unsere mütter
Da hat sich doch ein interessantes Thema ergeben aus dem letzten Post: unsere Mütter. In weiterer Konsequenz: wir als Mütter. Aber erst mal: unsere.

Meine war sehr künstlerisch, will sagen: interessiert an Kunst. Sie wusste Sachen, ich wundere mich heute noch woher. Sie ist 40 geboren, erlebte die Vertreibung als Kind und besuchte "nur" die Volksschule. Also das "war" verwende ich jetzt, weil ich schreibe, wie ich sie als Kind empfand. Sie lebt noch.
Also. Sie liebte das Arabische. 1001 Nacht. Und mehr. Die ganze Kultur. Sie war nie in einem arabischen Land. Bis sie einen palestinensischen Liebhaber hatte, mit dem war sie mal in Syrien. Sie interessierte sich sehr für Geschichte.

Sie arbeitete als Näherin im Akkord. Sie war beruflich nie mächtig und dominant (obwohl? ich war nie dabei), aber verdiente immer ihr eigenes Geld. Das war ihr unglaublich wichtig. Sie war in der Gewerkschaft engagiert und organisiert.
Zu mir war sie sehr liebevoll und zärtlich. Um den Missbrauch meines Vaters zu verhindern oder zu unterbinden war sie zu schwach, zu konfliktunfähig. Später setzte sie sich mit mir und damit auseinander. Wir sind damit im Reinen.

Jetzt: sie ist zum 3. Mal verheiratet (von meinem Vater geschieden, ihr 2. Mann starb an Krebs) und lebt ihr eigenes Leben mit ihrem Mann. Sie ist oft unterwegs, sie haben ein Wochenendhaus in Kärnten. Wir telefonieren alle paar Wochen und sehen uns zu den Familienfesten. Für uns beide genau die ausreichende Form von Kontakt. Wir empfinden unsere Verbindung einfach als vorhanden.
Was mir bei den Schilderungen der Frauen über ihre dominanten Mütter auffiel: es ist meistens von einer Dominanz die Rede, die die Mädchen unterdrückte und über sie Macht ausübte. Keine Dominanz, die die Mädchen mit einbezog. Was ich meine, wäre zum Beispiel eine Konzerncheffin, die ihre Tochter zu ihrer Nachfolgerin erzieht, parntnerschaftlich. Oder eine erfolgreiche Künstlerin, die ihrer Tochter beibringt, wie es im Kunstbetrieb so zugeht.











