiel: dm Chef Götz Werner. Hier seine Ideen zum bedingungslosen Grundeinkommen.
Wer von Euch LeserInnen Links und Literaturhinweise zum Thema hat, her damit!



6 Kommentare:
hallo!
es gibt eine Serie von Video-Interviews "unerhört", welche von der taz gemacht wurden.
Dort findet man z.b. auch einen Beitrag über Dieter Lehmkuhl von der initiative "Vermögende für eine Vermögensabgabe". Die Mitglieder fordern eine gerechtere Besteuerung der Reichen u.a. die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und eine Börsenumsatzsteuer.
http://www.youtube.com/watch?v=Y0q3yRxSvhE
Sehr interessant sind auch die dem Video zugehörigen Kommentare. Scheinbar wird nicht mehr davon ausgegangen, dass Leute, die etwas mehr Kapital zur Verfügung haben auch für soziale Gerechtigkeit einstehen wollen. Was mich aber echt verblüfft hat ist die Tatsache, dassin den Kommentaren Werte inzwischen gerne mit Sachwert gleichgesetzt werden.
Herr Lehmkuhl war auch am 1.11.09 bei Anne Will als Gast geladen und wurde ob seiner Argumente mit einiger Herablassung und Häme bedacht. Auch Hannelore Kraft (SPD) wurde von Martin Lindner (FDP) mit einigen arroganten Seitenhieben bedacht, als sie sich dafür aussprach, dass die "stärkeren Schultern mehr tragen sollten als die schwächeren". Lindner konterte mit dem Argument, dass die Viel- und Besserverdiener dann aber nicht mehr motiviert wären so tolles zu leisten...
Das hat mich nachhaltig beschäftigt. Das Thema der Sendung hieß "Schwarz-Gelber-Sozialstaat - das Ende der Solidarität?" (kann man sich online ansehen).
Mag sein, dass das für viele nichts neues ist, aber ich habe das nur selten so deutlich ausgesprochen mitbekommen. Das wäre während des Wahlkampfs wahrscheinlich eher nicht so ungeschminkt über den Äther gegangen.
Während der Sendung gab es einen schönen kleinen Film, der Leute mit großen Autos an einer Tankstelle zuerst nach deren Auto- und dann zu deren Krankenversicherungen befragt.
Wie sahen wohl die Antworten aus?
Ohne jetzt auch in Negativität verfallen zu wollen, es gibt Fakten: die reichsten zehn Prozent in der BRD besitzen inzwischen 60 Prozent des Vermögens. Mathe war zwar nie so meine Stärke, aber das kann sich doch auf Dauer so nicht rechnen - oder?
Grüße
Petra
danke Petra für deinen ausführlichen Text. das ist auch genau, das was mir durch den kopf geht - wie solidarisch sind wir? was motiviert uns, etwas zu leisten? dazu schreib ich bestimmt bald mehr, das thema bewegt mich grade sehr.
ich frag mich auch wo diese 60% vermögen überhaupt sind. sowas kann ich mir nämlich nie vorstellen. sowas existiert ja níe als reine zahl, auch wenn es diese leute auf der bank haben, macht ja die bank was damit. aber was genau?
lg ingrid.
hallo ingrid jahn!
ich bin vor ein paar tagen auf die "tage & nächte" gestoßen und freue mich sehr über deine tiefgründigen, frau-/menschlichen und kritischen texte & anregungen. dafür großes danke!
zum thema anti-heuschrecken fällt mir ein unternehmer ein, der gutes unternimmt:
alfred theodor ritter von ritter sport ist nicht nur chef, sondern auch psychologe. er hat in seiner firma schon vor jahren die unteren lohngruppen abgeschafft. weil - wie er sagt - er sich schämen würde, seinen mitarbeiterInnen so wenig zu zahlen, dass sie noch zusätzlich hartz4 beantragen müssten.
außerdem gilt konsequent: gleicher lohn für gleiche arbeit, und das sogar oft übertariflich.
noch was: den kakao für die bio-schoki, die er im vergangenen jahr herausgebracht hat, baut er auf eigenen plantagen in nicaragua an, die dort vor etwa 20 (sic!) jahren gegründet wurden und unter sehr fairen bedingungen betrieben werden - obwohl das lange jahre wirtschaftlich betrachtet eher unrentabel war.
ich finde, dass die sport ritter auf jeden fall zu den best practice beispielen zählen. einen link setze ich hier jedoch nicht, weil ich nicht weiß, ob du das okay findest, wenn dein blog werbung macht für eine schokoladenfabrik.
leckere grüße ;-) von mo
Hallo Ingrid!
habe noch einen richtig schrillen, doch sehr konstruktiven Ansatz von Sarah Silverman
gefunden: "sell the vatican - feed the world"
im Prinzip eine Superlogik dahinter ;0)
Das Video in englischer Sprache findet man auf Youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=3bObItmxAGc&feature=player_embedded
Grüße
Petra
Ein Graffiti, das eine Weile an Neuhauser Wänden zu sehen war, ist doch ein konstruktiver Beitrag zur gerade aktuellen Welthunger-Lösung: Eat the Rich.
Die Evolution des Menschen zum 'Heiligen' dauert wohl noch ewig... Ich halte die Politiker mittlerweilen eher für dumm genug, dass sie ihre ignoranten Lügen selber glauben, als dass sie so schlau sind, alle auszutricksen... Politiker sind meistens nur die Marionetten der Geldmächtigen, die Puffer zwischen Plutokraten und Volk! Aber ohne gesunde Umwelt gehen wir ALLE drauf, und ab einer gewissen Grenze wird es Revolution geben, wenn die Evolution stagniert; das wissen die Mächtigen und sollten die Politiker nicht vergessen...
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