Letztens kam ich auf die Idee, Biografien von Frauen zu lesen. Einfach, weil ich das Gefühl habe, mich im Kreis zu drehen, immer im selben Teich zu schwimmen, im eigenen Saft zu schmoren. Denke, es ist anregend, von ganz anderen Leben zu lesen.

Um wenig Geld auszugeben, ging ich natürlich erst mal die Münchner Stadtbibliothek im Gasteig. Da gibt es massenhaft Bücher. Biografien von Frauen allerdings herzlich wenig. Und wenn, dann die ausgelutschten. Coco Chanel, Frida Kahlo, Peggy Guggenheim. Nicht gegen die drei, die waren toll. Aber. Es gab so viel mehr. Biografien sind in dieser Bibliothek nicht extra, sondern den jeweiligen Themen zugeordnet. Kunst, Fotografie, Geschichte (historische Persönlichkeiten) usw. Es ist alles so schockierend Männer zentriert. Will ich mich mal nicht im Kreis drehen, dann sowas. Musste mich schon wieder ärgern. Seufzen. Gut. Das ist ein getreues Abbild, der Welt, wie ich sie kenne. Picasso, Magritte, van Gogh. Erstens sind es Männer und zweites auch schon ururalter Käse. Echt. Wo ist Pippilotta Rist? Historische Persönlichkeiten: König Ludwig I - bis unendlich, Hitler, Göbbels, und ja, Katharina die Große. Nicht mal Rosa Luxemburg gibt es hier.

Aber - wie in der wirklichen Welt gibt es auch hier Schätze zu finden. Meine Ausbeute: ein Buch über Frauen im Berlin der 20er Jahre und ein Buch über den schamanischen Dialog mit der Erde.

Die Frauen im Berlin der 20er Jahre. Die Korsetts flogen weg, sie tanzten und vergnügten sich, schlugen sich als Schriftstellerinnen und/oder alleinstehende Mütter durch. Viele richteten sich auch mit Alkohol und Drogen zu Grunde. Waren zwar Legende, aber na gut. Wenigstens waren sie freier als zuvor. Viel hat sich bis heute nicht geändert. Die wilden, unabhängigen Frauen waren mutig und anders. Die große Masse arbeitete ein paar Jahre in einem Schreibbüro und "zog dann im Windschatten eines Mannes ihre Kinder auf", wie es im Buch so schön heißt.

Will jetzt damit nicht sagen, dass es zwei Sorten Frauen gibt: "tolle" und "angepasste". Ist wohl ehr eine Frage des Temperaments. Wirklich "wilde" Frauen gab es immer, auch in Zeiten von Korsetts. Es gab auch immer Künsterlerinnen, Musikerinnen und Forscherinnen. Und auch Frauen, die einfach lieber für eine Familie arbeiten. Und Frauen die Familie haben und noch andere Aufgaben wahrnehmen. Seltsam ist nur dass es jede Frau für sich entdecken muss, die Vorbilder relativ verschüttet und schwer zugänglich sind. Aber möglicherweise ist es der Trick an der Sache, nur die wirkliche Sucherin findet sich selbst. Obwohl ich merke, es ist ein Thema, das mich heiß macht. Reform des Schulunterrichts und der Geschichtsschreibung. Zugänglich machen von weiblichen Quellen. Sozusagen.

Gut, was wir jetzt besser haben: wir haben nicht mehr mit ganz so viel Druck zu kämpfen, wenn wir etwas anders machen wollen. So was (harmloses) wie ich wäre früher wohl in den Tiefen der psychiatrischen Anstalten verschwunden. Nicht wenige Frauen wählten auch den Selbstmord als Alternative zu einen allzu schwer gemachten Lebensweg. Oder die legendären Schwestern Brönte mit dem Schreibzeug im Handarbeitskorb, den männlichen Pseudonymen unter denen sie veröffentlichen mussten. Ach ja. So leicht ist es nun doch nicht gewesen. Hiermit danke ich mal allen Frauen, deren unermüdlicher Forschungsarbeit ich zu verdanken habe, überhaupt von solchen Frauen zu hören und zu lesen. Von denen sind auch einige von den Hochschulen gejagt worden...(in unserer zeit, nicht vor 100 jahren oder so)