10. November 2003 Montag 18:14 Uhr Tag 5

 

Also, dem ganzen liegen ja Überlegungen zu Grunde: es gibt einige Möglichkeiten, das Projekt anzugehen: Ich kann der Reihe nach vorgehen, erst große Arkana, dann kleine, beginnend mit dem As der Stäbe und aufhören mit den 10 Münzen und mir grundlegende Gedanken machen über jeder Satz, Kelche, Schwerter usw. Es besteht ja eine klare Ordnung in der Sequenz, jedes Element zeigt in der Abfolge dem ihm eigenen Bewusstseinsweg, es hat was von Vorwärtsbewegungen und Rückschlägen, aber spiralförmig.

Ich hatte mich dann entschieden, dass das langweilig ist. Ich denke mir spontan eine Karte aus, um die ich mich kümmere, jeden Tag eine, oder eine in der Woche, je nach dem wie leicht es mir fällt, wie ich Lust habe, wie lange es eben dauert.

Ich bin schon gespannt wie das in der Gesamtheit mal wirkt. Wie es ist, mit den Karten auszulegen. Da ists aber noch lang hin, und der Weg ist das Ziel und es ist wirklich lustig und macht Spaß. Viele Zusammenhänge haben sich auch schon zufällig ergeben, ich tat, ich vergaß, ich verlor, und auf einmal sah sie, dass es gut war!

Andere Überlegung: die grafische Lösung. Einst wurde ja die kleine Arkana nur als tatsächliche 5 Schwerter, 7 Münzen dargestellt (siehe Beipiel "Das Tarot des Golden Dawn" von Robert Wang, Urania Verlag):

 

 
Die gleichen Karten von Raider-Waite-Tarot. Die Stäbe und Schwerter wurden in ein Bild eingearbeitet, dass die Bedeutung der Karte ausdrücken sollte. (Es gibt mehr und andere Beispiele zur Geschichte des Tarot und anderen Tarot-Decks an anderen Tagen.)  


Mein Ansatz ist, verschiedene optische Formen der Elemente (Wasser, Erde, Feuer, Luft) darzustellen und so die Bedeutung der Karte zu visualisieren.
 

 


Die 5 der Kelche zeigt Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben, Tränen, Trauer. Das Wasser tröpfelt, der Hintergrund ist "blau", die Stimmung traurig. Wie Tränen Stoffe beeinhalten, die die Stimmung wieder aufhellen, so weist auch die 5 der Kelche auf das hin, was trotz der Ent-täuschung bleibt. Eine unantastbare Essenz des Seins und der Persönlichkeit. Diese Einsicht ist unumgänglich um sich auf neue Abenteuer, Risiken und Vorhaben einlassen zu können. Vieleicht waren ja die Hoffnungen überzogen, die Brille zu "rosa". Frau lernt dazu, spürt dass ihr immer etwas bleibt, und kann sich nach einer Phase des Trauerns und Loslassens wieder in den Strom des Lebens begeben, wie der Tropfen durch das Loch im Stein rinnt und viele Tropfen wieder langsam zu fließen beginnen.

Zur eigenen Geschichte der Motive, der Gegenstände und der Fotos: Der Lochstein vom Foto der Enttäuschung hat sehr viel mit dem Thema zu tun:
Zsusa und ich waren an der Donau spazieren. Wir sammelten schöne Steine auf. Sie sprach von Lochsteinen, die eine besondere Kraft hätten. Ich fing an mich zu ärgern, da ich einmal einen Lochstein besessen hatte, den schenkte ich aber einem Mann in den ich sehr verliebt war. Er nahm meine Geschenke, erwiderte meine Liebe nicht, was mir sehr weh tat. Hoffnungen wurden enttäuscht, Gefühle verletzt. Ich war sauer, er hatte den Stein nicht verdient und meine Liebe schon überhaupt nicht. Im selben Moment fand ich einen neuen Lochstein.

Aufgenommen habe ich das Foto in meinem Spülbecken, mit tropfenden Wasserhahn, auf einem blauen Glassuppenteller. Gestern das Feuer ist ein Foto aus meinem Ölofen. Stay tuned!

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