Dienstag, Februar 23, 2010

wenig

Ich schreibe so wenig in meinem Blog in letzter Zeit ist mir aufgefallen. Seit ich auch nicht mehr kontroverse feministische Sachen schreibe, gibt es auch wenig Comments. Das ausgeglichene ruhige ist, ja? Was ist es denn. Mich wundert es nicht, dass Presse, Funk und Fernsehen fast nur über Themen berichtet, die alle aufregen. Anscheinend ist das reizvoll. Es wallt.



Lese gerade in Luisas neuem Buch, "Die Göttin im Federkleid". Suche gerade "das" Zitat, das ich als Kritik zu diesem Buch erwarte. Und da ist es auch schon (zu finden bei Amazon): "Allerdings darf man bemerken und das sage ich nicht als Mann, das sie in ihrem Buch DIE GÖTTIN IM FEDERKLEID tendenziös ist, auch sie wendet und dreht die Informationen, Argumente und Thesen so das es für ihre Zwecke passt. Genau so wie die Männer und ihre patriarchale Struktur, welche sie so sehr verabscheut." Tja. Das ist ja der Witz dabei finde ich. Die "Wissenschaft" darf das. Der feministische Blick auf die Geschichte nicht?

Jede Geschichte, alles was gefühlt, gedacht, gesagt wird, über Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit ist reine Illusion. Das Gedachte, Gesagte wird gerufen und manifestiert sich. Da ist einfach alles erlaubt. Das ist der Witz. Es gibt keine Wahrheit. Es ist nur ganz unbedingt nötig gewesen, der anerkannten Geschichtsschreibung eine andere Sichtweise entgegenzusetzen, um Raum zu gewinnen. Um Frauen vom Rudern und Hetzen und beweisen-müssen-auch-was-wert-zu-sein-und-was-zu-können wegzubringen und einen festen Stand zu erzeugen, eine Vergangenheit zu haben, mit Kraft, Wissen, Stärke und Würde. Das ist so wichtig. Seit ich mir dessen bewusst bin, ist alles anders.

21 Kommentare:

Am/um 3:53 PM , Blogger 365 Tage meinte...

Ich ducke mich schon jedesmal wenn Luisa ein neues Buch rausbringt. Ihr ist das ja zum Glück alles wurscht.

 
Am/um 4:01 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

da brauch man auch ein dickes fell, wenn man veröffentlicht, klar! obwohl die kritik aus der dieses zitat stammt sonst ganz wohlwollend ist, 4 sterne von 5 bei amazon.

 
Am/um 9:46 AM , Blogger kvinna meinte...

Und er schreibt ja sinngemäß: "AUCH sie...", damit gibt er's ja zu, dass die patriarchale Struktur verdreht und verbiegt. Oder so. ;)

Was gefühlt wird, hat keinen Wert. "Nur was man schwarz auf weiß besitzt..." - und wem verdanken wir das? Der christlichen Kultur, die alles Leibliche, also Gefühlte, herabsetzt und gen Himmel strebt.

Die Trennung von Kopf und Leib sozusagen.

Sehr erhellend in diesem Zusammenhang: Jürgen Lodemann "Siegfried und Kriemhild - die Nibelungen". Denn so KÖNNTE es gewesen sein.

Das fühle ich.

Und bevor jetzt wer losschreit: Rückt die Sage mal ganz schnell weg von jeglich Nationalsozialistischem. Damit hat sie rein gar nix zu tun - wie so vieles Vorgeschichtliches, das die Herren sich zurechtgebogen haben.

 
Am/um 10:22 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ne das ist klar, bzw. schade dass die ganzen alten geschichten diese braunen überzug bekommen haben. an sich sind sie ja nicht so.

 
Am/um 11:43 AM , Anonymous Karin meinte...

Das schöne an Luisas Buch ist, eigentlich bei allen ihren Büchern, dass sie anregt zu hinterfragen. Dieses, es könnte auch ganz anders gewesen sein oder sein, hat mir sehr geholfen nicht einfach zu akzeptieren.
Und natürlich polarisiert sie, aber das ist doch auch in Ordnung, denn im Gegensatz zur "klassischen" Geschichtsbetrachtung, gibt sie ihren Erkenntnissen nicht den Eindruck von Allgemeingültigkeit, sondern sagt offen, dass es ihre Wahrnehmung ist.
Mir hat sehr gefallen, wie sie das im Schlusswort klarmacht.
Alles Liebe Karin

 
Am/um 2:19 PM , Blogger Stephanie meinte...

...eigentlich mir ist unverständlich wieso sich diese Nazibezogenheit immer noch in diesem Maße hält, wenn es um die wirkliche mitteleuropäische Geschichte geht. Ich bin richtig froh, dass eine Autorin wie Francia sich dieses Thema angenommen hat. Als ich vor vielen Jahren das Hexenhaus in Lüneburg betrat und meine Anliegen vortrug, etwas über die Spiritualität meiner Vorfahrinnen im geschichtlichen Zusammenhang zu erfahren, warnte mich die damalige Chefin dieses esoterischen Buchladens sofort, das mich das in braunen Verdacht bringen kann. Außerdem war bezügliche Literatur noch dünn gesät. Dafür drängte sich in den Regalen asiatische und altägyptische Weisheit. Nur die germanischen Buchenwälder schwiegen...
Ich war damals genauso verblüfft, wie ich es heute bin. Denn soviel wußte ich auch schon, dass der Alltag der keltischen oder germanischen Frauen wenig mit dem Heldenkomplex gewisser Männer der dreißiger Jahre gemein hatte.
Immerhin bin ich an dem Tag mit dem Buch "Kreisen" (Frauen und Jahreskreisfeste) beschwingt aus dem Laden gegangen.

Ich hoffe diese peinliche Verirrung der (deutschen) Geschichte gerät irgend wann in Vergessenheit und wir sitzen unbeschwert mit unseren Ahninnen am Herdfeuer...

 
Am/um 10:11 PM , Anonymous Karin meinte...

Oh mensch, wie gut ich das kenne. Jedesmal wenn ich jemanden erzählte das ich mich mit Runen beschäftige, kamen erschreckte Blicke und ein Flüstern: Aber haben da nicht die Nazis.....
Da krieg ich jedes Mal die Krise, angesichts dieses kurzsichtigen Denkens. Meine Güte, ein Messer kann ich zum Brotschmieren benutzen, oder um jemanden zu erstechen. So ist es doch mal allen.
Übrigens Innana - runenbuch für Frauen. Sehr empfehlenswert.
Alles Liebe Karin

 
Am/um 9:25 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

als ich zum ersten mal in cornwall war, spürte ich die "alte" energie in ihrer reinen form, ohne den braunen überzug. das ist ganz was anderes.
das ist nicht gut, wenn wir hier einfach davor zurückschrecken, weil jemand das mal missbraucht hat. die energie ist hier kollektiv blockiert sozusagen.
vor jahren war ich mal bei den externsteinen. die energie da ist so fein und schön und spannend. sie hat nichts, aber auch garnichts mit den nazis zu tun. sie ist sehr weiblich und visionär.

 
Am/um 9:27 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

will sagen: nicht die alte energie ist schlecht, sondern die blockade, erst missbrauch, dann angst, die wir drauf gesetzt haben.

 
Am/um 9:52 AM , Anonymous Anonym meinte...

Luisa sagt das auch in einem ihrer früheren bücher so treffend:Hitler aß gerne gugelhupf, ist gugelhupf deswegen giftig?!
Fand ich damals schon klasse und sehr auf den punkt gebracht.
Aber auch ich habe die gleichen blockaden wenns ums "germanische" geht, auch wenn ich spüre, dass mir das nah kommt.
Indianische riten sind "besser", weil sie auch mit dem opfersein der indianer verbunden sind(bei mir im kopf)und opfer haben recht, die täter/nazis nicht.
Lg, Doris

 
Am/um 10:00 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ne die blockaden hab ich gar nicht. mir war das als jugendliche schon nicht geheuer mit der asiatischen spiritualität, die da so in war. alle welt wollte nach indien. ist ja schön und gut und interessant, aber hat wenig mit der energie hier zu tun einfach. ah jetzt merk ich auch wieder wo der stachel sitzt. wollte gerade mit dem der energie der erde hier und des blutes der ahninnen anfangen. gut. es ist kein wunder, dass uns alles andere so anzieht und unser "eigenes" so schwierig ist. ist aber sehr sehr schade. es ist halt einfach "unseres".

 
Am/um 11:00 AM , Blogger Stephanie meinte...

...genau, es ist "unseres"!

Denn der manipulative Umgang mit der Geschichte Mitteleuropas (ich schreibe nicht Deutschland, denn das existierte da noch nicht) ist eine der typischen patriarchösen Gaukeleien, die so tut als verfügte sie über das gesamte Wissen dieser Welt und dabei besitzen die Scharlatane doch höchstens die Hälfte. Den weibliche Kosmos der Erinnerungen, Gefühle, des spirituellen Empfindens und Intuition nehmen sie nicht wahr und blenden dessen Existenz einfach aus.

Ich müsste auch in meinen Texten manchmal das Wort „Blutsverwandte" verwenden und weiche doch auf unverfängliche Aufzählungen (wie Schwestern, Basen, Tanten) aus. Dabei sind wir die Expertinnen für Blut und Ahninnen...

@Karin - ich habe das Buch auch, mir scheint es mit Abstand das Beste, im Vergleich mit den, manchmal zähneknirschenden, klassischen Auslegungen

 
Am/um 11:52 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ich finde bücher vom arun verlag ganz gut. da gibt es alles mögliche zum thema, und auch mal spezielle spirituelle bücher für männer, auch interessant.

 
Am/um 11:10 AM , Blogger birgit meinte...

wie stark muss die spiritualität der frauen damals gewesen sein
dass mit derartiger gewalt das wissen von damals immer noch so unterdrückt wird
aber es reckt ja doch an vielen ecken wieder das köpfchen
ich bin sehr gespannt was da noch kommt
liebe grüße an alle schreiberinnen hier
birgit

 
Am/um 8:18 AM , Blogger Oona meinte...

schöne viele Kommentare :O)

 
Am/um 10:46 AM , Blogger irka meinte...

ich lese das neue buch von luisa auch gerade. klar, vieles ist halt anders, als wirs gelernt haben. und es gibt genügend stellen, an denen kritiker einhaken können. das sind dann auch kleinigkeiten wie der suebenknoten, wo es mE keinen nachweis gibt, dass den außer freien männern und später modebewußten männern auch frauen getragen haben.

ich bin noch nicht weit, aber das, was ich bisher gelesen habe, läßt hoffen...und steht im krassen gegensatz zu den meinungen in (experimental-)archäologenkreisen gedacht wird.

 
Am/um 11:32 AM , Blogger Stephanie meinte...

... über den Suebenknoten bin ich auch gestolpert.
Aber (ich habe das Buch schon durch, holdrio) ich muss schon sagen, nach inzwischen vielen Jahren intensiven Augen und spirituellen Sinn offen halten, sowie auf die Erkenntnis der Frauen hören, sind mir die (männlichen) Experten ziemlich egal. Täglich kommen doch überall neue Fakten daher, die zu einer kleinen Revidierung des momentanen Irrtums, genannt Wissenschaft, führen.
Wenn frau eine matriviviale – egalitäre Lebensgemeinschaft der frühen Mitteleuropäer ansetzt, hört sich das was Luisa Francia schreibt schlüssig, vorstellbar und durchaus plausibel an...

 
Am/um 11:59 AM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja klar, so frauen wie wir sehen das auch alles so und pfeifen auf die offizielle meinung.
aber der weg dahin ist langwierig und muss praktisch von jeder frau einzeln mühselig bewerkstelligt werden. bei luisas lesung im frauenbuchladen lillemors diese woche kam auch zur sprache, dass geschichtsforschung wie sie sie betreibt ja auch schon von anderen frauen seit über 30 jahren beschrieben wurde und es gab entsprechende veröffentlichungen. nur - das verschwindet immer wieder und wir fangen immer wieder von vorne an.

 
Am/um 12:50 PM , Blogger Stephanie meinte...

... ja klar muss das jede selbst tun! Noch gehört die weibliche Sicht und das dazugehörige Wissen nicht zum allgemeinen Lehrplan in der Schule und auch im häuslichen Bereich wird die Kunde eher vorsichtig platziert. Die Zeiten, wo in Buchläden etliche Regale, ja sogar ganze Läden voll "esoterischer" und Frauen - Literatur stand, sind irgendwie vorbei. (Jedenfalls in dem Provinzstädtchen in dem ich lebe)
In drei Buchläden habe ich nach dem Francia-Buch gefragt und wurde von den jeweils netten jungen Fachangestelltinnen des Buchhandels leicht irritiert angesehen und nach einem Blick in den Computer versicherten sie mir, dass sie das Buch bestellen können! Ich weiß, aber da hätte ich noch mal hintoben müssen. Jedenfalls habe ich es zur Strafe bei Amazon bestellt, das ging zwar auch nicht schneller, aber es wurde ins Haus geliefert ;-)
….dieses Phänomen des Verschwindens und dem von Vorn Anfangen beschäftigt mich auch seit einiger Zeit und ich frage mich reden wir (also sozusagen auf Mutter – Tochter – Ebene) nicht genug miteinander oder ist das auch ein Backslash - Effekt?

 
Am/um 1:11 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ja falls eine tochter eine mutter hat, die darüber informiert ist. oder eine mutter eine tochter, die das wissen will.

meine hatte mir von den beginen erzählt.

 
Am/um 1:13 PM , Blogger Ingrid Jahn meinte...

ich glaub die ächtung ist so schwer auszuhalten für frauen, vor allem in jungen jahren, wo partnersuche und anerkennung eine wichtige rolle spielen.

 

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