
Wohnungssuche ist lustig. Ich gehe in meinem eigenen Spiegelkabinett spazieren. Das heißt, jede Wohnung hat irgendwie mit einem Teil von mir zu tun. Erinnerungen, Assoziationsketten, Bilder, Bedürfnisse, Einschränkungen, Möglichkeiten. In einer Stadt wie München genügt auch nicht der bewusste Entschluss, eine Wohnung die einem gefällt dann auch einfach zu mieten. Auch bei Gefallen muss man einfach abwarten, wie entschieden wird, da für eine Wohnung viele Bewerber in Frage kommen. Auch wieder so ein Effekt. Geschehen lassen. Spannend ohne Ende.
Am Wochenende habe ich ein Seminar mitgemacht. Es wird wirklich mal Zeit, selber eins zu halten. Lehre Nummer eins. Obwohl, etwas nützliches ist immer dabei. Die Seminarleiterin hatte eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychologische Beratung. Schon ganz nett. Fantasiereisen, Märchen, Helferwesen treffen usw.
Es werden auch Techniken vermittelt, wie man das Unterbewusstsein beeinflussen kann, also so eine Art Autosuggestion. Das ist immer der Punkt, wo ich was komisch finde. Ist aber so diffus, dieses Gefühl. Ich gehe in mein Unterbewusstes, um meine Helfer zu treffen. Oder um Antworten zu finden. Aber solche Techniken wie z.B. NLP und ähnliches, die praktisch umgekehrt laufen, also bewusst das unterbewusste "umprogrammieren" erzeugen bei mir Unbehagen.

Das hatte ich schon immer. Lange schon kenne ich magische Techniken, wie es jetzt Trend ist mit dieser Wunscherfüllerei. Ich hab mich aber immer immer zurückgehalten, weil ich das Gefühl habe, engstirnig eine Wirklichkeit zu erzeugen, die frei fließend sowieso funktioniert und besser. Auch wenn manchmal Blockaden da sind und die Außenwelt alles andere macht, als mitzuspielen, ist ja gerade der Zweck dessen eine tiefere Umprogrammierung. Es kommt mir mit solchen Techniken so vor, wie Wohnsiedlungen auf Indianerfriedhöfen zu bauen. Oder auf ehemaligen Firmengeländen mit verseuchtem Boden. Hübsche Häuschen, glückliche Familien.

Und: mit einer nicht feministischen Therapeutin hab ich echt ein Problem. Das ging bei mir knapp fast bis zum Wutanfall. Da hab ich wirklich noch nicht die innere Ruhe, wie Luisa sie z.B. bei solchen Fällen hat. Schon mal die ständig männlichen Formen in der Sprache. Ich rede jetzt nicht von "Salzstreuerin", aber wir waren nur Frauen, und Thema war Frauenpower. Und dann alles in männlicher Form. Beispiele hat sie immer mit "er" erzählt. Innere Persönlichkeitsanteile waren durchweg männlich. Und so weiter. Geht halt gar nicht. Nichts gehen die Therapeutin persönlich. Eine ganz liebe Frau.

Das Gefühl der Wut tauchte auf, als ich merkte, dass sie offensichtlich von Feminismus keine Ahnung hat, und die Geschichte des Patriarchats für die Wahrheit hält. Im speziellen Fall ging es um Märchen, sie las ein deutlich patriarchal verändertes Märchen vor, und das als Anregung für Frauen einen Umgang mit Wut zu finden. Sehr lustig, echt. Ich tickte aus. Sie war eben der Meinung, diese Märchen seinen unverändert. Es war schon immer so. Diese verdammte Hypnose. Neben der Wut hab ich da immer einen riesen Schmerz. Das sind alles Gefühle, die ich davon habe, Frau zu sein. Von der langen Zeit, in der ich eben auch nicht wusste, dass wir eine eigene Geschichte haben, und der patriarchale Mythos eine Lüge ist. Sie tauchen immer wieder auf, wenn eine andere Frau auf der unumstößlichen Wahrheit dieses Mythos besteht. Oder ein Mann. Aber da ist es nicht so schlimm. Da fühle ich mich nicht so verraten.