Samstag, Oktober 24, 2009

real existierendes matriarchat



Für mich völlig überraschend kam ich in Indonesien auf einmal in ein bewohntes, lebendiges, matriarchales Dorf. Ich hörte die Geschichten des Reiseleiters und sah mich um. Der Reiseleiter stellte das Dorf als "matriarchal" vor. Mit matriarchal ist nach seiner Definition lediglich gemeint, dass die Erbfolge von der Mutter auf die Tochter übergeht und der Mann nach der Heirat in das Haus der Frau zieht. Hier die Kriterien eines Matriarchats nach Heide Göttner-Abendroth, die ich durch den Besuch im Dorf auch bestätigen kann.


Das Dorf - Kulthütten, Kultpfähle und Gräber (Steinsetzungen) in der Mitte, die Häuser außen.

Die Insel Flores wurde erst ab 1920 christlich missioniert. Seine Informationen hatte der Reiseleiter von den Aufzeichnungen des Paters Arndt.



Folgende Geschichten: der Pater fragte die Dorfgemeinschaft nach der Bedeutung ihrer Rituale. Sie erzählten ihm, wenn jemand in den Wald gegangen ist und einer Schlange oder verführerischen Frau begegnet, werden die Orakel befragt, woran es läge und ihm wird ein Opfer auferlegt, damit er nicht länger vom Bösen verfolgt wird. Äh. Ja. Das ist doch so offensichtlich dem Pater nach dem Maul geredet, die haben den Pater erzählt was er hören wollte, bzw. in seinem lustfeindlichen, christlichen Hirn verstehen konnte. Wobei die Schlange und weibliche Genitalien so offensichtlich in den Symbolen der kultischen Frauenhütten vorkommen, dass ich mir denke, das kann doch nicht sein. Und weder unser Reiseleiter noch meine Mitreisenden kommen auch nur im entferntesten auf die Idee, das zu hinterfragen. Ich hab ehrlich gesagt auch meine Klappe gehalten, ich kenne diese sinnlosen Diskussionen. Ich stellte mich auch ein wenig dumm und fragte nach, es ist auch eine gewisse (koloniale?) Arroganz gegenüber den sogenannten "Urvölkern" im Spiel. Der christliche Einfluss wird definitiv als Fortschritt gedeutet. Eine Frau war dabei, deren Interesse ich wecken konnte, sie verabscheut das christliche Missionieren, sie fragte mich um Literaturtipps, ich nannte ihr Heide Göttner-Abendroth und Barbara Walker.


Kulthütte der Frauen - die Steinsetzungen sind Gräber

Zweite Geschichte: der Pater war so "freundlich" den DorfbewohnerInnen die Rituale nicht auszureden. Er sagte zu ihnen: erklärt mir, was ihr da macht, und beim nächsten mal werde ich das Ritual leiten. Es glaubt doch nicht im Ernst jemand, dass er tatsächlich von den Dorfbewohnern in ihre tiefsten Geheimnisse eingeweiht wurde. Und wenn, dass er sie überhaupt verstanden hätte?


Kultpfahl der Männer - die Steinsetzungen sind Gräber

Unser Reiseleiter zeigte uns auch Fotos aus dem Buch von Pater Arndt, mit den entsprechenden Bildunterschriften. Ein Mann des Dorfes wurde als "Fürst" bezeichnet, die Frauen durchweg als "Tänzerinnen". Es ist so durchsichtig. Es ist auch klar, dass der Pater als Mann starker christlicher Prägung die Dinge eben so sah und gedeutet hat. Unklar ist, warum diese Blindheit bis heute anhält.



Es ist sowieso so ein Phänomen, dass von den meisten Menschen so wenig hinterfragt wird. Ich nehme mich da nicht aus, ich bemühe mich darauf zu achten. Der Grundstock der in der Schulerziehung, den Medien und der Werbung gelegt und verfeinert wird, ist relativ unantastbar. Bewegung gibt es nur innerhalb, was dann als "informiert" und "gebildet" gedeutet wird. Es fiel mir hier durch die relativ kleine Gruppe auf, mit der ich in einer völlig fremden Umgebung unterwegs war. Da wird Schweppes als "gute, vertrauenswürdige Marke" bezeichnet, Coca Cola als das einzige verlässliche Getränk in fremden Ländern, da nicht kopierbar, und alle kaufen bei Aldi ein, obwohl alle die da dabei waren, schon zig Länder dieser Erde besucht hatten. Meine Geschichten vom Reis (ich esse sehr viel Reis), den ich grundsätzlich bio und fair kaufe, wurde mit Misstrauen kommentiert, ob das bio und fair denn wirklich vertauenswürdig sei. Seltsam.



Dritte Geschichte. Es gibt noch ein zweites matriarchales Dorf auf Flores. Da war wohl der Einfluss des Paters größer. Er forderte die BewohnerInnen auf, ihr Dorf an einen anderen Platz zu verlegen. Und siehe da, die Ritualhütten der Frauen waren zwar noch da, aber es fehlen die weiblichen Symbole.



Und was das mit uns zu tun hat? Viel. Das gleiche ist bei uns ein paar tausend Jahre früher passiert. Da Flores so abgeschieden war, das Christentum so spät dort ankam, ist es jetzt sehr leicht nachzuvollziehen, was sich bei uns hier abgespielt hat.



Es ist auch nicht etwas, das "irgendwann" in der Vergangenheit passiert ist und uns nur noch im Geschichtsunterricht betrifft. Es ist in unseren Genen kodiert, man könnte auch sagen: im kollektiven Unbewussten verankert. Wir tragen das mit uns, zeitlos. Den alten Kult, und auch die gewaltsame Unterdrückung des alten Kultes. Das ist der Grund, warum das alles so wichtig ist.



Wir sind mater-ialisierte Energie.













Sonntag, Oktober 18, 2009

auf reisen

Bin gerade auf Reise durch Ostindonesien, die Kleinen Sundainseln. Hier schon Fotos.


Unter anderem besuchte ich ein matriarchales Dorf. Mehr ausführlich in Kürze.